Ukraine: Blind und doch nicht blind ...

18.01.2017 09:34
Scheinbare Ruhe am Rand des Krisengebietes in der Ostukraine
Scheinbare Ruhe am Rand des Krisengebietes in der Ostukraine

Martin und Anja Teubert arbeiten seit 2003 als DMG-Missionare im Nordosten der Ukraine. Sie schulen Mitarbeiter christlicher Gemeinden für Kinder- und Jugendarbeit und veranstalten christliche Freizeiten für Kinder aus Randgruppen und vernachlässigten Verhältnissen. Hier die Geschichte einer Frau aus dem Freundeskreis von Teuberts, die ein außergewöhnliches Erlebnis mit Gott beschreibt:


Wie Tanjas Augen wieder geöffnet wurden

Tanja aus der Ostukraine
Tanja

Ich heiße Tanja, bin 31 Jahre alt, Juristin, und träume davon, einmal Richterin zu werden. Noch heute staune ich, was Gott in meinem Leben getan hat. Ich sehe die Welt mit offenen Augen, und was ich sehe gefällt mir. Es gab eine Zeit, da war das absolut nicht so …

Ich bin in einer guten, liebenden Familie aufgewachsen, die Gott kannte. Seit meiner Kindheit ging ich zur Kirche und liebte diese glückliche Zeit. Die ernsthaften Probleme begannen, als ich acht Jahre alt war. Damals verlor ich beinahe meine Sehkraft. Nach einem Jahr bekam ich eine Brille mit starken Gläsern und es ging wieder besser. Ständig war ich mit dem Augen in Behandlung, es war sehr teuer.

Mit 15 habe ich den Rest des Augenlichtes verloren und konnte nur noch ein paar Zentimeter sehen. Dazu kamen weitere Krankheiten, so dass ich das letzte Schuljahr verpasst habe. Womit hatte ich das verdient?! Alle anderen hatten so ein tolles Leben – Schule, Abschluss, Freunde. Ich habe immer nur gehört, was die anderen erlebten. Manche machten sich lustig über mich. Ich blieb zu Hause als das einsamste blinde Mädchen der Welt.

Ich verwandelte mich in eine boshafte Kreatur, die Gott für ihr Unglück verantwortlich gemacht hat. Damals war ich eine Plage für mich und meine Familie, selbst enge Freunde hatten es schwer mit mir. Ich vegetierte nur noch vor mich hin.

Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.  (Antoine de Saint-Exupéry)

Ich weiß nicht wirklich, was passiert ist. Doch irgendwann habe ich alles losgelassen und meine Situation angenommen. Heute denke ich, dass mir die Gebete meiner Familie und Freunde geholfen haben. Auf einmal verstand ich, dass es zwei Arten Sehen gibt: die physische und die geistliche. Obwohl ich praktisch nichts mehr sah, außer grellem Licht, erkannte ich Gottes unendliche Liebe, seine Barmherzigkeit und Hoffnung für mich.

Gerade als ich akzeptiert hatte, dass ich nie wieder würde sehen können, bekam ich mein Augenlicht zurück. Einfach so, als Geschenk von Gott. Die Ärzte können sich bis heute nicht erklären wie. Ich kenne die Antwort: es war Jesus. Durch die Krankheit hat er mich zu sich geführt. Jetzt war ich die Glücklichste auf der ganzen Welt – ich konnte sehen!

Gottes Freundschaft zu mir hat eine lange Geschichte. Er hat mich immer gesehen, auch heute. Jeder Mensch ist für Gott ein Unikat mit unschätzbarem Wert. Wenn Sie keinen Ausweg mehr sehen und in Ihrem Leben kein Licht scheint, dann glauben Sie einfach mit dem Herzen. Sagen Sie: „Lieber Gott, ich will sehen!“


Noch ein Wort zur Situation im Land und unserer persönlichen Zukunft: Die Kämpfe im Osten der Ukraine haben leider nicht aufgehört. Wir haben einige im Bekanntenkreis, die immer wieder dort sind: als Seelsorger, Grenzwache und im medizinischer Einsatz. Bisher sind alle lebend zurückgekehrt. Ab und zu sieht man auf dem Friedhof die Beerdigung eines gefallenen Soldaten.

Für uns als siebenköpfige Familie heißt es Abschied nehmen von der Ukraine. Wir werden ab Sommer 2017 den DMG-Mitarbeitern Klaus und Fränzi Libuda in Rostock helfen, eine christliche Gemeinde aufzubauen. Dringend benötigen wir für uns als Großfamilie ein geeignetes, günstiges Haus im Raum Rostock. Bitte beten Sie für uns, unsere Kinder und den anstehenden Umzug.

Familie Teubert wird im Sommer eine neue Arbeit im Rahmen der DMG in Deutschland beginnen
Familie Teubert wird im Sommer eine neue Arbeit im Rahmen der DMG in Deutschland beginnen

Sie wollen die Arbeit der Missionare Martin und Anja Teubert mit Spenden unterstützen: Stichwort „P10757 Teubert“ aufs  Konto der DMG.


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