Unterwegs nach Bethlehem ...

19.12.2014 09:44
Kinderfreizeit im Beit Al Liqa (Haus der Begegnung) der DMG-Mitarbeiter Johnny und Marlene Shahwan in Bethlehem. In diese Arbeit steigen Zorobs mit ein.
Kinderfreizeit im Beit Al Liqa (Haus der Begegnung) in Bethlehem.

Andres Zorob, Sohn arabischer Christen in der Westbank, und seine Frau Melissa werden als neue Mitarbeiter der DMG 2015 im „Haus der Begegnung“ nahe Bethlehem in die Kinder- und Jugendarbeit mit einsteigen. Wie es dazu kam:

Durch die Bibel redet Gott zu mir

Andres und Melissa Zorob, DMG

Neue DMG-Mitarbeiter in der Westbank: Andres und Melissa Zorob mit Tochter Lucinda
Andres & Melissa Zorob mit Lucinda

Ich (Andres) bin in Jerusalem geboren und in Beit Jala, einer Nachbarstadt von Bethlehem, aufgewachsen. Meine Familie sind traditionell christlich-orthodoxe Palästinser, und ich war immer stolz auf meine Herkunft. Dass ich dort aufwachsen durfte, wo Jesus gelebt hat. Kultur und Tradition waren fester Bestandteil meines Lebens, doch ich hatte keine persönliche Beziehung zu Jesus.

Nach dem Abitur wollte ich ein Studium als Touristenführer fürs Heilige Land machen. Ich erhoffte mir, damit gutes Geld zu verdienen. Zu den Unterrichtsfächern gehörte selbstverständlich auch Theologie, denn ein guter Touristenführer hier muss die Bibel kennen. Ich wollte ohnehin wissen, ob dieses Buch wirklich Gottes Wort ist oder nur ein historisches Dokument. Eigentlich stand meine Meinung bereits fest, die ich mir durchs Studium bestätigen lassen wollte: Dass die Geschichten von Jesus alles nur Legenden sind, die nicht der Wahrheit entsprechen.

Ich las also die Bibel – und machte die erstaunliche Entdeckung, dass Gott durch dieses Buch direkt zu mir redete. Nicht nur die Fakten darin stimmten erstaunlich genau mit meinen Kenntnissen des Heiligen Landes überein. Das Johannes-Evangelium beschrieb einen Jesus, den ich so noch nicht kannte. Ich war jung und auf der Suche nach Leben. Johannes 10,10 spricht von einem besseren Leben, das man durch Jesus bekommt. Ich staunte, wie in Jesus alle Prophezeiungen des Alten Testaments erfüllt worden sind, beispielsweise Jesaja 53 und Psalm 22.

Die Bibel, die ich eigentlich nur gelesen habe, weil ich ein guter „Tour Guide“ werden wollte, hat mir die Augen geöffnet.

Die Wunder von Jesus haben mich schließlich überzeugt, dass er auch mein Leben verändern kann, wie es Johannes 9 beschreibt. Die Bibel, die ich eigentlich nur gelesen habe, weil ich ein guter „Tour Guide“ werden wollte, hat mir die Augen geöffnet. Als würde dieses Buch wissen, wonach ich mich sehnte. Diese Sehnsucht hat Jesus gestillt. Ich wurde ein neuer Mensch und bin begeistert von seiner grenzenloser Liebe zu mir. Ich hatte Jesus ganz privat für mich entdeckt.

Heute bin ich stolz, nicht nur auf meine Herkunft, sondern dass ich ein Kind Gottes bin. Diese Veränderung hat mich motiviert, weiter die Bibel zu studieren, mit Schwerpunkt auf Theologie und Pädagogik.

Weil Gott keine Fehler macht ...

Ich (Melissa, geb. Shahwan) kam in Bremerhaven zur Welt und bin in Beit Jala aufgewachsen. Meine Eltern sind DMG-Missionare (siehe nebenstehender Text). Was für ein Segen, in dieser Familie in der Provinz Bethlehem aufzuwachsen, Langeweile gab es bei uns nur selten. Doch es war auch nicht einfach, Missionarskind zu sein. Die vielen Wechsel zwischen den Kulturen. Oft fragte ich nach meiner Identität, und ich fühlte mich überall etwas fremd.

Das Haus der Begegnung der DMG-Mitarbeiter Shahwan und Zorob in Beit Jala bei  Bethlehem
Das Haus der Begegnung der DMG-Mitarbeiter Shahwan und Zorob in Beit Jala bei Bethlehem
Melissa in der Arbeit mit Kindern im Beit Al Liqa (Haus der Begegnung)
Melissa in der Arbeit mit Kindern

Dann verschlechterte sich die politische Situation in den Palästinensergebieten und Angst griff um sich. Damals war ich „gläubig“, aber eher oberflächlich. Warum ließ Gott so viel Ungerechtigkeit zu und griff nicht ein? Meine Eltern erklärten mir, dass Gott keine Fehler macht, einen Plan für unser Leben hat und immer die Kontrolle über alles. Ihre Worte berührten mich tief. Nach einiger Zeit des Hin und Her entschied ich mich ganz für Jesus.

Er schenkte mir meinen Mann, und Ende 2009 führte er uns nach Deutschland. Andres begann ein Masterstudium an der AWM in Korntal. Nebenher lernte er Deutsch, nahm an Integrationskursen teil und arbeitete in einer Kindertagesstätte. Und ich absolvierte mein Studium zur Sozialpädagogin und arbeitete in einem Kinderheim.

Die konfliktreiche Situation in der Arabischen Welt bewegt uns sehr. Wir wollen Gottes Werkzeuge sein und ihm mit unseren Fähigkeiten dienen. Seit September bereiten wir uns deshalb bei der DMG auf die Mitarbeit im „Haus der Begegnung“ in Beit Jala vor. Wir sind dankbar, wie Gott jeden Schritt geführt hat. Unser Ziel ist das Land mit der gewaltigsten Geschichte der Welt – wo Jesus geboren wurde, lebte, starb und auferstanden ist. Wo selbst die Steine seine Botschaft erzählen, da möchten wir lebendige Steine sein.

Die konfliktreiche Situation in der Arabischen Welt bewegt uns sehr. Wir wollen Gottes Werkzeuge sein als Botschafter des Friedens.

In unserem christlichen Zentrum können wir uns pädagogisch-sozial in der Kinder- und Jugendarbeit und Ausbildung von Mitarbeitern einbringen, besonders in der Kindertagesstätte. Wir möchten ein Segen für die Menschen sein und ihnen erzählen, dass es nur bei Jesus ein reiches, sinnerfülltes Leben gibt. Bitte beten Sie mit uns, dass in der Provinz Bethlehem eine Generation heranwächst, die ein Segen für ihre Nation ist und zum Frieden beiträgt. Viele sollen erfahren, dass Gott lebt, sie liebt und sich danach sehnt, eine persönliche Beziehung zu ihnen zu haben. Bitte begleiten Sie uns auf diesem Weg.

Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr, sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.

Jesaja 55,8-9

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