Mein Traum: Mission im Beruf

20.09.2016 11:25

Von DMG-Mitarbeiter Ralf Blumenstein (Österreich)

„Heute Abend mache ich Schluss. Ich bring mich um. Habe alles schon geplant. Einen Brief habe ich auch schon geschrieben.“ – Mir gegenüber sitzt ein verzweifelter Mann im besten Alter. Ein Bär von Mann; schwer gezeichnet von Alkohol und einem kaputten Leben. Ich besuche ihn immer wieder auf seinem heruntergekommenen Bergbauernhof. Gut geht es ihm nie, heute jedoch habe ich wirklich Angst um ihn. Seine Selbstmordabsichten muss ich ernstnehmen.

Ralf Blumenstein liebt seine Arbeit als ambulanter Pfleger
Ralf Blumenstein liebt seine Arbeit als ambulanter Pfleger

Ich versuche herauszufinden, was ihn so bedrückt. Stockend erzählt er. Dann frage ich ihn: „Darf ich für dich beten? Ich glaube, dass du Jesus wichtig bist. Sollen wir ihn zusammen um Hilfe bitten?“ Überrascht schaut er mich an, dann nickt er. Erst bete ich für ihn, dann lade ich ihn ein, selbst zu Jesus Christus zu beten: „Herr Jesus, komm in mein Leben“, spricht er mit bebender Stimme ... Hinterher wirkt er sichtlich erleichtert. Wir reden noch ein wenig, er kann auch wieder etwas lächeln. Umbringen will er sich nicht mehr. Ich würde gerne noch länger bleiben, doch ich bin im Dienst und muss weiter. In dieser Woche werde ich ihn noch zweimal besuchen und schauen, wie es ihm geht – dienstlich. Mein Dienst, das ist die Mobile Krankenpflege, das österreichische Pendant zur Sozialstation. Ich bin Diplom-Krankenpfleger im Außendienst, fahre von Haus zu Haus und versorge Alte und Kranke.

Ich wollte immer auch einen „normalen Beruf“ lernen

Nach meiner Ausbildung am Theologischen Seminar Adelshofen wollte ich gerne noch einen „normalen“ Beruf erlernen. Bei einem Missionspraktikum unter Urwaldindianern in Paraguay haben mich die Fähigkeiten mancher Missionare beeindruckt. Eine hatte sich im Selbststudium und durch Erfahrung beachtliche medizinische Kenntnisse angeeignet. Sie rettete vielen Indianern das Leben. Durch sie inspiriert, absolvierte ich meine dreijährige Ausbildung zum Krankenpfleger. 1994 führte Gott meine Frau Elke und mich mit der DMG nach Österreich in den missionarischen Gemeindebau.

Österreich ist kein verschlossenes Land, hier könnte ich als Missionar frei arbeiten. Aber auch hier ist es günstig, zumindest Teilzeit einen normalen Beruf auszuüben.

Die nächsten 13 Jahre waren wir „vollzeitliche Missionare“. Wir bauten eine Freikirche auf, engagierten uns in der Jugendarbeit, leiteten als Pastorenehepaar eine weitere Freikirche und brachten uns in missionarische Aktionen ein. Doch je tiefer ich in die christliche Szene eintauchte, desto größer war die Gefahr, weltfremd zu werden. Bewusst musste ich mir Zeit freischaufeln, um in Vereinen Kontakte zu Nichtchristen aufzubauen und ihre Lebenswelt zu verstehen.

Ich wollte einen größeren Teil des Alltags mit Menschen außerhalb der Gemeinde teilen, die Jesus noch nicht persönlich kennen, – nicht willkürlich ausgesucht wie bisher, sondern ganz natürlich. Also bewarb ich mich vor zehn Jahren in Absprache mit der DMG auf eine 50-Prozent-Stelle der Mobilen Hauskrankenpflege des Landes Kärnten. Seither bin ich 20 Wochenstunden unterwegs zu alten und pflegebedürftigen Menschen. Die andere Hälfte meiner Arbeitszeit ist weiterhin gefüllt mit Gemeindearbeit und allem, was dazugehört. Im Laufe der Jahre hat sich der Schwerpunkt noch etwas zugunsten der Krankenpflege verschoben: 65% – 35%.

Anfangs ist es mir nicht leicht gefallen ...

Ralf und Elke Blumenstein sind DMG-Mitarbeiter in Österreich
Ralf & Elke Blumenstein

Anfangs ist es mir nicht leicht gefallen, wieder in der medizinischen Pflege Fuß zu fassen, hatte ich doch 13 Jahre lang etwas völlig anderes gemacht. Aber es hat sich gelohnt! Soziale Berufe sind enorm gut geeignet für Mission im Beruf. Es gibt ständig Möglichkeiten, in Tat und Wort auf Jesus hinzuweisen, zu helfen und zu trösten. Deshalb sind Männer und Frauen in medizinischen, Lehr- und Sozialberufen aller Art gefragt bei der DMG und ihren mehr als 100 Partnerorganisationen; das wird sich in Zukunft eher noch verstärken.

Auch andere Berufe sind dafür geeignet, weil viele Firmen Programmierer, Ingenieure oder Maschinenbauer vielleicht gerne mal für ein paar Jahre in die Filiale nach China versetzen – warum nicht so eine Chance bewusst nutzen, um Menschen dort für Jesus zu begeistern. In Asien, Nahost und Nordafrika, wo es manchmal kaum möglich ist, offen zu Jesus einzuladen und Gemeinden aufzubauen, ist das Modell „Mission im Beruf“ besonders vorteilhaft.

Die DMG bietet höchst flexible Dienstmodelle

Die DMG sucht junge Christen, Singles wie Ehepaare und Familien, die sich diese Arbeitsweise zu Eigen machen. Die in Ländern wie Vietnam, Usbekistan oder Algerien in ihrem Beruf arbeiten und Menschen auf natürliche Weise mit dem Evangelium in Berührung bringen. Es gilt, im Berufsalltag Freundschaften zu knüpfen und Gottes Liebe authentisch vorzuleben. Über unser Expert-Programm (www.DMGint.de/Expert) bieten wir vielerlei flexible Möglichkeiten an. Verknüpfen Sie Ihren Beruf mit Mission.

Österreich ist kein verschlossenes Land, hier könnte ich als Missionar frei arbeiten. Aber auch hier ist es günstig, zumindest Teilzeit einen normalen Beruf auszuüben. Das gibt Akzeptanz in der Gesellschaft. Wenn ich nach meinem Beruf gefragt werde und meinen Arbeitgeber nenne, ernte ich meist anerkennendes Kopfnicken. „Sicher eine schwere Aufgabe, das könnte ich nicht“, heißt es oft. Dann erkläre ich, warum ich diese Arbeit gerne mache und dass der Glaube an Jesus meine Motivation ist.

Nebenbei gibt mir mein Beruf auch ein gutes Gefühl, weil ich „mein eigenes Geld“ verdiene und weniger auf Spenden angewiesen bin. Ich will damit nicht sagen, dass es nicht recht ist, wenn Pastoren und Missionare von Spenden leben. Aber es gibt einem Unabhängigkeit und Selbstbewusstsein, wenn man einen Teil seines Einkommens selbst erwirtschaftet.

Mein Handeln im Beruf erzählt auch von Jesus ...

„Mission im Beruf“ verankert mich stärker im alltäglichen Leben, das wirkt sich auch auf meine Predigten in der Gemeinde aus. Wenn ich meine früheren Botschaften mit denen von heute vergleiche, entdecke ich eine große Veränderung in Richtung Alltagsrelevanz. Das gefällt auch meinen Zuhörern.

Die Aufteilung, 65% Krankenpflege und 35% missionarische Dienste, finde ich günstig. Es bleibt genug Zeit für missionarische Aktivitäten, Predigtvorbereitung, die Planung und Durchführung von Freizeiten und das neue Abenteuer der Betreuung von Flüchtlingen und Einwanderern. Dabei bin ich nicht 65% beruflich und 35% missionarisch tätig. Mein Pflegedienst ist möglicherweise der missionarischere Teil von beidem. Es gibt Möglichkeiten zum Bekenntnis. Selbst das freundliche und wertschätzende Versorgen eines chronischen Unterschenkelgeschwürs ohne viele Worte gibt eine Botschaft weiter …

Besonders motiviert mich, wenn sich Menschen noch kurz vor ihrem Tod für Jesus entscheiden; dieses Erlebnis hat Gott mir in den vergangenen Jahren immer wieder geschenkt. Nie werde ich die sterbende Frau vergessen, der ich im Angesicht des Todes zusprach, dass Christus in diesem Augenblick bei ihr ist. Ihre letzten Worte waren: „Ich weiß!“

Seelsorge und ab und zu ein punktuelles Gebet ergänzen die Pflege sinnvoll
Seelsorge und ab und zu ein punktuelles Gebet ergänzen die Pflege sinnvoll

Die Frage: „Darf ich für Sie beten?“, stelle ich nicht so häufig. Nur, wenn ich das Gefühl habe, es ist wirklich dran. Eine alte Frau sagte erstaunt ja. Eigentlich dachte sie, ich würde irgendwann daheim für sie beten. Als ich ihre Hand ergriff und direkt zu Jesus sprach, fing sie ergriffen an zu weinen. Heute lässt sie mich nicht mehr aus ihrem Haus gehen, ohne dass ich ein Gebet für sie spreche.

Sie wollen mehr über flexible Einsatzmöglichkeiten im Rahmen der DMG wissen, informieren Sie sich hier:

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