DMG – Damit Menschen Gott begegnen

Gott lieben von ganzem Herzen und unseren Nächsten wie uns selbst (Lk 10,27).
Das Evangelium im Alltag leben
1. Wer wir sind (Identität)

Wir sind eine Dienstgemeinschaft von etwa 350 Mitarbeiter/innen in ca. 80 Ländern rund um den Globus, die evangelische Gemeinden in ihrer Sendung in die Welt unterstützt:

Alle Christen sollen Gottes Liebe an Menschen verschenken, vor Ort und weltweit. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit Partnerkirchen und -organisationen am Einsatzort: gemeinsam als Mitarbeiter in Gottes weltweitem Wirken (missio dei). Wir tun dies gemäß der Kapstadt-Erklärung der Lausanner Bewegung 2010: „Wir lieben Gott, denn er hat uns zuerst geliebt. Wir lieben die Welt, weil Gott sie liebt. Wir lieben Gottes Volk, die Gemeinde, die Gott berufen hat, um Segen und Licht für die Völker zu sein.“

2. Was wir anstreben (Vision)

Wir arbeiten für eine Welt, in der ...

  1. Menschen durch die Begegnung mit Jesus Christus heil und dadurch Gesellschaften erneuert worden sind,
  2. christliche Gemeinden ein Segen für ihre Gesellschaft sind, Gottes Liebe effektiv weitergeben und ihre Außenmitarbeiter kompetent betreuen,
  3. Gottes Herrlichkeit die Erde erfüllt, so dass alle Gottes Güte erfahren und sich entfalten können (Offb 7,9).
3. Wofür wir stehen (Grundwerte)
  1. Verpflichtet der Bibel, dem Wort Gottes, das uns klare Orientierung gibt im Glauben und Leben.
  2. Abhängig von Gott, dem wir persönlich vertrauen, auch hinsichtlich Finanzen: Die DMG wird beinahe vollständig durch Spenden getragen.
  3. Leben aus dem Gebet, in dem wir Gott loben, für seine Hilfe danken, seine Leitung suchen und um sein Handeln in der Welt bitten.
  4. Gemeinde wertschätzen und fördern, damit alle Christen ihren Auftrag leben (Matth 28,18ff).
  5. Gemeinschaft leben, einander tragen und vergeben.
  6. Vielfalt gestalten, unterschiedliche Persönlichkeiten und Frömmigkeitsstile als Bereicherung erleben.
  7. Schlicht leben, als gute Verwalter der anvertrauten Finanzen.
  8. Verbindliche Zusammenarbeit mit Partnern am Einsatzort: einheimische Kirchen, internationale oder nationale gemeinnützige Organisationen.
  9. Kulturüberschreitender Einsatz, für den spezielle Fachkenntnisse und Erfahrungen erforderlich sind.
4. Was wir tun (Auftrag)
  1. Das Evangelium im Alltag leben: Gott lieben von ganzem Herzen und unseren Nächsten wie uns selbst (Lk. 10,27).
  2. Nach Frieden, Versöhnung und Gerechtigkeit streben, die vor Gott gelten.
  3. Jesus verkündigen durch Wort, Tat und Leben; besonders dort, wo er noch nicht bekannt ist.
  4. Gemeinden unterstützen in ihrem kulturübergreifenden Einsatz, insbesondere beim Entsenden und Betreuen ihrer Mitarbeiter.
  5. Mit Internationalen Partnerwerken zusammenarbeiten: In Deutschland Mitarbeiter/innen für ihre internationalen Projekte gewinnen und ihren internationalen Mitarbeiter/innen einen interkulturellen Dienst in Deutschland ermöglichen.
  6. Christen begleiten und unterstützen, die in einer anderen Kultur leben.
5. Was wir anbieten (Programme)
  1. Missionarische Kurzeinsätze (bis 24 Monate) zur Unterstützung unserer Missionsarbeit und der geistlichen und persönlichen Entwicklung der Teilnehmer.
  2. Freiwilligendienste (6–18 Monate). Interkulturelle Begegnung, gemeinsam Lernen sowie Entwicklung neuer Kenntnisse und Kompetenzen.
  3. Individuell vermittelte Facheinsätze in Verbindung mit internationalen und einheimischen Partnern.
  4. Langfristige Missionseinsätze (24+ Monate) christlicher Fachkräften im Rahmen von Partnerkirchen und NGOs mit Schwerpunkt Förderung einheimischer Mitarbeiter.
  5. Interkultureller Einsatz in Deutschland für internationale Mitarbeiter (m/w) unserer Partnerorganisationen (vom Ausland zu uns).
  6. Umsetzung nachhaltiger Projekte in Partnerschaft mit einheimischen Hilfswerken, Partnerkirchen und internationalen Organisationen.
6. Wie wir arbeiten (Arbeitsweise)
  1. Menschen lieben, das Leben miteinander teilen und voneinander lernen. Wir achten ihre Werte und persönlichen Entscheidungen.
  2. Kulturen wertschätzen, die Gottes Reichtum widerspiegeln und große Möglichkeiten enthalten.
  3. Umfassend helfen, zur Selbsthilfe anleiten, Begabungen entdecken und Potentiale entwickeln.
  4. Qualität im Leben und Dienst, nachhaltige Projekte, die in echter Partnerschaft partizipativ entwickelt und umgesetzt werden.
  5. Integer leben, der Wahrheit verpflichtet, faire, sachliche Auseinandersetzung mit anderen Weltanschauungen.
  6. Transparenz in Finanzen und Projektzielen sowie entschiedenes Ablehnen jeder Form von Korruption.
  7. Selbstlos helfen, unabhängig von Rasse, Geschlecht und Religionszugehörigkeit.
  8. Lern- und Korrekturbereitschaft. Wir bleiben stets Lernende, stellen uns zu unseren Fehlern und sind dankbar für alle konstruktive Kritik.
7. Was wir glauben

(Grundlegende Glaubensüberzeugungen)

Wir bestätigen die Glaubensüberzeugung der Bibel, wie sie von den ersten Christen gelebt, im frühkirchlichen Apostolischen Glaubensbekenntnis formuliert, in der Reformation bekräftigt und bis heute Konsens aller christlichen Kirchen ist. Dies beinhaltet:

1. Die persönliche Erfahrung von Gottes Wirken
Christen haben das neuschaffende Handeln Gottes in ihrem Leben persönlich erfahren: Der allmächtige Gott ist in ihren Alltag hineingetreten und hat ihnen neues Leben in der Gemeinschaft mit Gott geschenkt, von höchster Lebensqualität, das über den Tod hinausreicht. Diese existenzielle Erfahrung hat ihnen den Blick für die unsichtbare Wirklichkeit geöffnet und lässt sie die Welt mit einem neuen Horizont sehen. Sie sind so überwältigt und begeistert von Gottes liebevoller Zuwendung, dass sie von Herzen motiviert sind, Gott zu lieben und ihm zu vertrauen – und von diesen Erfahrungen weiterzusagen.

2. Gott, der Schöpfer und Erhalter der Welt
Christen sind überzeugt, dass die Welt von Gott geschaffen ist. Sie ist nicht durch Zufall (Evolution) entstanden. Gott hat sie aus freiem Willen, ohne Notwendigkeit, nach seinem Plan ins Dasein gerufen: die Naturgesetze, die sichtbare und die unsichtbare (geistliche) Welt. Und Gott erhält sie; ohne seinen Willen würde sie sich sofort in nichts auflösen. Gott ist der Schöpfer; darum ist die Welt und alles in ihr sein Eigentum und unter seiner Verfügungsgewalt. Gott schreibt Geschichte und bringt die Welt zum Ziel. Gott wirkt in der Natur (Schöpfung) und der Weltgeschichte und offenbart darin sein Wesen.
Christen glauben an einen Gott, der sich in der Geschichte geoffenbart hat als der Dreieine: Gott-Vater, Sohn und Heiliger Geist. Diese drei sind Ausprägungen des einen Gottes.

3. Gott zeigt sich in Jesus Christus
Der allmächtige Gott hat sich speziell in der Geschichte Israels gezeigt – ganz besonders in der Person von Jesus Christus, der vor 2.000 Jahren im Orient gelebt hat. Jesus hat zur Umkehr zu Gott aufgerufen, einzigartige Wunder getan, Menschen geheilt, in erstaunlicher Weise in die Naturgewalten eingegriffen und sich selbst als Erfüllung der alten Prophezeiungen Israels (über den kommenden Retter, den Messias = Christus) bezeichnet. Jesus hat eine einzigartige Beziehung zum allmächtigen Gott gelebt, den er seinen Vater genannt hat. Darum nennen Christen ihn „den Sohn“ bzw. „Sohn Gottes“ – nicht weil Jesus durch einen sexuellen Zeugungsakt entstanden wäre, sondern weil sich Gottes Wesen in ihm in einzigartiger Klarheit widerspiegelt: In Jesus haben Menschen erkannt, wer Gott ist; in der Begegnung mit ihm haben sie Gottes Herrlichkeit, Gerechtigkeit und Liebe erfahren. Jesus ging freiwillig ans Kreuz und nahm die natürliche Folge unseres Verhaltens auf sich. Nach drei Tagen ist Jesus auferstanden von den Toten und hat seine Jünger noch 40 Tage gelehrt, bis er in Gottes unsichtbare Welt gegangen ist (Himmelfahrt) und zehn Tage später (an Pfingsten) den „Heiligen Geist“ zu denen gesandt hat, die Jesus Christus nachfolgen. Jesus hat seine Rückkehr am Ende der Zeit angekündigt: dann werden alle Toten auferstehen; Jesus wird Recht sprechen über alle Menschen – kein Verbrecher wird seiner gerechten Strafe entgehen – und Gott wird seine neue, ewige Welt aufrichten. Christen sind überzeugt, dass der Mensch eine persönliche Beziehung (Freundschaft) mit seinem Schöpfer braucht, damit das Leben hier und in Ewigkeit gelingen kann. Darum bekennen sie Jesus als „Retter der Welt“ und ihren persönlichen Herrn.

4. Heiliger Geist
Der Heilige Geist wirkt bereits seit Ewigkeit, er wirkte bei der Schöpfung der Welt und hat Propheten zu ihrem Dienst befähigt. Seit dem historischen Pfingsten vor 2.000 Jahren erfüllt er alle Nachfolger von Jesus und gibt ihnen Freude und Mut, von Jesus zu reden. Er gibt besondere geistliche Fähigkeiten: z.B. Weisheit zum Reden, Vollmacht im Handeln, die Kraft, Gott zu lieben und den Nächsten wie uns selbst, ein selbstloses Leben zu führen und die Fähigkeit, verschiedene Gaben im Dienst und Leben einzusetzen. Er schafft Leben und öffnet das Herz von Menschen für Gottes Wahrheit.

5. Bibel
Für Christen ist die Bibel Autorität, weil sich Gott darin in besonderer Weise offenbart. Darum nennen sie es Wort Gottes. Von Dutzenden Autoren über viele Jahrhunderte hinweg geschrieben, ist sie Gottes Liebesbrief an uns Menschen. In der Bibel zeigt Gott sein Wesen und seine Wahrheit: wie er über uns Menschen denkt und wie wir leben sollen. Darum lesen Christen dieses Buch sorgfältig und suchen seine eigentliche Bedeutung immer wieder neu zu ergründen, zu reflektieren, um Gottes Wahrheit zu verstehen. Sie erbitten dabei die Leitung durch den Heiligen Geist.
Diese Verpflichtung gegenüber der Bibel stellt Christen aber nicht gegen das bürgerliche Gesetz ihres Landes, im Gegenteil: Römerbrief 13,1 lehrt klar, dass Christen das zivile Gesetz achten, ihre Regierung anerkennen und konstruktiv ihre Verantwortung als Staatsbürger wahrnehmen. Sie wollen andere Menschen – gleich welcher Überzeugung, Weltanschauung und Lebensweise – höher achten als sich selbst. Christen sehen jeden Menschen als von Gott geschaffen an und darum mit unendlichem Wert und Würde ausgestattet, so dass sie diesem mit Liebe und Respekt begegnen und sein/ihr Bestes suchen.

6. Mensch
Nach christlichem Verständnis ist der Mensch im Bild Gottes geschaffen, d.h. mit Würde und Freiheit ausgestattet. Vor allem ist er in die Gemeinschaft zu seinem Schöpfer berufen, in dem sein Leben Grundlage und Erfüllung findet. So wie unsere Lunge Sauerstoff benötigt, damit unser Körper leben kann, benötigt unser innerer Mensch die Gemeinschaft mit seinem Schöpfer, um sich entfalten zu können. Die Menschen haben jedoch Gott misstraut und sich von ihrem Schöpfer gelöst. Sie haben damit ihre Lebensader mutwillig durchtrennt, sich ihre Lebensgrundlage entzogen. Sie haben sich von Gott entfremdet, was die Bibel als Sünde bezeichnet. Dies führt zu Tod und Vergänglichkeit, wie sie alles Leben heute prägt, und zeigt die Unentrinnbarkeit der Folgen der Sünde. Seitdem wird jeder Mensch ohne Antenne für Gott geboren; er muss deshalb physisch und geistlich sterben. Gott aber hat sich mit dieser Katastrophe nicht abgefunden, sondern einen Retter angekündigt, den Messias, der die Folgen der Rebellion (Trennung von Gott) auf sich nehmen und die Menschen wieder mit Gott versöhnen würde: Jesus Christus. Gott tat das, was für uns Menschen unmöglich ist, und er schenkt heute Freiheit und neues Leben. Diese Errettung ist Gottes freies Geschenk; dazu können wir nichts als eigene Leistung beitragen.

7. Rettung als freies Geschenk
Das ist die gute Botschaft von Jesus Christus (griech. Evangelium), dass Gott einen rebellierenden Menschen, der sein Leben verwirkt hat, freispricht und die schrecklichen Folgen seines alten Lebens auf sich nimmt, d.h. auf Jesus Christus überträgt. Gott selbst zahlt die Zeche, und der Mensch darf neu anfangen. Diesen Neustart im Leben bietet Gott jedem Menschen als freies Geschenk an.

8. Persönlicher Glaube
Glaube meint ein persönliches, existentielles Vertrauen, nicht eine Vermutung als Ersatz für Wissen. Gottes Geschenk des neuen Lebens muss persönlich angenommen werden, damit die objektive Wahrheit auch für den Einzelnen wirksam wird. Damit beginnt ein neues, erfülltes Leben in der engen Beziehung zu Jesus.

9. Christliche Gemeinde
Christen brauchen verbindliche Gemeinschaft mit anderen Christen, damit sich das neue Leben gut entfalten kann: eine lokale Gemeinde. Denn jede/r hat nur bestimmte Begabungen und Erfahrungen und benötigt die gegenseitige Ermutigung und Ergänzung, den „Christus“ im Bruder/Schwester. Die lokalen Gemeinden sind Teil der weltweiten Gemeinde von Christen.

10. Evangelium weitergeben
Die Botschaft der liebevollen Zuwendung Gottes widerspricht allen menschlichen Vorstellungen; das konnte sich kein Mensch ausdenken. Darum muss in der Welt bekannt gemacht werden, dass es die Möglichkeit zur Versöhnung mit Gott, zur Lebenswende und einem Neustart im Leben durch Jesus Christus gibt. Diese Botschaft darf aber niemanden aufgedrängt werden. Sie soll freiwillig und bewusst angenommen – oder kann auch abgelehnt werden. „Glaube“ heißt „Vertrauen schenken“, und das geht nur freiwillig.

8. Wie wir Mission verstehen

Mission (lat. Missio) bedeutet Sendung der Christen in die Welt, lokal und global:

1. Gott selbst sendet
Gott-Vater sandte vor 2.000 Jahren seinen Sohn Jesus Christus auf die Erde; Gott-Vater und der Sohn sandten seit Pfingsten den Heiligen Geist auf alle Nachfolger von Jesus; Gott-Vater, Sohn und Heiliger Geist senden alle Christen in die Welt, um Menschen und Völker zu segnen. Die ganze Kirche soll teilhaben an Gottes Mission (lat. „missio dei“) und Träger seines Segens sein. Diese Sendung erwächst unmittelbar aus dem Wesen Gottes: Gott handelt in der Welt, offenbart seine Herrlichkeit (Jes. 66,19), ruft Menschen in die Gemeinschaft mit sich, rettet, verändert sie und stellt sie in den Dienst. Darum wird sie als Gottes Mission bezeichnet. Im Zentrum des Missionsauftrags steht Gott und nicht der Mensch mit seiner Not, seinen religiösen Bedürfnissen oder seinem Gehorsam gegenüber einem (göttlichen) Auftrag.

2. Missionare sind Botschafter der guten Nachricht
Christen verstehen sich als Botschafter (lat. Missionar) der guten Nachricht von Jesus Christus, um in der ganzen Welt durch Leben, Wort und Tat kreativ und relevant zur persönlichen Begegnung mit dem lebendigen Gott einzuladen. Sie sind Gottes „Pressesprecher“ in der Welt.
Christen halten es für ein Grundrecht, dass jeder Mensch das Evangelium hören kann. Wie ein Mensch auf diese Botschaft antwortet, ist jedem frei überlassen.

3. Beschenkte schenken weiter
Christen verstehen sich als Menschen, die von Gott großzügig beschenkt worden sind und diese persönliche Erfahrung mit anderen teilen möchten. Das ist ein Ausdruck ihrer Freude an Gott, ihrer Begeisterung und Dankbarkeit. Sie wollen zudem Menschen in Not selbstlos und uneigennützig helfen, denn sie sehen jeden Menschen an als im Bild Gottes geschaffen und deshalb von unendlichem Wert und mit unvorstellbarer Würde ausgestattet.
Darum begegnen sie anderen mit großem Respekt und tolerieren deren Lebensweise und Grundüberzeugung, wie immer diese auch sein mag. Sie halten jegliche Art von Überredung, Druck oder gar Gewaltandrohung für unmoralisch und lehnen diese entschieden ab; weil es dem Geist und dem Leben von Jesus fundamental widerspricht.

4. Mission in der Kraft des Heiligen Geistes
Der Heilige Geist ist Motor der Mission; er öffnet Türen, überführt Menschen von ihrer Trennung von Gott und ermutigt zur Fürbitte. Er befähigt die Gemeinde und Botschafter von Jesus zum engagierten Dienst in der Welt.

5. Jesus Christus, der Weg zum Heil
Christen verstehen Jesus Christus als die vollständige Offenbarung Gottes und den Weg zum Heil, als auferstandenen und wiederkommenden Herrn, als Retter und Richter der Welt. Sie sind überzeugt, dass Gott sich zudem auch in der Natur und im menschlichen Gewissen bezeugt hat. Deshalb erkennen sie auch in anderen Religionen Spuren von wahrer Erkenntnis, die aber nicht zum Heil führen. Darum bemühen sie sich um einen respektvollen Dialog mit Anhängern anderer Weltanschauungen. Dieser kann aber nicht den Ruf zur Umkehr und zum Glauben an Christus ersetzen. Christen besitzen nicht die Wahrheit, sondern die Wahrheit hat sie in Beschlag genommen. Sie sind auf dem Weg mit Jesus, bleiben stets Lernende, offen für neue Erkenntnisse und Führungen.

6. Ein Auftrag an die ganze Gemeinde
Dieser Auftrag gilt der ganzen christlichen Gemeinde, wobei die örtlichen Gemeinden vorrangig verantwortlich sind. Missionswerke sollen der verlängerte Arm der Gemeinden sein. Ohne Gemeinden gibt es keine Mission, und ohne Mission gibt es keine Gemeinde. Gemeindegründungen in anderen Kulturen sollen aber nicht „Filialen“ der sendenden Kirche sein. Ziel ist, dass Gemeinden entstehen, die das Evangelium in einer kulturell passenden Form leben.

7. Heil, nicht nur Heilung
Christen halten die Abwendung des Menschen von Gott, seinem Schöpfer, für das Grundproblem der Welt, das sich in persönlichem Egoismus, Machtstreben, Ausbeutung, Krieg und Umweltzerstörung äußert. Darum sehen sie eine dauerhafte Lösung nicht in sozialen, wirtschaftlichen oder politischen Veränderungen – das würde nur Symptome kurieren –, sondern in der tiefgreifenden Versöhnung mit Gott durch Jesus Christus. Es reicht nicht, einen Menschen aus dem Slum zu holen, der Slum muss aus dem Menschen heraus. Christen bekennen: wir kennen keinen anderen, der dazu fähig wäre, nur Jesus Christus. Darum nennen sie ihn Retter der Welt.  

8. Eine Botschaft für alle Kulturen
Christen sehen dieses Grundproblem bei Menschen in allen Kulturen, darum wollen sie die gute Nachricht von Jesus Christus überall bekannt machen. Das beginnt in den traditionell christlichen Ländern, die durch Materialismus und fortschreitende Säkularisierung das Evangelium kaum noch kennen, und der geistlichen Erneuerung bedürfen. Es setzt sich fort in Ländern, in denen einheimische Kirchen um externe Fachkräfte bitten und Missionare einladen. Sie arbeiten dort in Partnerschaft und leisten ihren Fachservice unter einheimischer Leitung. Als kirchliche Mitarbeiter gelten sie vor Ort sowohl als Missionare wie auch als berufliche Fachkräfte. Die Botschaft von Jesus Christus gilt auch für Kulturen, in denen es bisher keine christliche Gemeinde gab. Auch sie haben das Recht, das Evangelium zu hören, um dann eine informierte Entscheidung treffen zu können.
Die meisten Kulturen sind immens religiös, so dass ein agnostischer Lehrer viel mehr Ablehnung erfährt und ein säkularer Entwicklungshelfer als größerer weltanschaulicher Eingriff in ihre Kultur empfunden wird, denn ein christlicher Missionar.

9. Menschenrecht, das Evangelium zu hören und weiterzugeben
Christen treten entschieden ein für die Menschen und die allgemeinen Menschenrechte. Sie schließen ausdrücklich das Recht ein, die eigene Religion (Weltanschauung) privat und öffentlich zu leben und sie weiterzugeben (Mission), sowie die Religion freiwillig wechseln zu können (Religionsfreiheit). Jede Verkündigung muss in respektvoller Weise geschehen und es darf kein Druck ausgeübt werden.

10. Verkündigen in Wort und Tat
Christliche Gemeinden haben eine soziale Verantwortung für die Gesellschaft; Hilfe für Arme und Unterdrückte ist ein Ausdruck der Liebe Gottes zu uns Menschen. Deshalb ist soziales Handeln ein natürlicher Teil des praktischen Christseins und kann nicht vom Missionsauftrag abgekoppelt werden. Versöhnung mit Gott führt zur Versöhnung zwischen Menschen, und eine neue Lebensausrichtung durch Gott führt zu entschlossenem Eintreten für Gerechtigkeit und Frieden. Botschafter von Jesus werden die Gesellschaft, in der sie leben, sorgfältig analysieren, um ihre Strukturen, Werte und Bedürfnisse zu verstehen und die Botschaft der Liebe Gottes angemessen weitergeben zu können. Sie wollen das Evangelium verkündigen und leben. Gottes Liebe will sichtbar werden. Das bedeutet, demütig den Zugang zu den Menschen zu suchen und sich mit ihrer sozialen Wirklichkeit und ihrem Leiden soweit als möglich zu identifizieren. Dies kann nicht ohne persönliche Opfer geschehen. 

11. Damit alle von der heilenden Kraft des Evangeliums erfahren
Botschafter von Jesus werden alles daran setzen, den Menschen ihrer Gastkultur ganz nahe zu sein. Sie akzeptieren die Menschen, wie sie sind, und wollen von ihnen lernen. Alle Kulturen – einschließlich unserer westlichen – sind einerseits einzigartig und wertvoll, andererseits von Menschen gestaltet und daher auch von Zerstörerischem durchdrungen. In jeder Kultur gibt es Elemente, die Menschen belasten, unterdrücken oder gar zerstören. Sie gilt es zu überwinden, sonst würde Unterdrückung sanktioniert. Das Evangelium soll die Kultur bereichern, anregen und beleben, wobei die Entscheidungen einzig von den Angehörigen der Kultur selbst getroffen werden sollen und nicht von einem Gast. Christliche Mission ist damit aktiv kulturerhaltend. Viele Kulturen und ihre Sprachen gäbe es nicht mehr, ohne den unermüdlichen Einsatz von Missionaren, insbesondere in Linguistik (Sprachwissenschaft), Medizin und Ethnologie (Völkerkunde). Durch das Evangelium werden sich Menschen unterschiedlicher Kulturen, Hautfarbe und Sprache als Teil der globalen Menschheit verstehen.

12. Im globalen Dialog
Das Evangelium ist keine westliche Religion, sondern im Orient entstanden. Der allmächtige Gott hat sich in der Geschichte Israels offenbart, so bekennen Christen, und diese gute Nachricht wurde über die Türkei nach Europa getragen. Im heutigen Irak, Syrien, Ägypten, Nordafrika, Äthiopien, Jemen und Indien gab es schon früh große Kirchen, lange bevor die Germanen vom Evangelium hörten. Die ersten 1.000 Jahre waren Europäer (und erst recht Nordamerikaner) eine kleine Minderheit unter den Christen, und sie sind es seit einiger Zeit wieder. Während im „christlichen Abendland“ die Entchristlichung fortschreitet, wachsen die Gemeinden in Asien, Afrika und Lateinamerika rapide, so dass heute zwei Drittel der Christen braune, schwarze und gelbe Hautfarbe haben. Die Christenheit heute ist wesentlich vom globalen Süden (2/3-Welt) geprägt. Das gilt auch für die christliche Mission: die Mehrheit der ev. Missionare kommt heute aus Indien, Korea, von den Philippinen, Brasilien und Nigeria – nicht mehr aus Nordamerika und Europa. Sie leben ihre Spiritualität in Wort und Tat. Da haben wir viel voneinander zu lernen und können uns gegenseitig in der Ausbildung von Mitarbeitern und Entwicklung neuer Gemeindeformen unterstützen.

© DMG, März 2014