Sendenden Gemeinden dienen ...

05.04.2014 16:23
Gemeinden unterstützen ist unsere Passion
Gemeinden unterstützen ist unsere Passion

Von Jesus reden, das ist unser Auftrag als Christen. Mit Wort und Tat, unseren Lippen und unserem Leben sollen wir das Evangelium verkündigen. Umfassend, das heißt mit allen Ausdrucksformen; kreativ, relevant und attraktiv, damit unsere Gesprächspartner die Einzigartigkeit von Jesus Christus und die große lebensverändernde Kraft des Evangeliums erkennen. Jesus, der auferstandene Herr, hat den ersten Christen den Auftrag gegeben: „Geht hin in alle Welt und macht zu Jüngern alle Völker ...“ (Mt 28,19). Doch wem gilt dieser große Auftrag, einzelnen, besonders begabten Spezialisten oder allen Christen und der ganzen Gemeinde? Und welche Aufgabe fällt dabei einer Organisation wie der DMG zu?

Die weltweite Gemeinde

Die Bibel, Gottes Wort, lehrt deutlich, dass der Missionsauftrag, die Sendung von Christen in die Welt, allen Christen gilt: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen und werdet meine Zeugen sein ...“ (Apg 1,8). Alle Nachfolger von Jesus wurden mit dem Heiligen Geist ausgerüstet und befähigt, von Jesus zu reden. So gilt der Auftrag, die Botschaft von der Liebe Gottes überall bekannt zu machen – jedem Christen und der ganzen weltweiten Gemeinde. Dazu gehören lokale Gemeinden, Gemeindeverbände, Missionswerke, Vereine, übergemeindliche Organisationen und einzelne Christen in gleicher Weise. Sie alle sind Teil der globalen christlichen Gemeinde und sollen an Gottes Mission teilhaben.

Die lokale Gemeinde von Jesus

Die weltweite christliche Gemeinde wird im Neuen Testament mit einem Organismus verglichen. Er besteht aus verschiedenen Gliedmaßen und Organen, die voneinander abhängig sind und sich gegenseitig ergänzen, unterstützen, befähigen. Sie wirken harmonisch zusammen, und alle Funktionen sind sorgfältig koordiniert. So soll auch eine christliche Gemeinde funktionieren (1.Kor 12,25; Eph 4,16; 1.Petr. 4,10). Wir brauchen einander und sollen in vertrauensvollen Beziehungen miteinander leben. Gemeinde – dies kann nur in einer lokalen Gruppe von Christen an einem bestimmten Ort gelebt werden, ob sie sich Gemeinde, Gemeinschaft oder Hauskreis nennen mag. Ihnen fällt eine besondere Verantwortung im globalen missionarischen Auftrag1 und der priesterlichen Funktion in der Welt zu (Eph 3,10, 1.Petr 2,9, 2.Mo 19,6). So erfreulich der eindrucksvolle Einsatz einzelner Missionsfreunde ist, müssen wir uns neu daran erinnern, welch große Bedeutung Gott dem Leben der Gläubigen in der Gemeinschaft beimisst. Europa frönt heute dem extremen Individualismus. Da gilt es neu zu lernen, das „Wir“ statt das „Ich“ zu leben. So gewinnt das biblische Verständnis von Gemeinde und Mission an Bedeutung.

Missionsverständnis

Mission ist Gottes Initiative: Er gibt sich in der Welt zu erkennen, und besonders in Jesus Christus und in seinem Wort, der Bibel. Da wird seine wunderbare Herrlichkeit sichtbar und er macht seinen Namen groß. In besonderer Weise wirkt Gott durch seine Gemeinde, den Tempel Gottes (Eph 2,21f), das Zeichen seines befreienden und heilenden Wirkens in der Welt. Sie ist Gottes Instrument in der Welt.

Missionsarbeit zielt auf Gemeindebau

Darum wünschen wir uns in allen Städten solche christlichen Gemeinschaften als Orte des Friedens mit Gott, der gegenseitigen Fürsorge und der vertrauensvollen Beziehungen (Eph 3,21; 4,15; 5,23ff). Dies steht im Zentrum unseres Dienstes. Dazu soll auch die biblische Unterweisung dienen, damit neue Christen ihr ganzes Leben unter Gottes Leitung stellen können. Dies kommt bereits in Mt 28,20 zum Ausdruck: „Und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch aufgetragen habe.“ Darum darf der Missionsauftrag nicht auf die Verkündigung des Evangeliums oder die Bekehrung einzelner Menschen reduziert werden, sondern muss deren Wachstum im Glauben, die Ordnung des ganzen Lebens nach Gottes Wort, den Bau der Gemeinde (Kol 1,22f) und die aktive Mitarbeit in Gottes Sendung in die Welt zum Ziel haben. Die Gemeinde ist nicht um ihrer selbst willen in der Welt: Sie soll ein Segen für ihre Stadt sein; an ihr soll die erlösende und versöhnende Kraft Gottes sichtbar werden.

Selbst praktische Missionsarbeit zielt letztlich auf den Aufbau christlicher Gemeinden
Selbst praktische Missionsarbeit zielt letztlich auf den Bau christlicher Gemeinden

Vergessener Auftrag – verpasster Segen

Die fundamentale Bedeutung der Gemeinde in der Mission wurde in der Vergangenheit nicht immer erkannt. Über Jahrhunderte hatten Gemeinden und Kirchen kein Interesse an anderen Völkern und Kulturen, so dass Missionare weitgehend Einzelkämpfer waren und sich Missionswerke meist als unabhängige Vereine organisierten2. Mission wurde oft als Spezialauftrag von Experten und speziellen Werken verstanden und die Mitarbeit von Gemeinden nicht hinreichend gefördert3. Viele Gemeinden sind dadurch verarmt und wissen nichts von der Freude und dem Segen des Dienstes in anderen Kulturen. Mission ist Gottes Anliegen für die ganze Gemeinde. Sie macht das Wesen der Gemeinde aus und kann nicht delegiert werden.

Die DMG will sendenden Gemeinden helfen

Als DMG möchten wir Gemeinden beim Ausführen dieses Auftrags helfen. Wir wollen globales Interesse wecken, wo es noch nicht vorhanden ist, Fachkompetenz fördern und Gemeinden bei der Aussendung und Betreuung ihrer Auslandsmitarbeiter/innen helfen. Viele Gemeinden mögen sich dabei zunächst überfordert fühlen. Anfangs mag es auch an Fachwissen und Erfahrung fehlen – diese müssen langsam wachsen. Als DMG möchten wir mit sendenden Gemeinden in Partnerschaft und Arbeitsteilung zusammenarbeiten und sie in wachsendem Maße in Entscheidungen einbeziehen.

Gemeinden wollen heute beteiligt sein

Zu diesen theologischen Gründen kommen noch praktische hinzu: Viele Gemeinden sind heute nicht mehr damit zufrieden, für ihren Missionar nur zu beten und zu spenden. Sie wollen persönlich beteiligt sein, sich mit ihren Möglichkeiten einbringen, sich mit dem Projekt persönlich identifizieren. Es soll „ihr Auftrag“ sein – und die technischen Möglichkeiten (Telefon, E-Mail, preiswerte Fernreisen etc.) machen die Begleitung ihrer Mitarbeiter in Übersee heute auch möglich wie nie zuvor.

Verantwortung der Gemeinde in der Vorbereitung

Die Verantwortung von Gemeinden beginnt bereits in der frühen Bewerbungsphase, um geeignete Personen zum Dienst in fremden Völkern zu ermutigen und dahingehend zu beraten. Hier möchten wir von Anfang an Gemeinden bei der Auswahl und Beratung beistehen. Sollte sich eine junge Person bei uns bewerben, so werden wir das Gespräch mit der Gemeindeleitung suchen, um deren Einschätzung der Persönlichkeit und bisherigen Mitarbeit in der Gemeinde zu erfahren. So wächst Vertrauen zueinander, Schritte in der Vorbereitung werden koordiniert, und die Gemeinde kann angehende Auslandsmitarbeiter von Anfang an seelsorgerlich begleiten.

In der Betreuung

Während des Einsatzes kann die Heimatgemeinde wichtige Aufgaben übernehmen und ihren Auslandsmitarbeitern mit ihren Mitteln und Erfahrungen dienen (siehe DMG-Fokus: „100 kreative Ideen, die Welt zu verändern“), z.B. bei Beschaffung und Versand von Ersatzteilen und Medikamenten, beruflicher Fortbildung, Computerproblemen, Besuchen bei Angehörigen, seelsorgerlicher Begleitung, medizinischen Fragen, finanziellen Angelegenheiten, Ermutigung, Information über Entwicklungen in Deutschland, mit Auto und Wohnung im Heimataufenthalt sowie deren Einrichtung, Hilfe beim Wiedereinleben in der Heimat, usw. Durch die persönlichen Beziehungen wird zudem eine Entfremdung von der Heimat verringert. Bei einer Rückkehr nach Deutschland (aus medizinischen oder politischen Gründen, im Alter oder im Heimataufenthalt) ist sie die geistliche Heimat. So kann eine Gemeinde Wesentliches beitragen und die Freude und den Segen an Gottes weltweitem Wirken miterleben. Das Engagement einer Gemeinde erfordert jedoch eine gute Absprache mit dem Missionswerk. Im Allgemeinen ist es nicht zweckmäßig, Entscheidungen über Projekte und Arbeitsweise im Heimatland zu treffen – der Erfolg der „Glaubensmissionen“ seit dem letzten Jahrhundert hängt auch eng damit zusammen, dass die konkreten Entscheidungen vor Ort im Einsatzland getroffen worden sind.

Erwartungen an sendende Gemeinden

Die Erfahrungen und Möglichkeiten einer lokalen Gemeinde sind verschieden stark ausgebildet. Darum setzen wir als DMG keinen bestimmten Umfang voraus. Wir wollen vielmehr dort beginnen, wo eine Gemeinde gerade steht, und sie ermutigen, sich in wachsendem Maße im Leben ihrer Auslandsmitarbeiter zu engagieren. Die jeweiligen Erwartungen von sendender Gemeinde und Missionswerk können z.B. in einem individuell gestalteten Kooperationsvertrag formuliert werden, der beim Aussendungsgottesdienst feierlich unterzeichnet wird.

Weitere unterstützende Gemeinden

Zur sendenden Gemeinde, die die geistliche Verantwortung für ihre entsandten Mitarbeiter übernimmt, kommen oft noch weitere (unterstützende) Gemeinden hinzu, die sich ebenso an dem Projekt beteiligen möchten. Beim Apostel Paulus war dies ähnlich: Er stammte aus Tarsus, arbeitete zunächst in den Gemeinden in Damaskus und Jerusalem mit, wurde dann aber von der Gemeinde in Antiochia angenommen und ausgesandt, und später vor allem von der Gemeinde in Philippi sowie weiteren Gemeinden unterstützt. So dürfen gerne auch heute mehrere Gemeinden am Dienst eines Missionars beteiligt sein.

Und einzelne Unterstützer?

Ganz wertvolle Unterstützung geschieht durch einzelne Freunde, wie z.B. Gajus (3.Joh 5–8), die sich vorbildlich und mit großen Opfern für ihre entsandten Mitarbeiter einsetzen. Sie kennen diese persönlich und fühlen sich mit ihnen verbunden, doch verfügen solche Beziehungen oft nicht über die gleiche Verbindlichkeit und Kontinuität wie ein Unterstützungskreis einer Gemeinde (bzw. ein Hauskreis, der von der Gemeinde offiziell damit beauftragt ist). Insofern legen wir Wert auf eine sendende Gemeinde (Gemeinschaft oder Hauskreis), mit der der entsandte Mitarbeiter verbindlich, offen und ehrlich zusammenarbeitet, Rechenschaft gibt und seelsorgerliche Unterstützung erfährt.

Entsandte Mitarbeiter stärken sendende Gemeinden

Entsandte Mitarbeiter stärken und bereichern den persönlichen Glauben ihrer Unterstützer und inspirieren die sendende Gemeinde. Das geschieht durch Gebet, persönliche Briefe, Rundbriefe, Telefonate und viele andere kreative Ideen, ganz besonders auch während des Heimataufenthaltes. Ich empfehle allen unseren Auslandsmitarbeitern, den zehnten Teil ihrer Zeit und Kraft zu geben für die Ermutigung und geistliche Stärkung ihrer Gebetspartner und sendenden Gemeinden. Dies ist Teil ihres Dienstauftrags, ebenso wie die konkrete Arbeit im Einsatzland. Damit schließt sich der Kreis: Der Missionsdienst geht (mittelbar) von einer sendenden Gemeinde aus, baut christliche Gemeinden im Einsatzland, und die Heimatgemeinde wird dadurch gestärkt. In diesem Dreiklang kommt unserem großen Gott die Ehre zu (Eph 3,21).

Zusammenarbeit ist nicht immer einfach

Die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Partnern ist stets mühevoll – das gilt auch für sendende Gemeinden und Missionswerk – da erscheint es einfacher, allein zu handeln. Dennoch liegt darauf ein ganz besonderer Segen (Joh 17,17–23). Darum können wir die sendenden Gemeinden nicht aus ihrer Verantwortung entlassen, selbst wenn es für uns einfacher erscheinen würde. Andererseits brauchen sendende Gemeinden die Erfahrung, Logistik und Partner im Einsatzland, über die ein Missionswerk verfügt.

Gemeinsames Ringen um den besten Weg

Darum dürfen wir als DMG uns nicht aus der Verantwortung ziehen und Gemeinden in den notwendigen Entscheidungen alleine lassen. Wir wollen vielmehr aktive Partner der Gemeinden unserer Mitarbeiter sein, engagierte und konstruktive Helfer. Wir wollen fördern und unterstützen – dies kann auch ein leidenschaftliches Ringen und Werben bedeuten und Meinungsverschiedenheiten einschließen. Da werden wir gemeinsam mit Gemeindeleitern und Missionskreisen nach guten, geeigneten Lösungen suchen. Wir und die Auslandsmitarbeiter müssen der jeweiligen sendenden Gemeinde Rede und Antwort stehen, und erklären, warum Dinge wie gelaufen sind. Wir haben auf die Sorgen und Fragen der Gemeinde sorgfältig zu hören und im gemeinsamen Gespräch nach einvernehmlichen Lösungen zu suchen.

Es lohnt sich!

Dr. Detlef Blöcher Direktor der DMG
Dr. Detlef Blöcher

Gott hat seiner Gemeinde den Auftrag gegeben, die gute Nachricht von Jesus überall bekannt zu machen – wie ein einzelner darauf antwortet, bleibt jedem freigestellt. An Gottes weltweitem Wirken beteiligt zu sein, macht unser aller Leben reich. Sich Gott zur Verfügung zu stellen lohnt sich! Wenn Sie Fragen diesbezüglich haben, kommen Sie auf uns zu. Wir helfen Ihnen gerne weiter ... 

Dr. Detlef Blöcher,
Direktor der DMG

 

1. D. Herm, Gemeinde und Mission, R. Brockhaus. 1989. P. Johnstone, Viel größer als man denkt, Hänssler 1999, S. 293–304, Kap. 16: „Wer sendet den Missionar aus?“

2. A. Walls, Missionary Societies and the Fortunate Subversion of the Church. In: Perspectives of World Christian Movement. R. Winter & S. Hawthorne, William Carey Library. 1999, S. 231–240

3. P. Johnstone, Viel größer als man denkt, 1999, Kap. 19: Wie kann eine Missionsgesellschaft eine gemeindeorientierte Organisation werden?, S. 330–341. 

 

 

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