Der Terror und die Folgen

25.10.2013 15:27

Über die Arbeit eines Seelsorgeteams in Nairobi, Kenia

Es herrscht wieder Alltag in Nairobi, doch viele Menschen brauchen seelsorgerliche Hilfe
Es herrscht wieder Alltag in Nairobi, doch viele Menschen brauchen seelsorgerliche Hilfe

Von DMG-Psychotherapeutin Dr. Gisela Roth (Nairobi)

Samstagmittag in der kenianischen Hauptstadt Nairobi. Ich werfe noch schnell einen Blick auf meine E-Mails, bevor ich einkaufen gehe. Da erreicht mich die Warnung, man solle das Westgate-Einkaufszentrum meiden, dort werde geschossen. Nachmittags beim Festival in einem Museum wird das Ausmaß deutlicher. Ein Fernsehreporter erzählt uns mit Tränen in den Augen von seiner schwangeren Kollegin, die in Westgate erschossen worden sei, weitere Freunde würden vermisst. Das Fest wird abgebrochen, niemandem ist mehr nach Feiern zumute. Und am nächsten Morgen im Gottesdienst beten wir für die Geiseln, die noch immer im Einkaufszentrum festsitzen.

Vier Tage dauerte das Geiseldrama, es gab 69 Tote und viele Verletzte. Unser Seelsorgeteam bekommt Erschütterndes zu hören: Eine Mutter lag stundenlang über ihren Kindern im Blickfeld der Terroristen – sie haben überlebt. Eine Schülerin mit Schussverletzung musste mehrere Stunden neben ihrem erschossenen Vater im Auto ausharren, bis sie in Sicherheit gebracht werden konnte. Auch Schulen für Missionarskinder, die wir betreuen, haben Tote zu beklagen.

Wir hören zuerst einfach nur zu und ersetzen die noch fehlenden Freunde. Außerdem helfen wir Schulpsychologen. Wie können sie Lehrer unterstützen, deren Schüler verstört sind? Unsere Internetseite gibt Rat, wie man mit traumatischen Situationen umgeht. Und Mitarbeiter sind in den Schulen unterwegs, um Betroffene beizustehen. In den kommenden Monaten wird sich zeigen, wer aufgrund von Traumafolgestörungen gezielt Hilfe braucht. Unsere Türen sind offen.

DMG-Psychotherapeutin Dr. Gisela Roth, Kenia
Psychotherapeutin Dr. Gisela Roth

Gleichzeitig verbindet das gemeinsame Bangen und Erleben auch. In Tumaini, in unserem Hauskreis, überall beten wir. Therapeuten aller Hautfarben und Glaubensbekenntnisse arbeiten zusammen, verständigen sich untereinander über sinnvolle Hilfsmöglichkeiten, tauschen gute Artikel und Hilfsmittel aus. Dabei kommt es zu tiefen Gesprächen.

Für die Überlebenden setzen sich viele Menschen unglaublich ein, durch Blut- und Sachspenden, Zeit und Zuhören. Für die Toten jedoch kommt Hilfe zu spät. Ob sie Christus für ein ewiges Leben vertraut haben? Wer das von verstorbenen Angehörigen weiß, kann anders trauern. Auch für die Lebenden gilt dieses große Geheimnis: „Christus in euch.“ Es ist Grundlage, nicht hoffnungslos zu werden, sondern mit Jesus unterwegs zu sein.

Obwohl keiner meiner Kollegen in Westgate war; unsere eigene Betroffenheit will ebenfalls verarbeitet sein. Danke, dass Sie für uns und alle direkt Betroffenen beten: um Heilung, Hoffnung und Frieden. Kenianer, Terroristen, Verletzte und Trauernde müssen die Botschaft hören, dass selbst ein grausamer Tod uns nicht von der Liebe Gottes scheiden kann. Wir beten auch für die Terroristen, dass das Töten von Kindern und Hochschwangeren, von Muslimen, Hindus und Christen sie selbst ins Nachdenken bringt und ihr Herz verändert.

Die kenianische Hauptstadt Nairobi
Die kenianische Hauptstadt Nairobi

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