Lombardei: „Andrà tutto bene! Alles wird gut!“

25.03.2020 15:06
Ein Haus in der Lombardei
Ein Haus in der Lombardei

Die Nachrichten überstürzen sich. Der erste Ansteckungsherd von Covid-19 liegt nur 80 Kilometer von uns entfernt. Dann greift die Ansteckungswelle um sich. Unsere Provinz Brescia in der Lombardei ist mittlerweile am zweitstärksten betroffen. Jeden Tag werden neue Verordnungen erlassen. Inzwischen sind bei uns nicht einmal mehr Spaziergänge erlaubt.

Sie geben ihren Freunden einen Facebookgottesdienst: Erwin und Almut Büschlen
Erwin und Almut Büschlen

Unsere Nachbarin, die im Krankenhaus gegenüber arbeitet, erzählte, dass das Haus jetzt nur noch für Corona-Patienten eingerichtet ist. Es schmerzt, dass so viele Menschen alleine sterben! Ohne dass Angehörige bei ihnen sein dürfen. Ein Sterbender sagte dem Arzt: „Herr Doktor, sagen sie meiner Frau bitte, dass ich sie liebe.“ Familien können nicht Abschied nehmen von den Toten, weil keine Beerdigungen stattfinden dürfen. Der Mitarbeiter eines Beerdigungsinstituts klagte, dass sie Tote holen und direkt auf den Friedhof oder ins Krematorium bringen. Wie schrecklich!

Auch in unserem Bekanntenkreis verlieren Menschen Angehörige. Wir beten, dass Gott sich in den Situationen absoluter Einsamkeit Menschen auf übernatürliche Weise zeigt und sie Frieden und Rettung erleben.

Es schmerzt, dass so viele Menschen alleine sterben! Ohne dass Angehörige bei ihnen sein dürfen.

Wir leben mitten in dieser Tragödie. Äußerlich geht es uns gut, dafür sind wir dankbar. Wir dürfen die frische Luft in unserem kleinen Garten genießen. Unsere Tage sind ausgefüllt. Wir rufen Freunde über Videotelefon an. Es ist wichtig, dass wir uns trotzdem noch „sehen“. Die Predigt läuft über Facebook, Gebetsabende und andere Gruppen „treffen“ sich über Skype und Zoom. Wir verbringen viel Zeit damit, Menschen zu helfen, die mit den neuen Kommunikationsmitteln nicht so vertraut sind. Damit sie sich eingebunden fühlen. Wie gut ist es, dass man auch am Telefon miteinander beten kann.

„Alles wird gut!“, machen sich die Menschen in der Lombardei Mut.
„Alles wird gut!“

Bitte beten Sie auch für die Kinder, denen wir sonst Hausaufgabenhilfe geben. Die Schulen sind seit Wochen geschlossen. Manche Eltern bieten ihren Kindern keine Struktur. Wie sollen sie am Online-Unterricht teilnehmen, wenn die Eltern sie morgens nicht rechtzeitig wecken, weil sie zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind. Die Kinder übers Telefon zu unterstützen, ist da wirklich schwer.

Ein Sterbender sagte dem Arzt: „Herr Doktor, sagen sie meiner Frau bitte, dass ich sie liebe.“

Wie schnell sich unser Land komplett verändert hat. Ein Ausnahmezustand, wie ihn Italien noch nie erlebt hat – und auch viele andere Länder in Europa und der Welt. In Sozialen Netzen kreisen Nachrichten, Empfehlungen, Kritiken und humorvolle Posts. Doch was hält uns wirklich? Überall in der Stadt sehen wir Spruchbänder und Zeichnungen von Kindern mit dem Slogan: „Andrà tutto bene“ (alles wird gut). Doch das geschieht nur, wenn Jesus eingreift. Er hat uns versprochen, jeden Tag bei uns zu sein. Gerade jetzt!

Wir sind so dankbar für die vielen Anrufe, E-Mails und Nachfragen von Freunden aus Deutschland und der Schweiz. Es ist schön, dass Sie in der Heimat für uns beten und sich um uns sorgen und uns spüren lassen, dass Sie für uns da sind. Wenn man so „eingesperrt“ ist, wie wir seit Wochen, ist das ein gewaltiges Geschenk.

Almut und Erwin Büschlen

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