Tipps für einen gelungenen Internetauftritt

04.04.2014 12:03
Wer Anschluss ans weltweite Datennetz sucht, braucht mehr als nur Computerwissen
Fürs weltweite Datennetz braucht es mehr als nur Computerwissen

Herr, gib allen, die dich suchen, dass sie dich finden, und allen, die dich gefunden haben, dass sie dich aufs Neue suchen, bis all unser Suchen und Finden erfüllt ist in deiner Gegenwart. (Hermann von Bezzel)

Es geht um Qualität ...

Reklame versucht durch Farben, Bilder und Slogans aufzufallen, oft um jeden Preis. Im Internet heißt dabei der erste Gedanke:  „Wie werde ich gefunden?“ Und der Zweite: „Wie interessiere ich Besucher und halte sie auf meiner Seite?"

Die Internetseite der DMG hat pro Tag um die 200 Besucher. Die meisten Interessenten an einem Einsatz im Ausland geben heute an, dass sie die DMG im Internet entdeckt haben. Die Homepage ist ein wertvolles Element unserer Öffentlichkeitsarbeit. Ein Geschenk von Gott und eine Chance, unbekannten Lesern Glaube und Mission verständlich näherzubringen. Es geht nicht nur darum, etwas Text und ein paar Bilder online zu setzen. Ein guter Internetauftritt hält sich an redaktionelle, gestalterische und technische Regeln, um ansprechend zu wirken und etwas zu bewegen: 

Auf den Inhalt kommt es an!

Mancher, der eine schön gestaltete Seite im weltweiten Datennetz betreibt, wundert sich vielleicht, weshalb die optisch hässlichere Seite eines Konkurrenten trotzdem besser in Google gefunden wird. Weshalb Besucher trotz schöner Grafik lieber anderswo surfen? Was läuft schief? Erlauben Sie mir die Gegenfrage: Befindet sich auf Ihrer Seite echter Inhalt? Nicht nur Bilder und ein paar Floskeln, sondern wirklich guter Text? Es gibt zu viele Seiten nur mit großen Fotos und lieblos hingeworfenen Sätzen. Ihre Betreiber hatten nur das Ziel, sich selbst darzustellen. Besucher finden das langweilig. Sie wollen nicht Reklame, sondern Information und Unterhaltung. Ansprechende Grafik ist wichtig, ja! Doch zur guten Internetpräsenz gehört auf jeden Fall auch interessanter Inhalt. Texte, die Lust am Lesen und meine Neugier wecken. Erlebnisberichte, Hintergrundinformationen und Neuigkeiten. Rubriken randvoll mit Spannendem. Besucher und Suchmaschinen bewerten eine Seite nach deren Inhalt. Guter Text wertet sie auf. Dann werden von anderen Internetseiten her Links (Querverweise) zu ihr gesetzt. Suchmaschinen zählen diese Links. Je mehr auf eine Seite verweisen, und das hängt vom Inhalt ab, desto besser findet man sie in Google.

Aktualität, Aktualität, Aktualität

Wer surft, sucht aktuelle Informationen – nicht die vom vorigen Jahr. Onlineleser legen an eine Internetseite höhere Maßstäbe an, wie an eine Tageszeitung. Sie reagieren frustriert und verärgert auf Veraltetes. Kürzlich fand ich bei einer befreundeten Organisation unter dem Stichwort „Gebet“ einen Eintrag: „Im Herbst 2011 werden hier wieder aktuelle Gebetsanliegen zu finden sein.“ Das Problem: Auch 2014 noch weit und breit keine Spur der versprochenen Information! So entsteht der fatale Eindruck, dass die gesamte Website veraltet ist. Eine ordentliche Internetseite sollte wöchentlich aktualisiert werden, eher noch öfter. Zudem muss ihr Webmaster (Herausgeber) sie regelmäßig selbst lesen und Veraltetes herausnehmen. Aktualität macht Arbeit. An der DMG-Seite sind zwei Arbeitstage pro Woche für Aktualisierungen keine Seltenheit. Doch eine aktuelle Website weckt Interesse. Besucher kommen wieder. Das lohnt sich.

Schreiben für die Leser

Das Internet gehört zu den Medien – wie Zeitung, Rundfunk und Fernsehen. Deshalb gelten hier journalistische Regeln. In ihr veröffentlichte Texte sollten auf den ersten Blick und in den ersten Zeilen die W-Fragen beantworten: Wer? Was? Wann? Wie? Warum? Welche Auswirkungen? Informationsquelle usw.? Beantworten Sie die Fragen Ihrer Leser. Information und Lesbarkeit haben Vorrang vor den vielen Gestaltungsmöglichkeiten. Tipps für redaktionelles Arbeiten finden Sie hier. Bitte beachten Sie zudem die gesetzlichen Bestimmungen, beispielsweise was das Impressum (Impressumspflicht nach Telemedien-Gesetz) und den Haftungsausschluss für Links angeht. Informationen dazu gibt es auf der Homepage des Justizministeriums.

Eigene Inhalte produzieren

Wichtig: Nicht nur Texte und Bilder online stellen, die dem Leser von Ihren anderen Publikationen her bekannt sind. Bei einer Organisation fand ich unter „Neues“ einzig die PDF-Ausgabe von deren Zeitschrift. Dabei übersahen sie, dass die meisten Besucher bereits Leser der Papierausgabe dieser Zeitschrift sind. Wie oft wird man wohl in eine Internetseite schauen, in der man nur Artikel findet, die man schon kennt? – Natürlich gehört die Zeitschrift online. Aber nicht unter „Neues“. Da muss wirklich Neues (!) hin. Und: Schreiben Sie ab und zu einen Text, exklusiv nur für die Internetseite. Das macht Ihren Internetauftritt attraktiver.

Anglizismen haben Tücken

Anglizismen (eingedeutschte englische Begriffe) sind nicht nur redaktionell falsch. Sie können auch verhindern, dass Ihre Internetseite gefunden wird. Ein im Ausland tätiges christliches Werk in Deutschland betitelte sein Praktikum im Internet mit „Volunteers“ und Kurzeinsatz mit „Shortterm“ und „Challenge“. Das sah zwar „cool“ aus, doch in den Suchmaschinen war die Seite nicht zu finden. Niemand in Deutschland sucht nach „Volunteers“, wenn er/sie ein Praktikum meint. Wer alles in Englisch sagt, wird im Inland nicht gefunden. Bringen Sie deshalb bewusst in Texten und Überschriften die wichtigsten Worte in gutem Deutsch unter.

Jeder soll Sie verstehen

Denken Sie daran; im Internet findet Sie jeder! Rund ein Viertel aller Besucher Ihrer Seite sind Erstkontakte. Leute, die zufällig über die Stichwortsuche von Google auf Ihrer Seite gelandet sind. Diese Leser sind nicht über Sie informiert, aber interessiert. Sie kommen aus allen Ländern und Gesellschaftsschichten, mit vielerlei Hintergrund. Die DMG hat beispielsweise Leser, die nach Schraubenzieher, Entwicklung und Aidshilfe gesucht haben. Kürzlich stellte sich bei uns ein junger Mann vor mit den Worten: „Ich bin Jonathan und habe im Internet nach Bundesfreiwilligendienst gesucht. Dabei bin ich auf die DMG gestoßen; ich kannte die DMG vorher nicht ...“ Solche Erstkontakte müssen gut informiert werden, damit sie nicht anderswo weitersuchen. Sie benötigen Rubriken wie „Über uns“ oder „Was wir tun“. Zudem bietet sich hier die Chance, Menschen die gute Botschaft der Bibel ansprechend nahezubringen. Damit das gelingt, muss der Inhalt einer christlichen Internetseite in allgemein verständlicher Sprache geschrieben sein. Vermeiden Sie frommen Jargon, erklären Sie Fremdwörter und Spezialbegriffe so, dass jeder es versteht!

Auf Trends eingehen

Das Internet ist ein junges Medium, das sich laufend verändert. Trends kommen und gehen. Wer eine Website betreibt, muss flexibel reagieren. Es ist gut, sich Neuem, wenn es nicht gar zu abgedreht ist, zu öffnen. Derzeit sind soziale Netzwerke der Renner. Auf der DMG-Homepage finden Sie unter Nachrichten ein Tagebuch, das die Inhalte der DMG-Facebookseite als Tagebucheinträge in die Internetseite mit einbaut. Besucher schreiben uns, dass sie regelmäßig in diese Rubrik schauen, weil sie wissen wollen, was bei der DMG gerade geschieht. Eine gute Möglichkeit, die Verbundenheit mit Freunden zu stärken. Trends ändern sich ... mal sehen, was 2015 dran ist.

Ein echtes Layout muss her

Planen Sie Ihren Internetauftritt. Erstellen Sie vorher einen Entwurf – auf Papier oder im Grafikprogramm. Oder suchen sie sich ein schönes fertiges Layout aus einem Webbaukasten aus. So können Sie ohne Aufwand Ideen entwickeln und in Ruhe überlegen, welche gestalterischen und inhaltlichen Elemente wirklich nötig sind. Es bringt wenig, wild drauflos zu programmieren, ohne zu wissen, was man will. Zuerst muss eine Idee der Seite vorhanden sein. Orientieren Sie sich an aufgeräumt gestalteten Seiten im Internet.

Es geht ums Finden

„Man muss Gott nicht suchen, sondern finden“, sagte schon Gerhard Tersteegen. Also überfrachten Sie Ihr Internetangebot nicht. Wer seinen Besuchern hundert kleine Textblöcke, Kästchen und Bildchen vorsetzt, stößt ab. Eine klar gestaltete Seite, auf der man das Gewünschte sofort entdeckt, kommt an. Rubriken wie Nachrichten, Veranstaltungen und Mitmachen müssen auf der Titelseite deutlich zu sehen sein. Menüs lesbar gestalten. Vorsicht mit der Farbe der Knöpfe. Untermenüs, die aus- und einklappen, sollten andere Inhalte so wenig wie möglich abdecken.

Lesegewohnheiten beachten

Auch am Bildschirm lesen Europäer von links nach rechts und von oben nach unten. Diesen Lesegewohnheiten muss man sich anpassen. Das Auge sucht zentrale Informationen links und oben. Da sollten die Menus und wichtigsten Stichworten zu finden sein. Nachrichten und Zusatzinformationen positioniert man am besten rechts außen. Dann finden sich Besucher zurecht. Wer eine Seite völlig anders aufbaut, irritiert. Größere Texte gehören in die freie Fläche in der Mitte.

Schrift und Farbe

Eine Internetseite bringt Informationen zum Publikum. Deshalb muss man die Inhalte lesen können. Wählen Sie den richtigen Schrifttyp: serifenlose Schriften (ohne die feinen Linien an den Buchstaben) wirken modern. Geben Sie eine Schriftgröße vor, die bei unterschiedlichen Bildschirmauflösungen lesbar bleibt. Legen Sie nicht zu viel Farbe unter die Schrift. Hellrote Schrift auf blauem, grünem und schwarzem Hintergrund ist nicht lesbar. Gelb auf lila auch nicht. Ihre Leser freuen sich, wenn sie Texte schwarz auf weiß vorfinden. Klarheit ist in. Derzeit sind dezente und gedeckte Farben modern, die zusammenpassen. Meist hell. Hilfe bei der Farbauswahl finden Sie ausgerechnet im Baumarkt – die jährlich aktualisierten Farbpaletten für modernen Innenanstrich passen erstaunlich gut.

DMG-Missionar Andreas Staigmiller (Philippinen) mit einer Studentin
Beim Arbeiten im Web lohnt es sich, bestimmten Regeln zu folgen

Der Bildschirm setzt Grenzen

Viele Besucher haben nur einen kleinen Monitor (15 bzw. 17 Zoll beim Laptop / 10 bzw. 11 Zoll beim Tablet-PC). Die maximale Breite einer Website ist deshalb begrenzt; sie sollte sich der Breite eines kleineren Monitors mit niedrigerer Auflösung bis hin zum internetfähigen Telefon anpassen. Schauen Sie sich Ihre Seite auf unterschiedlichen Bildschirmen an, ob alles passt. Die Höhe ist egal, denn jeder ist gewohnt, dass man nach unten weiterlesen kann. Umfangreiche Texte lesen sich schwer am Monitor. Da ist es wichtig, dass Sie gliedern: Setzen Sie Absätze, Zwischenüberschriften und strukturieren Sie Ihre Artikel so, dass sie leicht lesbar sind.

Schnell muss es gehen

Selbst heute hat noch nicht jeder einen schnellen Internetzugang. Ihre Internetseite sollte deshalb so aufgebaut sein, dass sie möglichst schnell lädt. Geringe Dateigröße der Fotos ist wichtig. Setzen Sie Ihre Texte und Bilder in ein ausgewogenes Verhältnis. Gute kostenlose Programme, um Bilder zu bearbeiten, sind Irfanview und GIMP. Achten Sie auch bei PDF-Dateien und MP3s auf kleine Dateigrößen.

Einfachheit siegt

Eine Internetseite muss plattformübergreifend auf allen Betriebssystemen und in jedem Browser gut aussehen. Leider machen hier viele Gestalter gravierende Fehler. Kürzlich kam ich auf eine Seite, die sich in Firefox, einem weit verbreiteten Browser, nicht öffnen ließ. Sie war fehlerhaft programmiert. Eine Website muss sich in allen gängigen Browsern (Firefox, Explorer, Opera, Safari) öffnen und bedienen lassen. Wenn nicht, sollte man daran weiterarbeiten, bis es klappt. Am einfachsten erreicht man das, indem man auf unnötigen Schnickschnack und manche neuen Funktionen bewusst verzichtet. Auch mit der einfachen Programmiersprache HTML lassen sich bereits schöne Effekte erzielen. Die meisten Besucher nervt, wenn eine Seite mit zu vielen modernen Effekten nach Aufmerksamkeit heischt. Wenn man ungefragt mit Hintergrundmusik berieselt wird, herabfallende Menus plötzlich den Text abdecken und Videos ungefragt starten …

Machen Sie sich schlau

Eine der interessantesten Entwicklungen sind Content-Management-Systeme: Programme wie Contao oder Wordpress (beide kostenlos!) erlauben es, relativ einfach von jedem ans Internet angeschlossenen Computer aus in einer Seite zu arbeiten. Die Überarbeitung geschieht online und ist nach Sekunden für alle Leser sichtbar. Außerdem ist ein PHP-fähiger Speicherplatz im Netz nötig (PHP ist eine Skriptsprache). Grundkenntnisse in HTML jedenfalls schaden nie. Sie sind wichtig, um zu verstehen, was unter der Motorhaube Ihres Internetauftrittes geschieht – dann geht manches einfacher. Man kann kleine Korrekturen an Inhalt und Layout direkt durchführen. Ohne fremde Hilfe und ohne kompliziertes Programm. Kompetente Hilfe in Sachen HTML- und Internet-Programmierung finden Sie unter www.selfhtml.org im Internet. Sie werden staunen.

Manchmal braucht man aber auch gar keine umfangreiche Internetpräsenz. Oft reicht schon ein Blog zur Vorstellung einer Person, Arbeit oder eines Projektes. Blogs waren ursprünglich nur als Tagebücher gedacht, und sie sind leicht für Anfänger einzurichten. Es gibt sie kostenlos im Netz.

Für Missionare und Pastoren

Ein professioneller Internet-Auftritt für Sie persönlich, Ihre Gemeinde oder Ihr Projekt im Ausland ist mit Arbeitsaufwand verbunden. Überlegen Sie von vorneherein, ob Sie nicht den wesentlichen Teil der Arbeit delegieren könnten. Dann haben Sie am Ende noch Zeit für Ihre eigentlichen Aufgaben. Freunde und Gemeindeglieder lassen sich in der Regel gerne für die Mitarbeit an einer Homepage begeistern. Es lohnt sich, ordentlich im Internet vertreten zu sein. Also nur Mut. Gehen Sie es an! Viel Spaß beim Gestalten Ihrer Internetseite …

 

Theo Volland / Thomas W. Salzmann

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