Deutschunterricht für Asylbewerber

05.02.2015 15:24
Über ehrenamtliche Hilfe für Asylbewerber
Über ehrenamtliche Hilfe für Asylbewerber

Und plötzlich lebt der Raum

Wie ehrenamtliche Helfer Asylbewerbern Deutschunterricht geben

Es ist Mittwochabend, und wir machen uns bereit, um in der Asylantenunterkunft in Sinsheim Deutsch zu unterrichten. Wir, das sind zwei Mitarbeiterinnen der DMG, zwei junge Leute aus unserem Jahresteam (FSJ/BFD) und ich als Praktikantin. Wir fahren ins Industriegebiet hinaus, wo die großen Wohncontainer für rund 450 Asylbewerber stehen – am hintersten Ende der Stadt, bezeichnenderweise direkt neben dem Tierheim.

Es ist bereits dunkel, als wir durch das breite, eiserne Gittertor treten. Zwischen den hohen Containerunterkünften fühlen wir uns klein. Auch drinnen sind wir still, irgendwie beeindruckt uns die kahle Atmosphäre des Wohnheims. Im Klassenzimmer gehen wir die Lektionen nochmal durch, die heute auf dem Plan stehen, deutsche Begrüßungsformen wie: guten Tag, guten Morgen, herzlich willkommen und hallo. Gemeinsam beten wir noch, dann teilt sich unsere Gruppe. Drei machen sich auf, um die Frauen aus ihren Wohnungen über unser Unterrichtsangebot zu informieren, die anderen legen Spiele für die Kinder bereit.

DMG-Mitarbeiterin Gabi Holocher unterrichtet in ihrer Freizeit Frauen in der Sinsheimer Asylantenunterkunft
DMG-Mitarbeiterin Gabi Holocher

Die Türen öffnen sich und ein paar jugendliche Albanerinnen mit ihren kleineren Geschwistern schneien herein. Wir schicken sie los, um weitere Frauen zu unserem Kurs einzuladen. Nach einiger Zeit kommen sie wieder; und plötzlich lebt der Raum. Sie haben Mütter aus Albanien, Mazedonien, Syrien und dem Irak und noch eine Schar Kinder mitgebracht. Die rennen herum, lärmen und malen an die Tafel. Es braucht Zeit, bis alle an den Tischen sitzen.

Wir staunen, wie sehr sich die Frauen und Kinder freuen, dass wir Zeit mit ihnen verbringen, ihnen helfen, die Sprache zu lernen, und mit ihren Kindern spielen. Ihre Lebensfreude steckt an. Wir beginnen in der großen Runde einen Ball umher zu werfen. Jeder sagt seinen Namen, sein Alter und wo er herkommt. Die Frauen und Kinder haben viel Spaß dabei, sich gegenseitig auf Deutsch zu begrüßen.

Die kleineren Kinder spielen und malen, während DMG-Mitarbeiterin Gabi Holocher mit dem eigentlichen Unterricht beginnt. Sie zeigt auf die Gegenstände, die auf dem Tisch liegen und erklärt den Frauen, wie sie heißen: „Das ist ein Stift … ein Blatt … ein Buch.“ Anschließend schreibt sie kurze Sätze an die Tafel. Die Frauen schreiben sie ab und versuchen, die Wörter nachzusprechen, was nicht immer gelingt. Das macht besonders ihren Töchtern Spaß, die schon besser Deutsch können und sich köstlich über ihre Mütter amüsieren. Für Gelächter sorgt besonders das Wort „Mäppchen“, da die Kombination aus „ä“ und „ch“ scheinbar unaussprechbar ist.

Mit einem Mal ist es wieder still. Und mir wird bewusst, wie gut ich es in Deutschland eigentlich habe. Die Lebensfreude, Freundlichkeit und Stärke dieser Frauen hat mich beeindruckt.

Nach der Stunde servieren wir noch Kuchen und Brezeln. Sie bedanken sich lieb und fragen, wann unsere nächste Deutschstunde ist. Sie wollen unbedingt wieder dabei sein. Dann gehen die Mütter und ihre Kinder wieder in ihre Unterkünfte zurück.

Mit einem Mal ist es wieder still. Mir wird bewusst, wie gut ich es in Deutschland eigentlich habe. Manche Werte, wie beispielsweise die Gleichberechtigung der Frau, was für uns selbstverständlich ist, kennen viele der Frauen so nicht. Wir müssen keine Angst haben, wegen unserer Religion oder politischen Ansichten verfolgt zu werden. Und noch etwas habe ich gelernt: Dass es möglich ist, selbst in solchen Lebensumständen zu lachen, wenn auch nur für Momente. Die Stärke, Lebensfreude und Freundlichkeit dieser Frauen hat mich beeindruckt, und ich habe so einiges aus diesem Einsatz mitgenommen.

Von Fanny Volland
(Praktikantin in der DMG-Redaktion, Februar 2015)


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