Hebammen: Eine besondere Berufsgruppe

06.02.2020 12:16

Hebamme Christina Krappe (Benin/DMG) durfte im Reisedienst (Deutschland) beim Oberhausener Hebammensymposium als Referentin sprechen. Sie berichtet:

DMG-Hebamme Christina Krappe beim 14. Oberhausener Hebammensymposium
Christina Krappe beim 14. Oberhausener Hebammensymposium

Wo 600 Hebammen zusammenkommen

Mitarbeiter beim Blutspenden im Krankenhaus Bembéréké
Benin: Beim Blutspenden

Die Einladung erreichte mich bereits vor vielen Monaten, als ich noch in Bembéréké (Benin) war. Ich wusste sofort, dass ich sehr aufgeregt sein würde, sagte aber natürlich nach kurzem Zögern zu. Das Hebammensymposium wird seit 2007 von meinem ehemaligen Arbeitgeber, dem Evangelischen Krankenhaus Oberhausen, durchgeführt. Schon bei der Premiere damals war ich dabei und durfte in den folgenden Jahren als leitende Hebamme selber mit einem tollen Team diese Fortbildung organisieren.

Auch später, als ich nicht mehr Leiterin des Kreißsaales war, blieb das Symposium für mich eine Veranstaltung, die mit Arbeit aber auch viel Freude verbunden war und uns als Kolleginnen im Team zusammenschweißte. Jahr für Jahr sind viele Hebammen der Einladung zum Symposium gefolgt, das stets geprägt ist von einer Vielfalt relevanter Themen für die tägliche Arbeit im Kreißsaal.

Ich durfte erzählen, welche Motivation uns als Mitarbeiter antreibt, Patienten mehr als nur medizinisch zu versorgen.

Dieses Jahr kamen ca. 600 Teilnehmerinnen in der Luise-Albertz-Halle in Oberhausen zusammen. Wie befürchtet, war ich vor meinem Vortrag aufgeregter als üblich. Eine Präsentation vor der eigenen Berufsgruppe ist doch etwas Besonderes. Von meinen ehemaligen Kolleginnen wurde ich herzlich begrüßt und fühlte mich sofort heimisch und willkommen. Carolin Buttke, leitende Hebamme, kündigte mich sehr persönlich und freundlich an.

„Ich berichtete über das Leben in Benin“
Deutschland: Im Symposium

Ich berichtete über das Leben im Benin; die Herausforderungen für die Menschen in einem der ärmsten Länder der Welt; die geburtshilfliche Abteilung im Krankenhaus Bembéréké; die Arbeit in Dorfkliniken und in der Sprechstunde. Und welche Motivation uns als Mitarbeiter im Krankenhaus antreibt, Patienten mehr als nur medizinisch zu versorgen. Uns ist ebenso wichtig, ihnen die gute Nachricht von Jesus Christus zu erzählen. Er alleine ist es, der Hoffnung und Zuversicht ins Leben bringt und frei machen kann von alten Bindungen und Ängsten. Beides erleben wir tagtäglich bei den Menschen im Kontext von Islam, alten Traditionen und Voodookult.

Die Stimmung im Saal war nachdenklich, bei vielen meiner Fotos ging ein Raunen durch die Reihen. Es gab aber auch Lacher, zum Beispiel als ich zeigte, dass ab und zu mal ein Huhn in der Umkleide der Klinik sitzt – oder wie Babys mit viel Seife und Naturschwamm geschrubbt werden. Eine Kollegin sagte hinterher: „Im Saal war es mucksmäuschenstill, die Kolleginnen hingen an deinen Lippen.“ Ich verbrachte den restlichen Tag zufrieden unter meinen Kolleginnen im Kongresszentrum, hörte selbst noch einige Vorträge und führte viele schöne Gespräche.

Benin: Christina Krappe arbeitet in der Geburts- und Dorfgesundheitshilfe

Carolin Buttke schrieb später: „Natürlich interessiert uns als Hebammen sehr, wie Christina Krappes Arbeitsalltag aussieht. Dies hat sie eindrücklich geschildert. Aber auch das Leben in Benin, von den Menschen dort und deren Sorgen, Problemen und Freuden hat sie uns in ihrem einstündigen Vortrag ein lebhaftes Bild vermittelt – auch dank vieler toller Fotos. Wir Hebammen in NRW sind durch massiven Personalmangel und steigende Anforderungen belastet. Im Vergleich zur Arbeit in Benin geht es uns aber doch sehr gut, auch weil wir viele Dinge zur Verfügung haben, die uns unseren Arbeitsalltag erleichtern.“

Bitte um Gebet für Hebammen

Meine Kolleginnen in Deutschland brauchen Gebet: Sie übernehmen immer mehr Verantwortung, führen häufig fachfremde Arbeiten aus, ohne dabei Zeit für die eigentlichen Hebammentätigkeiten zu haben. Durch Personalmangel sind Schichten oft nicht ausreichend besetzt, die Betreuung der Frauen leidet und es kommt zu gefährlichen Situationen, was wiederum zu einer hohen Belastung für die Hebammen führt, denn niemand von uns möchte so verantwortungslos arbeiten. Bitte beten Sie mit für sie. Und für meinen Reisedienst, die vielen schönen Begegnungen in Gemeinden und bei Vorträgen.

Von Christina Krappe

Sie wollen für Christina Krappe und ihre wertvolle Arbeit spenden? Projektnummer: „P10345 Krappe“ aufs  Spendenkonto der DMG.

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