Kongo: Nothilfe für Geflüchtete aus Djugu

18.06.2018 11:30
Tausende Flüchtlinge strömen in die Stadt Bunia
Tausende Flüchtlinge strömen in die Stadt Bunia

Die DMG bittet Sie um Spenden als Soforthilfe für den Nordosten des Kongo. In der Region rund um die 30.000-Einwohner-Stadt Djugu sind aufgrund heftiger Stammeskonflikte tausende Menschen auf der Flucht. Wir wollen die CECA20-Kirche (ein Verband mit ca. 1 Mio. Mitgliedern) und unsere Partnerwerke vor Ort finanziell in die Lage versetzen, Notleidende mit Nahrung und medizinisch zu versorgen. DMG-Missionarin Kerstin Weiß schreibt aus Bunia:


Bericht vom 18. Juni 2018:

Hoffnungszeichen in der größten Not

Die Situation in unserer Krisenregion steht in gewisser Weise still: Geschätzt 400.000 Menschen sind in den vergangenen Monaten aus der Region Djugu geflohen. Viele über den Albertsee nach Uganda, aber auch Zehntausende nach Süden zu uns in die Stadt Bunia. Seit Anfang Februar haben militante Gruppen unbekannter Herkunft Djugu und Umgebung heimgesucht, Dörfer niedergebrannt und wahllos Menschen ermordet – Männer, Frauen, Kinder, Greise – vermutlich um Bodenschätze der Region zu plündern.

Hilfsgüter erreichen die Menschen über unseren Partner, die CECA-20-Kirche

Momentan scheint es relativ ruhig zu sein, man hört nur vereinzelt von Zwischenfällen. Trotzdem wagt sich kaum jemand in die betroffene Region zurück. Niemand weiß, wo die Attentäter sich gerade aufhalten und was sie weiter planen. Tausende Vertriebene hier in Bunia warten. Jeder sehnt sich nach seinem Zuhause. Aber was erwartet die Menschen dort, wenn sie eines Tages zurückkehren können? Abgebrannte Dörfer, Schulen und Krankenhäuser! Alles muss neu aufgebaut werden, das erfordert Zeit und Geld. Felder müssen wieder bestellt werden, sonst hungern die Menschen. Unglücklicherweise ist die betroffene Gegend die Vorratskammer der ganzen Provinz. Der Boden dort ist fruchtbar und weite Landstriche wurden früher von der Region Djugu aus mit Nahrung und Gemüse beliefert. Jetzt liegt alles brach, ist geplündert und nicht mehr bestellt.

Viele Familien sind noch immer getrennt. Manche wissen bis heute nicht, ob Angehörige noch leben. Auf der Fahrt über den See nach Uganda sind Boote gekentert und ganze Familien ertrunken. Andere sind irgendwo auf der Flucht vor den Milizen zum letzten Mal gesehen worden. Was ist aus ihnen geworden? So viele Fragen und keine Antworten. Zurück nach Djugu? Mit nichts neu beginnen? Welche Möglichkeit bleibt sonst? Im Moment oft nur das Gebet: um Weisheit, die richtigen Entscheidungen zu treffen, um Gottes Schutz und Geleit, Frieden und Sicherheit ... Bitte betet mit!

Herzlichen Dank an dieser Stelle allen, die bisher mitgeholfen haben, den Tausenden von Vertriebenen Hilfe und Unterstützung zukommen zu lassen: Nahrung, Kleidung, Küchengeräte, medizinische Versorgung, Schulunterricht für Flüchtlingskinder usw. In aller Not und allem Trauma ist Ihre Hilfe ein Hoffnungsstrahl, der voller Dankbarkeit ergriffen wird. Jesus segne Sie dafür!


Ein Beispiel, was der Konflikt mit den Menschen macht:

„Irgendwer muss doch überlebt haben!“

DMG-Missionarin Kerstin Weiß mit Dzali und Damien
DMG-Missionarin Kerstin Weiß mit Dzali und Damien

Dzali ist 76 Jahre alt. Er kommt aus Rulee, einem Dorf in den Bergen, 120 Kilometer nördlich von Bunia. Dort lebte er mit seiner Frau Ngavele, vier Kindern, Enkeln und seiner Schwester. Mitten in der Nacht kamen die Angreifer. Lautlos schlichen sie ins Dorf und zündeten die Häuser an. Als die ersten Rufe „Feuer, Feuer!“ erschallten, schlüpfte er schnell in Hose, Jacke und die einzigen festen Schuhe, die er besaß, und rannte wie alle anderen nach draußen, um zu helfen. Dort warteten die Angreifer.

Mit Macheten gingen sie auf die unvorbereiteten Dorfbewohner los. Es war ein Massaker, das blanke Entsetzen. Jeder rannte in panischer Angst ums Leben, irgendwohin, nur weg. Dzali erinnert sich noch gut an das Inferno. Die Häuser mit Strohdächern brannten lichterloh. Dazwischen die Attentäter mit ihren furchtbaren Waffen, die erbarmungslos auf jeden einhieben: Frauen, Kinder, alle. Dzali konnte in den Busch entkommen, wo er sich versteckt hielt. Morgens suchte er verzweifelt nach seiner Familie, er fand niemanden. Gemeinsam mit einem anderen alten Mann machte er sich auf den Weg nach Bunia: 120 Kilometer zu Fuß, nur mit dem, was er auf dem Leib trug.

Ein Leiter der CECA-20-Kirche spendet Geflüchteten Trost aus der Bibel.

Er hoffte, dass seine Familie nach Bunia geflohen war. Hier wohnten entfernte Verwandte. Doch er fand niemanden. Die Verwandten wussten nichts von seiner Frau, den Kindern und Enkeln. Er konnte bei ihnen unterkommen, auch sein Freund Damien hat bei ihnen Unterschlupf gefunden. Die Verwandten wohnen etwas außerhalb. Die beiden alten Männer gehen jeden Tag die acht Kilometer in die Stadt, um herauszufinden, ob ihre Familien überlebt haben. Bis heute haben sie keine Nachricht. Irgendwer muss doch überlebt haben!

Was mir bleibt, ist ihnen zuzuhören, Hoffnung zu machen und mit ihnen zu beten. Es gibt nur Gerüchte, welche der vielen Milizengruppen das Dorf niedergebrannt haben. Genaues weiß niemand. Es ist das erste Mal, seit ich im Kongo bin, dass ich die Gewalt und Not so direkt mitbekomme. Mein Team, die CECA-20-Kirche und ich selbst helfen, wo immer wir können. Dabei sind wir sehr dankbar für die Hilfe, die uns über die DMG erreicht hat. Oft ist das einzige, was uns und den Geflüchteten bleibt, ein Gebet und das Vertrauen auf unseren Herrn, der alles im Griff hat, selbst wenn wir manches nicht verstehen. Danke für Ihre Hilfe und Gebete für die Menschen hier.

Die DMG bittet um Spenden:

Wir haben eine Soforthilfe in den Kongo überwiesen. Ihre Spende mit Stichwort „P50409 Nothilfe Kongo“ hilft, Geflüchtete in Bunia zu versorgen.


Bericht vom März 2018:

Eine Tasse Brei und etwas Reis ...

Verzweifelt suchen Menschen aus der Region Djugu Hilfe
Verzweifelte suchen Hilfe

… allein am General Hospital in unserer Stadt sind inzwischen mehr als 50.000 Flüchtlinge gemeldet. In den letzten Tagen kamen täglich 7.000 dazu, die meisten sind Frauen und Kinder. Es gibt noch keine organisierte Versorgung.

Drei kleinere Organisationen und die einheimischen Kirchen (CECA20) und viele einzelne Christen kümmern sich aufopferungsvoll nach ihren Möglichkeiten um die Menschen. Trotzdem müssen viele im Freien auf dem blanken Boden schlafen. Das Essen ist kärglich, eine Tasse Brei und etwas Reis, mehr gab es heute nicht. Es ist schön, wie sich lokale Kirchen um die Menschen kümmern, sie bringen Kleidung und Nahrung zu den Notleidenden, doch ihre Möglichkeiten sind eingeschränkt.

Außerhalb von Bunia in Mbembeyi gibt es ein weiteres großes Flüchtlingscamp. Unzählige Menschen schlafen unter freiem Himmel, und das in der Regenzeit. Viele Christen haben in ihren Häusern Flüchtlinge aufgenommen. Ihre größte Sorge jetzt ist die Versorgung mit Nahrung und Kleidung, das Geld der Gemeinden reicht hinten und vorne nicht. Sehr dankbar bin ich, dass die DMG eine Soforthilfe zu unseren Partnern hier weitergeleitet hat (bspw. die CECA20-Kirche mit 1 Mio. Mitgliedern). Ihre Spenden werden hier dringend benötigt.

In der Region in Djugu sind anscheinend immer noch Bewaffnete unterwegs, die plündernd durch die Dörfer ziehen und Leute ermorden, die es gewagt haben wieder zurückzukommen. Im Busch sollen viele Verletzte liegen. „Ärzte ohne Grenzen“ versucht, sie zu finden und in Krankenhäuser zu bringen. Familien wurden getrennt und einer weiß vom anderen nicht, ob er noch lebt. Kinder sind verlorengegangen und suchen ihre Eltern und umgekehrt.

Ich habe einen alten Mann gesprochen, dessen Dorf nachts überfallen worden ist. Er ist um sein Leben gerannt, die Häuser brannten. Er musste mit zusehen, wie Menschen mit Macheten attackiert, verletzt und getötet worden sind. Auf der Flucht ist er von seiner Familie getrennt worden und sucht jetzt überall in Bunia nach ihnen – beinahe hoffnungslos bei den vielen Flüchtlingen, die über die ganze Stadt verteilt sind. Ob sie noch leben? In diesen Tagen höre ich viele Berichte wie seinen; es ist erschütternd. Danke, dass wir uns mit unserer Bitte um Spenden und Gebet an euch wenden dürfen. Gottes Segen euch allen!


Nachricht vom 23.02.2018:

200.000 Flüchtlinge – vor allem Frauen und Kinder

Kerstin Weiß, DMG-Missionarin im Kongo, bittet um Hilfe
Kerstin Weiß, DMG

Die Zwischenfälle in der Region Djugu, nördlich von Bunia, halten uns in Atem. In den vergangenen drei Wochen haben unbekannte Attentäter 70 Dörfer mit 1.000 Häusern überfallen und niedergebrannt. Viele Menschen sind mit Macheten ermordet worden, hunderte verletzt. Rund 100 Schulen und drei Krankenhäuser wurden geplündert. Die Menschen fliehen aus der betroffenen Region. UNICEF spricht von mindestens 200.000 Flüchtlingen. Viele sind über den Albertsee nach Uganda geflohen.

Hier in Bunia sind rund 20.000 Flüchtlinge angekommen, die meisten sind Frauen und Kinder. Wie viele es tatsächlich sind, weiß niemand. Am General Hospital ist ein großes Flüchtlingslager entstanden. Es sind aber auch viele bei Angehörigen und Freunden in der Stadt untergekommen. Die christlichen Gemeinden in Bunia haben zahllose Flüchtlinge aufgenommen. Es ist nicht leicht, die Menschen zu versorgen. Viele Familien, die zu unseren Kirchen (CECA20) gehören, sind um fünf, acht, zwölf und mehr Flüchtlinge angewachsen. In manchen Familien sind es sogar 20! Es ist schön, die Hilfsbereitschaft zu sehen. Ich sehe aber auch die Not, vor der meine Freunde plötzlich stehen: Wie sollen wir alle ernähren? Essen wird in vielen Familien bereits rationiert. Das Problem wird von Tag zu Tag größer.

Wir helfen, wo es geht, doch unsere Mittel sind begrenzt. Gleichzeitig schnellen die Lebensmittelpreise in die Höhe. Deshalb unsere große Bitte: Könnt Ihr uns kurzfristig helfen? Die Lage ist wirklich schwierig. Viele Flüchtlinge werden wohl noch Monate in Bunia bleiben. Niemand weiß, wo die Attentäter wieder zuschlagen. Wenn sich die Lage beruhigen sollte und sie zurückkehren können, haben sie keine Häuser, Schulen und keine medizinische Versorgung mehr. Es wird sicher noch länger dauern, bis wieder Normalität einkehrt.


Bericht vom 13.02.2018:

Kongo: Alle reden von Frieden ...

Die Situation im Nordosten des Kongo verschärft sich derzeit dramatisch. DMG-Missionarin Kerstin Weiß berichtet aus Bunia:

DMG-Missionarin Kerstin Weiß bittet um Gebet für Nordostkongo
DMG-Missionarin Kerstin Weiß bittet um Gebet für Nordostkongo

Die Situation im Nordostkongo droht zu eskalieren. Jeden Tag erreichen unser Team neue Meldungen, dass in den Bergen Häuser niedergebrannt und viele Menschen umgebracht werden. Unsere Stadt Bunia (ca. 100.000 Einwohner) füllt sich mit Flüchtlingen. Die meisten jedoch fliehen nach Uganda. Schon am Samstag hat man von 60.000 Geflüchteten gesprochen, wie viele es aktuell sind, weiß niemand, die Lage ist unübersichtlich.

Es ist schlimm, dieses ganze Leid mitzubekommen. Menschen sterben auf der Flucht vor Erschöpfung, Kinder sind auf dem Weg hierher nach Bunia verhungert. Im Busch soll es viele Verletzte und Kranke geben, die keine Chance auf medizinische Hilfe haben.

Es bleibt unklar wer hinter dem Ganzen steckt. Offensichtlich sind irgendwelche Gruppierungen bestrebt, einen neuen Krieg zwischen den Stämmen der Lendu und Hema zu provozieren, wahrscheinlich aus politischen Gründen. In Bunia ist die Lage noch ruhig, aber angespannt. Ich fühle mich soweit sicher, die Leute unserer CECA-20-Kirche kümmern sich wirklich gut.

Bitte betet mit, dass die Situation sich nicht weiter verschlimmert und wieder Frieden in unserer Umgebung einkehrt. Es wäre furchtbar für die Menschen unserer Region, wenn hier erneut Krieg ausbrechen würde. Niemand will Krieg. Alle rufen nach Frieden! Betet bitte, dass die Aufrührer und wer auch immer das hier alles anstiftet, gefunden und dingfest gemacht werden und sie es nicht schaffen, die Situation eskalieren zu lassen. Danke für alle Gebete. In Jesus verbunden!

Kerstin Weiß
Mitarbeiterschulung im Kongo

Im Kongo
Im Kongo

Die DMG bittet um Spenden:

Wir haben eine Soforthilfe in den Kongo überwiesen. Ihre Spende mit Stichwort „P50409 Nothilfe Kongo“ hilft, Flüchtlinge in Bunia zu versorgen.

Zurück