DMG-Herbst­missionsfest 2016

Lebendige Gemeinden engagieren sich für die Welt

1.200 Gäste informierten sich beim Herbstmissionsfest 2016 über Projekte und Missionsarbeit in aller Welt
1.200 Gäste informierten sich beim Herbstmissionsfest über Missionsarbeit in aller Welt

Dank an 3.284 unterstützende und 500 sendende Gemeinden

Anette Bauscher, Perlenschatz
Anette Bauscher, Perlenschatz

Auf die Not zwangsverheirateter Frauen in muslimischem Kontext hat die Gründerin und Leiterin des Vereins „Perlenschatz“, Anette Bauscher (Wetzlar), aufmerksam gemacht. Weltweit seien rund 700 Millionen Frauen zwangsverheiratet, 250 Millionen davon waren bei ihrer Eheschließung unter 15 Jahre alt. In Deutschland gebe es ihrer Schätzung nach rund 30.000 zwangsverheiratete Frauen, viele davon kamen als Flüchtlinge ins Land. „Sie führen ein Leben wie in der Sklaverei, verbunden mit täglicher Vergewaltigung ihres Körpers und ihrer Seele“, erklärte Bauscher beim Herbstmissionsfest des christlichen Hilfs- und Missionswerkes „DMG interpersonal“ in Sinsheim.


Predigt von Prof. Dr. Penner

Botschaft von Dr. D. Blöcher


Die Gesellschaft dürfe bei dieser Thematik nicht wegschauen, sagte sie vor 1.200 Besuchern. Es gelte, den Frauen Schutz und Hilfe anzubieten. Der christliche Verein „Perlenschatz“ kümmert sich deutschlandweit um Frauen und Kinder aus muslimischem Kontext, die von Gewalt in Ehe und Familie, sexuellen Übergriffen, Zwangsheirat und „Ehrenmord“ bedroht sind. Sie bieten ihnen Zuflucht in Familien und Wohngemeinschaften, Seelsorge und Therapie. Besonders bedroht seien Frauen in muslimischen Familien, die sich für ein Leben als Christin entschieden hätten. Ein Viertel aller Anfragen um Schutz erhalte Perlenschatz derzeit von Konvertitinnen, die mit dem Tod bedroht, geschlagen oder von Männern in ihrem Umfeld als „sexuelles Freiwild“ betrachtet würden, sagte Bauscher. Religionsfreiheit sei ein hoher Wert in der deutschen Gesellschaft, deshalb dürfe man auch muslimischen Frauen nicht das Recht verwehren, sich für einen anderen Glauben zu entscheiden.

Laienseelsorger sind unverzichtbar in der Flüchtlingshilfe

Psychotherapeutin Dr. Gisela Roth, DMG-Missionarin in Kenia, wies auf die besondere Bedeutung christlicher Laienhelfern in der Seelsorge hin
Psychotherapeutin Dr. Gisela Roth

„Christliche Laienseelsorger sind eine wertvolle Hilfe für traumatisierte Flüchtlinge.“ Das betonte Missionarin Dr. Gisela Roth (Nairobi) in ihrem Seminar beim Herbstmissionsfest. „Von traumatisierten Flüchtlingen, die aus Kriegsgebieten kommen oder auf ihrer Flucht Schlimmes erlebt haben, benötigen viele keine spezifische Hilfe, einige seelsorgerliche Begleitung, etwa 20 Prozent eine kurzfristige und zwei Prozent eine langfristige qualifizierte Therapie durch Fachleute“, sagte die Psychotherapeutin. Haupt- und ehrenamtliche christliche Mitarbeiter in Flüchtlingsunterkünften könnten Freundschaften zu Migranten aufbauen und im Gespräch erkennen, wer körperliche und seelische Auffälligkeiten zeige. Bei leichteren Problemen könnten sie selbst Hilfe anbieten, und bei Traumata dafür sorgen, dass Betroffene Therapie erhalten.

Migranten fragen sich, wieso Gott so viel Leid in ihrem Leben zugelassen hat – diese Fragen verstehen wir Christen.

Bei Traumatisierten komme es darauf an, dass jemand sich Zeit nehme und ihnen zuhöre, ohne sie zu bedrängen. Laien könnten Einwanderer bei Arztbesuchen begleiten, aber auch auf schweren Wegen, beispielsweise zur Beerdigung eines Kindes. Da Christen sich mit ähnlichen Glaubensfragen wie viele der Flüchtlinge beschäftigten, seien sie eine große Hilfe bei der Aufarbeitung schwerer Erlebnisse. „Manche Migranten fragen sich, wieso Gott so viel Leid und Verlust in ihrem Leben zugelassen hat – diese Fragen verstehen wir Christen.“ Es trage wesentlich zur Heilung bei, wenn Traumatisierte sich verstanden fühlten. Wichtig für Laienhelfer sei ein gutes Netzwerk an Beziehungen, wie Christen es in ihren Gemeinden haben, sodass sie Flüchtlinge bei praktischen, medizinischen und Lebensfragen mit den jeweils richtigen Helfern in Kontakt bringen könnten.

Gemeinden sollten ihre „Top-Leiter“ ziehen lassen

Theologe Prof. Dr. Peter Penner (Wien) erklärte den Zusammenhang von Gemeinde und Mission
Theologe Prof. Dr. Peter Penner

„Eine Gemeinde, die nicht an Mission teilnimmt, ist wie ein Körper, der künstlich am Leben erhalten wird.“ Es waren markante Worte, mit denen der Theologe Prof. Dr. Peter Penner (Wien) die Besucher des Herbstmissionsfestes motivierte, Mission in ihren Gemeindealltag mit aufzunehmen: „Gemeinde ohne Mission gibt es nicht“, betonte Penner, der christliche Mitarbeiter und Pastoren in Osteuropa und Zentralasien ausbildet. Für Deutschland wünsche er sich Kirchen, Freikirchen und Gemeinschaften, die ihre Mitglieder stärker dazu anhalten, Menschen sozial zu helfen und offen über ihren Glauben an Jesus Christus zu reden. „Wenn andere in Not sind, gilt es Geistliches und Materielles zu teilen!“ Es dürfe jedoch nicht bei der Mission im eigenen Umfeld bleiben. Eine „missionale Gemeinde“ übernehme auch Verantwortung für Notleidende und verfolgte Christen aus anderen Nationen und in anderen Ländern.

Eine Gemeinde, die nicht an Mission teilnimmt, ist wie ein Körper, der künstlich am Leben erhalten wird.

Als Beispiel nannte er die Gemeinde in Antiochia (Die Bibel, Apg. 13), die erst vor Ort, dann überregional und schließlich global Verantwortung übernommen hat. Vollständig sei eine Gemeinde nur, wenn sie Missionare aus den eigenen Reihen in andere Kulturen entsende, sagte Prof. Penner bei der Predigt im Festgottesdienst. Wie damals in Antiochia lasse eine sendende Gemeinde ihre „Top-Leiter“ in andere Länder ziehen, um dort die Menschen für Jesus zu begeistern. „Gott sendet die Besten in die Mission, damit die Zweitbesten sich zu den neuen Besten entwickeln können.“

Blöcher: „Sendende Gemeinden sind echte Teilhaber“

Missionsleiter Blöcher dankte den rund 500 sendenden Gemeinden der DMG-Missionare
Missionsleiter Dr. Detlef Blöcher

DMG-Direktor Dr. Detlef Blöcher dankte den 3.284 unterstützenden und 500 sendenden Gemeinden, „die ihre besten Missionare über die DMG ausgesandt haben“, für ihre langjährige Treue und Gemeinschaft in Gottes Auftrag. Wie solche Gemeinschaft aussehe, habe der Apostel Paulus im Brief an seine sendende Gemeinde in Philipper 1,3 beschrieben. Das Wort „Gemeinschaft“ in dieser Bibelstelle stamme aus der Geschäftswelt. Es bezeichne zunächst Teilhaber, Investoren oder eine Erbengemeinschaft – ein verbindliches Miteinander von Missionar und Gemeinde.

Durch eine christliche Klinik in Indien sind in den letzten Jahren 300 Hausgemeinden und 100 Schulen entstanden.

Solche Gemeinschaft habe die schwerkranke Missionarin Kirsten Dollen in den vergangenen Monaten eindrucksvoll erlebt. Sie sei von ihrer Gemeinde im Baskenland mit einem wunderschönen Gottesdienst zurück nach Deutschland gesandt worden, bei dem viele ihrer baskischen Freunde von Jesus gehört hätten. In Deutschland, wo sie derzeit medizinisch behandelt wird, sei sie von Vertretern ihrer Gemeinde in Obergünzburg am Flughafen liebevoll in Empfang genommen worden, sie organisierten medizinische Hilfe und umsorgten sie. „Durch diese Art Gemeinschaft finden Menschen zu Jesus, wachsen im Glauben, entdecken ihre Begabungen und übernehmen Verantwortung – das macht Gemeinde aus“, erklärte Blöcher. In dem Zusammenhang erzählte er von einem Arzt in Indien, dessen Krankenhaus er kürzlich besucht hat. „Aufgrund ihrer medizinischen Hilfe für Notleidende sind durch diese Klinik in den letzten Jahren 300 Hausgemeinden und 100 Schulen entstanden. Sie benötigen dringend Fachkräfte, auch aus Deutschland: medizinisches Personal, Finanz- und Computerspezialisten, Evangelisten und Sozialarbeiter, Kurz- und Langzeit“, sagte Blöcher.

Ein Fest als Dank für sendende Gemeinden

Beim Herbstmissionsfest stand der Dank für sendende Gemeinden im Zentrum
Missionare singen ...

Das Herbstmissionsfest stand ganz im Zeichen des Dankes für die sendenden Gemeinden der 350 DMG-Mitarbeiter in 80 Ländern. Es wurden viele praktische Beispiele genannt, wie Gemeinden in Deutschland sich für ihre Projekte und Mitarbeiter in Übersee einsetzen. Die Jugend einer Kirche in Oberbayern hat 47 Fenster geputzt, Kinder backten Plätzchen, andere verkauften Brot und Kuchen, um mit dem Erlös ihre Missionare zu unterstützen. Freunde ermutigen die Mitarbeiter im Ausland durch E-Mails, Videobotschaften und Päckchen mit Süßigkeiten oder schwäbischen Spätzle. Matthias Kullen (Jugendarbeit, Peru) und Martin Koch (Gemeindebau, Kenia) bedankten sich beim Publikum für diese Gesten der Verbundenheit.

Zwölf neue Langzeitmissionare stellten sich und ihre künftigen Aufgaben vor: von einem Jugendprojekt in Albanien über die Seemannsmission in Rotterdam, ein Hospiz für kranke Kinder in Südafrika bis hin zur Eheseelsorge in Deutschland. Eine besondere Ehrung erhielt Rentnerin Elisabeth Schell, DMG-Mitarbeiterin der ersten Stunde, die kürzlich ihren 90. Geburtstag feierte. Parallel erlebten mehr als 100 Kinder ihren Spaß in der Spielstraße, Piratenhüpfburg und beim Theaterstück über Königin Esther. Das DMG-Herbstmissionsfest war ein rundum gelungenes Event für die ganze Familie, das vielen Teilnehmern aufgrund seiner Vielfalt in Erinnerung bleiben wird.

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Neuer Videotrailer der DMG

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