Von hellen Lichtern und deutschem Brot

18.02.2015 10:46

Bericht unserer Praktikantin Fanny Volland über ein Mitarbeiterehepaar der DMG, das in einem Krisengebiet Zentralasiens tätig ist:

Ich treffe mich zum Interview mit einem Ehepaar, das vieles zu erzählen hat. Die beiden arbeiten in einem Krisengebiet Zentralasiens und haben es sich zur Aufgabe gemacht, denen zu helfen, die wenig Hoffnung haben. Es ist ein Land, in dem Gewalt, Armut und Korruption an der Tagesordnung sind und fließend Wasser, Strom und Zentralheizungen gibt es nur selten. Dennoch sind sie glücklich, in ihrer kleinen, gemütlichen Wohnung mit Holzofen, mitten in einer Millionenstadt und den Menschen um sie her, die ihnen so viel Dankbarkeit entgegenbringen.

Trotz der Gefahren und Ängste, die ihnen jeden Tag begegnen, fliegen sie gerne wieder zurück in ihr Einsatzland. Auch früher, schon hier in Deutschland, beschäftigten sie sich mit Flüchtlingen. Vor allem die Einwanderer aus Zentralasien hatten in ihren Herzen einen ganz besonderen Platz gefunden.

Zu ihren Aufgaben im Einsatzland gehört es, englischsprachige Bildungsprojekte durchzuführen, welche gut besucht werden, obwohl sie kostenpflichtig sind. Außerdem helfen sie armen Frauen und Witwen. Sie unterstützen sie dabei, wunderschöne Stickereien und selbstgemachten Schmuck zu vermarkten (diese sind übrigens auch bei den großen Missionsfesten der DMG zu erwerben). Und sie helfen beim Aufbau von Kleingewerben, wie der Gewinnung von Rosenöl. Außerdem verteilen sie im Winter Hilfsgüter wie Lebensmittel, Kleidung und Heizmaterial, sofern die Mittel dafür vorhanden sind.

Wunder? Da müssen sie nicht lange nachdenken. „Natürlich haben wir welche erlebt!“ Zum Beispiel die wunderbare Bewahrung ihrer Kinder bei einem Terroranschlag auf deren Schule. Kleine Wunder sind für sie auch, wie sich die Leben anderer Menschen manchmal zum Guten wenden.

Sie erzählen von einem Mann, der als mittelloser Vertriebener einen Job als Nachtwächter fand. Sie konnten ihm helfen, sein Medizinstudium zu finanzieren. Mittlerweile ist er Chirurg und hat eine eigene Praxis eröffnet. Und zusammen mit seiner Familie folgt er nun Jesus nach, dem besten aller Ärzte.

Sie helfen armen Frauen und Witwen, solche wunderschönen Stickereien und selbstgemachten Schmuck zu vermarkten (Fotos). Die sind übrigens auch bei den großen Missionsfesten der DMG zu erwerben.

Warum sollten wir nicht gehen, solange wir noch können, wo unsere Kinder doch schon erwachsen sind und wir die nötige Erfahrung haben? Unser Leben liegt in Gottes Hand, und wir fühlen uns in Zentralasien sicher.

Das Leben im Krisengebiet ist nicht ungefährlich. Einheimische Frauen werden unterdrückt und gedemütigt und leiden oft unter ihren Männern. Attentate, Entführungen und Übergriffe auf die einheimische Bevölkerung und Ausländer sind keine Ausnahme. Ihr Haus verlassen die beiden nur, um zur Arbeit zu gehen und Besuche zu machen. An Spaziergänge oder Ausflüge ist kaum zu denken. Die wenigen ausländischen Christen treffen sich wöchentlich, jedoch im kleinen Kreis. Die Predigt empfangen sie über Podcast.

Ob sie nicht im weitaus ungefährlicheren und strukturierten Deutschland bleiben wollen? „Warum sollten wir nicht gehen, solange wir noch können, wo unsere Kinder doch schon erwachsen sind und wir die nötige Erfahrung haben? Unser Leben liegt in Gottes Hand, und wir fühlen uns in Zentralasien sicher.“ Gefahr sei kein Grund, Gott nicht zu gehorchen. Sie möchten ein Licht in der Dunkelheit sein: „Wir leuchten in einer dunklen Umgebung heller als dort, wo viele Lichter brennen.“

Besonders freuen sie sich über die Veränderungen in vielen christlichen Gemeinden in Deutschland. In jüngster Zeit setzen sich junge wie ältere Christen immer aktiver für Flüchtlinge aus aller Welt ein. „Die hat Gott nach Deutschland gebracht“, davon sind sie überzeugt. Ob in Gemeinderäumen, Cafés, Läden oder in den eigenen vier Wänden, „die Flüchtlinge und Migranten sind offen für die Liebe und Hilfe Gottes durch seine Leute“.

Über meine Frage, was sie in Zentralasien vermissen, müssen sie etwas nachdenken: „Uns fehlt eigentlich nichts“, lächeln sie. Mittlerweile gibt es in ihrer Großstadt fast alles zu kaufen. Irgendwann fällt ihnen dann doch etwas ein, was es nirgends in ihrem Einsatzland gibt. Und sie kommen ins Schwärmen, wenn sie davon erzählen: frisches deutsches Körnerbrot.

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