Ein Herz aus Stein?

20.07.2018 11:22

Oder: Warum ich wieder fühlen kann ...

Von Vanessa Nickel, Jahresteam 2017/18 der DMG:

Vanessa hat im Jahresteam der DMG Gott erlebt
Vanessa schaut auf Jesus

„Du bist wie ein Stein, mit dir kann man nicht reden.“ Sätze wie dieser haben meine Schulzeit sehr geprägt.

Schon als kleines Kind war ich eher still und zurückhaltend. Bis zum Gymnasium war das aber nicht schlimm, es wurde meistens so akzeptiert. Doch ab der fünften Klasse wurde es schwer, ich fand nie den Anschluss in meiner Klasse. Das führte dazu, dass ich mich im Unterricht fast nie beteiligte. Irgendwann in der siebten oder achten Klasse fingen Schulkameraden schließlich an, mich zu mobben.

Das Zitat oben mit dem Stein verfolgte mich. Im Landschulheim legten sie mir heimlich einen Stein vor die Zimmertür, um zu signalisieren, dass sie mit mir nichts mehr zu tun haben wollten. Sie hielten mich für feige und machten sich über mich und meinen Glauben lustig.

Meine Klassenkameraden wussten genau, dass ich mich nicht dagegen wehren würde, denn dazu fehlte mir der Mut. Durch die Hilfe meiner Eltern und meines Klassenlehrers hat sich die Situation zunächst beruhigt. Aber diese Momente haben mich meine ganze Schulzeit lang begleitet. Keiner verstand, was in mir vorging. Weil ich solche Angst vor Schmerz und Verletzungen hatte, war ich nicht mehr in der Lage, etwas zu fühlen. Schöne Momente nahm ich kaum als solche wahr. Innerlich war ich einfach leer.

Nach meiner Schulzeit wurde es langsam besser, denn ich hatte Abstand zu manchen, die mich bis dahin gequält hatten. So begann ich mein Freiwilliges Soziales Jahr bei der DMG als ein relativ stilles Mädchen. Anfangs fiel es mir leicht, die neuen Leute kennenzulernen. Doch um die Weihnachtszeit herum holte mich meine Vergangenheit ein. Ich fühlte mich in der WG unseres Jahresteams nicht mehr wohl, die Arbeit überforderte mich und ich wurde krank. Also nahm ich mir eine Auszeit zu Hause.

Zurück bei der DMG am Gebetssonntag im Februar ging es mir gar nicht gut: Ein Mitarbeiterehepaar merkte das und nahm mich auf die Seite. Ihnen erzählte ich vom Mobbing in meiner Schule und was das mit mir gemacht hatte. Zuerst wollten die Worte einfach nicht über meine Lippen kommen. Doch ich spürte irgendwie, dass sie mir helfen konnten. Unter Tränen erzählte ich ihnen meinen Schmerz: „Alle denken, ich sei wie ein Stein, und manchmal fühle ich wirklich nichts“, kullerten die Worte aus mir heraus. Was sie mit mir und mit meiner Not getan haben, werde ich nie vergessen:

Sie hörten zu und wollten wirklich wissen, was damals passiert ist. Sie beteten mit mir und legten Jesus sinnbildlich den bösen Stein in die Hand. Gemeinsam fuhren wir zu einem See, nahmen einen großen Kiesel, beteten noch einmal und ich versenkte alle meine Last mit diesem Stein im See. Ein Stück von meinem Herzen war spürbar befreit. Das erste Mal seit langer Zeit fühlte ich wieder etwas …

Wenn euch also der Sohn frei macht, seid ihr wirklich frei.
Johannes 8,36

Aber Gott hatte noch mehr mit mir vor. Nichtsahnend bin ich Ende April nach Dillenburg zur STEPS-Konferenz gefahren. Meine Erwartungen waren nicht hoch, ich dachte: „Die Veranstaltung wird wie die letzten Jahre.“ Doch als ich ankam, staunte ich über das Konferenzthema „Get free!“ Frei werden, das sprach mich sofort an. In jeder einzelnen der fünf Predigten ging es gefühlt irgendwie direkt um mich und meine Situation. Schon die erste zu Johannes 8,36 traf mitten ins Herz. Es ging um echte Freiheit, die wir nur durch Jesus Christus bekommen.

Ein Redner sprach von modernen Abhängigkeiten junger Leute, beispielsweise von Serien in Netflix. Dass sie den jungen Christen wieder die Freiheit nehmen, die sie eigentlich durch ihren Glauben haben. Im Raum lag ein Kreuz am Boden, an dem jeder seine Abhängigkeiten auf einen Zettel schreiben und vor Jesus ablegen konnte. Parallel lief guter Worship. Ich saß weinend am Boden. Eine Frau kam zu mir, während die Band spielte: „… it is well with my soul“ – es wird gut mit meiner Seele. Sie schrieb mir in wunderschöner Schrift diese Worte auf einen der Zettel. Das bewirkte etwas in mir. Mit jedem Impuls fühlte sich mein Herz leichter an – am Ende der Konferenz war ich völlig frei in Jesus. Das hatte ich noch nie erlebt!

Seither bin ich frei. Und oft kommt bei mir jetzt die starke und mutige junge Frau durch. Für die neugewonnene Freiheit bin ich Jesus sehr dankbar. Er hat mich verändert. Klar ist heute immer noch nicht alles perfekt in meinem Leben, aber eines darf ich wissen. Selbst wenn die ganze Welt gegen mich wäre und mich im Stich lassen würde – es gibt immer jemanden, der bei mir ist: Jesus! Er hat mein steinernes durch ein liebendes Herz ausgetauscht.

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