DMG-Projekt: Medien für Millionen

Wie Partner der DMG im Nahen Osten, Nordafrika und Zentralasien die Botschaft der Bibel in jedes Wohnzimmer tragen – über Radio, Fernsehen, Web und Soziale Netze

Trans World Radio

Ein Teil des Teams von Trans World Radio Zypern, mit DMG-Missionar Peter Fuss (vorne)
Ein Teil des TWR-Teams auf Zypern, mit DMG-Missionar Peter Fuss (vorne)

Ein schattiger Hinterhof, irgendwo im Nahen Osten. Uns gegenüber sitzt eine dynamische Christin, die strahlend ihr Medienprojekt „Women of Hope“ beschreibt. Mit viel Elan erklärt sie, wie ihr Team von „Trans World Radio“ benachteiligten Frauen in der Arabischen Welt über Radio, Filme und Soziale Medien eine Stimme gibt und sie mit Hoffnung beschenkt. Die Aufgabe bereitet ihr sichtlich Freude. Sie zeigt uns die Studios und Büros ihrer Kollegen, die meisten wie sie Araber, die hier, mitten im Nahen Osten, christliches Radio produzieren. Bedeutung gewinnt derzeit ihre Android-App „TWR Arabic“, über die Arabischsprachige in aller Welt von Jesus hören.

Straßenszene in der Arabischen Welt
In der Arabischen Welt

Einer davon ist Zacharias, dem wir am Abend danach in seiner Gemeinde in derselben orientalischen Stadt begegnen. Der raue, muskulöse Mann um die 30 ist ein Flüchtling aus Bagdad. „Vor ein paar Jahren hatte ich eine Vision“, erzählt er. Jesus sei ihm erschienen und habe gesagt, er solle ihm folgen. „Seither lese ich die Bibel“, lächelt der Iraker. Zacharias floh vor dem Krieg nach Griechenland. Dort hörte er TWR-Sendungen über die Bibel. „Es traf mich mitten ins Herz“, schildert der Mann mit Basecap seine Gefühle. „Ich wollte, dass auch meine Familie von Jesus hört“, also kehrte er in seine Heimat zurück. An diesem Abend in der Gemeinde im Nachbarland sind sein Bruder und seine Mutter mit in der Kirche – und sie glauben inzwischen an Jesus.

Zacharias hörte TWR-Radio: „Es traf mich mitten ins Herz“, sagte er. „Ich wollte, dass auch meine Familie von Jesus hört.“

Von den 105 Partnerwerken der DMG ist TWR das älteste. Schon unser erster Missionar, Helmut Gaertner, reiste 1953 zu TWR nach Spanien aus. Heute sind die Sendungen von Trans World Radio in 230 Ländern zu hören, das hat Wirkung: Eine Frau aus Portugal meldete sich und schilderte, wie die Programme ihr Leben verändern. „Ihr seid meine Kirche!“, dankte sie den Mitarbeitern am Telefon. In ihrer Stadt kenne sie keine Christen sonst.

Christliches Radio für die Staaten entlang der Seidenstraße
Radio für die Seidenstraße

Auf Zypern besuche ich ein anderes Büro von TWR. Hier haben sie 15 Mitarbeiter, darunter DMG-Missionar Peter Fuss. Sie unterstützen Partner im Nahen Osten, Nordafrika und entlang der Seidenstraße – wo es Millionen Menschen gibt, die Jesus nicht kennen. „Besonders wichtig ist unsere Arbeit für verfolgte Christen, das bauen wir aus“, erklärt mir Evelyn, eine Kollegin von Peter. „Wir ermutigen sie übers Radio durch Sendungen über die Bibel und durch Lebensberichte von Brüdern und Schwestern weltweit, die ähnliches durchmachen.“ Christliches Radio für Tadschikistan gibt es bisher nur von TWR. Eine Frau dort habe zufällig die Sendungen gefunden. „Seit ich euch höre, habe ich wieder Hoffnung“, schrieb sie dem Sender.

Middle East Media

MEM-Europadirektorin Jolita Paton im Gespräch mit DMG-Direktor Günther Beck
MEM-Europadirektorin Jolita Paton im Gespräch mit DMG-Direktor Günther Beck

Jüngster Partner der DMG ist Middle East Media (MEM) – seit April 2019, als Europadirektorin Jolita Paton (London) den Buchenauerhof besuchte. MEM ist gut etabliert in der Arabischen Welt und möchte jungen Deutschen über die DMG Kurzeinsätze ermöglichen, betonte sie. 1975 von einem arabischen Pastor gegründet, geben sie das Evangelium auf kulturell einfühlsame Weise im Nahen Osten und Nordafrika weiter. 30 Jahre haben sie ein erfolgreiches Jugendmagazin in Arabisch herausgegeben. Später produzierten sie Videos und schulten mehr als 12.000 Araber in diesem Sektor. Daraus entstand der Fernsehsender SAT-7, heute eine eigenständige Organisation (siehe unten). MEM hat zwei Produktionsstätten im Nahen Osten und zwei Büros im Westen, sie beschäftigen knapp 70 Mitarbeiter.

12.000 Araber für Medienproduktion ausgebildet
12.000 Araber ausgebildet

„Wir produzieren christliche Filme, Fernsehserien, Clips für Soziale Medien, Online-Magazine und Apps“, berichtete Jolita Paton. Als einzige christliche Organisation im Nahen Osten haben sie ein Team, das 3D-Animationsfilme herstellen kann. Ihre Produkte werden von 250 Organisationen verbreitet. „Wir vermitteln zahllosen Menschen in der Arabischen Welt über Medien christliche Wahrheiten wie Vergebung, Hoffnung und Gnade“, erklärte sie. Ein neues Aufgabenfeld sei Flüchtlingshilfe. MEM hat arabischsprachige Filme „Life in the Desert“ (Leben in der Wüste) für traumatisierte Kinder produziert, mit Begleitmaterial für Helfer. 2018 sahen 2.000 Kinder in 24 Flüchtlingslagern im Nahen Osten diese Filme. Partner vor Ort helfen ihnen, traumatische Erfahrungen zu verarbeiten.

MEM hat arabischsprachige Filme „Life in the Desert“ für traumatisierte Kinder produziert, mit Begleitmaterial für Helfer.

2015 gründete MEM eine Online-Plattform, die jährlich 100.000 Jugendliche im Nahen Osten erreicht. Sie schulen junge Leute, wie man Kurzvideos aufnimmt, die sie zur Diskussion auf die Plattform hochladen. Ein Clip ihrer Schüler ist bei einem wichtigen Kurzfilmfestival mit vier Preisen ausgezeichnet worden. Ein Online-Magazin richtet sich an arabische Frauen. Geschichten daraus sind als Buch zum Bestseller geworden. „Wir zeigen Mädchen, wie wertvoll sie sind, und ermutigen sie, über ihre Gefühle zu reden.“ Dabei sprechen die arabischen Medienmacher Themen wie Missbrauch, Genitalverstümmelung, häusliche Gewalt und Scheidung an und hinterfragen falsche Rollenbilder über Frauen in der arabischen Gesellschaft.

Im Nahen Osten einfühlsam von Jesus weitersagen
Im Nahen Osten von Jesus erzählen

Jolita Paton erzählte von Basma, die sich für Jesus entschieden hatte und aus ihrer Familie verstoßen worden war: „Jahrelang durfte Basma ihre Kinder nicht sehen, weil ihr Mann, ein muslimischer Geistlicher, es nicht erlaubte. Sie konnte nur beten.“ Durch Basma sind 15 Angehörige Christen geworden, auch ihr Sohn. Seither wird der junge Mann massiv unter Druck gesetzt: „Eines Verbrechens angeklagt, das er nie begangen hat, wartet er im Gefängnis auf seinen Prozess!“, berichtete die Europadirektorin. Basma ist Mitarbeiterin von MEM, sie produziert Medien für Suchende und Gläubige aus muslimischem Hintergrund und bildet Mitarbeiter aus. „Durch ihre schweren Erfahrungen kann sie arabischen Christen und am Glauben Interessierten, denen Verfolgung droht, helfen.“ Ein Beispiel, wie der ganzheitliche Ansatz von Middle East Media wirkt.

Fernsehprojekt SAT-7

Millionen Menschen aller Generationen in der Arabischen Welt sehen SAT-7
Millionen Menschen aller Generationen in der Arabischen Welt sehen SAT-7

Der Satellitenfernsehsender SAT-7 ist 1995 gegründet worden und hat seine Zentrale im griechischen Teil Zyperns. Sie senden auf vier Kanälen in drei Sprachen (Arabisch, Persisch und Türkisch) Christliches in den Nahen Osten und nach Nordafrika hinaus. Ihr Repertoire reicht von glaubensfördernden Bibelprogrammen über Telenovelas (wie Jesus Leben verändert), Musik (Traditionelles und Lobpreis) bis hin zu Schulfernsehen für Flüchtlingskinder. Der Gründer, Dr. Terence Ascott, sagte bei der SAT-7 Konferenz Ende März: „Nach unabhängigen Gutachten haben 2018 bis zu 28 Millionen Menschen SAT-7 geschaut – alle Generationen, viele regelmäßig.“

Jeder Haushalt in der Arabischen Welt, egal wie arm oder reich, hat Satellitenfernsehen
Alle haben Satellitenfernsehen

Größte Resonanz erreichte ihr arabischer Kanal mit 21 Millionen Zuschauern. Für die 2,4 Millionen in Algerien ist der Sender besonders wichtig. Algerien hat trotz des massiven Drucks auf Christen die am schnellsten wachsende Kirche der Arabischen Welt, erklärte Ascott. Erstaunlich auch die Zuschauerzahl für Saudi Arabien: hochgerechnet 1,16 Millionen! In einem Land, das als verschlossen gilt. – Man bedenke, bei der Umfrage sagten die Leute offen am Telefon, dass sie christliches Fernsehen schauen. Der Kinderkanal ist ebenfalls ein Erfolg; 2018 hatte „SAT-7 Kids“ 2,5 Millionen Zuschauer in Ägypten, 777.000 in Algerien, 337.000 in Saudi Arabien und so fort. Die Schulsendungen „SAT-7 Academy“ werden auch von erstaunlich vielen Erwachsenen geschaut.

Der Fernsehsender „von arabischen Christen für die Arabische Welt“ hatte 2018 zwischen 25 und 28 Millionen Zuschauer.

Die frühere Programmchefin Rita El-Mounayer (49) hat dieses Jahr die Leitung von SAT-7 übernommen. Damit rückt SAT-7 näher an sein Selbstverständnis heran – sie sehen sich nämlich als Fernsehsender „von arabischen Christen für die Arabische Welt“. Um Christen zu ermutigen, Bibelinhalte zu lehren und sachlich richtige Informationen über Kirchen und Christen im Orient und den Glauben an Jesus zu verbreiten, in einer Weltregion, wo es von Falschinformationen und Vorurteilen nur so wimmelt. Mit der libanesischen Leiterin aus maronitischem Hintergrund wird diese Vision Realität.

Rita El-Mounayer (49) ist die neue Leiterin unseres Partners SAT-7
Die neue Leiterin Rita El-Mounayer

Wie die Programme von SAT-7 wirken, zeigen Zuschauerreaktionen: Selbst tief im Jemen, wo ein blutiger Krieg Tausende in Tod und Verzweiflung treibt, finden Menschen Hoffnung und Halt. Vor zwei Jahren hat sich ein Jemenit für Jesus entschieden. Trotz Gefahr und religiöser Verfolgung erzählt er in seiner Heimat begeistert von Jesus. Durch ihn sind neun weitere Menschen Christen geworden. Ein Zuschauer aus dem Iran schrieb: „Vor einem Jahr habe ich mich für Jesus entschieden, ich schaue eure Programme jeden Tag. Ich habe keine Gemeinde und keinen Pastor, nur euch. Ich liebe eure Bibelsendungen, die mir helfen, im Glauben zu wachsen.“

Das Motto von SAT-7 heißt: „Making God’s Love Visible“ (Gottes Liebe sichtbar werden lassen). Ihre 237 Mitarbeiter produzieren in Studios auf Zypern, in der Türkei, dem Libanon, Ägypten und England. Ihr christliches und pädagogisches Fernsehen soll „Menschen das Evangelium zugänglich machen und Kirchen in ihrem Leben, Werk und Zeugnis für Christus unterstützen“.

Ein Bericht
von Theo Volland