Nigeria: Marodierende Horden vernichten ganze Dörfer

15.05.2017 16:05

Die Situation der verfolgten Christen im Norden Nigerias hat sich dramatisch verschlimmert. Ein Kommentar von Andrew Howes (DMG-Personalleiter Afrika):

Im Norden Nigerias löschen marodierende Horden ganze christliche Dörfer aus
Bitte beten Sie um Frieden für den Norden Nigerias

Die christliche Minderheit braucht Schutz und Hilfe

Andrew Howes

Christliche Dörfer im Norden Nigerias werden von Bewaffneten überfallen und keiner schaut hin. Meist sind die Angreifer Fulanis, Angehörige eines in ganz Westafrika verbreiteten Volks von Viehhirten. „Jede Woche ein neues Massaker – ein anderes Dorf wird in Brand gesetzt, die Kirche verwüstet, die Einwohner umgebracht, vergewaltigt und in die Flucht getrieben“, berichtet die britische Zeitung The Spectator. „Am schlimmsten ist, dass die Not der Betroffenen für ihre eigene Regierung nicht von Interesse ist. Tatsächlich scheint diese ethnische und religiöse Säuberung mit Beteiligung oder stillschweigender Zustimmung dieser Regierung zu erfolgen.“

Andrew Howes, Personalleiter für Afrika der DMG, macht auf die Not der Christen in Nigeria aufmerksam
Andrew Howes, DMG

Dieser Satz hat mich aufgeschreckt. Bei den Fulanis in Westafrika habe ich selbst einige Jahre mit meiner Familie gelebt. Ich fühlte mich bei ihnen zu keiner Zeit persönlich bedroht. Fulanis sind stolz darauf, dass sie den Islam vor mehr als 300 Jahre nach Westafrika gebracht haben sollen. Aufrichtige Fulanis von Guinea bis in den Sudan leben nach den Regeln des „Pulaku“, eines strengen Verhaltenskodex, der solche Gewalt nicht gutheißt. Es ist bitter, wie eine Minderheit von ihnen in Nigeria radikalisiert wird und die Existenz der Christen dort bedroht.

Dabei leben die Christen im Norden Nigerias seit Jahrzehnten friedlich Seite an Seite mit ihren muslimischen Nachbarn. Unter dem islamischen Scharia-Gesetzt erdulden sie Spott und Benachteiligung. Gelegentlich eskaliert die Lage, dann gehen Häuser in Flammen auf und Einzelne werden ermordet. So war das bisher. Doch mit der systematischen Zerstörung ganzer christlicher Dörfer nimmt die Bedrohung eine neue Dimension an.

Ihre Heimat wollen die Christen im Norden Nigerias dennoch nicht verlassen. Sie lernen zu vergeben, suchen weiter die Begegnung mit ihren Nachbarn und bemühen sich unter widrigsten Bedingungen um ein friedliches Zusammenleben. Die Entführung von 300 christlichen Mädchen aus Chibok im Bundestaat Borno machte auf den militärischen Feldzug der Boko-Haram-Milizen gegen Christen und friedfertige Muslime aufmerksam. Das Militär in Nigeria hat, mit internationaler Unterstützung, die fluchtartige Vertreibung der Bevölkerung an der Wurzel bekämpft. Doch die Krise dauert an. Armut und eine drohende Hungersnot für Hunderttausende sind die Folgen.

Einfach tatenlos zusehen, wie Christen bedrängt, verfolgt und aus ihrer Heimat vertrieben werden, können und wollen wir als christliches Missions- und Hilfswerk nicht. Wir als DMG wollen bewusst auf diese unhaltbare Situation aufmerksam machen, damit die aktuelle Bedrohung und Hungersnot bekämpft wird. Wir bitten Sie darum, die Not der verfolgten Christen in Nordnigeria bekanntzumachen und für die Christen dort und für ihre friedlichen muslimischen Nachbarn zu beten.

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