Südsudan: Aus dem Alltag im Flüchtlingslager Doro

02.09.2014 09:38
Sie teilt das Leben der Flüchtlinge in Doro, unsere Kinderkrankeschwester Ruth Gebhardt
Sie teilt das Leben der Flüchtlinge in Doro, unsere Kinderkrankeschwester Ruth Gebhardt

Am 9. Juli feierte der Südsudan den dritten Jahrestag seiner Unabhängigkeit, doch es ist immer noch kein Frieden im Land und die Ernährungslage bleibt angespannt. Nach Angaben der UNO sind im riesigen Flüchtlingslager Doro, Region Oberer Nil, derzeit 1.200 unterernährte Kinder registriert. Einigen davon hilft unsere Kinderkrankenschwester Ruth Gebhardt. Sie berichtet:

„Yesus ta’da manmalas“ – Jesus, der Tröster

DMG-Mitarbeiterin Ruth Gebhardt hilft unterernährten Kindern im Südsudan
Ruth Gebhardt

Von DMG-Mitarbeiterin Ruth Gebhardt

Eines Nachmittags sitze ich bei Pastor Abraham im Schatten des Grasdaches. Es ist warm und staubig. Seit zwei Wochen fiel kein Tropfen Regen, obwohl eigentlich Regenzeit ist. Wir unterhalten uns über die aktuelle Situation im Flüchtlingslager.

Es liegt eine schwere Zeit hinter seiner Gemeinde im Flüchtlingscamp. Man sieht den Gesichtern an, dass die Leute abgenommen haben. Rebellen hatten den Transport von Lebensmitteln blockiert und Lastwagen geplündert. Im März, April und Mai gab es nicht ausreichend Nahrung im Lager. Darunter haben sie sehr gelitten. Inzwischen kann die Versorgung per Flugzeug wieder gewährleistet werden, so dass die Situation sich etwas entspannt hat.

Wir unterhalten uns über die Leselernbücher in ihrer Sprache Uduk, die vielleicht gedruckt werden sollen, und über seinen Garten, in dem er Mais, Kürbis und Okra angepflanzt hat. Alle Pflanzen lassen die Köpfe hängen, weil es nicht regnet – und wo man Wasser auf dem Kopf nach Hause tragen muss ist Gießen purer Luxus.

Dann schmunzelt Pastor Abraham: „Ruth, du hast ja jetzt sonntags sicher keine Probleme mehr, alles zu verstehen, was im Gottesdienst gesagt wird?!“ Jetzt muss ich auch schmunzeln, denn ich verstehe längst nicht alles. Nachdem ich ihm das erklärt habe, meint er, ich soll Worte aufschreiben, die ich nicht verstehe, und ihn später nach ihrer Bedeutung fragen. Gute Idee!

In der Tat gibt es am Sonntag darauf ein Wort, das oft verwendet wird und mir noch unbekannt ist. Also nutze ich die Gelegenheit und frage: „Was bedeutet Manmalas?“ Pastor Abraham erklärt mir: „Malas ist das Wort für trösten, Amanmalas ist der Tröster.“ Wir probieren den neu gelernten Begriff in verschiedenen Varianten aus: „Aha malasa Mariyam“ (Ich tröste Mariyam). „Mariyam malas aha“ (Mariyam tröstet mich). „Yesus ta’da manmalas“ (Jesus ist der Tröster). Ich hätte kein passenderes Wort lernen können: Trösten, darauf kommt es hier an!

Die Regenzeit hat begonnen, in der viele Menschen krank sind und sterben. Wir Helfer bekommen das hautnah mit, wenn wir morgens Gebetsanliegen sammeln und für die Flüchtlinge und Mitarbeiter beten. Da ist ein Onkel krank – und eine Woche später hören wir, dass er gestorben ist. Oder die Tante, der Neffe, die Schwester … Deshalb nennen die Uduk die Regenzeit „mondi’th“, schwere Zeit. Es tut gut, dass wir in schlimmen Zeiten einen „Manmalas“, einen Tröster, haben! Jesus ist da. Er nimmt das Schwere nicht immer aus unserem Leben, aber er hilft und verlässt uns nicht!

Am 9. Juli hat der Südsudan seinen 3. Geburtstag gefeiert. Leider hatte das dieses Jahr einen traurigen Beigeschmack, denn es ist immer noch kein Frieden im Land. Einige Wochen später haben wir das auch in Doro zu spüren bekommen. Zuerst waren es nur Gerüchte, die Menschen in Panik versetzt haben. Später gab es tatsächlich eine Schießerei in Bunj, einer vier Kilometer entfernten Stadt. Wir sind dankbar, dass sich die Situation wieder normalisiert hat und die Menschen, die aus Bunj geflohen waren, in ihre Häuser zurück können.

Die nächsten Wochen werde ich in Kenia verbringen, um auszuruhen. Bitte beten Sie für mich, dass Jesus mir neue Kraft für die Arbeit im Südsudan schenkt und wir als Helferteam Tröster und Ermutiger für die Menschen sind.

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