Ukraine: Gemeinden nehmen Flüchtlinge auf

22.07.2014 16:11

Die DMG-Mitarbeiter Martin und Anja Teubert berichten aus dem Osten des Landes:

Spiel und Spaß für die Teilnehmer – bei den Sommerfreizeiten erleben aus den umkämpften Gebieten geflohene Familien wieder Frieden und Geborgenheit
Spiel und Spaß für die Teilnehmer


Uns geht es gut. In unserer Region ist es nach wie vor ruhig – und wir vermuten und beten, dass es so bleiben wird, da wir in einem pro-ukrainischen Gebiet sind. In unserer Gegend läuft das Leben recht normal ab. Aber halt doch nicht in allen Bereichen:

Zum einen sind Männer in die Armee eingezogen worden, die nun im Südosten kämpfen. Das ist schwer für ihre Frauen; vor allem die große Unsicherheit vieler, ob und wann der Mann und Vater zurückkommt. Zum anderen kommen jetzt Flüchtlingsströme in die verschiedenen Regionen des Landes: Menschen, die untergebracht werden müssen. So werden auch die christlichen Gemeinden und Freizeithäuser angefragt, wo unsere Kindersommercamps stattfinden – und sie nehmen Menschen auf. Unsere ev. Gemeinde beispielsweise wird in ihrem Freizeithaus 50 Personen unterbringen.

Bisher sind 19 der Flüchtlinge angekommen, davon acht Kinder und eine hochschwangere Frau. Sie sind dankbar, einfach mal aus der Gefahrenzone heraus zu sein und Ruhe und Frieden genießen zu können. Da unser Camp weit draußen in der Natur liegt, ist das auch gut möglich. Trotzdem sorgen sie sich um ihre Ehemänner, Väter, Verwandte und Freunde, die noch im Krisengebiet sind. Dazu kommt die ständige Unsicherheit, was in ihrer Heimat gerade geschieht.

Eine der Frauen hörte, dass ihr Haus von Bomben beschädigt worden ist und die Fenster ihrer Erdgeschosswohnung zertrümmert sind. Sie will nun trotz der Gefahr zurückfahren, um noch herauszuholen, was ihr wichtig ist, bevor das Haus eventuell geplündert wird.
Diese Zeiten sind schwer für alle Betroffenen, aber auch eine große Chance. Die Menschen sind offen und dankbar für jede Hilfe. Besonders freuen sie sich über die Programme und Aktivitäten unserer Kinderfreizeiten, die gerade stattfinden. Die Flüchtlingskinder nehmen gerne daran teil. Und einige Gemeindeglieder haben damit begonnen, täglich eine Andacht für die Erwachsenen anzubieten. So vermitteln unsere ukrainischen Glaubensgeschwister den Bürgerkriegsflüchtlingen neue Hoffnung und erinnern sie daran, dass Jesus selbst in seiner Kindheit auf der Flucht war. Jesus kann die Flüchtlinge verstehen.

Christliche Kinderfreizeiten u.a. mit Flüchtlingskindern im Sommer 2014
Christliche Kinderfreizeiten u.a. mit Flüchtlingskindern im Sommer 2014

Bericht von Juni 2014:

Ein Bericht von Martin und Anja Teubert (DMG):

Familie Teubert (DMG) lebt im Osten der Ukraine
Familie Teubert, Ostukraine

Wir sind Mitarbeiter der DMG und leben mit unseren sechs Kindern ganz im Osten der Ukraine, in einer Kleinstadt, nur 30 Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Es ist Mittwoch, der 26. März. Vor ein paar Stunden sind wir zu Hause angekommen – überglücklich wieder daheim zu sein. Unsere hiesige Partnerorganisation hatte uns ein paar Tage aus unserem Einsatzort abgezogen, weil sie sich Sorgen um uns machten.

Die Ostukraine ist auch nicht unbedingt die Gegend, in der unsere Familien in der Heimat uns zur Zeit gerne sehen. Oft haben uns in den vergangenen Wochen besorgte Verwandte und Freunde angerufen und E-Mails geschrieben. Manche hätten am liebsten, dass wir heimkehren. Es stimmt, die Situation hier in der Ukraine ist nicht alltäglich. Es gab im Februar auch in unserer beschaulichen Kleinstadt einige Demonstrationen mit kleineren Ausschreitungen. Aber sonst läuft das Leben hier normal ab, fast zu normal für das, was man im Fernsehen sieht.

Es wirkt beinahe irreal. Unsere Kinder gehen zur Schule. Sie spielen draußen mit den Nachbarskindern. Jeder geht seiner Arbeit nach. Und unsere Gemeindeaktivitäten für den Sommer werden geplant. Als sei alles in bester Ordnung. Und doch sind die Gefahr eines Krieges und die Frage, was genau sich hinter der nahen Landesgrenze abspielt, in aller Munde.

Es wirkt beinahe irreal, als sei alles in bester Ordnung. Und doch sind die Gefahr eines Krieges und die Frage, was sich hinter der Landesgrenze abspielt, in aller Munde.

Unsere Partnerorganisation analysiert täglich die Situation. Die Notfallpläne, wie eine Evakuierung ablaufen könnte und was für Kriterien zu einer solchen Maßnahme führen, wurden im November aktualisiert. Seit einem Monat halten wir immer einen gepackten Koffer bereit, sodass eine Abreise in ein, zwei Stunden möglich ist.

Ehrlich gesagt hatten wir nicht wirklich geglaubt, dass dieser Fall eintreffen würde. Umso schockierter waren wir, als am 15. März der Anruf aus Kiew kam und unser beschauliches Leben auf den Kopf stellte.

Demonstrationen im Osten der Ukraine
Demonstrationen im Osten der Ukraine

Während etliche Mitmissionare nach Warschau ausgeflogen wurden, durften wir bei Kollegen im Westen der Ukraine unterkommen. Unsere Anspannung war groß: Würden wir in unseren Einsatzort zurückkehren? Und wenn nicht? Diese Gedanken waren etwas überzogen, aber sie ließen uns nicht richtig zur Ruhe kommen. Es tut uns nicht gut, zu viel in den sozialen Netzwerken zu lesen, was alles politisch so läuft, was wer angeblich gesagt und gedroht hat und wieviele Panzer an der Grenze stünden. Natürlich wollen wir informiert sein, müssen uns aber irgendwie auch abgrenzen.

Vor wenigen Tagen kam grünes Licht, dass wir wieder zurückkehren durften, sollten wir es uns vorstellen können, weiter als Familie dort zu leben und zu arbeiten. Wir sind so dankbar, auch wenn uns Truppen der Armee und eine Straßenblockade auf der Rückreise an die angespannte Lage im Land erinnerten. Zur Zeit sind wir uns sicher, hier hinzugehören. Gerade durch die derzeitige Situation haben wir viele Möglichkeiten, Menschen für Jesus zu erreichen. Die Leute sind verunsichert und fragend.

Wir helfen mit beim Aufbau einer christlichen Gemeinde in unserer Stadt und schulen landesweit Mitarbeiter für die christliche Kinder- und Jugendarbeit. Darüber hinaus veranstalten wir jeden Sommer etliche Freizeiten für mittellose Kinder, die viel Spiel und Spaß erleben und oft das erste Mal von Jesus hören. Kinder zu prägen – das ist eine wichtige Aufgabe in einem Land, das jahrzehntelang von Atheismus und Kommunismus beherrscht war. Bitte denken Sie im Gebet an uns und unsere Arbeit.

Christliche Kinderarbeit ist eine wichtige Aufgabe in einem ehemals kommunistischen Staat
Christliche Kinderarbeit ist besonders wichtig in einem Land wie der Ukraine

Zurück