„Das hat uns der Heiland gegeben!“

21.09.2016 09:54

Elisabeth Schell war die erste hauptamtliche Mitarbeiterin der DMG-Heimatzentrale, sie wird von den Mitarbeitern liebevoll „Schwester Liesel“ genannt. Heute (21. September 2016) feiert sie ihren 90. Geburtstag, zu dem ihr das DMG-Team herzlich gratuliert und Gottes Segen wünscht. Hier ein Interview, das sie vor einigen Jahren für unsere Zeitschrift DMG-informiert gab:

Elisabeth Schell, die langjährige Hausmutter der DMG, feiert 90. Geburtstag
Elisabeth Schell, die langjährige Hausmutter der DMG, feiert 90. Geburtstag

Ich wollte Jesus mit meinem ganzen Leben dienen

Sr. Liesel, wie war deine Kindheit?
Ich stamme aus Kroatien. Wir waren gebürtige Deutsche. Meine Eltern hatten zehn Kinder, ich war die Jüngste. Leider habe ich meine Geschwister nie kennengelernt, weil sie bereits in jungen Jahren starben. Auch mein Vater, den ich sehr lieb hatte, ist früh verstorben – ich war damals acht Jahre alt. Es ist etwas Besonderes, dass Gott mir trotzdem so eine Frohnatur geschenkt hat.

Wie kamst du nach Deutschland?
Da ich Kinder sehr gerne habe, wollte ich Erzieherin lernen. Meiner Mutter fiel es schwer, mich ziehen zu lassen. Sie hatte ja nur noch mich. Während des Zweiten Weltkrieges begann ich in Süddeutschland mit meiner Ausbildung. Ein Schicksalsschlag veränderte mein Leben. Es stellte sich heraus, dass ich Tuberkulose hatte. Im Internat wurde mir sofort ein Zimmer ganz abseits zugewiesen. Es durfte mich niemand besuchen, ich durfte nicht einmal bei Fliegeralarm mit in Schutzraum im Keller. Wenn die Bomben fielen und geschossen wurde, betete ich aus Angst das Vaterunser, obwohl ich noch nicht gläubig war. Dann kam ich für drei Jahre in eine Lungenheilanstalt. Es ging mir sehr schlecht.

Sr. Liesel Anfang der 50er-Jahre in der ersten DMG-Zentrale in Korntal bei Stuttgart
Sr. Liesel in der ersten DMG-Zentrale

Wie hast du Jesus kennengelernt?
Kurz nach dem Krieg schickte Gott mir eine Frau Kerubimov aus Russland ins Zimmer. Sie fragte mich, wo ich nach meinem Tod die Ewigkeit verbringen werde? Ich antwortete spöttisch: „In der Erde, wie viele andere auch!“ Sie erwiderte: „Nein, ich hab hier ein Buch, da steht etwas über das Leben nach dem Tod. Sie las 1. Johannes 5,12: Wer den Sohn Gottes hat, hat das ewige Leben … Das ließ mir keine Ruhe. Am nächsten Tag betete sie mit mir. Ich erkannte, wer Jesus ist, und dankte ihm für das, was er für mich getan hat. Dann tat ich ein Gelübde: Wenn Gott mich gesund machen würde, sollte mein Leben bedingungslos ihm gehören. Zwei Tage danach war der Arzt beim Röntgen völlig verblüfft: „Das gibt’s doch nicht!“ Gott hatte mich geheilt, ich konnte bald entlassen werden.

Wie kam es zur theologischen Ausbildung?
In der Heilstätte lernte ich Dunja kennen, eine Russin, die als Zwangsarbeiterin nach Deutschland verschleppt worden war. Ich brachte ihr ein wenig Deutsch bei, und wir wurden Freundinnen fürs Leben. Dunja kannte Jesus. Frau Kerubimov las jeden Tag mit uns die Bibel, es war wie Jüngerschulung. Jahre vergingen. Eines Tages nahm unser Mädchenkreis bei einem Jugendlager im Bibelheim Beatenberg teil. Ein Prediger aus Kroatien rief dazu auf, in den Dienst für Gott zu gehen, es gebe große Möglichkeiten in Kroatien. Das war’s! Ich stand auf – eigentlich gar nicht mein Ding – und bezeugte, dass ich Jesus mit meinem ganzen Leben dienen wollte. Im Februar 1954 begann ich die theologische Ausbildung in Beatenberg. Dunja war ebenfalls dort, sie war später Missionarin beim Missionsbund Licht im Osten.

Wie kamst du zur DMG?
Als ich die Ausbildung in Beatenberg abgeschlossen hatte, war in Kroatien das kommunistische Tito-Regime an der Macht und Mission nicht mehr möglich. Ich wusste nicht mehr wohin. Da erreichte die Seminarleitung ein SOS-Ruf des ersten Geschäftsführers der DMG, Hans Beck. Er könne die wachsende Arbeit nicht mehr alleine tun und benötige eine Mitarbeiterin im Büro. Die Leiterin von Beatenberg, Frau Dr. Wasserzug, bat mich, diese Aufgabe zu übernehmen. Ich erwiderte: „Ich habe keinen Ruf in die Deutsche Missionsgemeinschaft.“ Sie sagte: „Dann bete, und lass es dir von Gott zeigen.“ Ich betete und wieder erklärte ich, dass nichts passiert sei. Das ging dreimal so. Beim dritten Mal war ich schließlich dazu bereit. 1955 kam ich mit Zittern und Zagen in der kleinen Dachwohnung von Familie Beck in Stuttgart-Korntal an …

Was erwartete dich dort?
Frau Pauline Beck kam mit offenen Armen auf mich zu und sagte: „Ja, da kommt ja unsere Liesel, wir haben schon so viel für dich gebetet.“ Ich spürte: Hier bin ich zu Hause. Herrn Beck sagte ich, dass ich nur ein Jahr bei der DMG bleibe. Es wurden 34 daraus – eine gesegnete Zeit. 1955 hatte die DMG zwölf Missionare, heute sind es 350 Mitarbeiter weltweit. Gott lebt, er hat Großes getan. Durch den Gehorsam von Becks, die ihre kleine Dachwohnung für den Auftrag Jesu geöffnet haben, wird heute in über 70 Ländern das Evangelium verkündigt.

Unsere Freude darf nicht von den Umständen abhängen, die Freude am Herrn ist unsere Stärke. Gott ist auch in schweren Zeiten derselbe, und er hilft.

Wie war euer Alltag damals?
Herr Beck war Rechnungsprüfer beim Diakonischen Hilfswerk. Er ging morgens zur Arbeit und kam abends heim. Nach dem Abendessen haben wir im Missionsbüro noch weitergearbeitet, oft bis Mitternacht. Den Tag über musste ich selbst mit den Aufgaben zurechtkommen. Ein Jahr später kamen Hilde Heckeler und Martha Beier dazu. Als Dreierteam durften wir in der DMG dem Herrn dienen.

Du hast viel mit Gott erlebt?
Ja, Gott gibt über Bitten und Verstehen. Wir lebten in Korntal extrem eng zusammen. So konnte es nicht weitergehen. Also beteten wir um eine Mietwohnung für die DMG. Lange tat sich nichts. Da meldete sich eine Frau aus Gronau, die uns besuchen und kennenlernen wollte. Ich sagte zu Mutter Beck: „Wir müssen ihr abschreiben, wir können nicht auch noch Besuch empfangen.“ Aber sie war gastfreundlich und sagte: „Lass sie nur kommen, das kriegen wir schon hin, einer kann ja auf dem Sofa schlafen.“ Die Besucherin war noch nicht lange bei uns, da meinte sie: „So könnt ihr nicht weitermachen, ihr müsst bauen!“ Wir erzählten ihr, dass wir schon lange für neue Räume beteten. Da sagte sie: „Ihr braucht ein Heim für Missionare. Ich schenke euch meinen Hof, den könnt ihr verkaufen, und vom Erlös baut ihr ein Haus für die DMG.“ Das war gewaltig. Wir beteten um eine Mietwohnung, Gott schenkt uns ein schönes, großes Haus in Möhringen! Seither ist mir wichtig, dass wir immer eine offene Tür haben, denn wir wissen nie, wann Gott uns Engel wie diese Frau ins Haus schickt.

1978 im Büro auf dem Buchenauerhof
1978 auf dem Buchenauerhof

Du hast ja auch Krisen miterlebt. Was ist dein Geheimnis, dass du bis heute so eine Freude ausstrahlst?
Unsere Freude darf nicht von den Umständen abhängen, die Freude am Herrn ist unsere Stärke. Gott ist auch in schweren Zeiten derselbe, und er hilft.

1968 ist Bruno Herm Leiter der DMG geworden …
Ihm war eines wichtig, das Gebet. Eine Gebetsstunde durfte nie ausfallen. Er war uns ein großes Vorbild. Auch unsere Missionare sind mir ein Vorbild. Sie gehen in die Welt hinaus, oft in gefährliche Situationen. Manche kommen seelisch verwundet in den Heimatdienst. Ich hab gerne mit den Missionaren Freud und Leid geteilt. Ich habe viele Wunder in der DMG erlebt, aber das größte Wunder war immer, wenn junge Leute alles aufgeben und ihr Leben ganz dem Herrn zur Verfügung stellen.

Wer ist Jesus für dich?
Er ist mein Heiland, mein Retter, mein König, mein Herr, mein Freund, mein Bruder, und er ist immer bei mir. Ich kann mir ein Leben ohne Jesus nicht vorstellen.

Wie kam die DMG vor 40 Jahren auf den Buchenauerhof?
Sie wuchs gewaltig. 1970 hatten wir mehr als 150 Missionare und benötigten erneut eine größere Heimatzentrale. Eines Tages stießen wir auf den Buchenauerhof. Wir Schwestern waren gar nicht begeistert. Wir sahen nur die Nachteile: sehr abgelegen, hohe Renovierungskosten, viel toter Raum im Schloss. Wir kamen mit dem Vorstand zu einer Sitzung zusammen und baten Gott um ein Zeichen, ob wir das Anwesen kaufen sollten. Zur selben Stunde schickte Gott uns eine Frau ins Haus, die mit unserem Leiter, Bruno Herm, dringend sprechen wollte. Sie schenkte der DMG ihren Acker für ein neues Heimatzentrum. Als Herr Herm zurück in die Sitzung kam und davon erzählte, staunten wir über dieses klare Signal von Gott. Wir erkannten, dass der Kauf des Buchenauerhofes in Gottes Plan war ...

Seniorin Elisabeth Schell im Interview bei einer DMG-Veranstaltung
Seniorin Elisabeth Schell im Interview bei einer DMG-Veranstaltung

Was musstest du im Glauben lernen?
Als Hausmutter haben mich manchmal Sorgen befallen. Es war beispielsweise eine Renovierungsfreizeit angesetzt. Wie sollten wir alle Bauhelfer satt bekommen? Noch während ich dem Sorgengeist Raum gab, schenkte Gott uns durch einen Missionar eine große Gefriertruhe. Ich sagte: „So eine Gefriertruhe schalte ich nicht ein, die kostet viel zu viel Strom.“ Da kam ein Brief von einem Landwirt: „Gott hat mich an die DMG erinnert“, schrieb er, „dass ich ein Schwein schlachten und das Fleisch und die Wurst Ihnen bringen soll. Haben Sie Verwendung für soviel Fleisch?“ Als er von unserem Plan hörte, brachte er uns Fleisch und Wurst von ZWEI Schweinen. Wir waren überwältigt und staunten über Gottes Maßarbeit. Was der Mann uns lieferte passte genau in die Truhe. Davon bestritten wir die ganze Freizeit. So ist der Herr. Er sagt in Matthäus 6: „Sorgt euch nicht!“ Auf Gottes Hilfe ist Verlass.

Was schreibst du der DMG heute ins Stammbuch?
Dass der Herr euch Gnade gibt und ihr ihm weiter in aller Treue und von Herzen dient. Dass Jesus und das Gebet in allem die Nummer Eins sind. Dann wird er weiter sein Werk segnen.

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