Flächenbrand in Afrika

12.02.2015 11:41
In einer zerstörten Kirche im Niger
In einer zerstörten Kirche im Niger

Afrika brennt. Erschüttert es uns noch, was wir täglich über Anschläge, Krieg und Krankheitsnot vom schwarzen Kontinent hören? Der folgende Bericht ist wie ein kurzer Besuch, eine Stippvisite bei Menschen und christlichen Gemeinden. Einige werden namentlich genannt, und sie stehen doch nur als Beispiel für die Not Tausender. Was bewegt Afrika? Ein Aufruf zum Gebet:

Auch Gesunde sind Opfer – Liberia, Guinea, Sierra Leone

Mehr als 8.000 Tote durch Ebola
Mehr als 8.000 Tote durch Ebola

Für Aufsehen sorgten im Sommer 2014 die sonst eher unbekannten Länder Westafrikas: Ebola! Eine Epidemie verbreitete weltweit Angst. Liberia, das durch 14 Jahre Bürgerkrieg vorher schon viel Tod und Zerstörung erlebt hat, wurde von der hochansteckenden Viruserkrankung überrollt. Mittlerweile geht die Zahl der Neuerkrankungen etwas zurück, doch die Probleme der Menschen haben sich weiter verschlimmert: Monatelang stand der Alltag still, die schwache Wirtschaft litt und die Mobilität brach zusammen. Viele Menschen stehen heute vor dem Aus. Es bleibt die traurige Bilanz von mindestens 8.200 Verstorbenen in den betroffenen Ländern – und zudem die Sorge der Gesunden um ihre Zukunft.

Die Rolle der Medien – Arabische Welt

Einige Länder Nordafrikas haben Revolution und Befreiung hinter sich. Manchmal kommt es noch zu Blutvergießen, doch es gibt auch Gutes zu berichten: Als sich in der ägyptischen Wüste kürzlich 10.000 junge Christen versammelten, um gemeinsam zu beten, erlebten dies Tausende über Satellitenfernsehen von Marokko bis Ägypten mit. Die christlichen, kulturell angepassten TV-Serien, Filme und Talkshows des Fernsehsenders SAT-7 zu aktuellen Themen sind überaus beliebt. SAT-7 ist ein wichtiger Partner der DMG. Schauspieler und Moderatoren kommen aus der einheimischen Bevölkerung. Die Programme werden für viele Menschen zur Ermutigung und Plattform für gegenseitigen Austausch. In Zeiten von Bürgerkrieg und gesellschaftlichem Wandel in der Arabischen Welt sendet SAT-7 Programme, die versöhnen und Menschen miteinander ins Gespräch bringen. Auch das Kommunikationsmittel Smartphone ist in Afrika angekommen. Christliche Videoclips und die Bibel, die von überall heruntergeladen werden können, verbreiten sich rasend.

Der Angst trotzen – Niger, Nigeria und Kamerun

Zerstörte Kirche im Niger
Zerstörte Kirche im Niger

Terror versetzt die Menschen in Angst und Schrecken – in Nigeria kein neues Gefühl. Viele Menschen werden in Angst geboren, wachsen in Angst auf; kennen es kaum anders. In den vergangenen Wochen hat sich die Gewalt gegen Christen immens verschärft. Es kommt verstärkt zu Angriffen auf Städte, besonders im Norden. Gemeinden stehen unter Verfolgung. Oft bekennen Christen hier bewusst: „Wir bleiben.“ Sie werden angegriffen, fallen und stehen wieder auf. Um ihren muslimischen Nachbarn dennoch freundlich und vergebend zu begegnen. Ihre Reaktion ist meist nicht Hass und Rache, sondern Liebe.

Zielscheibe Ausländer – Afrika allgemein

Quer durch ganz Afrika kommt es vermehrt zu Übergriffen auf Ausländer und Christen. Auch viele unserer Mitarbeiter leben in ständiger Spannung. Wir müssen uns fragen, wieviel Gefahr verantwortbar ist, und klare Entscheidungen treffen. Wie gehen wir mit der neuen Sicherheitslage um? Hier benötigen unser Personalleiter Andrew Howes sowie die Landesleiter vor Ort Gebet und viel Weisheit.

Unsichtbare Gefahr – Mali, Zentralafrikanische Republik

Brennpunkte in Afrika
Brennpunkte in Afrika

Neben Boko Haram existieren noch viele weitere radikal-islamische Gruppierungen im Herzen Afrikas. Da sich die Terroristen in normaler Kleidung unerkannt bewegen können, stellen sie eine ständige, unsichtbare Gefahr dar. Sie überwinden Kilometer und Grenzen und handeln oft unabhängig, im Sinn ihrer schrecklichen Vorbilder Al Quaida und IS. Die Radikalisierung junger Afrikaner macht uns betroffen. Sie nährt sich aus Armut, Perspektivlosigkeit und dem Mangel an Alternativen. In den islamistischen Terrorgruppen sammeln sich Frustrierte und Enttäuschte. Hier können sie Macht ausüben und zu vermeintlichen Helden werden. Sie wenden sich bewusst gegen Christen und Ausländer. In Mali und Zentralafrika half der Einsatz französischer Truppen, den Frieden einigermaßen wiederherzustellen. Doch dauerhaft Friede sichern, scheint unmöglich. Gleichzeitig hören wir immer wieder, wie auch Jesus Christus im Unsichtbaren wirkt und sich Muslimen durch Träume und Visionen zeigt.

Wenn das Militär selbst wegläuft – Nigeria

Sicherheitskräften und Polizei fehlt es an Übung im Umgang mit Terroristen. In Nigeria steht das schlecht ausgebildete Militär entschlossenen islamistischen Kämpfern gegenüber. Viele Soldaten laufen einfach weg. So gelingt es wenigen Terroristen, selbst große Städte in Angst und Schrecken zu versetzen und schlimmes Leid anzurichten. Die Bevölkerung flieht zu Zehntausenden. Besonders in entlegenen Gegenden fehlt es an Sicherheitspersonal. Ein Polizist wunderte sich über christliche Missionare in einem kleinen Dorf: „Ich verstehe euch nicht. Mich hat man hierher strafversetzt. Wie kann es sein, dass ihr hier freiwillig helft?“ Bitte beten Sie für engagierte Sicherheitskräfte, die sich dem Terror entgegenstellen und die Bevölkerung wirklich schützen.

Gott wird sichtbar – Äthiopien

Einsatz in einem äthiopischen Dorf
Einsatz in einem äthiopischen Dorf

Hier erleben wir Wunder: Nach Gebet in einem äthiopischen Krankenhaus verspürten Christen den Wunsch, eine unerreichte Volksgruppe zu besuchen. Sie machten sich auf den Weg zu einem Dorf, eine Tagesreise entfernt, doch dort waren sie nicht erwünscht. Die Menschen litten unter der Dürre, in drei Jahren war kein Tropfen Regen gefallen. Sie stellten ihre Gäste vor die Wahl: Entweder es regne innerhalb der nächsten 24 Stunden oder sie hätten ernsthafte Folgen zu befürchten. In ihrer brenzligen Lage wandten sich die Christen sofort an Gott und beteten. Postwendend kam die Gebetserhörung, es goss aus Kübeln. Sogar ihr Auto blieb im Schlamm stecken. Daraufhin entschieden sich 90 Dorfbewohner, diesem lebendigen Gott zu folgen. Wir beten, dass Jesus sich noch vielen Unerreichten in Afrika so deutlich zeigt – und für die junge Gruppe Christen in diesem Dorf.

Jung, gebildet, engagiert, studiert: arbeitslos! – Vielerorts

Traurig lesen sich die Lebensläufe vieler junger Afrikaner; die zwar einen guten Schulabschluss haben, danach jedoch keinen Arbeitsplatz finden. Wie sollen sie ihre Familien ernähren? Zudem hemmt Korruption das Wachstum in vielen Ländern. Afrika braucht mutige Regierungen, die sich nach dem Besten für die eigene Bevölkerung ausstrecken und Korruption sowie persönlicher Machtvermehrung eine klare Absage erteilen. Beten Sie für die jungen Leute um Perspektiven. Und dass sich die Politik an christlichen Werten orientiert.

Auf zu neuem Miteinander – Südsudan, Angola, Mosambik

Diese Länder haben jahrelange Bürgerkriege durchlitten, und die Sehnsucht nach einer friedvollen Zukunft ist groß. 30 Jahre hat es im Südsudan gedauert, bis endlich die Waffen schwiegen. Doch die Wunden reichen tief, die Fehden zwischen den Stämmen und Familien lassen sich nicht einfach befrieden. Wer jahrelang damit rechnen musste, dass sein Nachbar ihn umbringen oder bestehlen wollte, benötigt Zeit, bis wieder Vertrauen entstehen kann. Wir beten, dass die Menschen sich mit ihrem jeweiligen Land identifizieren, Ängste überwinden und Christen Verantwortung in der Gesellschaft übernehmen.

Christen in Kenia beim Gebet für Frieden in ihrem Land
Christen in Kenia beim Gebet für Frieden in ihrem Land

Frieden den Freibeutern – Somalia

Das vergessene Land am Horn von Afrika ist ausgebrannt. Die Menschen erhalten kaum Hilfe von außen und können sich selbst nicht aus dem Sumpf ziehen. Es ist ein Wunder nötig, damit aus dem Volk der Kämpfer und Piraten wieder eine regierbare, friedliche Nation entsteht. Dafür beten wir.

Wo Staatsmacht Menschen unterdrückt – Eritrea

Die Menschen in Eritrea leiden unter einem diktatorischen Regime, das die eigene Bevölkerung knechtet und ausbeutet. Die Versorgungslage ist prekär. Hinzu kommt die massive politische Verfolgung der ev. Christen – sie brauchen unser Gebet.

Wie reagieren wir, wenn wir diese Nachrichten lesen? Ganze Städte fliehen vor Terror, Menschen lassen alles zurück. Berührt uns das noch? Beten Sie mit. Gehen Sie vor Ihrem inneren Auge die Afrikakarte entlang und denken Sie an die Menschen und ihre Sorgen in den einzelnen Ländern. Lassen Sie uns als Gottes Familie für unsere Glaubensgeschwister in Afrika einstehen. Besonders auch für diejenigen, die in diesen Tagen als Asylbewerber in unsere Nachbarschaft ziehen.

Von Nina Hettche
(Praktikantin in der DMG-Öffentlichkeitsarbeit, Februar 2015)


Zurück