Eine besondere Weihnachtsgeschichte

11.12.2013 14:58

Wie ein Dorf im Senegal das erste Mal die Geburt von Jesus feiert

Mitten in der senegalesischen Savanne liegt ein kleines Dorf, Kambouska
Mitten in der senegalesischen Savanne liegt ein kleines Dorf, Kambouska

Kambouska ist ein Dörfchen in der Nähe des Bandia-Naturreservates, mitten im Senegal. Zehn Familien vom Volk der Serer-Safen, rund 50 Personen, leben hier unter einfachsten Verhältnissen in der Savanne. Bis vor kurzem waren alle Einwohner Anhänger eines Volksislam, stark vermischt mit Elementen aus ihrer alten Naturreligion und düsterem Aberglauben. Sie trugen Amulette, brachten dem uralten Baobab-Baum in der Ortsmitte Opfer dar, und die Angst vor dem Bösen Blick hatte sie fest im Griff. Doch das änderte sich. Heute feiern die Einwohner Kambouskas fröhlich die Geburt von Jesus. Wie kam es dazu?

Der erste Kontakt

Mam Astou ist eine 42-jährige Afrikanerin aus einem Nachbarort von Kambouska. Wie viele aus ihrer Gegend suchte auch sie sich eine Arbeit in der 23 Kilometer entfernten 200.000-Einwohner-Stadt Thiès, um für ihre Familie ein Zubrot zu verdienen. In Thiès leben seit knapp vier Jahren auch die DMG-Missionare Johann und Lydia Isaak, die von hier aus mehrere Entwicklungsprojekte im Umland betreuen.
Mam Astou zog also in Thiès in eine Wohngemeinschaft mit einer fröhlichen Christin ein. Diese junge Frau erzählte ihrer Mitbewohnerin vom Lande so begeistert von ihrer lebendigen, persönlichen Freundschaft mit Jesus, dass Mam Astou diesen Jesus ebenfalls so nah kennenlernen wollte. Sie wagte den Schritt in die Gemeinde ihrer Zimmergenossin und hörte interessiert auf die gute Botschaft. Eines Tages entschied sie sich ganz bewusst für ein Leben mit Jesus, obwohl dieser Schritt den Bruch mit ihrer Familie bedeutete. Denn sie hatte erlebt, wie Jesus sie innerlich befreite, und das wollte sie nicht wieder verlieren.
Die DMG-Missionare Johann und Lydia Isaak suchten derweil dringend eine Übersetzerin in die Sprache der Serer-Safen, dem Volk von Mam Astou (rund 205.000 Menschen). In deren Dörfern wollten die Isaaks Brunnen bohren und Landwirtschaftsprojekte aufbauen. Mam Astou war ideal geeignet, sie bekam die Stelle und schnell wuchs Vertrauen.

„Komm, lass uns in deine Heimat fahren“

DMG-Missionarin Lydia Isaak im Gespräch mit den Einwohnern des Dörfchens Kambouska
Im Gespräch mit den Einwohnern

Eines Tages fragten Johann und Lydia die Senegalesin, ob sie gemeinsam mit ihr ihren Heimatort in der Nähe des Nationalparks besuchen dürften. „Das geht gar nicht“, erwiderte Mam Astou. „Meine Eltern wissen, dass ich Christ bin. Sie haben mich aus unserem Dorf gejagt und wollen mich nicht wiedersehen, weil ich nicht mehr an ihre Religion glaube!“ Mam Astou hatte schreckliche Angst vor der Begegnung mit ihrer Familie.
Ehepaar Isaak jedoch ließ nicht locker. Ein paar Wochen später stellten sie dieselbe Frage erneut: „Komm, lass uns gemeinsam deine Heimat besuchen, um den Menschen zu helfen und ihnen die Botschaft von Jesus weiterzusagen.“ Zuerst zögerte die Senegalesin, doch ein paar Tage später rief sie ihre Mutter an – und das Wunder geschah: Die Eltern erlaubten ihrer Tochter das erste Mal seit Monaten einen Besuch zu Hause. Gemeinsam mit dem weißen Ehepaar, obwohl sie wussten, dass sie alle Christen waren.
Ein paar Tage später machten sich die Missionare und Mam Astou im Geländewagen auf den Weg. Wie bei jeder Reise aufs Land nahmen sie viele Leute in ihrem Auto aus der Stadt mit in deren Heimatdörfer. Ihr Mitsubishi war voll bis unters Dach mit Menschen, Vieh und Gepäck als er von Schlagloch zu Schlagloch auf Mam Astous Heimatdorf zurollte.
Der Empfang dort war trotz tropischer Hitze eher kühl und zurückhaltend. Einige Männer kamen auf sie zu, darunter der Dorfälteste, ein würdevoller alter Mann im blauen Gewand, der sich auf seinen Stock stützte. „Was wollt ihr hier?“, fragte er. „Wir möchten euch die Liebe von Jesus weitergeben“, antwortete Johann Isaak. Die Reaktion des alten Afrikaners: „Wir möchten das nicht, lasst uns in Ruhe …“
Dennoch konnten die Missionare die Familie von Mam Astou besuchen, mit ihnen essen und lange über den Glauben reden. Die Familie fasste Vertrauen und nahm ihre Tochter wieder an. Von nun an kamen sie oft hierher, verbrachten viel Zeit mit den Menschen und halfen ihnen. Die erste Türe in diese Region hatte sich geöffnet.

Kinder von Kambouska staunen über den ersten Wasseranschluss in ihrem Dorf
Kinder von Kambouska staunen über den ersten Wasseranschluss in ihrem Dorf

Sie erzählten von einem „dunklen Ort“

Einmal erzählten die Verwandten von Mam Astou ihnen von Kambouska, einem größeren Gehöft, einen Kilometer entfernt, auf dem ein Fluch liege. Erstaunt lauschte Ehepaar Isaak den Berichten der Männer über diesen „dunklen Ort“. Mit Angst in den Augen erzählten sie: „Keiner von uns geht gerne nach Kambouska, die Menschen dort sind uns nicht geheuer. Es gibt da eine Frau, die hat den bösen Blick. Wenn sie einen Mann auch nur anschaut, wird der unfruchtbar.“ Es kursierten noch andere üble Gerüchte über die Leute von Kambouska. Johann Isaak wurde neugierig und entschied, diesem Dorf einen Besuch abzustatten.
Vor ihrer Fahrt dorthin beteten die Missionare besonders um Gottes Schutz vor bösen Mächten und um seine Hilfe. Nach drei Stunden Fahrt auf staubigen Pisten erreichten sie das erste Mal Kambouska. Es erwartete sie eine Ansammlung einfacher Backsteinhütten mit rostigen Wellblechdächern, umgeben von Mauern oder Zäunen aus Holz.
Sofort fiel ihnen die bedrückende Stimmung in diesem Dörfchen auf. Vor einem Haus saßen ein paar Männer auf Matten und tranken grünen Tee miteinander. Sie staunten nicht schlecht über den unerwarteten Besuch zweier weißer Missionare. Spielende Jungs kamen dazu. Nach dem üblichen Begrüßungsritual lud man die Gäste zum Essen ein, und man erzählte ihnen aus ihrem Alltag mit Acker und Vieh. Dann führten sie Isaaks durch ihr Dorf und über die Felder. Ein paar Hühner suchten sich im Staub ihr Futter, in der Ferne schrie ein Esel, Hunde bellten.

Eine junge Mutter, die im Sterben lag

Bei dem Rundgang fiel den Missionaren in einer offenen Hütte eine spindeldürre, kranke Frau auf, die still und teilnahmslos vor sich hin dämmerte. Sie hieß Sali, war etwa 30 Jahre alt, verheiratet und hatte vier Kinder. Sali konnte schon seit Wochen kein Essen mehr zu sich nehmen und hatte extreme Bauchschmerzen. Sie war so abgemagert, dass alle in Kambouska überzeugt waren: „Sali wird sterben.“ Man hatte sie aufgegeben. Auch ihr Mann Abdulai, der als Nachtwächter in einem Steinbruch dieser Gegend arbeitete, hatte sich mit ihrem nahenden Tod abgefunden.
Die DMG-Missionare fackelten nicht lange. Sie baten die Einwohner Kambouskas, ob sie Sali mit in die nächste Klinik nehmen dürften. Man stimmte zu. Also luden sie die schwerkranke Frau in ihren Geländewagen – ihr Ehemann und die Mutter kamen ebenfalls mit – fuhren sie in ein christliches Krankenhaus nahe der Stadt und bezahlten die Untersuchungen und Medikamente für Sali. Der Arzt diagnostizierte eine Magenkrankheit und gab ihr die notwendige Medizin.
Daraufhin beteten Johann und Lydia auf Französisch mit ihr: „Herr Jesus, wenn du möchtest, dann mach Sali bitte gesund, das bitten wir dich in deinem Namen, Jesus Christus. Amen.“ Auch Salis Mann und ihre Mutter sprachen laut ihr: „Amen!“ Das war mit Sicherheit ihr erstes Gebet zu Jesus. Danach fuhren Isaaks Sali und ihre Angehörigen wieder nach Kambouska zurück.
In den Tagen darauf besuchten die Missionare Sali und ihre Familie mehrfach. Jedesmal ging es der jungen Mutter besser. Schließlich war Sali vollständig geheilt. Inzwischen erwartet sie ihr fünftes Kind und ist kerngesund.

„Herr Jesus, wenn du möchtest, dann mach Sali bitte gesund, das bitten wir dich in deinem Namen, Jesus Christus. Amen.“

Viele wünschten sich ein Gebet und Hilfe

Salis Heilung sprach sich herum in der Gegend von Kambouska. Malik, der Vater der Geheilten, erzählte jedem: „Der Gott von Johann hat meine Tochter gesund gemacht.“ Nun waren die Missionare gern gesehene Gäste in den Hütten am Bandia-Naturreservat. Ein einziges Gebet zu Jesus hatte ihnen die Türen und Herzen der Menschen geöffnet. Von einer Familie zur nächsten lud man sie ein.
Immer wieder hörten sie die Frage: „Bitte betet für unseren kranken Sohn.“ Oder: „… die Kuh gibt keine Milch mehr, betet ihr für sie?“ Obwohl Jesus längst nicht alle Gebete erhörte, wuchs in den Leuten von Kambouska der Glaube an Jesus – einen Gott, der sich von ihrem bisherigen drastisch unterschied; weil er ihr Freund sein wollte, ihnen nahe kam, sie spürbar lieb hatte und ihre Bitten nicht unbeantwortet ließ.
Ehepaar Isaak entschied, Kambouska mit in ihre Entwicklungshilfe einzubeziehen. Sie nahmen sich viel Zeit für die Menschen, legten ihnen eine Wasserleitung vom 400 Meter entfernten Brunnen bis mitten ins Dorf. Sie halfen, alte Dächer abzudichten und bauten ordentliche Latrinen am Ortsrand. Bis dahin hatten die Menschen ihre Notdurft immer hinter der nächsten Hütte oder dem nächsten Busch verrichtet. Die Situation in Kambouska veränderte sich nachhaltig durch den Dienst von Isaaks, die sich um Hygiene und die medizinische Versorgung Kranker kümmerten.
Besonders aber veränderten sich ihre Herzen: Inzwischen treffen sich die Einwohner Kambouskas regelmäßig mit Johann in der Ortsmitte, wo er ihnen aus der Bibel von Jesus erzählt. Dabei macht er besonders deutlich, dass Jesus vor 2.000 Jahren mit seinem Tod am Kreuz ein für alle Mal den Sieg über alle bösen Mächte errungen hat. Mit großen Augen hören sie ihm zu. Die Angst und der Aberglaube der Menschen in Kambouska weichen einer nie gekannten Glaubensfreude. Dieses Jahr wollen sie Weihnachten feiern, die Geburt von Jesus Christus, der das Leben der jungen Mutter Sali bewahrt und vielen in ihrem Ort sichtbar geholfen hat.

Beginn eines Weihnachtswunders

Die Kinder von Kambouska hören biblische Gschichten
Kinder von Kambouska

Auch in den Nachbardörfern wird die Veränderung spürbar. Die Leute in Mam Astous Dorf beispielsweise staunen über das, was in Kambouska geschehen ist. Familien aus der ganzen Region laden Isaaks ein, um mehr von Jesus zu hören. Viele kommen ins Nachdenken über den Unterschied zwischen ihrer alten Religion und der persönlichen, liebevollen Freundschaft, die Jesus ihnen anbietet.

So erleben die DMG-Missionare Johann und Lydia Isaak in der Gegend von Kambouska ein Weihnachtswunder. Wie sich die Botschaft der Geburt des Retters, Jesus Christus, wie ein Lauffeuer verbreitet, weil er ein Dorf voller Aberglaube und dessen Einwohner verändert hat.

Von Theo Volland
DMG-Redakteur

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