Kenia: Christliche Schule in Terrorgefahr

21.08.2015 10:58
Nach Attentaten in Garissa haben die Leute Angst auf die Straße zu gehen
Sind diese Kinder in der Schule noch sicher?

S i n s h e i m / G a r i s s a (tv). In diesen Sommertagen bewegt uns als DMG ein dringender Hilferuf aus dem Nordosten Kenias, wo Terroristen viel Leid verbreiten. Rev. Francis, der Leiter einer kenianischen Schule in Garissa, bittet Deutschland um Gebet für die Christen der 70.000-Einwohner-Stadt; besonders für seine Schule, an der 500 Kinder von 80 christlichen Mitarbeitern betreut werden.

Der kenianische Pastor lebt nur zwei Kilometer von der Universität in Garissa entfernt, an der am 2. April 2015 bei einem Massaker 148 Christen von der somalischen Al-Shabaab-Miliz umgebracht worden sind. Bei einem Besuch der DMG kürzlich erklärte der Kenianer: „Die Christen in Garissa haben Angst. Seit dem Attentat trauen sich viele kaum mehr aus den Häusern.“ 90 Prozent der Einwohner Garissas sind Muslime, rund zehn Prozent Christen: Anglikaner, Evangelikale und Katholiken. „Viele Christen fürchten sich vor ihren Nachbarn und erneuten Attacken.“ Fast täglich komme es zu Übergriffen, erst kürzlich sei wieder ein Polizist ermordet worden.

Traumatische Erinnerungen

Studenten beim Unterricht
Studenten beim Unterricht

Von dem Attentat auf die Universität im April blieben bei Rev. Francis traumatische Erinnerungen zurück. „Während des Überfalls erhielt ich verzweifelte Hilferufe von befreundeten Studenten per SMS auf mein Mobiltelefon. Sie hatten sich in Schränken versteckt. Einer schrieb: ‚Die Mörder kommen immer näher.‘ Manche wurden getötet, andere haben überlebt.“ Die Islamisten hätten mitten in eine christliche Studentengruppe hineingefeuert, die sich gerade zum Gebet versammelt habe. 15 der jungen Beter seien getötet worden. Das habe bei vielen Christen in Kenia Zweifel aufgeworfen, ob ein Gebet zu Jesus überhaupt etwas bewirke.

„Wir bleiben trotz der Gefahr!“

Trotz des Attentats können die Kinder weiter zur Schule gehen
Die Kinder können weiter zur Schule gehen

Die Schule von Rev. Francis liegt etwas abseits der Stadt. Nach dem Attentat auf die Universität seien sie von den Behörden gewarnt worden, dass sie ein weiteres Ziel für die Terroristen sein könnten, so der kenianische Pastor. Seither stehe er unter Polizeischutz. Man habe ihn gebeten, die Schule zu schließen und die Stadt zu verlassen. „Wir bleiben trotz der Gefahr!“, betonte Francis im Gespräch mit Verantwortlichen der DMG. „Wir wollen den Kindern unserer Stadt – Muslimen wie Christen – helfen, dass auch sie die Chance auf denselben guten Schulabschluss haben wie Kinder in anderen Teilen Kenias.“ Mit Hilfsgeldern der DMG und anderer Organisationen haben sie nun eine Mauer um das Schulgelände gebaut und Wächter angestellt, damit die Kinder und Lehrer etwas sicherer sind. „Wenn wir flüchten, gewinnen die Terroristen“, sagte der kenianische Pastor. „Wir haben zwar Angst, aber Jesus kann uns beschützen. Wir vertrauen auf Jesus.“

Hungerhilfe im Flüchtlingslager

Gottesdienst für Christen auf der Flucht
Gottesdienst für Flüchtlinge

Die DMG unterstützt in der Nähe von Garissa auch eine kenianische Hilfsorganisation, die im riesigen Flüchtlingslager Dadaab Nahrung und medizinische Versorgung anbietet. Bei seinem Besuch bat Rev. Francis die DMG um weitere Gelder für die Nothilfe dort. Die Versorgungslage im Flüchtlingscamp sei nach wie vor angespannt. Wegen der anhaltenden Terrorgefahr stellten viele große Hilfsorganisationen immer wieder zeitweilig ihre Arbeit im Flüchtlingslager Dadaab ein. Doch die kenianischen Mitarbeiter fahren ihre Lastwagen mit Hilfsgütern selbst dann noch ins Camp, wenn andere das nicht mehr tun. Sie versorgen rund 1.000 Familien mit dem Lebensnotwendigsten, dabei kümmern sie sich besonders um Frauen und Kinder. Und sonntags bieten sie Gottesdienste für die Christen unter den Flüchtlingen an.

Helfen Sie uns helfen

Die DMG unterstützt die Schule von Rev. Francis sowie die Hungerhilfe in Kenia. Spenden mit Vermerk „P50404 Nothilfe somalische Flüchtlinge“ leiten wir gerne dorthin weiter.

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