„24 Stunden und die Heilige Nacht noch dazu“

15.12.2015 09:43
„Amor de Dios“ (die Liebe Gottes), wie sie ihr Heim nennen, öffnet ihre Arme ohne Einschränkung.
„Amor de Dios“ (die Liebe Gottes), wie sie ihr Heim nennen, öffnet ihre Arme ohne Einschränkung.

Von den DMG-Mitarbeitern Siegfried und Dorothee Reuter, Peru:

Schlösser an der „Liebesbrücke“
Die „Liebesbrücke“

Wenn die Altstadt Arequipas überhaupt je zur Ruhe kommt, dann nur für eine kurze Verschnaufpause zwischen zwei und vier Uhr morgens – wo der Fluss hörbar wird und einzig von jenen seine Aufmerksamkeit erfährt, die keinen Schlaf finden. Selbst die vielen Vorhängeschlösser, die Liebespaare ans Eisengeländer der alten Kolonialbrücke gehängt haben, scheinen nur diesen Moment zu haben, um von ihrem ewigen Liebesversprechen zu träumen. Kühler Nebel steigt auf. Wie Tränen überziehen Tropfen die ineinander verschlungenen Schlösser und befeuchten das Kopfsteinpflaster.

Kinder in Peru
Kinder in Peru

Tränen möchten auch Elias kommen, als er um 3.30 Uhr mit seinem Taxi die Brücke überquert, vorbei am von Hunden durchwühlten Müll neben dem Bordstein, den er geschickt umkurvt. Heute bremst er nicht wegen der Straßenköter, sondern wegen dreier Kinder: Julia (6) und Silver (4) streunen mit seiner vier Monate alten Schwester auf dem Arm durch die Gassen.

Als die kleine Alva zu weinen anfing, hatten die „Großen“ gemerkt, dass ihre Mütter „außer Haus“ waren und sich auf die Odyssee sie zu suchen gemacht. Orientierungslos, barfuß und durchfroren liest Elias sie bei der Brücke auf. Zusammen mit einer Polizeistreife geht es zur Erstversorgung und Notaufnahme ins Krankenhaus. Stunden später und deutlich alkoholisiert treffen die Mütter, angeblich „vom Einkauf“ kommend, bei der Polizeiwache ein.

Gloria und José leiten ein Kinderheim in Arequipa
Gloria hilft

Inzwischen klingelt die Staatsanwältin für Familienangelegenheiten bei Gloria und José, den Leitern eines Kinderheims in Arequipa. Die beiden sind zu ihren 40 Kindern und Teenagern aus verwahrlosten und zerrütteten Elternhäusern immer wie Vater und Mutter. José war selbst als Kind und Jugendlicher durch Peru vagabundiert, er hat die Liebe Gottes an Leib und Seele erfahren. Eigentlich ist ihr Heim längst schon ausgelastet. Doch „Amor de Dios“ (die Liebe Gottes), wie sie ihr Heim nennen, öffnet ihre Arme ohne Einschränkung.

Heute erleben unsere drei kleinen Vagabunden von der „Liebesbrücke“ hier die notwendige Fürsorge. „Man findet ja auch nicht alle Tage ‚Silber‘ auf der Straße“, bemerkt Gloria scherzhaft, als sie den kleinen „Silver“ liebevoll in die Arme schließt. Sechs Monate kann die Prüfung von Fürsorgerecht und Vormundschaft dauern, und es ist ein ständiges Kommen und Gehen der Kinder. Einige bleiben nur kurz, andere über Jahre. Die drei Kleinen finden hier ein neues Zuhause.

Die DMG-Mitarbeiter Dorothee und Siegfried Reuter, Peru
Dorothee und Siegfried Reuter

„Es ist schon komisch, zu Weihnachten werden plötzlich alle Christen“, meint José und macht damit eine Anspielung auf die flutwellenartige Hilfsbereitschaft vieler Leute zum Christfest. „Wie es uns übers Jahr geht, berührt die Wenigsten, dabei haben wir einen 24-Stunden-Tag und die Heilige Nacht noch dazu.“

Deshalb unterstützen wir als „Kinderhilfe Arequipa“ der DMG sie ganzjährig. Wir helfen ihnen mit Milch, Haferflocken, Zucker und mehr, dazu mit medizinischer Betreuung. Außerdem laden wir die Kinder ab acht Jahre zu unseren Sommercamps und Ausflügen ein. Wollen Sie uns helfen?

Fröhliche Weihnachten aus Peru ...

Frohe Weihnachten aus Peru!

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