Weißes Kreuz Österreich mitgegründet

10.08.2017 08:38
Mitarbeiter der DMG helfen missbrauchten Kindern und Jugendlichen in Österreich. Bild: soupstock – stock.adobe.com
Mitarbeiter der DMG helfen missbrauchten Kindern und Jugendlichen in Österreich

Martin und Dorothea Böhls haben in Österreich das Weiße Kreuz mitgegründet, eine Initiative rund um Beziehungsfragen, Sexualethik und Lebensschutz. Sie berichten:

Betroffene Kinder und Jugendliche schützen ...

„Waren Sie denn dabei? Können Sie es beweisen? Das ist doch nur die Aussage eines Kindes!“, herrschte die Direktorin sie an. Völlig aufgelöst berichteten uns Eltern von dem Gespräch mit der Schulleitung ihres Sohnes. Sie hatten Angst, dass er sexuell missbraucht werden könnte, und versuchten Antworten von der Direktorin zu erhalten. Doch ihre Fragen wurden abgeblockt. Schnellstmöglich nahmen sie das Kind von der Schule. Zwei Jungen waren betroffen, ihr Sohn sollte nicht der dritte sein.

Martin und Dorothea Böhls, DMG-Mitarbeiter in Österreich
Martin und Dorothea Böhls

Vor drei Jahren haben wir gemeinsam mit einem einheimischen Ehepaar das Weiße Kreuz Österreich (www.weisses-kreuz-oe.at) gegründet. Wir geben Eltern wie dem Ehepaar oben wertvolle Impulse und helfen weiter. Als Berater haben wir ihnen die Adresse eines Vereins ihrer Stadt mitgegeben, der sich mit Kindesmissbrauch auskennt. Außerdem vermittelten wir sie an eine gläubige Kinderpsychologin, um das Erlebte aufzuarbeiten. Unser junger Verein begleitet Menschen in allen Fragen rund um Beziehung und Sexualität. Grundlage ist der christliche Glaube mit seinen Werten und seinem Menschenbild.

Missbrauch ist leider kein Einzelfall. Er passiert an Schulen, im Sportverein, auf Freizeiten, in Jungschargruppen, Gemeinden, zuallermeist jedoch in Familien. Wir dürfen die Augen nicht verschließen. Für Beobachtende gilt, rechtzeitig Hilfe zu holen, das Kind zu begleiten, ihm zuzuhören. Berichtet jemand regelmäßig über Missbrauchssituationen, gilt es, einen Verein wie unseren einzuschalten, der sich mit dem Thema professionell befasst und in einem gesicherten Rahmen weitere nächste Schritte vorschlägt und mitgeht.

Missbrauch ist leider kein Einzelfall. Er passiert an Schulen, im Sportverein, auf Freizeiten, in Gemeinden, zuallermeist jedoch in Familien. Wir dürfen die Augen nicht verschließen.

Eltern, Geschwister und Verwandte direkt darauf anzusprechen ist eher nicht ratsam, weil sie unter Umständen in den Missbrauch involviert sind. In erster Linie geht es darum, das betroffene Kind zu schützen. Oberstes Ziel ist immer Täter und Opfer zu trennen. In einer Familie ist dies schwieriger als beispielsweise in einem Sportverein. So müssen wir leider auch aushalten, dass wir nicht jeden sofort aus Missbrauchssituationen retten können. Aber auch dann können wir als Vertrauensperson für das betroffene Kind eine wichtige Stütze sein. Der Weg ist alles andere als einfach, doch wir gehen ihn bewusst, um Betroffenen zu helfen.

„Sexueller Missbrauch ist dann gegeben, wenn ein_e Erwachsene_r oder ein_e Jugendliche_r ein Kind dazu benutzt, eigene sexuelle Bedürfnisse zu befriedigen. Täter_innen nutzen ihre Autoritätsposition und die Abhängigkeit von Kindern und Jugendlichen aus und ignorieren deren Grenzen“ (Frei 1993f, Lercher u.a. 1995, Wanke 2001, Deegener 2014). Diese Definition bezieht sich auf sexuellen Missbrauch. Doch der beginnt oft früher als mit der Tat. Er beginnt, wo Grenzen überschritten werden, Autorität ausgenutzt wird und Machtspiele den Umgang bestimmen.

Wir Christen haben als Mitarbeiter von Kinder- und Jugendgruppen die Chance, Vertrauen aufzubauen und Kinder sorgsam zu begleiten.

Findet dies an einer Institution wie einer Schule statt, bezeichnet man es als Institutionellen Machtmissbrauch. Wer so etwas bagatellisiert, wie die Schulleiterin oben, hat die Lizenz zur Mitarbeit an ihrer Institution verwirkt. Wenn Kinder und Jugendliche Auffälliges berichten, sollte in jedem Fall hingehört, geglaubt und beobachtet werden.

Wir Christen haben als Mitarbeiter von Kinder-, Jugendgruppen und Freizeiten die Chance, Vertrauen aufzubauen und Kinder sorgsam zu begleiten. Wir können ihnen Konstante und Vertrauenspersonen sein, sodass sie behütet aufwachsen. Oder im Ernstfall, um über Erlebtes zu reden und es zu verarbeiten.

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