Alaska: Holz hacken und von Jesus reden!

30.07.2019 11:12

Als Missionare in Alaska? Mitten in Eis und Wildnis? Im entlegenen Dorf Galena, bei der indigenen Bevölkerung? Für Martin und Silke Hornfischer ist das seit zehn Jahren Alltag.  Cosima Eberlein (von ProChrist) hat Martin interviewt:

Die Weiten Alaskas mit Nordlichtern und Wildnis
Die Weiten Alaskas mit Nordlichtern und Wildnis

Wie geht es euch?
Grundsätzlich gut. Wegen der Adoption unseres Babys Levi, die vor vier Monaten erstaunlich schnell über die Bühne gegangen ist, erholen wir uns gerade von notorischem Schlafmangel. Aber es wird jede Woche besser.

Erzählt mal, wie ein normaler Tag bei euch aussieht?
Sechs Uhr aufstehen, dann den Ofen anheizen, mit den Hunden rausgehen, Stille Zeit mit Bibellesen, danach frühstücken wir, um neun Uhr Arbeitsbeginn und Tagesplanung. 8.30 Uhr beginnt Silke bereits mit dem Homeschooling unseres ältesten Sohns Finn. Sie ist die verantwortliche Kraft, ich unterrichte ihn nur zweimal die Woche in Physik und Bio. Mit seinen 14 Jahren erledigt Finn einen Großteil des Unterrichts bereits selbständig. Unser Praktikant hilft auch mit, zuletzt gab er Finn Spanischunterricht. Ich bereite die wöchentliche Jugendgruppe vor oder den Gottesdienst, halte Telefonkonferenz mit Kollegen, die ja in ganz Alaska verstreut sind, oder schreibe an einem Rundbrief. Um 13 Uhr gibt es Mittagessen, danach Familienandacht. Nachmittags besuchen wir Leute im Dorf, machen Holz für sie oder die Kirche und haben Besprechung mit Pastor Chris. Je nachdem, was am Abend an Gemeindegruppen läuft, bleibt nachmittags noch etwas Zeit für private Arbeiten im Haus oder Reparaturen, beispielsweise am Schneemobil.

Silke und Martin Hornfischer mit ihren Söhnen Finn, Calvin und Levi
Silke und Martin Hornfischer mit ihren Söhnen Finn, Calvin und Levi

Was hat euch die letzte Zeit beschäftigt?
Vor einer Woche haben wir unseren Praktikanten Johannes verabschiedet, die Zeit mit ihm war sehr schön. Die nächsten Wochen sind wir mehr als Familie füreinander da, bevor Mitte August der nächste Freiwillige zu uns zieht. Der Sommer ist geprägt von praktischer Arbeit – durch die Mitternachtssonne gibt es quasi kein Ende. Gerade bauen wir eine neue Küche im Kirchengebäude ein. Außerdem wollen wir die offene Wohnzimmerdecke in unserem Haus schließen, um weitere Räume für uns als Familie zu gewinnen. Da ich die Baumaterialien nur mit dem Frachtkahn über den Fluss nach Galena bekomme, ist langfristige Planung nötig. Die Materialien für die Kirchenküche und unsere Lebensmittel fürs nächste Jahr, damit wir hier im Dorf überwintern können, haben wir bereits vor drei Wochen in Fairbanks gekauft, abgepackt und zum Schiff gebracht.

Nachmittags besuchen wir Leute im Dorf, machen Holz für sie oder die Kirche und haben Besprechung mit Pastor Chris.

Ihr arbeitet viel mit Jugendlichen aus dem Volk der Inuit – was ist euch dabei wichtig?
Neben der Gemeinschaft wöchentlich bei uns im Haus oder sonntags in der Gemeinde haben wir unter der Woche oft junge Leute bei uns. Unser Wohnzimmer platzt manchmal mit zwei Dutzend Teenagern aus allen Nähten, mehrmals musste ich schon unsere Sofas reparieren. Wir wollen den jungen Inuit helfen, Jesus ganz praktisch nachzufolgen. Das kann nicht nur gelehrt werden, wir leben es ihnen vor. Mitte Mai war das Schuljahr vorbei. Über eine Facebook-Gruppe bleiben wir mit den Schülern über die zehnwöchige Sommerpause in Kontakt.

Ein junger Mann aus der Gemeinde
Ein junger Mann aus der Gemeinde

Welche Probleme beschäftigen die jungen Inuit?
Besonders schlimm ist Drogenkonsum. Viele jungen Inuit kennen die heftigen Auswirkungen von Alkoholismus bereits aus ihrem Elternhaus. Letztes Jahr kam Chrystal Meth hier in Galena an. Ein Dutzend Schüler musste die Schule verlassen. Wir versuchen, den jungen Leuten einen festen Halt im Glauben an Jesus zu geben und ihnen zu einem guten Start ins Leben zu verhelfen.

Leben in Alaska: Woran habt ihr euch schnell gewöhnt? Was fällt euch bis heute schwer?
Es hat etwas gedauert, Flexibilität zu lernen. Wenn ich samstags zum Beispiel vor dem Haus Holz spalte und ständig von Nachbarn unterbrochen werde, die zufällig vorbeikommen, komme ich scheinbar nicht weit. Wirklich? Mit dem Holz ja; aber für den Kontaktaufbau zu den Leuten sind diese Gespräche extrem hilfreich! Holz kann ich auch später noch machen – also immer flexibel bleiben! Auch das Umrechnen von Fahrenheit in Celsius, Inches und Yards in Zentimeter und Metern fällt uns noch schwer. Dass hier jeder jeden kennt und man sich gegenseitig hilft, daran haben wir uns schnell gewöhnt :)

Jugendcamp mit Silke und Martin Hornfischer (vorne rechts)
Jugendcamp mit Silke und Martin Hornfischer (vorne rechts)

Habt ihr noch manchmal Heimweh?
Klar, zum Beispiel als der Opa von Silke starb oder mein Vater sechs Wochen im Krankenhaus war. Natürlich auch bei erfreulichen Nachrichten, wie der Geburt eines Cousins oder Geburtstagen der Familie. Da würde man schon gern mal schnell rüberfliegen und dabei sein. Außerdem vermissen wir Lebensmittel wie Quark, Johannisbeeren oder ein richtig gutes Schnitzel.

Lebensmittel fürs nächste Jahr, damit wir hier im Dorf überwintern können, haben wir bereits vor drei Wochen in Fairbanks gekauft.

Wie steht es um eure Gemeinde?
Vergangenes Jahr haben wir ein Drittel der Gemeindemitglieder durch Umzug verloren (nicht wirklich, sie arbeiten ja jetzt nur woanders an Gottes weltweiter Gemeinde mit). An einem normalen Sonntag kommen in Galena trotzdem 30 bis 50 Leute in den Gottesdienst. Problematisch ist der Mitarbeitermangel. Beispielsweise ging Genny in Rente, die sich um die wöchentlichen Kinderstunden in der Schulbücherei gekümmert hat. Auch Pilotenlehrer Josh mit seiner Frau Theresa, die Teil unseres Teams waren, haben uns letztes Jahr verlassen. Wir sind gespannt, durch wen all die liebgewordenen Freunde „ersetzt“ werden.

Lernhelfer Johannes sowie eine Grandma der Gemeinde mit jungen Inuit

Wie schafft ihr es, Familie, Mitbewohner, Stille Zeit, Arbeit, Privatsphäre und das Engagement in der Gemeinde in Balance zu halten?
Keine Ahnung. Wir haben nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass das eine echte Aufgabe ist. Manchmal klappt es, manchmal nicht.

Wofür können wir konkret beten?
Für mehr Mitarbeiter und einen guten Start mit dem neuen Praktikanten Tobias. Und um einen guten Abschluss der Adoption von Levi.

Vielen Dank für eure Offenheit, ich wünsche euch weiter Gottes Segen!

Familie Hornfischer

Silke und Martin Hornfischer mit ihren Söhnen Finn, Calvin und Levi
Silke und Martin Hornfischer mit ihren Söhnen Finn, Calvin und Levi

… zog 2010 nach Galena. Der Ort im US-Bundesstaat Alaska  hat rund 500 Einwohner und liegt am Nordufer des Yukon-Flusses. Der Altersdurchschnitt der Bevölkerung ist 38 Jahre. Bevölkerungsgruppen: 62 % Inuit (indigene Bevölkerung), 28 % Weiße, 6 % Menschen mit multikulturellem Hintergrund, 2 % Spanier, 1 % Asiaten.

In Zeiten der Schneeschmelze, wenn das Eis auf dem Fluss bricht und das Wasser sich aufstaut, kommt es immer wieder zu heftigen Hochwassern. 2013 mussten ein Drittel der Einwohner ihre Häuser aufgeben, die siedelten sich an anderer Stelle im Ort wieder an. Immer mehr Touristen kommen nach Galena, wegen der schönen Natur und für Wassersport, Angeln und Jagen. An Galena führt das längste Hundeschlittenrennen Iditarod vorbei und es ist Station eines bekannten Schneemobilrennens.

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