Dringender Hilferuf aus dem Nahen Osten

08.10.2014 09:41

Brief aus einer umkämpften syrischen Stadt

Wie sich der Krieg in Syrien auf den Alltag der Christen auswirkt, zeigt das folgende eindrückliche Schreiben eines syrischen ev. Pastors, das uns gestern aus einer schwer umkämpften Stadt erreicht hat. Seine Worte bringen uns ins Gebet:

Der anhaltende Konflikt im Nahen Osten hat verheerende Auswirkungen auf das Leben der dort verbliebenen Christen
Krieg in Nahost

„Ich sitze im Dunkeln, weil wir Elektrizität nur noch eine halbe Stunde am Tag oder weniger haben. Soll ich einfach im Bett bleiben und schlafen – oder wach bleiben und betend dem Tod ins Auge sehen? Es ist Mitternacht, und gemeinsam mit anderen warte ich hier im Haus, während der Tod Verstecken mit uns spielt. Zwei Bomben fallen aufs Haus gegenüber, noch eine schlägt eine Straße weiter ein. Zum Glück traf es nicht unser Haus. Wann sind wir dran? Huch, was für ein heftiger Einschlag. Unser vierstöckiges Haus zittert, und die Fenster beben stark nach. Von draußen sind markerschütternde Schreie zu hören. Aber es ist stockfinster in den Straßen. Niemand wird hinausgehen und nachschauen und den Betroffenen helfen. Das wäre viel zu gefährlich, denn noch immer fallen Bomben. Ich bleibe in meinem Zimmer und warte auf den möglichen Tod, der um uns her wütet.“


Nachricht vom 11. September 2014:

Ev. Kirchenleiter aus Syrien und Libanon alarmieren

Am 29. August 2014 hat der Oberste Rat der ev. Christenheit in Syrien und im Libanon diesen dringenden Hilferuf veröffentlicht
Am 29. August veröffentlichten syrische und libanesische ev. Kirchenleiter diesen Appell

Am 29. August 2014 hat der Oberste Rat der ev. Christenheit in Syrien und im Libanon einen dringenden Hilferuf veröffentlicht, um auf die Bedrohung religiöser und ethnischer Minderheiten im Nahen Osten durch die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) aufmerksam zu machen. Das teilte der christliche Fernsehsender SAT-7 (Nikosia/Zypern) mit, eine Partnerorganisation der DMG. Dreißig führende geistliche Leiter evangelischer Kirchen hatten den gemeinsamen „Weckruf“ unterzeichnet, der sich an humanitäre Organisationen und Christen weltweit richtet, um auf die prekäre Situation ihrer Kirchen, der Christen und weiterer religiöser und ethnischer Minderheiten im Nahen Osten, besonders in Syrien und Irak, aufmerksam zu machen: Ein Appell, mit dem sie die Weltgemeinschaft eindrucksvoll um Unterstützung bitten.

Zu den Unterzeichnern gehören:

Fadi Dagher (Generalsekretär d. presbyterianischen Synode v. Syrien u. Libanon), Said Mallouh (Präsident d. Assembly of the church of God in Syrien u. Libanon), Levon Maksoudian (Präsident d. Siebenten Tags Adventisten im Libanon), Joseph Kazzi (Präsident d. Baptistenbunds Libanon), Daas Haddad (Präsident d. Baptistenbunds in Syrien), Joseph Najem (Präsident d. Freien Ev. Kirche in Syrien u. Libanon), Elias Saqr (Generalsekretär d. ev. Brüderkirche Libanon), Leif Hongisto (Präsident d. adventistischen Universität Mt. Libanon), Dr. Salim Sahiouny (Präsident des Rates ev. Christen v. Syrien u. Libanon), Andrew Salameh (Bezirkssuperintendent der Nazarenerkirche im Libanon), Fuad Al Masri (Präsident der ev. Kirche v. Bludan, Syrien), Dr. Basem Shab (Repräsentant der ev. Christen im Liban. Parlament), Jonas Weiß-Lange (Pastor d. deutschsprachigen ev. Kirche in Beirut) und Dr. Paul Haidostian (Präsident d. Haigazian Universität, Beirut).

Es geht um die Präsenz der Christen im Nahen Osten

Eine syrische Flüchtlingsfamilie erhält Lebensmittel von DMG-Mitarbeitern in einem Nachbarland
Syrische Flüchtlinge in einem Nachbarland

Ihr Hilferuf macht darauf aufmerksam, dass die Christen im Nahen Osten einer „existenziellen Bedrohung“ durch die Terrormiliz IS ausgesetzt seien. Ihnen und anderen religiösen und ethnischen Minderheiten drohten Zwangsumsiedlung und grauenvolle Tötungsaktionen bis hin zum Genozid. Die Eskalation der Gewalt in den vergangenen Monaten sei ein Schock für die Christen im gesamten Nahen Osten. Sie hätten Angst. In dem „Warnruf“ schreiben sie: „Wir rufen den Ausnahmezustand aus, um die Präsenz der Christenheit im Nahen Osten zu bewahren … und ihren kompletten Untergang zu verhindern.“

Der mit der DMG partnerschaftlich verbundene Fernsehsender SAT-7 (von arabischen Christen produziertes Fernsehen für den Nahen Osten und Nordafrika) berichtete in seiner Sendereihe „Bridges“ (Brücken) vergangene Woche ausführlich über die Unterzeichnung des Appells der ev. Kirchenleiter. Moderator Bassem Maher erklärte, dass die Ausweitung der Gewalt im Irak und Syrien sowie die jüngsten Aktivitäten von IS an der libanesischen Grenze und auf den Golanhöhen zu dem gemeinsamen Hilferuf geführt hatten. Der Libanon sei von seiner Infrastruktur her nicht in der Lage, die wachsende Zahl von Flüchtlingen aufzunehmen. Durch die geografische Nähe der IS-Aktivitäten zu Israel sei die Stabilität des Friedens im ganzen Nahen Osten bedroht. Bassem sagte: „SAT-7 ist ein Partner der Christen im Nahen Osten und unterstützt ihren Hilferuf ausdrücklich.“ Dr. Terence Ascott, der Geschäftsführer von SAT-7, kommentierte die Situation:

Was im Irak derzeit durch die Hand von IS geschieht, ist eine Form von Völkermord, für den sich künftige Generationen zweifellos schämen werden ...

„Was im Irak derzeit durch die Hand von IS geschieht, ist eine Form von Völkermord, für den sich künftige Generationen zweifellos schämen werden ... Doch unsere Fernsehprogramme über die bedingungslosen Liebe von Jesus und über Versöhnung strahlen in diesen schweren Tagen umso einzigartiger in die Welt hinaus! Wir beten, dass Gott uns Weisheit schenkt, wie wir zumindest einen kleinen Unterschied in diesen dunklen Tagen machen können.“

Die ev. Kirchenleiter Syriens und des Libanons forderten die Christen auf der ganzen Welt auf, sich für den Schutz ihrer Glaubensgeschwister im Nahen Osten einzusetzen und humanitäre Hilfe zu leisten. Sie schrieben: „Unsere Hoffnung ist, dass zügig gehandelt wird, bevor es zu spät ist. Denn Sie sind in der Tat unsere Partner im Glauben!“

Die DMG ruft zu Gebet für den Nahen Osten auf

Die DMG stellt sich hinter diesen Hilferuf aus dem Nahen Osten, erklärt sich mit den Christen dort solidarisch und bittet eindringlich um Gebet für Frieden für diese Weltregion. 16 DMG-Mitarbeiter sind im Nahen Osten tätig, fünf davon u.a. auch in der Nothilfe für syrische und irakische Flüchtlinge.

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