Mosambik: Das Weihnachtskind und seine Mama

09.12.2014 11:09
Unterwegs in den Straßen von Nampula, Nordmosambik
In den Straßen von Nampula, Nordmosambik

Von den DMG-Mitarbeiterinnen Inge Michel und Angelika Maader:

„Dá licença, irmãs, dá licença“

... „bitte lasst uns herein“, rief eine Stimme von draußen. Wer kam jetzt noch vorbei, zwischen den Weihnachtsfeiertagen und zu so später Stunde? Der Gemeindeleiter einer Kirche vom Stadtrand und sein Mitarbeiter standen in der Tür. Im Wohnzimmer beteten wir erstmal gemeinsam und lobten Gott für seine Liebe und Treue. Das tut man hier so, nach dem Betreten eines Hauses. So spät kamen sie nur im Notfall vorbei, dachten wir, was war los? Den Grund ihres Besuchs jedoch erfuhren wir erst, als sie wieder gingen.

So ist das hier in Mosambik mit der Höflichkeit. Man fällt nicht mit der Tür ins Haus, selbst wenn es dringend ist. Beim Abschied an der Tür sagte der Mann endlich: „Bitte, könnt ihr meine Frau ins Krankenhaus fahren?“ Sie hatte einige Tage zuvor einen Sohn entbunden, doch es gab Komplikationen. Nach fünf Tagen ging es ihr schlecht, sie hatte unerträgliche Schmerzen. Und das an Weihnachten. Fünf Kilometer Fußweg bei Nacht hatten die zwei Männer hinter sich, um unsere Hilfe zu erbitten.

Angelika Maader unterrichtet an der theologischen Ausbildungsstätte INTENA im Norden Mosambiks
Angelika Maader
Inge Michel unterrichtet an der theologischen Ausbildungsstätte INTENA im Norden Mosambiks
Inge Michel

Schnell holten wir das Auto aus der Garage und fuhren durch die menschenleeren Straßen. Die letzten Meter kamen wir nur noch mit Schrittgeschwindigkeit voran, denn es war Regenzeit und der Weg aufgeweicht. Da konnte jede Pfütze ein tiefes Loch sein. Bis zum Haus kamen wir nicht, der Pfad war zu eng. Ich wendete das Auto, während Angelika mit zum Haus ging, um die Frau zu holen. Im Schein der Rücklichter sah ich die Gruppe kommen.

Ein kleines Bündel, in Tücher gewickelt, wurde vorsichtig hereingereicht und von der Tante fürsorglich entgegengenommen; das Neugeborene.

Ein Baby in Mosambik
Ein Baby in Mosambik

Sie trugen die Frau und setzten sie vorsichtig ins Auto. Ein beißender Geruch machte sich breit, es musste ein schlimmes gesundheitliches Problem sein. Wie üblich fuhren Familienmitglieder mit, die sich in der Klinik um die Kranke kümmern wollten. Ein kleines Bündel in Tüchern eingewickelt wurde vorsichtig hereingereicht und von einer jüngeren Frau, der Tante, fürsorglich entgegengenommen; das Neugeborene.

Bangend und betend fuhren wir ins Krankenhaus. An der Notaufnahme musste alles schnell gehen. Die Kranke wurde auf eine Trage gelegt. Der Ehemann kümmerte sich um die Formalitäten, während Angehörige die Frau ins Haus geleiteten. Die Tante mit dem Neugeborenen wich der Mutter nicht von der Seite. So verschwanden sie in der Klinik. Einem Angehörigen sagten wir, dass sie jederzeit kommen könnten, sollten sie weitere Hilfe benötigen.

„Dá licença, irmãs, dá licença.“ Ein paar Tage später bat der Mann wieder lautstark um Einlass, diesmal um die Mittagszeit. Freudestrahlend erzählte er, dass seine Frau entlassen wird. Gerne fuhren wir die Familie vom Krankenhaus nach Hause. Unterwegs erzählten sie, dass wir die Mutter gerade noch rechtzeitig ins Hospital gebracht hatten. Bei der Entbindung waren Teile der Nachgeburt zurückgeblieben, was zu einer Vergiftung geführt hatte. Einige Stunden später, so der Arzt, wäre keine Rettung mehr möglich gewesen. Noch schwach, aber fröhlich hielt die Mutter auf dem Rücksitz ihr kleines Weihnachtskind im Arm. Jetzt konnte sie selbst für ihren Jungen sorgen.

Übrigens: Ich (Inge Michel) bin derzeit in Deutschland und berichte gerne in Ihrer Gemeinde von Gottes Wundern in Nampula. Sie können über die DMG mit mir Kontakt aufnehmen >>

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