Ein Leben für die Kajapós: Lotte Kornmann

11.11.2019 16:47

In Liebe und Dankbarkeit nehmen wir Abschied von unserer langjährigen Brasilien-Missionarin Lotte Kornmann, die am vergangenen Wochenende friedlich entschlafen ist:

Unterwegs mit Kajapó-Kindern
Mit Kajapó-Kindern

„Als Frau allein in der Wildnis?“

„… dazu muss man schon Abenteurerin sein oder Zivilisationsflüchtling oder verrückt, denken viele. Ich bin einfach Gottes Mitarbeiterin an dem Ort, wo er mich hinstellt.“ Mit diesem eindrucksvollen Statement beschrieb unsere langjährige Missionarin Lotte Kornmann 2001 ihre Berufung. Sie war gerade nach Deutschland in den Ruhestand zurückgekehrt. Warum sie am Amazonas arbeiten musste? „Weil Gott mich in diese Arbeit rief!“ 41 Jahre war Lotte Kornmann im brasilianischen Regenwald unterwegs. Sie übersetzte das Neue Testament und entwickelte Bibelkurse für Indianer, erstellte ein Wörterbuch, ein Liederbuch und ein Bibellexikon in der Kajapó-Sprache und half in der wachsenden Gemeinde. Sie erzählte vielen der 9.000 Kajapós die gute Botschaft, dass Christus ewiges Leben gibt – was sie heute erleben darf.

Lotte Kornmann, * 21. Sept. 1928, †  9. Nov. 2019
Lotte Kornmann

21. September 1928
† 9. November 2019

Lotte Kornmann kam 1928 in Fürth bei Nürnberg zur Welt und ist mit ihren zwei Geschwistern in Donauwörth aufgewachsen. Ihre Kindheit war schön und geborgen. Kirche, Kindergottesdienst, Mädchenkreis, Freizeiten und Gebet spielten eine wichtige Rolle. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges erlebte sie viel Schlimmes. Im April 1945 die Fliegerangriffe und nach Kriegsende, wie sie mit anderen Mädchen Schutt von der langen Reichsstraße räumen musste; alles war zerstört. Ihre erste Anstellung fand die 19-Jährige als Protokollführerin bei der Spruchkammer, später war sie Kontoristin eines Großhandelsbetriebes.

Wenn man unter Menschen lebt, die nie vom Erlöser Jesus Christus gehört haben, kann man nicht schweigen“, stand für sie fest.

Wie Lotte Kornmann zum Glauben fand? Bei ihrem ersten öffentlichen Gebet in einer Gebetsstunde: „Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben.“ Ihre theologische Ausbildung absolvierte sie am Seminar in Beatenberg (Schweiz), die zwei schönsten Jahre ihres Lebens. Auf dem Beatenberg beteten sie viel für das riesige Brasilien. Der Bericht eines Missionars weckte ihr Interesse: „Tief in den undurchdringlichen Wäldern leben noch Menschen, die nie von Jesus gehört hatten. Ich spürte ein großes Verlangen, Indianern von Gottes Gnade zu erzählen.“

Sprachaufnahmen für die Übersetzung des Neuen Testaments
Sprachaufnahmen

Ab 1959 arbeitete Lotte Kornmann bei den Kajapó-Indianern. Der Anfang fiel schwer: „Wir wohnten in strohgedeckten Hütten und erhielten ständig Besuch.“ Sie musste sich an den Speisezettel mit viel Fleisch gewöhnen: Affen, Gürteltiere, Schildkröten und Vögel. „Als erste Frau jemals durfte ich Jaguarfleisch essen, normalerweise gaben sie das nur Männern, weil sie befürchteten, dass eine Frau wild wie ein Jaguar davon würde“, schmunzelte sie. „Es überrascht mich überhaupt, wie gut ich als Frau angenommen war.“

Die Kajapós waren kräftig und schön, sie bemalten ihre Körper und trugen Federschmuck. Pfeil und Bogen waren stets zur Hand, sie liebten Feste und Gesang. Das brachte die Missionarin auf die Idee, christliche Lieder im Stil des Stammes zu verfassen. Lotte Kornmann predigte viel, gab Schulunterricht und behandelte zahllose Kranke. „Wenn man unter Menschen lebt, die nie vom Erlöser Jesus Christus gehört haben, kann man nicht schweigen“, stand für sie fest. Die Welt der Indianer war beseelt: Tiere, Vögel, Felsen, Bäume. Und es gab keine guten Geister. „Sie hatten schreckliche Angst“, berichtete Lotte Kornmann. Das änderte sich, als sie das Evangelium hörten; dass Jesus stärker ist als die Geister und der Tod. Gemeinden entstanden. Unmoral, Alkoholismus, Morde und Stammeskriege nahmen ab.

Ein besonderer Moment war das Herbstmissionsfest 2009, als die Brasilianerin Eunice Bastos der DMG dankte für ihre Missionare bei den Kajapós, auch für Lotte Kornmann. In ihrem Dorf gebe es inzwischen eine lebendige Kirche und viele Christen. Sie sängen aus dem Liederbuch von Lotte. Jeden Sonntag dankten sie Gott namentlich für ihre Missionare, die ihnen das Evangelium gebracht hatten.

Die Verstorbene hinterlässt ein reiches Erbe in Deutschland wie bei den Stämmen. Selbst als Rentnerin warb sie um neue Missionare: „Noch sind viele Indianerdörfer ohne Evangelium, wir brauchen Nachwuchs in der Mission!“ Sie hat vielen den Weg in die Ewigkeit erklärt, nun ist sie selbst am Ziel angekommen. Am 9. November ist Lotte Kornmann im Pflegeheim in Kronau friedlich entschlafen. Sie wird uns dank ihres fröhlichen Glaubens und ihrer missionarischen Gesinnung in guter Erinnerung bleiben.

Theo Volland und das
weltweite DMG-Team

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