Benin: Als Hebamme am richtigen Ort

04.03.2019 11:04
Christina Krappe arbeitet als Hebamme im Benin
„Wie Gott meine Berufung bestätigt hat“

Christina Krappe berichtet:

Seit eineinhalb Jahren arbeite ich im Norden Benins, in Westafrika, und es gibt nur wenige Tage, an denen nichts Spannendes oder Unvorhergesehenes passiert. Ich denke an letzten Donnerstag:

Der Morgen in unserer Geburtshilfeabteilung beginnt mit der Übergabe des Nachtdienstes an den Tagdienst. Eine Frau wartet schon seit zwei Tagen auf ihren Kaiserschnitt. Unglücklicherweise hat die Schwangere, wie so viele hier, starke Blutarmut und braucht vor der Operation unbedingt noch eine Blutkonserve, da es sonst gefährlich wird. Ihre Blutgruppe ist sowohl hier, als auch in der nächstgrößeren Stadt zwei Stunden entfernt nicht verfügbar. Ein Blick in die Akte der Frau verrät, dass ich ihre Blutgruppe habe. Seit meiner letzten Spende ist gerade genug Zeit vergangen. So beginnt mein Tag im Labor, wo bereits Kollegin Bertille sitzt. Die Mitarbeiter freuen sich, dass sie gleich zwei Hebammen „anzapfen“ dürfen. Unsere Spende reicht nicht nur für die Frau, sondern auch für ein Baby, das eben notfallmäßig aufgenommen wurde.

Bei der Blutabnahme
Bei der Blutabnahme

Nach der Blutspende ist nicht Ausruhen angesagt, jetzt geht der Tag erst richtig los. Heute ist Markttag in Bembéréké, da herrscht in unserer Sprechstunde Hochbetrieb. Die Frauen schieben ihren Termin gerne so, dass sie vom Markt zur Untersuchung können. Der Wartebereich ist gedrängt voll. Eine Helferin misst Blutdruck, Temperatur und bringt ein wenig Ordnung ins bunte Gewusel.

Aufklärungsarbeit ist fast so wichtig wie die Untersuchung an sich. Ammenmärchen und Aberglaube sind an der Tagesordnung. Viele meinen, dass Schwangere kein Fleisch und keinesfalls kaltes Wasser zu sich nehmen dürfen, das schade dem Kind. Und frisch Entbundene werden dazu angehalten, nur wenig zu essen, damit Kaiserschnittnähte nicht aufplatzen. Über mangelnde Zunahme beim gestillten Baby muss man sich dann nicht wundern, zumal viele Frauen hier sowieso deutlich unter 50 Kilo wiegen. Manches klingt für unsere Ohren absurd, vieles ist gefährlich. Glücklich verlässt manche Frau das Untersuchungszimmer, um sich noch vor Ort zum ersten Mal seit Wochen richtig satt zu essen.

Wir informieren unter anderem über Malariaprävention, Ernährung in der Schwangerschaft und Hygiene. Der Krankenpflegeschüler aus dem Süden spricht Fon, das versteht hier niemand. Also hält er seinen Vortrag in Französisch, eine Praktikantin übersetzt ins Bariba und der Vater einer Schwangeren in Peulh. Es wird gelacht und geklatscht. Die meisten Zuhörer haben keine Schulbildung. Es macht ihnen sichtlich Freude zu lernen und sie genießen die Abwechslung.

Eine Frau nach der anderen kommt zu mir ins Sprechzimmer, Schwangere und Entbundene, die nach vier bis sechs Wochen mit ihrem Baby, so es denn lebt, zur Nachsorge erscheinen. Nun ist Familienplanung ein wichtiges Thema. Die Schicksale der Frauen rühren mich an. Mit wie wenig ich sie ermutigen kann: eine Geste, ein Lob, wie gut die Termine eingehalten werden oder wie schön ihr Kind zugenommen hat, ein kurzes Gebet. Momente, in denen ich spüre, dass mich Gott an den richtigen Ort geführt hat.

Vieles hab ich mir anders vorgestellt. Eigentlich sollte ich in Dorfkliniken kleine, geburtshilfliche Abteilungen aufbauen, was wegen Änderungen im Gesundheitswesen seit Monaten nicht möglich ist. An manchen Tagen habe ich mich gefragt, was das für meine Zukunft hier bedeutet. Doch in einem Gespräch merke ich, wie viel Freude es macht, dass mir zumindest im Moment die Verantwortung für meine geliebte Sprechstunde übertragen ist und ich Schwangeren und Müttern zur Seite stehen und junge Kolleginnen anleiten und ermutigen darf.

Christina Krappe unterstützen:

Gerne können Sie die wertvolle Arbeit unserer Hebamme Christina Krappe im Benin unterstützen. Überweisen Sie Ihre Spende an die DMG einfach mit Projektnummer:

  • P10345 Krappe

Konto der DMG:
www.DMGint.de/Spenden

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