DMG-Jahresfest: Mission hin und zurück

Flötastica und Band begeisterten mit Musik und Gesang
Flötastica und Band begeisterten mit Musik und Gesang

Ausländische Missionare kommen nach Deutschland

900 Besucher informierten sich beim Jahresfest 2016 über die weltweite Missionsarbeit
900 Besucher feierten mit

S i n s h e i m (tv). „Mission beugt Fluchtgründen vor!“ Diese Ansicht äußerte der Direktor des christlichen Missions- und Hilfswerkes „DMG interpersonal“, Dr. Detlef Blöcher. Beim DMG-Jahresfest am 24. April auf dem Buchenauerhof bei Sinsheim sagte er, in vielen Ländern gebe es extremes Elend, Bürgerkrieg und Gewalt. Hoffnungslosigkeit treibe die Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen, sich Schleppern anzuvertrauen und die riskante Überfahrt zu wagen. „Darum ist es heute nötiger denn je, Missionare und christliche Entwicklungshelfer zu entsenden“, erklärte Blöcher den 900 Gästen des Jahresfestes. Menschen müssten in ihrer Heimat eine Zukunft sehen und ihr Land aufbauen. „Dazu tragen Missionare maßgeblich bei. Sie sind Hoffnungsträger, bauen Schulen auf, helfen medizinisch, unterstützen Randgruppen, geben Frauen Würde und bringen den Menschen die Botschaft der Liebe Gottes.“ Das verbessere das Leben der Menschen und vermittle ihnen Hoffnung, sodass sie sich nicht mehr zu einer Flucht gezwungen sehen, sagte Missionsleiter Blöcher. Die bedürftigsten Länder seien oft gleichzeitig die Regionen der Welt, wo das Evangelium noch nicht bekannt sei. Blöcher bat die Zuhörer eindringlich um die verstärkte Entsendung von Mitarbeitern ins Ausland.

50 DMG-Missionare unter Flüchtlingen bis 2017

Dr. Detlef Blöcher stellte einen neuen Arbeitszweig der DMG vor: Missionare aus anderen Ländern kommen nach Deutschland
Missionsleiter Blöcher

Gleichzeitig erlebe die DMG eine ermutigende Gegenbewegung: „Mission kommt zurück in unser Land!“ Erfahrene Missionare von ausländischen Partnern wollen nach Deutschland, um die Kirchen hierzulande in ihren Aufgaben zu unterstützen – mutlose Gemeinden zu stärken, Kirchenferne mit Jesus bekannt zu machen und Flüchtlinge mit Gottes Liebe zu beschenken. Der DMG lägen zahlreiche solche Anfragen vor. „In zehn Tagen kommt ein Team von Christen aus Nahost nach Berlin, um unter Arabern zu evangelisieren“, berichtete Blöcher in seiner Ansprache. Die DMG baue Strukturen auf, um ausländischen Missionaren mit Sprachkenntnissen in Arabisch, Türkisch und Persisch einen Einsatz in Deutschland zu ermöglichen. Drei Mitarbeiter der DMG-Heimatzentrale, Günther und Rosemary Beck sowie Stefan Henger, seien beauftragt, diesen neuen Arbeitszweig aufzubauen. „In den nächsten Tagen sind mehrere Leiter von Partnerorganisationen bei uns zu Gast, um einen Einsatz ihrer Missionare aus USA, Kanada und Korea vorzubereiten“, berichtete Blöcher. Bis Ende 2017 erwarten wir 30 ausländische Missionare – zusätzlich zu den 20 DMG-Mitarbeitern, die heute bereits vollzeitlich Migranten in Deutschland helfen.


Predigt von Günther Beck

Botschaft von Detlef Blöcher


„Danke, Gott, für meinen muslimischen Nachbarn!“

Günther Beck machte den Christen Mut, dankbar für ihren muslimischen Nachbarn zu sein
Pfr. Günther Beck

Pfr. Günther Beck, der früher in Nordafrika arbeitete, machte den Zuhörern beim Jahresfest Mut, offen und ohne Furcht auf Muslime zuzugehen. Im Podiumsgespräch betonte Beck, dass er dankbar für seine neuen muslimischen Nachbarn sei: „Sie sind Menschen – nicht Vertreter einer Religion“, sagte Beck. Es sei wichtig, dass sie Christen im Alltag erleben, die ihre Freundschaft suchten und deren Glaubensaussagen ihrem Leben im Alltag entsprechen. Auch mache Freude, die kulturelle Vielfalt zu entdecken. „Mein neuer Nachbar kennt interessante Kochrezepte, Kleidung, Musik, Sprichwörter und Redewendungen.“ Vielleicht fänden Christen in ihren muslimischen Nachbarn sogar Verbündete, wenn es um die Verteidigung wichtiger Werte wie Familie, Respekt vor dem Alter und die Individualität der Geschlechter gehe. „In der Begegnung mit Muslimen treffen wir auf Menschen, die wissen, dass sie von Gott geschaffen sind und ihm einmal Rechenschaft für ihr Leben ablegen müssen.“ Das sei ein guter Anknüpfungspunkt für Glaubensgespräche, sagte Beck.

Entspannt und unverkrampft auf die Menschen zugehen

Podiumsgespräch mit Günther Beck (l. / DMG) und Andreas Banse (3.v.l. / Leiter SAM-Sinsheim).
Podiumsgespräch

Christen sind von besonderer Bedeutung für die Integration von Muslimen in der deutschen Gesellschaft. Das betonte der Leiter des Sinsheimer Integrationscafés SAM, Andreas Banse: „Muslime, die neu bei uns ankommen, erwarten ein christliches Land. Es ist ein Schock für sie, auf eine säkularisierte Gesellschaft zu treffen, in der Glaube keine Rolle spielt.“ Nahezu alle Flüchtenden seien gläubige Menschen. Religion sei ein wesentlicher Teil ihres Lebens und wichtiges Gesprächsthema. Deshalb schätzten Muslime engagierte Christen als echtes Gegenüber. Die meisten freuten sich sehr, wenn Christen das Gespräch mit ihnen suchten. „Da sind gläubige Menschen, die sich auf Augenhöhe begegnen, – das gibt Einwanderern ein Gefühl von Sicherheit.“ Banse wörtlich: „Geht entspannt und unverkrampft auf Muslime zu und erklärt ihnen aus der Sicht eines gläubigen Christen die deutsche Gesellschaft.“

Mission ist oft die nachhaltigere Entwicklungshilfe

Simon und Dr. Carina Gruber (2.u.3.v.r.) sind als Missionare in Uganda tätig.
Simon und Dr. Carina Gruber (2.u.3.v.r.)

Mission und der Aufbau christlicher Gemeinden helfen einer Gesellschaft oft mehr als ein wohlmeinendes Entwicklungsprojekt. Das erklärte Missionar Simon Gruber beim DMG-Jahresfest. Der Theologe arbeitet mit seiner Frau, einer Tierärztin, unter den 1,8 Millionen Halbnomaden Karamojong im Nordosten Ugandas. Er kenne Dutzende misslungene Entwicklungsprojekte, die an den Bedürfnissen der Menschen vorbeigehen. Zum Beispiel werde pauschal Spendenwerbung für ein westliches Publikum betrieben, mit der Halbwahrheit, dass Karamojong weniger als einen Euro pro Tag verdienten. Das sage jedoch nichts über die realen Vermögensverhältnisse der Viehhirten aus. Selbst ohne einen Cent in der Tasche sei ein Karamojong mit zehn Frauen, 30 Kindern und 500 Rindern alles andere als arm. Mission dagegen helfe wirklich. „Missionare leben jahrelang bei den Menschen vor Ort und wissen mit der Zeit, was diese wirklich benötigen.“ Bei den Karamojong sei Tiermedizin ein Schlüssel, weil die Herden ihr wertvollstes Gut sind. „Wenn meine Frau ihre Tiere heilt, sorgt sie für den Lebensunterhalt der Hirten und schenkt Hoffnung.“ Mehr noch helfe, wo das Evangelium Menschen verändere und eine einheimische Gemeinde entstehe. „Diese kümmert sich selbst um ihren Nachbarn, dessen Hütte gerade abgebrannt ist, – ganz ohne Unterstützung von außen.“

Hörbibel befreit Indianer von Alkohol

Pfr. Bernhard Grupp ist begeistert von Mission.
Berhard Grupp und Monika Mench

„Mission – Gott sei Dank!“ war Motto des DMG-Jahresfestes. „Auch viele der 3.600 Canela-Indianer im brasilianischen Regenwald schätzen Mission“, erklärte Pfr. Bernhard Grupp den 900 Besuchern. Grupp lebt seit 2002 mit seiner Familie in einem Canela-Dorf. Sie haben die Sprache erlernt, Teile der Bibel übersetzt und als Hörbuch vertont. „Durch Gottes Wort tief berührt haben sich Canelas für Jesus entschieden“, erzählte Grupp. „Es ist eine Gemeinde entstanden, wir haben gemeinsam eine Kirche gebaut.“ Ein Mann sei durch die neue Hörbibel auf MP3 vom Alkohol freigekommen. Der Indianer habe gerade eine Flasche Schnaps öffnen wollen, als sein Nachbar laut die Bibel angehört habe. Er habe sich gedacht: „Du säufst, während dein Nachbar auf Gott hört? Das kann nicht sein.“ So habe er die Schnapsflasche beiseite gestellt, mit zugehört und sich für ein Leben mit Jesus entschieden. „‘Jesus erleuchtet mein Gewissen und er bringt mir Heil‘, sagt der Canela-Mann heute“, so Grupp. Viele im Indianerdorf seien Familie Grupp sehr dankbar, weil sie als Missionare zu ihnen gekommen sind.

Nachts draußen bei den Skorpionen

Dr. Gisela Roth las aus ihren neuen Kinderbuch vor.
Dr. Gisela Roth

… heißt das neue Kinderbuch der DMG von Ärztin und Psychoterapeutin Dr. Gisela Roth, die als Seelsorgerin für Kinder und Erwachsene in Kenia arbeitet. Roth las ein spannendes Kapitel und stellte das Buch im Plenum vor. Es beschreibt den Alltag von „Drittkulturkindern“, die in der Fremde aufwachsen, mit ihren Sorgen und Freuden. Missionsleiter Blöcher würdigte Roths neues Kinderbuch. Es sei auch gut für Erwachsene geeignet, die sich für das Leben und den Alltag von Missionarskindern interessieren und für diese beten. Gisela Roth signierte den Gästen ihre frischerworbenen Exemplare.

Musik von Flötastica und interaktive Ausstellung

Musik, Ausstellung und Rahmenprogramm begeisterten beim Jahresfest 2016
Beim Büchertisch

Eindrucksvoll war auch eine Präsentation mit rund 80 Völkern, die durch DMG-Missionare erstmals mit dem Evangelium in Berührung gekommen sind: darunter die Mamusis, Elseng, Orma, Pwo-Karen, Arowes, Gudschis, Shoa, Wai Wai, Kayapos und viele mehr. „Mission – Gott sei Dank.“ In der interaktiven Ausstellung der Projekte der DMG konnten Teilnehmer des Jahresfestes auf eine große Tafel schreiben, warum sie dankbar sind: Danke für die Bibel in meiner Sprache. Für Gemeinden, die Missionare senden. Für mein Leben als Missionarskind. Dass Jesus mich liebt. Dass ich ihm trotz meiner Fehler und Schwächen dienen darf. Ein bunter Blumenstrauß an Dank. Denn das Jahresfest war eine Veranstaltung zum Jahr der Dankbarkeit, mit dem Kirchen und Verbände 25 Jahre Wiedervereinigung feiern. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung vom Duo Flötastica mit Band. Manuel Fricke begeisterte als Flötenvirtuose, Thomas Schüttler am Klavier. Parallel erlebten rund 100 Kinder ein spannendes Programm mit kreativem Theaterstück, Bibelgeschichte und Spielstraße.

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