Peru: „Strick dir dein Weihnachten selber!“

02.12.2016 14:00

Die DMG-Mitarbeiter Siegfried und Dorothee Reuter berichten aus der Kinderhilfe Arequipa:

Wilfredo richtet eine der neuen Strickmaschinen ein
Wilfredo richtet eine der neuen Strickmaschinen ein

„Lebe den Geist von Weihnachten und mach dein Geschäftsmodel zum Wachstumserfolg.“ Solche schrillen Sprüche schmücken im Advent die Schaufenster der Metropole Arequipa, damit es in den Kassen klingelt. Nicht auszudenken was wäre, wenn Jesus Christus weltweit sein Urheberrecht einklagen würde! Die Börsen würden in den Keller rasseln und Großunternehmen kollabieren. Wilfredo und Ana, Kleinunternehmer im Kunsthandwerk für Strickwaren, dagegen würden von Christus eine Auszeichnung erhalten:

Die DMG-Mitarbeiter Siegfried und Dorothee Reuter sind Gründer und Leiter der Kinderhilfe Arequipa
Ehepaar Reuter, DMG

Als wir sie vor 20 Jahren kennengelernt haben, standen sie noch in der Backstube der Eltern und lernten erstmal kleine Brötchen backen – unter anderem fürs Frühstücksprogramm unserer Kinderhilfe Arequipa in ihrer Gemeinde im Stadtbezirk „Israel“. Der biblische Ortsname war für sie Programm, und es ist bezeichnend, dass sie später ins „Neue Jerusalem“ auf dem Berg umgezogen sind. Hier haben sie eine Hausgemeinde unter Wellblechdach gegründet, mit open-air Kinderstunde im Hinterhof. Bald tummelten sich jeden Morgen 70 Kinder aus der Nachbarschaft unter ihrer Obhut zum Frühstück und der täglichen biblischen Geschichte.

Jungen Frauen eine Chance auf berufliche Zukunft geben
Jungen Frauen eine Chance geben

Im Laufe der Zeit gründeten Wilfredo und Ana den Mutter-Kind-Kreis, dazu eine Hausaufgabenhilfe, und sie schulten viele Laien als Mitarbeiter in ihren Gemeinderäumen, die immer mehr erweitert werden mussten.

Ihre Verwandtschaft hat sich traditionell mit Handarbeiten ein Zubrot zu verdient. Es wurde gestrickt, genäht und geflochten. Die Alpakawolle aus Eigenbeständen kleiner Herden der Familie im Hochland war gesichert. Die Investition in eine Strickmaschine markierte für Wilfredo und Ana mit ihren mittlerweile zwei Kindern einen signifikanten Fortschritt. Als wir sie neulich besuchten, hatten sie bereits sechs Strickmaschinen in Betrieb. Ihre zwei Töchter sind inzwischen erwachsen und arbeiten mit, drei weitere junge Mütter haben durch sie eine familiengerechte Teilzeitbeschäftigung.

Unsere peruanischen Freunde erinnern uns an Bodelschwingh: „Selbstgestricktes“ geht gar nicht; bei ihnen hat Jesus „alle Fäden in der Hand“.

Weihnachten ist der Geburtstag von Jesus!
Weihnachten, der Geburtstag von Jesus!

Wir unterstützen seit Jahren ein Kinderheim in Arequipa. Auch hier wird inzwischen gestrickt. Denn kürzlich erhielten die Heimeltern der 40 Waisen überraschend acht ausrangierte Strickmaschinen geschenkt. In viel Eigenarbeit entstand eine kleine Werkstatt, alles Baumaterial aus Abrissschutt recycelt. Manche der noblen Glasfenster tragen noch die Gravur einer ehemaligen Bankfiliale.

Weihnachten kam Gott auf Augenhöhe zu uns Menschen, davon leben unsere Freunde hier. Sie erinnern uns an Bodelschwingh: „Selbstgestricktes“ geht gar nicht; bei ihnen hat Jesus „alle Fäden in der Hand“. Anna und Wilfredo haben auf unsere Bitte hin bereitwillig die Strickmaschinen des Waisenheimes repariert, nötige Ersatzteile besorgt und eingebaut. Jetzt sitzen jeden Samstag acht Mädchen von 15 bis 17 Jahren unter ihrer Anleitung an den Strickmaschinen.

Was sie hier lernen ist wichtig, denn mit 18 erwartet sie die „Selbständigkeit“. Fingerfertigkeit und handwerkliches Geschick helfen auf dem Arbeitsmarkt. So zieht sich der Urheber von Weihnachten wie ein roter Faden durch diese Geschichte. Von wegen „strick dir dein Weihnachten selber“. Über dem Hof des Kinderheims hängt mit Großbuchstaben, für jedermann zu lesen: „Wir feiern das Christfest, den Geburtstag von Jesus!“

Waisenmädchen werden an der Strickmaschine ausgebildet
Waisenmädchen werden ausgebildet

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