Bela Vista – Wie eine Gemeinde entsteht

12.03.2018 14:40
Gott schenkte uns Land an einer neuen Straße und einen Pastor
Gott schenkte uns Land an einer neuen Straße und einen Pastor

Matthias Hoffmeier, theologischer Lehrer der DMG in Mosambik, schreibt:

Matthias Hoffmeier, DMG-Mitarbeiter im Süden von Mosambik
Matthias Hoffmeier

Gott hat uns wirklich geholfen!

Der Ort Bela Vista (schöne Aussicht) liegt rund 50 Kilometer von der wachsenden Millionenstadt Maputo entfernt, ganz im Süden Mosambiks. Bis vor drei Jahren war er noch ziemlich unbekannt. Die schlechte Straße dorthin war nur schwierig zu befahren, öffentliche Verkehrsmittel nach Bela Vista gab es nicht ...

Im Jahr 2000 gründete die Vereinigte Baptistenkirche eine kleine Gemeinde in dem abgelegenen Ort; auch weil die Gegend damals von einem Zyklon heimgesucht worden war und viele Bewohner ihr Hab und Gut verloren hatten und Hilfe und Seelsorge benötigten. Doch mit der Zeit lief die Unterstützung des Gemeindeverbandes wieder aus und die Gemeinde blieb ohne Pastor und Leitung zurück – nur die kleine Wellblechhütte des Kirchengebäudes zeugte noch von dem ersten Versuch, eine Gemeinde in Bela Vista zu gründen.

2012 war ich einige Male in Bela Vista, um die kleine Gemeinde zu besuchen. Das Häuflein Christen wuchs mir ans Herz. Von Anfang an hatte ich den Wunsch, dort wieder eine richtige Gemeinde zu gründen. Doch wie sollte das gehen ohne Pastor? Ich selbst musste ja in Maputo an unserer theologischen Ausbildungsstätte unterrichten. Ich betete viel und 2013 erhörte Gott die Gebete: Pastor Tomas und seine Großfamilie, sie haben neun Kinder, zog von Nampula (1.000 Kilometer im Norden) nach Bela Vista um, weil ihm ein Landwirt eine gute Stelle auf seinem Hof angeboten hatte. Der Anfang war gemacht, die kleine Kirche hatte endlich einen Pastor.

Es war schon etwas ganz Besonderes, als wir kurz vor Ostern 2017 das erste Abendmahl in der neuen Kirche feierten

Doch das alte Gemeindehaus war viel zu weit weg vom Haus der Familie Tomas. Also suchten wir ein Grundstück in der Nähe, um eine neue Kirche zu bauen. Wir sprachen mit dem Dorfchef. Der beschwerte sich erstmal bitter: „Seid ihr nicht die, die die Kirche hier haben kaputt gehen lassen?“ Nach vielen Entschuldigungen und Erklärungen bot er uns im Tausch mit der alten Kirche einen Hektar Buschland in der Nähe von Tomas’ Haus an. Den säuberten wir in tagelanger mühsamer Arbeit, um zu zeigen, dass dieses Land künftig der Kirche gehört.

Eines Tages kamen Vermessungsbeamten vorbei, um die Grenzsteine zu setzen. Sie klärten uns auf, dass chinesische Investoren direkt daneben eine Straße bauen wollten. Das ambitionierte Projekt sollte die Hauptstadt Maputo mit Südafrika verbinden. Die Landvermesser sagten uns: „So geht das leider nicht, ihr müsst 30 Meter von der neuen Straße entfernt bleiben. Wir geben euch ein neues Stück Land weiter hinten.“ So bekamen wir zwei Wunder auf einmal: Unser Gelände lag plötzlich für jeden erreichbar an einer guten Straße – und wir bekamen unseren zweiten Hektar Land, den wir auch wieder in mühsamer Handarbeit säuberten.

Bald darauf bauten wir das neue kleine Gemeindehaus mit sieben auf vier Metern Grundfläche. Die Beschaffung des Materials war ein Kraftakt für sich, besonders das Wasser, da das nächste Wasserloch zwei Kilometer entfernt liegt. Doch mit einigen Fässern und einem willigen Fahrradfahrer ging es.

Seit es die schöne Straße gibt, ist Bela Vista plötzlich in aller Munde. Viele aus der Stadt interessieren sich nun für ein Stück Land in dieser Gegend, was die Preise enorm in die Höhe treibt. Jeder will ein Grundstück in Bela Vista haben. Dass wir bereits ein Gelände für die Kirche besitzen, ist aus heutiger Sicht ein Wunder. Jetzt hätten wir wahrscheinlich kein Grundstück in so einer guten Lage mehr einfach so bekommen.

Es war schon etwas ganz Besonderes, als wir kurz vor Ostern 2017 das erste Abendmahl in der neuen Kirche feierten (Fotos). Ja, Gott hat wirklich geholfen! Inzwischen konnten wir ein Wasserloch graben, circa 15 Meter tief, und hoffen, dass es sich mit Grundwasser füllt. Ringsumher entstehen neue Hütten und Häuser, die kleine Kirche füllt sich mit Menschen. Außerdem ist das Grundstück so groß und durch die gute neue Straße so ideal gelegen, dass wir unsere theologische Ausbildungsstätte in der Stadt, an der ich unterrichte, hier heraus nach Bela Vista verlegen werden.

Brunnenbau für die Kirche in Bela Vista
Brunnenbau für die Kirche in Bela Vista

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