Hebamme Christina Krappe: „This is Africa!“

14.07.2017 10:22
Trotz Risiken und Nebenwirkungen freut sich Hebamme Christina Krappe auf Afrika
Trotz Risiken und Nebenwirkungen freut sich Hebamme Christina Krappe auf Afrika

Auszug aus meinem Tagebuch von 2016:

Afrikanische Kolleginnen stärken
Afrikanische Kolleginnen stärken

„Der Dienst gestern im Kreißsaal war schon wieder der helle Wahnsinn. Eine Frau mit einem Hämoglobinwert von drei (massive Blutarmut) und nicht stillbarem, heftigem Nasenbluten, insgesamt ein erbärmlicher Zustand … Eine weitere Frau mit einem Brusttumor, der so weit fortgeschritten ist, dass wir sie nur noch nach Hause schicken konnten. Dann ein Transfusionszwischenfall (Unverträglichkeit bei Blutkonserve) mit hohem Fieber, weit über 40°. Ich war echt kaputt und entmutigt und wollte einfach nur noch heim nach Deutschland.
Und was macht der geniale Herr? Er schickt mir diese Losung zur Ermutigung: ‚Ich dachte, ich arbeite vergeblich und verzehrte meine Kraft umsonst und unnütz, wiewohl mein Recht bei dem Herrn und mein Lohn bei meinem Gott ist‘ (Jesaja 49,4).“

Das half mir, durchzuhalten. Ähnlich abwechslungsreich verlief mein Kurzeinsatz mit der DMG auch außerhalb der Klinik in einem kleinen afrikanischen Dorf am Rande des Buschs – wieder ein Tagebucheintrag:

Auf der Suche nach Milchpuler ...

Eines von vielen Neugeborenen, bei dessen Geburt Christina Krappe half
Ein Neugeborenes mit Geschwistern

„Heute war ein guter Tag! Morgens war ich erst einmal in Guéré einkaufen. Das Milchpulver war immer noch aus, wie ich befürchtet hatte. Also habe ich nur Klopapier gekauft. Dann also ohne Milchpulver zurück, unter lautem Rufen und Winken der am Weg stehenden Menschen. Was sehne ich mich nach einem ‚unauffälligen‘ Einkauf!
Dann habe ich Muffins gebacken und bin nochmal los (alles in brütender Hitze!), um in der Stadt Bembéréké nach Milchpulver zu suchen. Auf dem Weg habe ich Pastor Clément getroffen, mit dem ich erst einmal eine Weile in dessen Büro saß. Dann also los mit dem Zém (Moto-Taxi). Zum Glück gab es Milchpulver, wenn auch sehr teuer. Auf dem Rückweg habe ich Sévèrine getroffen, die vor dem Haus Kartoffeln schälte. Sie bat mich, reinzukommen und mit ihr und ihrer kleinen Tochter zu essen, das war schön. Zu Hause zurück habe ich Kuchen gebacken und das Gebet für abends vorbereitet.
Dann war ich kurz bei Bertille, um ihr die Töpfe zurückzugeben, in denen sie mir Essen gebracht hatte. Immerhin fand ich trotz der Hitze noch die Motivation, einen Besuch zu machen. Wie immer wusste ich die Adresse nicht, bin aber doch los. Irgendwann habe ich dann selbst bemerkt, dass ich mich verlaufen habe. In dem Moment tauchte aus dem Nichts ein Krankenhaus-Mitarbeiter mit seinem Sohn auf. ‚Also nein, da wäre ich jetzt völlig falsch, er würde mich aber gerne zum gewünschten Ziel bringen.‘ Tatsächlich bin ich dann bei Suzanne gelandet, die sich sehr gefreut hat.“

Oft habe ich verzweifelt gebetet

Christina Krappe (DMG/Benin)
Christina Krappe (DMG/Benin)

Sie merken schon, in vielerlei Hinsicht war mein Kurzeinsatz in Afrika herausfordernd. Eine riesige Hilfe war der feste Eindruck, dass Gott mich im Benin haben möchte. Oft habe ich verzweifelt gebetet. Gott hat mir dann immer gesagt, dass er mich sieht und es am Ende gut macht. Wenn auch oft anders, als ich es mir vorgestellt hatte.

Ich war nicht die Superheldin, die ich gern gewesen wäre. In meiner Aufgabe als Hebamme konnte ich nicht alle Frauen und Babys retten. Ich habe nicht alles verstanden und konnte nur ganz wenig verändern. Doch es ist etwas viel Besseres passiert: Jesus war der Held in meinem Einsatz! Er erwies sich als treu und hat mich durchgetragen. So konnte ich auf ihn hinweisen, nicht nur in Afrika, auch hier zu Hause in Deutschland.

Ich war nicht die Superheldin, in meiner Aufgabe als Hebamme konnte ich nicht alle Frauen und Babys retten. Doch es ist etwas viel Besseres passiert: Jesus war der Held in meinem Einsatz!

Wartende Patienten vor der Klinik im Benin
Wartende Patienten

Er hat mir ein Herz geschenkt für die Frauen vor Ort; nicht nur für die Gebärenden, auch für die Kolleginnen, für meine Chefin und die jungen Mädchen, die nach den Kindern sehen müssen und von denen man oft hört: „Wir haben ja keine andere Wahl …“ Eigentlich wollte ich ja viel Größeres vollbringen, doch Gott hat mir aufs Herz gelegt, dass es neben der medizinischen Hilfe natürlich mein Dienst sein soll, diese Frauen zu ermutigen, für sie zu beten und Zeit mit ihnen zu verbringen.
Schon bald nach meiner Rückkehr nach Deutschland war klar, dass mein Einsatz in Afrika noch nicht beendet ist. Dass es jetzt echt Zeit ist, alles auf eine Karte zu setzen. Konkret bedeutet das für mich die Vorbereitung auf einen Langzeiteinsatz in Afrika. Ich löse meine Wohnung auf, verabschiede mich von Freunden, Familie, Gemeinde (die Credo-Gemeinde Saarn) und manchen Annehmlichkeiten hier. Ich will komplett darauf vertrauen, dass der Herr mich versorgt, mir Freunde, Beter und Spender an die Seite stellt und auf meine Sicherheit Acht gibt.

Bitte um Gebet und Dank an die Spender

Im September werde ich erneut nach Benin ausreisen und dort hauptsächlich in der Ausbildung und Schulung von Hebammen tätig sein, außerdem in der Dorfgesundheitsarbeit. Bitte beten Sie, dass ich vielen Menschen helfen und Mut für ein Leben mit Jesus machen kann. Herzlichen Dank für alle Ihre Unterstützung.

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