Haiti: Gott an die erste Stelle setzen

25.09.2014 12:08

Baptisten-Gemeinden erleben enormes Wachstum

Kirchenpräsident Alnève S. Emile mit Ehefrau Rose bei seinem Besuch der DMG Ende September
Rev. Alnève S. Emile mit Ehefrau Rose

Die Baptistenkirche im südlichen Haiti MEBSH (Mission Evangelique Baptist du Sud d’Haiti) hat in den vergangenen 20 Jahren trotz politischer Instabilität, Naturkatastrophen und der weltweiten Wirtschaftskrise, die auch die Karibikinsel getroffen hat, ein enormes Wachstum erlebt. Die Zahl der Gemeinden, Getauften und Gottesdienstbesucher hat sich in diesem Zeitraum mehr als verdoppelt. Das berichtete der Präsident der MEBSH-Kirche, Alnève S. Emile (Les Cayes), bei einem Besuch der DMG in Sinsheim, mit der sie partnerschaftlich verbunden ist.

1994 habe der südhaitianische Baptistenverband knapp 250 Gemeinden gezählt, heute seien es 488 größere Gemeinden mit 32.000 getauften Mitgliedern, und sonntags kämen mehr als doppelt so viele Besucher in die Gottesdienste. Zusammen mit den  Hausgemeinden sind es sogar 600 Gemeinden, so Révérend Emile. Außerdem gehören zu dem Verband noch 235 Grundschulen mit rund 40.000 Schülern, zwölf weiterführende Schulen, ein christlicher Radio- und Fernsehsender sowie eine Universität.

Beeindruckender Einsatz der Pastoren

Besonders beeindruckend sei der Einsatz der Pastoren seiner Kirche. Sie seien sehr viel unterwegs, um Menschen von Jesus weiterzusagen – oft Tagesreisen ohne Auto, weil sie nicht viel besitzen. Besonders nach dem Erdbeben vom Januar 2010, das die Hauptstadt Port au Prince und ihr Umfeld in Schutt und Asche gelegt und Tausende in den Tod gerissen hatte, sei es zu einem enormen Zustrom und zur Gründung neuer Gemeinden gekommen, was bis heute anhält, erklärte der Kirchenpräsident.

Dank an die DMG für ihre Nothilfe

In diesem Zusammenhang dankte Rev. Emile der DMG für ihre Nothilfe damals. Ein Ärzte- und Helferteam mit DMG-Chirurg Dr. Eckehardt Wolff und dem technischen Missionar Hermann Schirmacher (beide Ecuador) hatte bei einer Reihe von Hilfseinsätzen etlichen Menschen das Leben gerettet, Tausende medizinisch versorgt und hunderte Schwerverletzte durch Operationen wiederhergestellt. Heute, knapp fünf Jahre nach dem Erdbeben, sei zwar die gröbste Not gelindert, erklärte Emile, manches Gebäude wieder aufgebaut und die meisten hätten wieder ein Zuhause, doch wirtschaftlich liege Haiti weiter am Boden.

Arbeitslosigkeit ist das Hauptproblem

Besonders die Arbeitslosigkeit (mehr als 40 Prozent) mache dem Inselstaat und seiner Kirche zu schaffen. 80 Prozent der Bevölkerung Haitis lebt unter der Armutsgrenze. Emile: „Gemeinden können Pastoren kein Gehalt bezahlen, Eltern nicht das Schulgeld und die Schuluniformen für ihre Kinder, sodass kirchliche Schulen kein Geld für die Gehälter der Lehrer haben und viele Kinder nie ausgebildet werden. Haitis Kinder brauchen Nahrung, Medizin, Schule und Ausbildung.“ Aus dieser Negativspirale komme sein Land nur schwer alleine heraus.

Wichtig: Biblisch-theologische Lehre

Geistlich sei das größte Problem Haitis der Synkretismus, die Vermischung des christlichen Glaubens mit Elementen aus der alten Naturreligion und dem Voodookult. Deshalb investiere sein Verband in gute theologische Ausbildung für Pastoren und Mitarbeiter, damit die Menschen in Haiti ihr Leben wirklich an der Bibel ausrichteten. „Mein Wunsch und meine Hoffnung ist, dass die Leiter in Politik, Wirtschaft und Kirche Gott an die erste Stelle setzen – dann wird sich unser Land zum Guten verändern, davon bin ich überzeugt!“ sagte Emile gegenüber den Verantwortlichen der DMG.

Frauenarzt, Hebamme und Verwaltungsleute gesucht

Dankbar zeigte sich der haitianische Bischof für die sechs Langzeitmissionare der DMG in seinem Verband: Volker und Anette Schnüll bilden am theologischen Seminar in Les Cayes Pastoren und Evangelisten aus. Susanne Baerg sowie Arne und Priscilla Clemm schulen Kindermitarbeiter und erstellen Sontagschulmaterial in Kreolisch, und Kinderkrankenschwester Susanne Fassl engagiert sich in der medizinische Arbeit einer Klinik des Baptistenverbandes. Emile bat um weitere Missionare aus Deutschland für seine Kirche: Am dringendsten benötigten sie einen Frauenarzt, eine Hebamme und Verwaltungskräfte, die Haitianer ausbilden.

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