Die Kluft zwischen Mission und Wirtschaft überwinden

18.09.2018 08:50

Fachtagung: Gemeinsam neue Wege fürs Evangelium finden

Unternehmer und Missionsvertreter kamen auf dem Buchenauerhof ins Gespräch
Unternehmer und Missionsvertreter kamen auf dem Buchenauerhof ins Gespräch

S i n s h e i m (tv). Für eine verstärkte Vernetzung und Zusammenarbeit christlicher Unternehmer mit Missionswerken und Nonprofitorganisationen hat sich Karl Schmauder (Hülben) ausgesprochen, ehemaliger Vorstand eines M-DAX-notierten KFZ-Zulieferers. Bei einer „Fachtagung für missionarisch-wirtschaftliche Synergien in Ländern mit eingeschränkter Religionsfreiheit“ in Sinsheim betonte der christliche Unternehmer die Notwendigkeit, das Knowhow der Wirtschaft und das Engagement der Missionsorganisationen wieder zusammenzubringen.

Bei der dreitägigen Fachtagung, gemeinsam veranstaltet von acht Mitgliedswerken der AEM, trafen sich Unternehmer mit Missionsvertretern in der Zentrale der DMG, dem Buchenauerhof, um über neue Wege der Zusammenarbeit ins Gespräch zu kommen. Welche Kraft in einer Symbiose von Wirtschaft und Mission liegt, zeige das Beispiel Gustav Werners (1809–1887), erklärte Schmauder. Werner hatte als Reutlinger Pietist „Rettungshäuser“ für Waisen und gleichzeitig Handwerksbetriebe gegründet. Menschen kamen in Lohn und Brot und die Arbeit finanzierte sich teilweise selbst. Wo Unternehmer und Missionare zusammenarbeiteten, entstünden Synergien, Entwicklungshilfe werde nachhaltig und wirkungsvoll und Menschen fänden im Glauben an Jesus Christus Hoffnung und Halt, sagte Schmauder vor den rund 80 Vertretern aus Wirtschaft und Mission.

Es gibt beträchtliches Synergiepotential:

  • Aufgrund des demografischen Wandels könnten den Missionswerken in den nächsten 20 Jahren die Hälfte ihrer Spender wegsterben. Wenn sie mutig wie die Pietisten im 19. Jahrhundert unternehmerisch tätig seien, könnten sich eine Vielzahl der Missionare selbst finanzieren.
  • In Ländern ohne Religionsfreiheit, wo Missionare unerwünscht sind, seien Christen als Firmengründer willkommen. Für manche Menschen, die sich nicht von Vollzeit-Missionaren „bepredigen“ lassen wollten, sei ein faires, wertschätzendes Miteinander in einer Firma eine Chance.
  • Unternehmer seien in Digitalisierung ganz vorne mit dabei – davon könnten Missionswerke und Missionare profitieren.
  • Das wichtigste Bedürfnis vieler Menschen weltweit sei Arbeit und Lebensunterhalt. „Wenn ein Missionar als Unternehmer Arbeitsplätze schafft, hat das enorme Anziehungskraft“, sagte Schmauder.
  • Und Unternehmer müssten ständig neue Kontakte aufbauen, das sei für Missionare von Vorteil, um Menschen zu erreichen.
Karl Schmauder in Sinsheim

Kritik übte der Diplom-Ingenieur, der sich stark für die Entwicklung Afrikas einsetzt, an beiden Seiten; Wirtschaft wie Mission. Missionswerke hätten das Geldverdienen quasi komplett an die Wirtschaft outgesourct. Gleichzeitig hätten christliche Unternehmer ihren Auftrag von Jesus, Menschen zu Jüngern zu machen, recht konsequent an die Mission delegiert und sich aufs Geld verdienen zurückgezogen. „Wohl noch nie haben sich Wirtschaft und Mission so weit voneinander entfernt, wie in den letzten 30 Jahren! Beide haben sich in ihren jeweiligen Welten spezialisiert und eingerichtet.“

Missionaren ist wirtschaftliches Denken oft fremd oder auch suspekt. Insbesondere, wenn es darum geht, Gewinn zu erwirtschaften. Aber nur eine profitable Firma sei eine gesunde Firma und habe eine Perspektive. Missionare seien zudem nicht gewohnt, schnell und konsequent Entscheidungen zu treffen oder Konflikte zu lösen, wie es in einer Firma notwendig sei. „Da habe ich sicher schon manchen enttäuscht – insbesondere Menschen, die Christsein mit einer weichen Persönlichkeitsstruktur verbinden“, räumte Schmauder ein. Ein Unternehmer benötige eine Mannschaft, die effizient zusammenarbeitet, wettbewerbsfähig und innovativ sei – die Grundlage der Profitabilität. Es sei schwer, Christen zu finden, die Mission wie Unternehmertum gleichzeitig auf dem Herzen hätten. Hilfreich wäre es daher, neuen Missionaren auch Grundlagen des wirtschaftlichen Handels zu vermitteln und sie auf die Chancen von „Business as Mission“ hinzuweisen.

Auf Seiten der Wirtschaft kritisierte Schmauder, dass heutzutage mehr und mehr das Menschliche verlorengehe. Der Siegeszug des Turbokapitalismus führe dazu, dass die Wirtschaft ihre soziale Verantwortung ablege, erklärte der Unternehmer. Die grenzenlose Gier nach Wachstum, Profit und Erfolg sei ein Nährboden, auf dem beispielsweise der Dieselskandal entstehen konnte. Missionsorganisationen könnten christlichen Unternehmern helfen, Werte und soziale Verantwortung für sich wiederzuentdecken.

Business as Mission

Bringe Gottes neue Welt zu Menschen, indem du Firmen gründest, Geschäfte machst und Arbeitsplätze anbietest – um Menschen zu Jesus Christus zu führen. Damit eine spirituelle, soziale, ökologische und wirtschaftliche Transformation einer Gemeinschaft oder Gesellschaft geschieht.    [Definition]

Mit Gleichgesinnten hat Schmauder inzwischen eine gemeinnützige Gesellschaft gegründet. Diese will innovative Technologien in Entwicklungsländer bringen, um dort profitable Firmen aufzubauen. In einem der ersten Projekte stieg sie als Ankerinvestor bei einer Firma in Afrika ein, um dort Wasserfilter zu produzieren und Familien mit sauberem Trinkwasser zu versorgen. Als Unternehmer Glauben zu leben sei eine tägliche Herausforderung, sagte Schmauder. Bei einem Geschäftsessen in einem muslimischen Land beispielsweise sei die Frage aufgekommen, ob Christen und Muslime zum selben Gott beten. „Ich konnte freundlich den wesentlichen Unterschied zwischen den Religionen erklären: „Durch Jesus dürfen wir zu Gott Vater sagen!“

Business as Mission: Unternehmer und Missionar sein!

„Business as Mission“ war das Thema der Fachtagung bei der DMG. Wie man als Christ in einem Land mit eingeschränkter Religionsfreiheit, viel Bürokratie und Korruption ein florierendes Unternehmen aufbaut und gleichzeitig Menschen effektiv mit dem Evangelium erreicht. Schlossermeister Hans-Peter Lechner aus Straubing berichtete dazu, wie er in Südostasien einen Schlossereibetrieb aufgebaut hat, mit jährlich 350.000 Euro Umsatz und 25 Angestellten heute. Sie haben dort bereits 150 junge Leute ausgebildet, viele davon haben sich erfolgreich selbständig gemacht und können heute davon leben. Wer eine solche Firma gründe, müsse viel Zeit vor Ort verbringen, Beziehungen aufbauen und tief in die Kultur eintauchen, sagte der junge, gläubige Handwerksmeister. Es reiche nicht, Partner vor Ort mit der Firmengründung zu beauftragen – der Chef sei selbst gefordert. „Die einheimischen Partner kaufen nur von Menschen, die sie kennen!“ Als Firmenchef und Christ habe er viele Möglichkeiten, von seinem Glauben an Jesus zu erzählen, so Lechner, und seine Firma werfe Gewinn ab. Er benötige keine Spenden – im Gegenteil, er könne gute Projekte finanzieren und Einheimischen Arbeit geben.

Wer als Missionar diesen Weg einschlägt, muss die Identitätsfrage klären: „Wer bin ich, Missionar oder Unternehmer?“

Wer als Missionar diesen Weg einschlage, müsse allerdings zunächst die Identitätsfrage klären: „Wer bin ich, Missionar oder Unternehmer?“ Die Firma dürfe nicht nur Alibifunktion haben, um den Missionar ins fremde Land zu bringen. Er müsse authentisch Unternehmer sein und es müsse klar erkennbar sein, woher sein Gehalt komme. Sein Geschäft müsse produzieren, Gewinn abwerfen und Menschen Arbeit geben. Ein einmaliger Vorteil, den Deutsche für Business as Mission haben, sei das duale Bildungssystem. Wer hierzulande einen Beruf erlerne, bekomme eine Ausbildung in Berufsschule und Praxis, in der er neben dem eigentlichen Handwerk noch Wirtschaften und Werkstattleitung lerne. Genau diese Fähigkeiten seien notwendig, um in einem anderen Land erfolgreich einen eigenen Betrieb zu gründen. Mit Geschäftspartnern und Angestellten werde der Glaube oft von alleine zum Thema. „Das ist für mich Mission“, so der Jungunternehmer: „Freundschaften aufbauen und auf einmal öffnen sich Herzen. Mein Gegenüber weiß, dass ich anders glaube und ihn in seinem Glauben respektiere.“

Unternehmer: Christen sind als Fachkräfte gefragt

Roland Stelzer von Cotonea
Roland Stelzer von Cotonea

Diese Erfahrung macht auch Roland Stelzer (Esslingen), Geschäftsführender Gesellschafter von Cotonea, einem Hersteller von Baumwollprodukten, der sich Fairtrade, Ökologie und beste Qualität auf die Fahnen geschrieben hat. Cotonea bezieht Rohbaumwolle aus einem früheren Bürgerkriegsgebiet in Uganda. Dort haben sie in den vergangenen Jahren 40.000 einheimische Farmer für ökologischen Anbau, Bodenaufbereitung und im Umgang mit Geld geschult, von denen inzwischen 12.000 zertifiziert sind. Durch die Ausbildung sind der Ertrag der Felder und der Lebensunterhalt der Landwirte deutlich gestiegen. Missionare seien in Firmen wie seiner rund um die Welt gefragt, erklärte Stelzer, besonders in Asien und Afrika. Christen könnten als Trainer für Landwirtschaft eingesetzt werden und dabei gutes Geld verdienen. Er schätze Missionare, weil sie Sprachkenntnisse, ein tiefes Verständnis für die Kultur und viel Liebe für die Menschen mitbringen. Christliche Fachkräfte, die in Unternehmen eingesetzt werden könnten, seien IT-ler, um Apps zu programmieren, mit denen Abläufe optimiert werden, sowie Ingenieure, Fachleute für Wasserbau, Trinkwasseraufbereitung, Hygienespezialisten und viele mehr.

Als DMG entwickeln wir solche Einsatzmöglichkeiten. Sie haben Interesse daran? Nehmen Sie über die E-Mail facheinsatz@DMGint.de mit uns Kontakt auf.

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