Heiligabend in der Fremde

21.12.2016 10:33
Wie erleben unsere jungen Freiwilligen Weihnachten im Einsatzland?
Wie erleben unsere jungen Freiwilligen Weihnachten im Einsatzland?

Junge Christen unterwegs für Gott. Wie erleben sie bei ihrem Freiwilligendienst oder Kurzeinsatz das Christfest? Weihnachten im Ausland, bei den meisten das erste Mal so weit weg von zu Hause. Hier ihre Gedanken, Gefühle und Eindrücke:

Heiße Weihnachten!

Kilian war Lernhelfer in einer Missionarsfamilie
Kilian

Kilian (20), Philippinen

Mit einer Tasse Glühwein und Lebkuchen sitze ich auf dem bequemen Sofa und schaue mir irgendeinen Weihnachtsklassiker im Fernseher an. Draußen fallen große, weiße Schneeflocken vom Himmel. So viele, dass man sie gar nicht zählen kann. Es ist bitterkalt, selbst die Tiere im Wald verkriechen sich in ihre Höhlen. Plötzlich ein lautes Piepsen.

Guten Morgen! Es ist Mitte Dezember und ich kämpfe mich bei 31 Grad aus meinem Bett und schwitze schon beim Gang zur Dusche. Draußen hat die Sonne bereits alles in strahlendes Morgenlicht getaucht. Es laufen die letzten Vorbereitungen für unsere Weihnachtsfeier – am Strand! Spätestens jetzt wird mir klar, dass ich wirklich auf den Philippinen bin. Weihnachten läuft hier doch etwas anders ab als in Deutschland.

Ich war Lernhelfer für zwei Missionarskinder und habe ein Jahr auf diesem wunderschönen Fleckchen Erde verbracht. Es war nicht immer alles leicht, doch Gott war in der ganzen Zeit an meiner Seite. Mit seiner Hilfe konnte ich jeden Berg bezwingen. Rückblickend war diese Zeit total wertvoll für mich. Ich kam in so vielem weiter, habe Erfahrungen gesammelt und mich verändert. Am meisten bin ich im Glauben gewachsen. Meine Beziehung zu Gott hat sich durch viele Situationen richtig verstärkt.

Er hat seinen einzigen Sohn für uns auf die dreckige Erde gesandt, um uns zu retten, obwohl wir es nicht verdient haben. Das gibt mir wirkliche Weihnachtsfreude, die länger anhält als die Freude über süße Lebkuchen und Stollen. „Vertraue auf den Herrn von ganzem Herzen und verlass dich nicht auf deinen Verstand; erkenne Gott auf allen deinen Wegen, so wird er deine Pfade ebnen“ (Sprüche 3,5.6).

Kilian aus Bayreuth war Lernhelfer bei einer Missionarsfamilie.


Was für ein Grund zur Freude!

Hanna verbrachte ihren Jahreseinsatz im Gästebetrieb und Houskeeping eines christlichen Freizeitheimes
Hannah

Hannah (19), Italien

Zugegeben, ich war enttäuscht. Dabei war ich doch während der Weihnachtszeit fast noch im Nachbarland. Und doch schien es, als wäre die wunderbare, geheimnisvolle Atmosphäre des Dezembers nie nach Italien gelangt. Hier gab es weder Adventskranz noch Lieder, keine Plätzchen und keinen Tannenduft. Nur hier und da blinkte ein Sternchen an den Häusern.

Ja, okay, an einem Wochenende gab es sogar einen Weihnachtsmarkt in dem kleinen Bergdorf, in dem ich für ein halbes Jahr wohnte. Dieser beschränkte sich allerdings auf gerade mal zehn winzige Stände. Gebrannte Mandeln und Punsch suchte man vergeblich. Na toll, wie bitte sollte ich so in „Weihnachtsstimmung“ kommen? Dazu kam, dass ich für meinen Einsatz mit der DMG erst wenige Tagen in Italien war und mich in dieser Anfangszeit erst einmal ganz neu orientieren und einleben musste. Dabei verdrückte ich ab und zu die ein oder andere Heimwehträne.

Jesus ist vor 2.000 Jahren nicht in eine Welt, die nach Zimtsternen und Tee duftete, hineingeboren. Nein, er war ein Fremder in einer harten und lieblosen Welt.

Genau in dieser Zeit, die so wenig meinen bisherigen Vorstellungen von Advent entsprach, wurde mir etwas klar: Jesus ist vor 2.000 Jahren nicht in eine Welt, die nach Zimtsternen und Tee duftete, hineingeboren. Nein, er war ein Fremder in einer harten und lieblosen Welt. Was das hilflose Baby damals umgab, war alles andere als der Himmel. Wieso nur lässt ein guter Vater im Himmel solche Umstände zu? Dass eine hochschwangere Frau ihr Kind auf Heu und Stroh zur Welt bringen und später noch fliehen muss? Dass der Sohn Gottes mit Ablehnung und Hass bis hin zum Tod konfrontiert wird?

Weil genau DAS sein Plan war! Jesus kam nicht, um uns eine oberflächlich heile Welt zu bringen, wie sie uns in der Weihnachtszeit oft vorgegaukelt wird. Nein. Er kam, um uns Versöhnung, wahres Leben und tiefen Frieden zu schenken. Und das mitten in einer so kaputten Welt. Was für ein Grund zur Freude!

Hanna aus Karlsruhe verbrachte ihren Jahreseinsatz im Gästebetrieb und Houskeeping eines christlichen Freizeitheimes.


Weihnachtsfeier laut und lang

Elisa absolvierte ihren Freiwilligendienst an einer kleinen christlichen Schule im Himalaya
Elisa

Elisa (25), Südostasien

„Shaantmaya raat, shaantmaya raat“ (Stille Nacht, Heilige Nacht) tönte es vor ein paar Wochen zum ersten Mal im Gottesdienst – mit der bekannten Melodie. Das Lied erinnerte mich daran, dass Weihnachten vor der Tür stand.

In den letzten Tagen vor Weihnachten hat unsere Gemeinde jeden Abend an einem anderen Ort ein Weihnachtsliedersingen am Lagerfeuer veranstaltet. Im Gegensatz zu unserer Auffassung vom ruhigen und besinnlichen Fest ging es hier allerdings ziemlich laut zu, es wurde fröhlich gesungen, getanzt und gegessen. Ein bisschen ungewohnt, aber ich habe es sehr genossen, Advent mal anders zu feiern.

Am 25. Dezember fand dann das eigentliche Weihnachtsprogramm der Gemeinde statt. Der vierstündige Gottesdienst war wieder voll mit Singen, vielen Tanzaufführungen, einer Weihnachtspredigt, dem von uns Kurzzeitlern dreistimmig gesungenen Lied „Engel bringen frohe Kunde“ und einem leckeren Weihnachtsessen. Auch wenn mein Po nach vierstündigem Sitzen auf dem Boden etwas wehtat, war der Gottesdienst wirklich schön. Und wer kann schon sagen, dass er Weihnachten mit 1.600 anderen Gästen gefeiert hat …

Elisa aus Wangen (Allgäu) absolvierte ihren Freiwilligendienst an einer kleinen christlichen Schule im Himalaya.


„Last Christmas I gave you my heart …“

Lena war über die DMG in einem christlichen Café in Nordfrankreich tätig
Lena

Lena (21), Frankreich

Wer kennt es nicht, dieses sich jedes Jahr wiederholende Geplänkel zur Weihnachtszeit? Ständig scheppern dieselben Lieder aus dem Radio. All die Schoko-Nikolause, Süßigkeiten und Lebkuchen, bis einem noch vor dem ersten Advent der Zucker buchstäblich aus den Ohren wächst. Hinter jedem Schaufenster Geschenke. Und auf den Weihnachtsmärkten friert man sich die Zehen ab, weil man im Gedränge eine Stunde für den Glühwein ansteht. Schließlich fragen wir uns, was dieses ganze Gerenne eigentlich soll?

Andererseits hat die Weihnachtszeit immer was Besonderes für sich – die wohlige Stimmung, das „Bredla-Bagga“ (Plätzchenbacken), die Vorfreude der Kinder, Zimt- und Orangenduft, Schnee und sich mit einer Decke und Tasse Tee vor den Kachelofen fläzen. Ich musste mich in letzter Zeit oft dran erinnern, wozu ich hier bin. Seit einem Monat probe ich mit dem Chor einer anderen Gemeinde Lieder, die wir auf Weihnachtsmärkten, in Einkaufszentren und im Altersheim vortragen. Und unser Café-Team arbeitet mit Mitgliedern unserer kleinen Gemeinde seit drei Wochen im Weihnachtsstand auf dem Marktplatz, wo wir Fair-Trade-Artikel aller Art, von Holzschalen und Dekoration, über Krippen bis Spielzeug und Kaffee verkaufen.

Zahlenmäßig fehlt es an Mitarbeitern, da das Café ja nebenher trotzdem geöffnet hat. An Wochenenden kann es deswegen schon mal zu einem 14-Stunden-Tag kommen. Ich hab den gestalterischen Job übernommen und bin vollauf beschäftigt, Plakate, Preis- und Werbe-schilder oder Flyer für Veranstaltungen zu entwerfen. Es gibt jede Menge vorzubereiten und zu organisieren.

Jedenfalls war ich in manchen Momenten tatsächlich schon so weit, dass ich mir gedacht hab: Wäre ich doch besser irgendwo in den indonesischen Busch ausgereist ...

... fernab vom Weihnachtsstress. Wo ich Zeit gehabt hätte, in der Hängematte schaukelnd Bücher zu lesen, und ein ruhiges Weihnachten unter Palmen feiern könnte. Aber dann ist mir wieder eingefallen, warum es Weihnachten überhaupt gibt: Denn einer hat uns tatsächlich wie im Song am Anfang sein Herz gegeben! Deshalb ist er zu uns gekommen – nicht der Nikolaus und auch nicht das kleine „Chrischtkindle“. Jesus, der Sohn Gottes!

Er, der es nicht nötig gehabt hätte auch nur einen Finger für uns krumm zu machen, der Weg, Wahrheit und Leben ist, kam für uns auf die Erde – um für unseren Mist zu sterben und an unserer Stelle durch die Hölle und wieder zurück zu gehen. Weil er uns liebt. Lest einfach mal Psalm 139, ich hab den die letzten Wochen hundert Mal vorwärts und rückwärts gelesen und begreife es wahrscheinlich trotzdem immer noch nicht …

Weihnachten erinnert uns daran, was vor 2.000 Jahren in einer kleinen, staubigen Stadt namens Bethlehem geschehen ist. Nicht an Geschenke und Spekulatius, sondern an die einzigartige Person, die uns nicht alleine lässt, selbst wenn wir aus lauter Widerwillen vor ihr ans Ende der Welt fliehen würden. Lasst uns also einen ruhigen Moment der Stille finden, in dem wir unsere Gedanken vom überfüllten Terminkalender losmachen und dem Herrn für sein einzigartiges Geschenk danken, das wir nur bereitwillig anzunehmen brauchen. In diesem Sinne gesegnete Feiertage. Joyeux Noël!

Lena aus Biberach war über die DMG in einem christlichen Café in Nordfrankreich tätig.



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