Afrikaner werden die Welt evangelisieren

10.08.2015 12:16
DMG-Direktor Blöcher rechnet damit, dass afrikanische Gemeinden in Zukunft zunehmend Missionare nach Europa senden.
DMG-Direktor Dr. Detlef Blöcher rechnet damit, dass Afrika zunehmend Missionare nach Europa sendet

Sinsheim (idea) – Das Bevölkerungswachstum vor allem in afrikanischen Ländern eröffnet der Weltmission große Chancen. Davon ist der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen (AEM), Missionsdirektor Detlef Blöcher (Sinsheim bei Heidelberg), überzeugt. Hintergrund ist eine neue Bevölkerungsprognose der Vereinten Nationen. Danach wird die Zahl der Erdenbürger von derzeit 7,3 Milliarden bis zum Jahr 2100 auf über elf Milliarden steigen. Die Bevölkerung in Afrika wird sich in diesem Zeitraum von 1,2 Milliarden auf fast 4,4 Milliarden nahezu vervierfachen. In Europa rechnet die UN mit einem Rückgang von 738 Millionen Menschen auf 646 Millionen.

Migranten aus Afrika bringen das Evangelium mit

Wie Blöcher auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea sagte, wachsen christliche Gemeinden auf keinem Kontinent so stark wie in Afrika: „Die dortigen Christen haben ein starkes missionarisches Sendungsbewusstsein.“ Blöcher rechnet damit, dass sie in Zukunft zunehmend Missionare nach Europa senden werden. Auch die Zahl der Migranten aus Afrika werde eher noch zunehmen: „Sie bringen das Evangelium mit.“ Schon heute seien die meisten Flüchtlinge aus Afrika Christen. Der Missionsexperte zeigt sich überzeugt: „Die Afrikaner werden die Welt evangelisieren.“ Aber auch aus Ländern wie Brasilien, Indien und den Philippinen werden laut Blöcher immer mehr Missionare auf die Nordhalbkugel kommen: „Sie werden unsere Gemeinden inspirieren und bunter machen.“

Deutsche Missionsexperten weiter gefragt

Er erwartet, dass auch künftig Mitarbeiter deutscher Missionswerke in Afrika gefragt sein werden: „Die Partnerkirchen sagen klar, was sie brauchen. Wahrscheinlich werden weniger Missionare für Gemeindegründung und -aufbau benötigt. Das können die Afrikaner selbst.“ Eine besondere Herausforderung sieht Blöcher in den wachsenden Großstädten Afrikas. Hier komme es vor allem darauf an, die missionarische Arbeit unter Jugendlichen sowie christliche Bildungsangebote auszubauen. Laut Blöcher besteht ein Bedarf vor allem bei Fachkräften für Finanzplanung und Verwaltung sowie für die Arbeit in Randgruppen, etwa unter Straßenkindern, Prostituierten und Inhaftierten: „Diese Fachkräfte haben heute eine dienende Aufgabe unter einheimischer Leitung.“ Da die Bevölkerung in Deutschland schrumpfen wird, geht Blöcher nicht davon aus, dass die Zahl der Missionare aus Deutschland weiter wachsen wird – es sei denn durch Migrantengemeinden.

„Wir brauchen die Hilfe von außen“

Im Blick auf fehlende Pflegekräfte in Deutschland plädiert Blöcher dafür, verstärkt Personal von den Philippinen anzuwerben. Auch darunter seien viele Christen, die ihren Glauben offensiv bezeugten: „Wir brauchen die Hilfe von außen, um unsere Gemeinden mit dem Evangelium zu erreichen.“ Blöcher ist im Hauptamt Direktor des Missionswerks DMG interpersonal (früher: Deutsche Missionsgemeinschaft). Die AEM ist der größte Missionsdachverband in Deutschland. Die 107 Mitgliedswerke beschäftigen fast 4.500 Mitarbeiter.


Soweit der idea-Artikel. Hier noch einige ...

Hintergrundinfos: Afrikaner evangelisieren Europa

Der neuste  Bericht des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Juni 2015)  nennt als die 10 zuzugsstärksten Herkunftsländer im Zeitraum 1. Jan. – 30.6. 2015 (neue Asylanträge): Syrien (32472), Kosovo (28672), Albanien (21806), Serbien (10126), Irak (8331), Afghanistan (7932), Mazedonien (4182), Eritrea (3582), Nigeria (2805), Pakistan (2701). Darunter sind lediglich zwei afrikanische Länder, nämlich Eritrea und Nigeria). Beide sind vorrangig christlich – zumal die Brutalität der Boko Haram in Nordnigeria sich besonders gegen Christen wendet. Der Bericht gibt jedoch keine Auskunft über die Religionszugehörigkeit der Asylbewerber

Der  Jahresbericht 2014 „Bundesamt in Zahlen“  nennt als Top 10 Herkunftsländer der neuen Asylbewerber: Syrien (39332), Serbien (17172), Eritrea (13198), Afghanistan (9115), Albanien (7865), Kosovo (6908), Bosnien (5705), Mazedonien (5614), Somalia (5528), Irak (5345) (S. 12), darunter also nur zwei afrikanische Länder (Eritrea und Somalia, wobei letzteres meist zur arabischen Welt gezählt wird). Graphisch sind als weitere Herkunftsländer angegeben: 1000 – 5000 Asylbewerber: Ghana, Nigeria, Äthiopien, Algerien, Gambia (von denen die ersten drei christlich geprägt sind und in Algerien arabisch ist und vor allem (christliche) Berber verfolgt werden.

500 – 1000 Asylbewerber: Sudan, Mali, Guinea; 100 – 500 Asylberwerber: Tschad, Kamerun, Kongo, Niger, Burkina Faso, Cote d’Ivoire, Liberia, Sierra Leone, unter denen sich wiederum etliche christlich geprägte Länder befinden.

Auf S. 25 wird auch die Religionszugehörigkeit der Flüchtlinge aus den TOP 10 Herkunftsländern angegeben: Von den 13.198 Eriträern (Asyl-Erstanträgen) waren 2.038 (15,4%) von Muslimen, 10.278 (77,9%) von Christen und 880 (6,7%) sonstige/unbekannt. Obwohl die Bevölkerung von Eritrea mehrheitlich muslimisch ist (Operation World, Jason Mandryk 2010): 50,3% Muslime, 47,3% Christen und 2,1% evangelikale Christen, kamen vor allem Christen als Asylbewerber in Deutschland. Ähnliches zeigt sich auch für die anderen Herkunftsländern von Flüchtlingen (S. 25): Christen sind sind dort überproportional vertreten, weil sie die am meisten verfolgte Minderheit sind. Z.B. 11,9% der Irakischen Flüchtlinge bezeichneten sich als Christen, obwohl sie bereits vor dem Bürgerkrieg nur 1,6% der Bevölkerung stellten (Operation World 2010). Von den Afghanischen Asylbewerbern bezeichneten sich 1,9% als Christen, obwohl es in der Bevölkerung nur 0,15% sind.

Im Jahr 2014 wurden in Deutschland 173072 Erstanträge gestellt, von denen 63,5% sich als Muslime bezeichneten, 24,6 als Christen, 3,7% als Yesiden und 1,3% als Hindus. Die große Mehrheit der Muslime kam vom Mittleren Osten und Balkan, etwa Syrien, Afghanistan, Albanien, Kosovo, Bosnien, Somalia, Irak, nicht aber von afrikanischen Ländern. So ist davon auszugehen, dass es sich bei der Mehrheit der afrikanischen Asylbewerber um Christen handelt.

Insgesamt lebten in Afrika (südlich der Sahara) im Jahr 2010 807 Mio. Menschen, von denen 63% als Christen verstanden und nur 30% als Muslime. 22% der Afrikaner verstanden sich als engagierte („evangelikale“) Christen, das sind neunmal mehr als in Europa (2,5%). Kein anderer Kontinent ist „christlicher“ als Afrika (und Lateinamerika). Durch den Zuzug von Afrikanern wächst somit das geistliche Leben in Europa.

Ein weiteres Indiz liefert die  Studie: „Religiosität in Hessen 2013 „Wie hast du’s mit der Religion?“, einer repräsentativen Umfrage im Bundesland Hessen (als Beispiel). Darin heißt es für Immigration allgemein:

„Interessant ist ferner die Verteilung der Bevölkerung auf die Religionen nach Migrationshintergrund. Die Berichterstattung in den Medien vermittelt mitunter den Eindruck, „Deutschland würde vorrangig von islamischen Einwanderern überrollt“ (Foroutan 2012a). Den größten Anteil an den Personen mit Migrationshintergrund machen in Hessen jedoch die Katholiken aus (29%), gefolgt von Protestanten (21%) und Muslimen (20%). 16% sind konfessionslos, 4% Anhänger einer anderen christlichen Religion und 3% einer sonstigen Religionsgemeinschaft. Unter Personen ohne Migrationshintergrund ist der größte Teil evangelisch (45%), 28% sind konfessionslos und 24% katholisch. (S. 26)

„Interessant ist ferner eine Differenzierung der Religiosität nach Migrationshintergrund. Es zeigt sich, dass sich Personen mit Migrationshintergrund öfter als „sehr religiös“ bezeichnen als Personen ohne diesen Hintergrund (16% vs. 9%). Letztere geben deutlich häufiger an, „eher nicht“ oder „gar nicht religiös“ zu sein (47% vs. 37%).22 Religion und Religionsausübung dürfte in manchen Herkunftsländern der Personen mit Migrationshintergrund oder ihrer Eltern tendenziell eine wichtigere Rolle spielen als Deutschland. Von Bedeutung könnte auch sein, dass Personen mit Migrationshintergrund wenigstens zum Teil in Hessen in der „religiösen Diaspora“ (Boos & Nünning 2011: 28) leben, was dazu führen könnte, dass sie in besonderem Maße die Werte ihrer Herkunftsregionen pflegen.“ (S. 30f).

Fazit:

Die genannten Quellen belegen somit meine These, dass Zuwanderung aus Afrika die christlichen Gemeinden in Deutschland beleben und zur Mission in Europa erheblich beitragen wird. In Europa finden wir etliche sehr große und eindrucksvolle christliche Gemeinden, die von afrikanischen Missionaren bzw. Pastoren gegründet und geleitet werden. Bereits vor 35 Jahren habe ich in Frankfurt/Main zusammen mit afrikanischen Asylbewerbern auf der Zeil evangelisiert (zusammen mit der Freiversammlungsmission und Jugend für Christus) und war beeindruckt von ihrer persönlichen Ausstrahlung und ihrem Evangelisationseifer.

Dr. Detlef Blöcher

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