Die Welt zu Hause bei Freunden

08.01.2016 15:14

Ein Kommentar von Theo Volland, DMG

Blinde Sozialromantik und die Augen vor der Wirklichkeit verschließen bringt nichts. Das haben die nicht hinnehmbaren Übergriffe auf friedliche Passanten an Silvester in Köln und Hamburg gezeigt. Was dort geschehen ist erschüttert uns tief. Die Täter gehören gefunden und bestraft. Da muss der Rechtsstaat Konsequenz zeigen, um glaubhaft zu bleiben. Doch auch wir Christen und unsere Gemeinden sind in dieser Situation besonders gefordert. Mehr als eine Million Neueinwanderer 2015 – das ist ein Fakt. Durch diese Zahl spricht Jesus zu uns als seiner ganzen Gemeinde hierzulande, egal welcher Kirche, Ausrichtung und Denomination.

Als Autor eines Buches über Berufung (www.DMGint.de/buecher) habe ich erkannt, dass Gott unter anderem durch solche Fakten beruft. Diese Million hat nicht Angela Merkel in unser Land geholt. Sie kamen von alleine, viele aus tiefer Not. Es war Gott, der die Welt so gelenkt hat, dass sie jetzt hier sind. Und nur ganz wenige von ihnen haben Böses im Sinn, die meisten sind friedliche Menschen und suchen einfach ein neues Zuhause. Wir Christen haben in dieser speziellen Situation einen Auftrag, der nicht von Menschen stammt. Davon bin ich überzeugt. Unser Staat braucht uns; das machen gerade auch die Ereignisse der Silvesternacht deutlich. Die Integration von einer Million Menschen kann nur gelingen, wenn wir Christen und Kirchen uns weiterhin mit aller Kraft einbringen.

Da sind jede Gemeinde und jeder Einzelne gefragt – das ist keine Aufgabe mehr für ein paar Spezialisten und Missionare. Von Letzteren kann eine Gemeinde lernen, ja. Deshalb bieten wir als DMG Material und Seminare zu dieser Thematik an. Wir haben sogar Mitarbeiter, die mit Interessierten das erste Mal ins Flüchtlingsheim mitgehen und ihnen helfen, ihre Ängste zu überwinden. Rufen Sie uns an, wir kommen gerne zu Ihnen. Denn die große Aufgabe können wir nur gemeinsam angehen.

Flüchtlinge unterwegs auf dem Balkan
Flüchtlinge unterwegs auf dem Balkan

Es beeindruckt, was in diesem Sektor in unserem Land bereits geschieht. Christen aus aller Welt schreiben uns und drücken ihr Erstaunen und ihre Freude darüber aus. Es wird wahrgenommen in anderen Ländern, wie die zahllosen Freiwilligen hierzulande Migranten beistehen. Doch diese Arbeiten müssen massiv ausgebaut werden – staatlich wie ehrenamtlich.

Inzwischen gibt es an jedem Ort Vereine und Initiativen, die sich über weitere christliche Helfer freuen. Lasst uns hingehen. Helfen. Menschen mit der Liebe von Jesus beschenken. Not lindern. Sie an unserem Leben teilhaben lassen. Im Vertrauen, dass Jesus in die Situation der Migranten hineinreden will. Selten ist uns der große Auftrag von Jesus aus Matthäus 28 so nahe gerückt. Wenn wir eine gelungene Integration der Vielen wünschen, beginnt das damit, wie wir unsere Bibel lesen. Beispielsweise Passagen wie „Jesus sah die Menschenmenge und es jammerte ihn“. Lasst uns auf Migranten zugehen. Mit ihnen reden. Einzelne nach Hause einladen. Pate sein. Orte der Begegnung schaffen. Offen und freundlich Menschen aller Religionen die deutsche Denkweise erklären. Über Jesus reden. Und gleichzeitig Christen unter den Einwanderern ermutigen, mit ihnen beten und sie in Gottesdienste einladen.

Was das bringt, zeigen uns zahlreiche Beispiele aus der Arbeit der 30 DMG-Mitarbeiter, die sich inzwischen in Europa seelsorgerlich und praktisch um Flüchtlinge und Einwanderer kümmern. Zum Beispiel Mikail* (Name geändert) aus dem Kongo. Vom Krieg traumatisiert, hatte Mikail sich auf den harten Weg nach Europa gemacht. Seine Gesundheit war durch die Flucht angegriffen. Das verschlimmerte sich noch durch endloses Warten und Nichtstun in der Asylunterkunft. Mit elf Personen auf engstem Raum. Er war körperlich und seelisch ein Wrack, geplagt von Selbstmordgedanken.

Sie möchten die Flüchtlingshilfe der DMG unterstützen? Das Stichwort für Ihre Spende lautet:

P50233 Migrantenhilfe

Ein DMG-Mitarbeiter half ihm, Ärzte und eine Therapie zu erhalten. Dank dessen und der seelsorgerlichen Begleitung ging es Mikail mit der Zeit besser. Inzwischen kann er in den Arbeitsprozess eingegliedert werden. Seit vier Monaten macht er eine Ausbildung im Gastgewerbe, was ihm Freude bereitet. Seine Integration ist gelungen.

Wir machen Mut, dass die gewaltige Aufgabe, sie zu integrieren, die sich niemand von uns so ausgesucht hat, mit Gottes Hilfe bewältigbar ist. Weil Gott selbst uns mitten hineingestellt hat.

Es gilt, unsere Berührungsängste allem Fremden gegenüber zu überwinden. Und dabei deutschen Nachbarn Mut zu machen, damit die Stimmung in unserem Land nicht kippt. Sie hören viel mehr auf uns Christen, als wir denken. Es ist wichtig, dass wir den plumpen Parolen eine wirksame Alternative entgegensetzen. Wir schenken Hoffnung, weil wir ewige Hoffnung in Jesus Christus haben. Wir geben Flüchtlingen eine Stimme, weil Jesus selbst ein Flüchtling war. Und wir machen Mut, dass die gewaltige Aufgabe, sie zu integrieren, die sich niemand von uns so ausgesucht hat, mit Gottes Hilfe bewältigbar ist. Weil Gott selbst uns mitten hineingestellt hat.

Helfer und Flüchtlinge in Kroatien
Helfer und Flüchtlinge in Kroatien

Gott bittet uns als Volk, den Menschen ein Zuhause zu schenken. Er hat unser Land in den vergangenen Jahrzehnten mit Wohlstand überschüttet, damit wir dieser Million helfen. Er wünscht sich, dass wir unseren Reichtum an Zeit und Geld teilen. Heute ist die Welt nicht mehr „zu Gast bei Freunden“ wie bei der WM 2006. Das neue Motto lautet: Die Welt ZU HAUSE bei Freunden. Denn viele Migranten werden Asyl erhalten und hierbleiben. Ihnen ein Dach über dem Kopf und unsere Freundschaft anzubieten ist Gottes Aufgabe an uns. Eine einmalige Gelegenheit, als Christen für unsere Nation dazusein.

Natürlich muss man mit Augenmaß helfen. Als Missions- und Hilfswerk wissen wir aus langjähriger Erfahrung, dass Hilfe immer auch nachhaltig geschehen muss. Das gilt auch für ein ganzes Land. Wir müssen so helfen, dass Deutschland auch in zehn und zwanzig Jahren noch Asylbewerber aufnehmen kann. Eine gute Integrationsarbeit in jeder Stadt und jedem Dorf aufzubauen erfordert Zeit und Geduld. Doch genau das ist unsere Stärke. Christliche Gemeinden können langfristig helfen und haben Potenzial. Da gibt es noch viele Senioren, die Deutschunterricht geben könnten, noch viele Jugendkreise, die junge Asylbewerber einladen und ihnen Freundschaft und Halt anbieten könnten, noch viele Gelegenheiten, um Menschen Türen zu öffnen. Jesus ruft uns. Hören wir …?

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