Die Chance zum Neuanfang

17.09.2013 10:05

Von einer Mitarbeiterin in Asien

Berufen, ausgesandt, mit Freude unterwegs und Frucht bringen. Sind das nicht unsere Hoffnungen, wenn wir als Mitarbeiter in die Welt hinausgehen. Was aber, wenn alles anders kommt? Wenn trotz guter interkultureller Vorbereitung, fundierten theologischen Kenntnissen und einem engagierten Team vor Ort die Zusammenarbeit nicht klappt? Was, wenn alles scheitert?

Wie es zum Bruch kam ...

Kulturschock, Missverständnisse aufgrund der Sprachbarriere, geistliche Anfechtungen, Überlastung in der Arbeit, Einsamkeit und das Gefühl, von meinen Kollegen nicht verstanden zu werden. Diese Komponenten führten bei mir zu einer ausgewachsenen Krise. Anfangs schien alles noch „richtig“ zu sein: die Kollegen toll, das Projekt sah gut aus. Doch dann kam es zum Bruch, auch innerlich in mir, und es folgten depressive Phasen.

Missverständnisse unterhöhlten das Vertrauen zueinander. Meine Ideen und Arbeitskraft waren nicht mehr gefragt – außer, wenn andere gerade keine Zeit hatten. Dann war plötzlich Freiraum für kurze Zeit, der aber später wieder zurückgenommen wurde. Projekte wurden genehmigt, ich investierte viel Zeit in die Ausarbeitung. Doch dann hatte die Leitung plötzlich andere Ideen, und Wochen an Arbeit verschwanden ungelesen in der Schublade. Was für ein Frust! Auf einmal fiel das Reden miteinander schwer, bis es fast ganz verstummte und nur noch über Vermittler funktionierte. Wir wollten geistlich miteinander unterwegs sein und uns wertschätzen, konnten dies aber aufgrund der Verletzungen nicht mehr. Ich fühlte mich oft übergangen und respektlos behandelt. Was war schiefgelaufen?

Die Katastrophe ist für mich zur Lernzeit geworden. Sie half, meine Identität zu überdenken. Ist mein Ich wirklich in Jesus gegründet und hat es Bestand, selbst wenn alles andere wegbricht?

Jesus war da, mitten in der Krise

Diese Erfahrung war bedrohlich, beängstigend und enttäuschend. Doch heute, viele Monate später, kann ich wieder mit Überzeugung sagen: Gott ist bei mir, und er meint es gut. Er hat mich nicht vor dem Zerbruch bewahrt. Aber er war da, mitten in meiner Krise. In den langen Nächten der Schlaflosigkeit und Tränen, der Angst und des Ausgegrenztseins. Manchmal habe ich ihn nicht gefühlt, sondern mich nur betend an seinem Wort entlang gehangelt. Ich stützte mich auf Verheißungen wie Psalm 73 und suchte einfach nur die Gemeinschaft mit Gott. Er ist gut, auch wenn ich nicht immer alles verstehe, was geschieht.

Die eigene Identität überdenken

Ich stützte mich auf Verheißungen wie Psalm 73 und suchte einfach nur die Gemeinschaft mit Gott. Er ist gut, auch wenn ich nicht immer alles verstehe, was geschieht.
In der Stille Gott begegnen

Die Katastrophe im Team ist für mich zur Lernzeit geworden. Sie half mir, meine Identität zu überdenken. Ist mein Ich wirklich in Jesus gegründet und hat es Bestand, selbst wenn alles andere wegbricht? Haben sich andere „Sicherungspfeiler“ in mein Leben eingeschlichen, auf die ich mich zu sehr verlassen habe? Welchen Stellenwert gebe ich Arbeit, Erfolg, Freunden, Familie, materiellen Dingen und der Anerkennung durch andere? Sind sie mir wichtiger als es gut ist?

Gottes Größe neu erlebt

Ich bin dankbar für den Sturm. Denn darin habe ich Gottes Größe neu erlebt. Er ist da für mich, und er ist für mich. Sein „Ich liebe dich“ gilt unabhängig von Leistung, Dienst, Charakter und Fehlern. Er hat mir vergeben, auch die Dinge, die ich in der Krise gesagt und gedacht habe. Er gibt einen echten Neuanfang. Das ist unverdiente Gnade, sein Geschenk. Sie macht es mir möglich, weiterzugehen und nicht in der Krise steckenzubleiben. Und Gott hilft mir, den anderen Beteiligten zu vergeben.

In dieser schwierigen Zeit habe ich mich besser kennengelernt, auch meine Grenzen, und mein Fundament überprüft. Manches ist vom Kopf ins Herz gerutscht. Ich habe Gottes Barmherzigkeit und Hoffnung erfahren und seine heilende Macht an meiner eigenen Seele erlebt. All das möchte ich nicht missen. Weil Gott ist, wer er ist, bin ich weiterhin mit ihm unterwegs. Er hat seine Berufung nicht zurückgenommen, sondern mich, seine Botschafterin, gereinigt, gestärkt, ermutigt und ganz neu bevollmächtigt.


DMG-informiert 5-2013 zum Thema: Jesus – mitten im Sturm
DMG-informiert 5-2013

Dieser Artikel ist einer der eindrucksvollsten Berichte unserer neuen Zeitschrift.

Hier können SIe sich die gesamte Ausgabe von DMG-informiert 5/2013 herunterladen:

Zurück