Ostern bei den Dioulas

29.03.2018 10:14
Wie bringen wir Menschen, die nie von Jesus gehört haben, die Osterbotschaft nahe?
Angelika Ragsdale mit Frauen vom Volk der Dioulas

Zu Ostern stellt sich engagierten Christen die Frage: Wie bringen wir Menschen, die vielleicht noch nie in ihrem Leben von Jesus gehört haben, die gute Botschaft von Kreuz und Auferstehung nahe. Die DMG-Missionare Rod und Angelika Ragsdale bei den Dioulas in der Elfenbeinküste (Westafrika) berichten davon:

Eine ganz andere Art zu Feiern:

Ein Bulle wird geschlachtet
Ein Bulle wird geschlachtet

Vergangenen Sonntag haben wir Ostern gefeiert. Jedoch nicht traditionell christlich, sondern auf die ganz spezielle Weise der Dioula, der Völker im Norden unseres Landes. Wir hatten einen Bullen gekauft. Fleisch isst man hier selten, und es ist ein Luxus für die Menschen. Das mächtige Tier vollführte sein ganz eigenes Drama. Es benahm sich wild wie ein Biest und lieferte uns einen beeindruckenden Kampf, als wir es von dem staubigen Motodreirad abluden, das den Bullen aus dem Busch gebracht hatte.

Nachdem wir allen anwesenden Nachbarn und Freunden erklärt hatten, dass der Bulle für uns kein rituelles Opfer ist, wie in ihrem Volk sonst üblich, sondern ein echtes Dankopfer für das, was Gott für uns Menschen durch den Tod und die Auferstehung von Jesus Christus getan hat, schlachteten wir ihn direkt vor unserem Hof. Zur Erinnerung daran, was Christus uns durch seinen Tod am Kreuz geschenkt hat. Die Dioulas haben von dem Osterfest, was die Christen mit gutem Essen feiern, gehört. Doch dass Jesus für unsere Sünden am Kreuz gestorben und am dritten Tag wieder auferstanden ist, wussten sie nicht.

Während wir das Tier überm offenen Feuer brieten und das Fleisch verteilten, lauschten wir gemeinsam mit Nachbarn und Freunden auf MP3-Aufnahmen des Johannesevangeliums.

Während wir das große Tier überm offenen Feuer brieten und das Fleisch verteilten, lauschten wir gemeinsam mit unseren Nachbarn und Freunden auf MP3-Aufnahmen des Johannesevangeliums, Kapitel 19 und 20, in der Dioulasprache. Dazu erklärte ich ihnen, dass es Worte eines Augenzeugen der Kreuzigung, Grablegung und Auferstehung von Jesus waren. Worte aus dem „Ingil“, dem Neuen Testament, das auch im Islam als heiliges Buch gilt. Unsere muslimischen Freunde haben tiefen Respekt davor. Die meisten Zuhörer waren fasziniert und wollten eine Kopie. Rod gab seine Speicherkarte mit den Evangelien (Ingil) weiter und sie wurde sogleich laut über Lautsprecher von unseren Nachbarn abgespielt, so dass alle es gut hören konnten.

Mehrere Stunden lang verteilten wir Fleisch und redeten mit den Menschen. In guter Dioula-Manier ließen wir die Ältesten die Stücke an ihre jeweilige Familie verteilen, um sicherzustellen, dass wir niemand Wichtiges vergaßen. So bekam jeder seine Portion, für die sie alle dankbar waren.

Die Männer saßen beieinander und hörten auf die gute Botschaft
Die Männer saßen beieinander und hörten auf die gute Botschaft

Später am Nachmittag setzten wir Männer uns im Schatten zusammen und tranken Tee, während wir uns über alles Mögliche unterhielten, wie man es an einem Festtag eben tut. Es war interessant, Menschen, die nur auf einen frisch gegrillten Bissen Fleisch vorbeigekommen waren, die Bedeutung von Ostern zu erklären: Warum wir es „Pâques“ auf Französisch und „Jonyaban“ in Dioula nennen; und über die Wichtigkeit der Auferstehung von Jesus und die Befreiung der Welt von Sünde und Tod.

Der Tag endete damit, dass ich unserem Pastor seinen Teil Fleisch brachte. Es war ermutigend, wie begeistert er von unserer ungewöhnlichen Osterfeier war. Wir hatten bewusst nicht in der Kirche gefeiert, denn die muslimischen Dioulas wären in keine Kirche gekommen. Den ganzen Tag sahen wir junge Leute, die laut das Johannesevangelium auf ihrem Handy hörten – und die Nachbarschaft hörte mit. Bitte betet, dass die Bibelworte in unserer Region von vielen geteilt und gehört werden. Es macht Freude, an Ostern – dem Fest der Feste – Menschen die Botschaft von Jesus hör- und erlebbar zu machen.

Am Abend hörten wir aus der Nachbarschaft noch immer die MP3-Botschaften aus Smartphones
Am Abend hörten wir aus der Nachbarschaft noch immer die MP3-Botschaften aus Smartphones

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