Petrus, der Fels

08.04.2019 14:57

Leben und Dienst von Peter Fuss auf Zypern – ein Portrait

Mit Missionare Peter Fuss an der Küste Zyperns
Peter Fuss vor der Küste Zyperns

An der Küste Zyperns: Unter uns schmiegt sich leuchtendweiß ein altgriechisches Amphitheater in die Felsen, umwuchert von duftendem Thymian und gelber Arnika, davor die Unendlichkeit: das Meer. Missionar Peter Fuss reibt mir schmunzelnd seine Philosophie unter die Nase. Kein Fleck der Erde wäre passender dafür, als der 31-Jährige aus dem Allgäu sagt: „Immer wenn bei uns ein System ausfällt, lächle ich und bete. Bleibe ich nicht ruhig, wer dann?“ Peter arbeitet seit zwei Jahren als Senior IT-Administrator mit der DMG bei unserer Partnerorganisation Trans World Radio (TWR) auf der Insel Zypern. Er hat die Ruhe weg, nicht nur in freier Natur. Dabei ist jeder Tag, den er hier arbeitet, ein Wunder:

Peter bei seiner Arbeit im TWR-Büro auf Zypern

Gelernt hat Peter Fuss Fachinformatik Systemintegration. Mit Schalk im Blick erklärt er, was dieser Begriff seinen Kollegen bedeutet: „Ich bin zuständig für alles, was einen Stecker hat und ausfällt: sei es Telefon, Rechner oder Kaffeemaschine!“ Peter kümmert sich von Zypern aus um 80 Computerarbeitsplätze, verteilt über ganz Europa, – das ist möglich dank Skype und E-Mail. Er ist das erste Mal bei den antiken Ruinen, obwohl er schon ein Dreivierteljahr hier am Ende Europas lebt. Er kommt selten weg von seinen Rechnern, eingebunden in das weltweite Netz von TWR: „In unserer IT herrscht ständig Mangel“, zuckt er die Schultern.

Er muss oft abends verfügbar sein, wenn die Kollegen in North Carolina (bei ihnen morgens) den ersten Becher Kaffee schlürfend ihre Computer hochfahren. Peter hält sich dann lieber müde an seiner Halblitertasse „Türkischer Apfel-Feige“-Tee fest, wenn sie miteinander Probleme lösen, manchmal bis in die Nacht. Heute sind Radiosendungen für Afrika gefährdet, weil eine Sendeanlage in Swasiland ohne Internet nur noch verloren in der Landschaft rumsteht. Dasselbe gilt für Kollege John vom Marketing im Büro direkt nebenan, der auch nicht mehr ins Web kommt. Peter geht zu ihm, lächelt wie immer, und zeigt dem Fehler, wo’s lang geht.

Spenden

Bitte unterstützen Sie die wertvolle Arbeit von Missionar Peter Fuss (DMG):

Spendenkonto >
Stichwort: P10170

Dann macht er sich ans Budget für 80 Kollegen, die er mit Geräten versorgt, und telefoniert mit Großhändlern: „Es ist nicht einfach, in Zypern einzukaufen. Es gibt keinen Laden für unseren speziellen Bedarf“, erklärt er. Danach geht’s an ein Softwareupdate; und er zeigt per Skype einem Kollegen in Bratislava, wie er seine Druckertrommel wechseln kann. Parallel setzt Peter einen Laptop neu auf; nicht hier auf seinem Schreibtisch, übers Web in den Niederlanden natürlich.

Die Insel Zypern: schönste Natur und Altertümer ... doch Peter kommt nicht viel raus!

„Unser Zweig von TWR ist zuständig für Europa, den Nahen Osten, Zentralasien und Nordafrika.“ Ein riesiger Bereich, denke ich. Und das mit den paar Büros, Mitarbeitern und nur einem Studio? Ich überlege laut: „Kann man so christliches Radio für die halbe Welt machen?“ Geduldig erklärt mir Peter: „Wir tun unseren Dienst im Hintergrund, damit Leute in anderen Teilen der Welt Sendungen produzieren und ausstrahlen. Die wunderschönen Programme von ‚Women of Hope‘ zum Beispiel werden von arabischen Mitarbeitern in einem Studio im Nahen Osten hergestellt. Sie geben unterdrückten arabischen Frauen eine Stimme.“

Dank Peter hören Menschen im Nahen Osten im Radio von Jesus. Zum Beispiel durch die arabische Sendung „Women of Hope“

Ich komm immer noch nicht mit: „Was tun dann eure 15 Leute im Büro hier?“ Jetzt grinst Peter wirklich über meine Begriffsstutzigkeit: „Wir in Zypern arbeiten im Hintergrund. Wir kümmern uns um Material, Technik, EDV, Strategie, Planung und Öffentlichkeitsarbeit. Das ist wichtig, damit unsere Partner in anderen Ländern christliches Radio produzieren können. Ohne meine Arbeit mit Computern und Systemen würde manche Radiosendung, durch die Menschen Jesus kennenlernen, nie ausgestrahlt!“

Peter Fuss besucht zum ersten Mal das Amphitheater in seiner Nachbarschaft
Peter Fuss besucht zum ersten Mal das Amphitheater in seiner Nachbarschaft

Davon ist auch Dirk Müller (bei TWR der Leiter für Europa) überzeugt. Und von Peter! „Er macht einen super Job“, sagt er. Was er als Chef so an Peter schätzt? Seine direkte, ehrliche, freudige Art. Eigentlich typisch Deutsch, aber irgendwie doch nicht, weil Peter bittere Wahrheiten, wenn was nicht funktioniert, immer mit Humor serviert. Kollege Lukas sagt: „Geben wir Peter ein Problem, dann arbeitet er durch, bis es gelöst ist.“ Carol aus der Personalabteilung fleht förmlich: „Schickt uns mehr Leute wie Peter.“ Und Nate, ein Techniker, ergänzt: „Peter hat eine feine Art und ist beständig, der einzige IT-Experte, den ich kenne, der extrovertiert ist.“ Peters 15 Kollegen sind sich einig: Trans World Radio wäre ärmer ohne ihn.

Dabei ist es ein Wunder, dass Peter Fuss überhaupt nach Zypern kam. Wir sitzen in seiner kleinen Mietwohnung in einem Neubaugebiet zwischen Bananenplantagen, wildem Kaktus und Olivenbäumen, während er typisch zypriotisch den Grill anfeuert und Souvlaki mit Halloumi und Kürbisscheiben brutzelt. Kochen ist seine Leidenschaft. Es schmeckt lecker, als er mir seine „Story mit Jesus“ auftischt:

„Ich kam mit einem Knall in die Mission!“, erzählt mir Peter bei Souvlaki mit Halloumi und leckeren Kürbisscheiben vom Grill.

„Ich kam mit einem Knall in die Mission!“, erzählt er. Einige Tage vor einem geplanten Kurzeinsatz mit OM auf dem Missionsschiff „Logos Hope“, die Koffer waren so gut wie gepackt, hatte er nochmal schnell eine Runde mit seinem geliebten Motorrad drehen wollen. Da hat es geknallt. Ein Auto hatte das Stoppschild übersehen und war ihm direkt vors Motorrad gefahren. Statt zwei Jahre in die Mission hieß es zwei Jahre Krankenhaus und Reha; Schmerzen, im Bett liegen, und er musste neu laufen lernen. Wahnsinn. Der junge Metallbauer hielt plötzlich nicht mal mehr vier Stunden Arbeit aus. Nichts war wie vor dem Unfall. Was sollte er anfangen mit seinem Leben?

Die Kultur auf Zypern war völlig anders als erwartet

Nach langem Ringen und viel Gebet begann er seine Umschulung zum Fachinformatiker. Peter bekam Spaß am neuen Beruf und blieb offen für Mission. Doch was sollte ein gebrochener Mensch wie er schon groß leisten für Jesus? „Eine gute Freundin riet mir zur theologischen Ausbildung, das war genial“, nippt er an seiner riesigen Teetasse, von der er auch eine zu Hause hat. „Bei den Fackelträgern in Deutschland und Schweden durfte ich Jesus tiefer kennenlernen. Er heilte meine Seele!“

Peter mit seiner Mega-Teetasse :)
Immer Tee dabei

Damals erkannte Peter, wie sehr Jesus ihn liebt. „Und dass er mich einsetzen wollte, genau wie ich bin – in allem Leid, all meiner Unvollkommenheit, hat Jesus mir immer das Richtige geschenkt.“ Oft nicht, was Peter wollte – schon gar nicht nach dem eigenen Zeitplan – aber immer passend: gute Ärzte und Heilung, bei der die Mediziner von Wundern sprachen. Und Menschen, die ermutigten. Das ist die Grundlage von Peters besonnener Art bis heute: „Jesus ist größer als jede Situation. „Ich musste auf die ganz harte Tour lernen, dass ich Jesus gehöre“, resümiert er. Dass Peter nicht aufgibt, sondern in Schwachheit – oft mit Schmerzen – einen genialen Job tut, ist für seine Kollegen ein Riesenvorbild. „Gott gibt mir, was nötig ist, dass ich heute tun kann, was heute dran ist, – nicht mehr, nicht weniger“, und er strahlt mich an, als er diesen einmaligen Satz vom Stapel lässt.

Unser Team dachte, wir sind in Europa, weil Zypern ja zur EU gehört, aber wir leben hier mitten im Nahen Osten – eindeutig.

Peters Team hatte es schwer die vergangenen Monate. Die 15 Mitarbeiter sind 2018 von Wien nach Zypern umgezogen – komplett, das ganze TWR-Büro. „Es war ein Kampf“, sagt Peter. Eigentlich eine gute Idee, weil sie Radio für den Nahen Osten, Nordafrika und die Seidenstraßenstaaten produzieren und auf Zypern mitten in einem Teil ihrer Zielgruppe leben. Aber die Umsetzung lief holprig: „Wir dachten, wir sind in Europa, weil Zypern ja zur EU gehört, aber wir leben hier im Nahen Osten – eindeutig.“ Es dauerte Monate, bis sie Bankkonto, Internet- und Telefonanschluss hatten. Ohne Konto waren die Visa einiger Mitarbeiter gefährdet.

Peter Fuss und ein Teil des TWR-Teams in Zypern
Ein Teil des TWR-Teams in Zypern

Dank Peters Ruhe und Ausdauer haben sie zumindest die technischen Hürden inzwischen überwunden. Jetzt gilt es, mit den Herzen anzukommen. „Wir sind schon am richtigen Ort“, erklärt Peters Büroleiter. Eines ihrer Ziele ist, geistliche Leiter und verfolgte Christen aus dem ganzen Nahen Osten, der bei ihnen ja direkt vor der Haustüre liegt, einzuladen, zu vernetzen und zu ermutigen. Zypern liegt ideal, mittendrin. Für Peter wünscht er sich auf Dauer einen IT-Kollegen. Jemanden, der Peter unter die Arme greift. Damit er mit seinen vom Unfall damals verursachten gesundheitlichen Hürden nicht immer so hart am Limit lang arbeiten muss. Leider ist es schwer, technische Mitarbeiter für Mission zu finden. IT-ler, die ihr das lest, meldet euch bei der DMG!

Theo Volland (r.) mit Peter Fuss unterwegs auf der Insel
Peter mit Theo Volland

Beim Abschied nach zwei intensiven Tagen stehe ich wieder mit Peter am Strand. Er lacht und zeigt, wo Ägypten sein soll, hinterm Horizont. Dort leben viele Hörer der Sendungen von TWR Arabic, die auch dank Peters Team ausgestrahlt werden. Ich betrachte die Kalkfelsen der Bucht – dann schau ich in Peters fröhliches Gesicht.

Da kommen mir die zentralen Bibelworte aus Matthäus 16,18 ff. in den Sinn, wo es heißt:

„Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.“ So einer ist Peter, dort in Zypern.

Von Theo Volland
DMG-Redakteur

Zurück