Ein Kleinod im Kraichgau

Beim DMG-Erlebnistag informierten sich Menschen aus der Region über die weltweite Missionsarbeit
Schloss Buchenauerhof: Heimatzentrale der DMG

Das idyllische Schlösschen: Heimatzentrale der DMG

Wer auf der schmalen Kreisstraße von Waldangelloch nach Weiler unterwegs ist, kommt an einem Kleinod des Kraichgau vorbei: dem romantischen Schlösschen Buchenauerhof. Über Wiesen und Pferdekoppeln fällt der Blick auf die zwischen mächtigen Bäumen verborgene hübsche Sandsteinfassade und den Rundturm. Früher nannte man dieses Landgut aus dem 17. Jahrhundert „Ziegelhof“, was wohl auf die reichen Lehmvorkommen zurückzuführen ist. Die Buchenwälder rund um das Schloss lassen erahnen, weshalb der Name im vergangenen Jahrhundert geändert wurde. Schloss Buchenauerhof ist heute die Heimatzentrale des christlichen Hilfswerkes DMG. Von hier aus sind rund 400 Mitarbeiter in 78 Länder weltweit entsandt.

Die Geschichte des Buchenauerhofs ...

lässt sich zurückverfolgen bis vor den 30-jährigen Krieg. In der „Kraichgauforschung“ von Dekan H. Schuchmann finden sich folgende Aufzeichnungen: „Nach dem 30-jährigen Krieg bemühten sich die Herrschaften von Venningen, mit Sitz in Eichtersheim bei Sinsheim (Kraichgau), schweizer Mennoniten auf ihre abgebrannten Höfe und brachliegenden Felder zu bekommen. Die Mennoniten waren hervorragende Landwirte von ungewöhnlichem Fleiß, sittsam und streng gläubig. Auch der Ziegelhof (heute Buchenauerhof genannt), der schon im 16. Jahrhundert erbaut worden war, kam damals unter die Verwaltung einer Mennoniten-Familie. In den Häusern der Siedler wurde ein größerer Raum als 'Bethaus' eingerichtet, bei vielen mit dem Wandspruch: 'Mein Haus soll ein Bethaus heißen für alle Völker', Jesaja 56,7.“

Ein Bethaus für die Völker

Diese Worte wurden der DMG 1986 bekannt – und sie lösten Verblüffung aus: Hatte man doch denselben Bibelvers schon in den 1970er-Jahren groß als Leitwort in der Kapelle des Schlosses aufgehängt. Gebet und die Verkündigung der Frohen Botschaft in Wort und Tat sind für die DMG schließlich von zentraler Bedeutung. (Übrigens: Mennoniten gibt es heute noch in Sinsheim (Gemeindezentrum, Am Mönchsrain 2). Sie sind die älteste ev. Freikirche der Region und haben über die Wirren der Zeit stets ihre Eigenständigkeit und ihren gelebten Glauben bewahrt.)

Ein Fabrikant baute das Schlösschen aus

Der Buchenauerhof vor 120 Jahren

1860 kaufte der Gold- und Silberwarenfabrikant Karl August Denning aus Pforzheim das Gehöft Ziegelhof und erstellte die Hauptgebäude des heutigen Hofs. 1888 übernahm Fabrikant August Benckiser, ein Freund Dennings aus Pforzheim, den Buchenauerhof und ließ das Herrenhaus zum heutigen Schloss umbauen. Eine Wendeltreppe aus behauenem Sandstein wurde beim alten Schloss in Waldangelloch abgetragen und stilvoll in den Umbau integriert. Aus dieser Zeit stammt das mächtige Walmdach mit Türmen und schwarz glasierten Ziegeln. Mehrmals wechselten die Besitzer. 1940 wurde das Gut von Fam. E. Sprenger sen. übernommen.

Ideal gelegen für die DMG

1971 erwarb die DMG einen Teil des Geländes mit dem Herrenhaus. Die DMG, deren Arbeit alleine durch Spenden finanziert wird, bemüht sich mit großem Aufwand, Schloss Buchenauerhof zu erhalten. Nach Renovierungsarbeiten (seit 2001) an Dach und Fassade erstrahlt das Hauptgebäude des ehemaligen Gutshofes wieder in neuem Glanz. Das weitläufige parkähnliche Areal ist gut geeignet für die Mission: Ruhig gelegen, können sich Missionare hier von ihren herausfordernden Diensten in Übersee erholen. Zudem liegt es verkehrsgünstig nahe der Autobahn als Zubringer zu internationalen Flughäfen. Anfang der 1990er-Jahre baute der Golfclub Sinsheim das Gelände rund um das Hofgut zum Golfplatz aus. Heute wird der Buchenauerhof von der DMG, dem landwirtschaftlichen Betrieb Sprenger und dem Golfclub bewirtschaftet, die sich als gute Nachbarn verstehen.

Theo Volland
(DMG-Redakteur)