Thailand: Aufblühende Rosen im Slum

10.01.2017 11:03
Mädchen im Armenviertel fehlt es oft an Vorbildern
Mädchen im Armenviertel fehlt es oft an Vorbildern

Melanie und Daniel Böhm berichten aus Bangkog:

Melanie Böhm in ihrem „Club der jungen Damen“
Im „Club der jungen Damen“

Ing nimmt einen Stein aus dem Bambuskorb. Enttäuscht erzählt sie: „Letzte Woche hat meine Lehrerin mir die Haare abgeschnitten, weil sie zu lang waren. Ich musste dafür bezahlen, und schön sieht es auch nicht aus.“ Sie legt den Stein aufs graue Tuch in der Mitte. Dann nimmt sie lächelnd einen der schönen, farbigen Glasnuggets: „Toll war, dass ich mit meiner Familie auf dem Land Neujahr feiern konnte.“ Der Glasnugget findet seinen Platz auf rosa Tüll. Bambuskorb und Nuggets wandern weiter zum nächsten Mädchen …

So erzählen sich die zehn bis vierzehnjährigen Teilnehmer unseres „Clubs der jungen Damen“ in Bangkok jede Woche ihre Erlebnisse. Anfangs war die achtköpfige Gruppe noch spürbar in zwei Cliquen gespalten, doch mit der Zeit sind Offenheit und Vertrauen gewachsen.

Neben dem Erzählritual nehmen wir Bibelgeschichten und Themen rund um Pubertät, Fruchtbarkeit, Freundschaft und Liebe durch.

Mädchen im Slum fehlt es an guten Vorbildern, gerade in den Teenagerjahren, wenn sie die Weichen für ihr Leben stellen. Viele beenden die Schule nicht, weil sie früh schwanger werden; ohne Schulausabschluss gibt es keinen guten Job. Meine Teamkollegin Kristen und ich träumten von einer Gruppe, die Mädchen in ihrer Würde und Identität als Frauen und Geschöpfe Gottes stärkt. Dass Freundschaften wachsen und sie einander gute Begleiter auf dem Lebensweg sind. Aus heiterem Himmel hat Jesus uns mit zwei Rollenvorbildern beschenkt:

Familie Böhm (DMG) in Thailand
Familie Böhm in Thailand

Joy (21) ist selbst im Slum aufgewachsen und studiert Jura. Sie sagt: „Wenn mir niemand von Jesus erzählte hätte, dann wäre ich heute ohne Schulabschluss.“ Pookie (38) kommt aus der Mittelschicht und wollte mit armen Leuten nichts am Hut haben: „Doch eines nachts träumte ich von einem Bettler“, so beschreibt sie ihren Sinneswandel. „Er streckte mir die Hände entgegen, und irgendwie wusste ich sofort, dass es Jesus war. Jetzt bin ich hier.“ Die beiden bringen sich voll ein. Sie verstehen die Mädchen besser als wir Ausländer, ihre Lebenserfahrung hat Gewicht. Sie wissen, wie es sich anfühlt, als Mädchen in der Thaikultur und in einem Armenviertel aufzuwachsen.

Mädchen im Slum fehlt es an guten Vorbildern, gerade in den Teenagerjahren, wenn sie die Weichen für ihr Leben stellen.

Neben dem Erzählritual nehmen wir in unserer Gruppe Bibelgeschichten und Themen rund um Pubertät, Fruchtbarkeit, Freundschaft und Liebe durch. Das wird sonst eher verschämt behandelt in der thailändischen Gesellschaft. Die Mädchen machen begeistert mit. Beim Thema Beziehungen bauen wir aus Duplo-Steinen ein „Freundschafts- und Familienhaus“: Was braucht eine gute Freundschaft, Partnerschaft und Familie? Sie kleben jede Antwort auf einen Stein; so wächst vor ihren Augen ein sicheres, stabiles Lebenshaus. Hinterher meint Pookie: „Ich staune, wie weise die Mädchen sind. Wir mussten sie gar nicht belehren – alles kam von ihnen selbst.“

Mit der Freundschafts- und Familienpyramide wichtige Werte fürs Leben entdecken – bspw. Ehrlichkeit
Spielerisch lernen

Der dreimonatige Kurs ist zu Ende. Jedes Mädchen hat als Abschiedsgeschenk eine Rose als Zeichen für ihr Wachsen, Reifen und Erblühen empfangen und ist gesegnet worden. Nun schmiedet Pookie Pläne für den nächsten Kurs. Jesus hat sie gerufen, und in den Mädchen ist er ihr wirklich begegnet.


Sie wollen die wertvolle Arbeit der DMG-Missionare Daniel und Melanie Böhm mit einer Spende unterstützen: Stichwort „P10060 Bohm“ aufs  Konto der DMG.


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