Jesus verkündigen mit Wort und Tat

02.04.2014 15:09
Theologin Inge Michel gibt Kindern Nahrung weiter
Theologin Inge Michel gibt Kindern Nahrung weiter

Die moderne Kommunikationstheorie hat nachgewiesen, dass von einer Botschaft nur 20% durch Worte vermittelt werden und 80% durch Sprachklang, Körperhaltung, Gestik, Einstellung und Persönlichkeit des Botschafters. Darum muss die Botschaft von der Person und dem Leben des Botschafters unterstrichen werden. „Gott liebt dich“ sollte nicht nur einem Menschen zugesprochen werden, sondern muss auch durch das Leben des Botschafters praktisch erfahrbar werden. Praktische Hilfe und Zuwendung sollen die verbale Verkündigung unterstützen. Die gute Nachricht von Jesus muss mit allen Sinnesorganen, das heißt „auf allen Kanälen der Wahrnehmung“ stimmig, wahrgenommen werden: „integrale Mission“, eine umfassende Verkündigung. Sie entspringt nicht menschlicher Planung, sondern Gottes Wesen und Willen:

    • Gott liebt die Welt (Joh 3,16) und selbst den sündigen, von ihm abgewandten Menschen (Röm 5,8). Er will seine Rettung (1.Tim 2,4) und Glück (Hes 18,23; 33,8; Jona 4,11).
    • Gott liebt Gerechtigkeit (Ps 11,7; 33,5; 45,8; 89,15; Spr 15,9) und hasst Ungerechtigkeit (Jes 61,8; Amos 6,12; Micha 3,1–12; Röm 1,18; 1.Joh 5,17; Hebr 1,9). „Denn ich bin der Herr, der das Recht liebt und Raub und Unrecht hasst“ (Jes 61,8).
    • Gott hat Erbarmen mit den Elenden (Ps 68,11; 76,10; 147,6; Jes 41,17; Spr 14,31) und verhilft dem Unterdrückten zu seinem Recht (2.Mo 3,7; 5.Mo 10,18; Ps 9,19; 10,17; 22,27; 103,6).
    • Gott hat die Welt gut geschaffen; sie ist ein Abbild seines Wesens (Ps 19,2–5; Ps 148; Röm 1,20). Sie ist nicht nur Ansammlung von Materie, sondern zu ihm hin geschaffen; sie soll ihn verherrlichen. Gott wird einmal einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen (Jes 65,17; 2.Petr 3,13; Offb 21,1), und trotzdem ist das Irdische nicht minderwertig.
    • Gott hat den Menschen zu seinem Ebenbild geschaffen (1.Mo 1,28); darum ist der Mensch unendlich wertvoll (Ps 8,6). Das gilt für das ungeborene Leben, das Straßenkind in Sao Paulo, den Flüchtling in Darfur, die gelähmte Oma im Pflegeheim in Bremen ... Es macht uns tief betroffen, dass täglich 20.000 Kinder an Armut sterben, Tausende Mütter während der Schwangerschaft, unzählige Menschen an Malaria und Tuberkulose. 1.100 Millionen Menschen sind chronisch unterernährt; 1.400 Mio. haben keinen Zugang zu sauberem Wasser; 860 Mio. können weder lesen noch schreiben. 220 Mio. Kinder müssen Schwerstarbeit leisten, und es gibt weltweit 160 Mio. Straßenkinder. Es ist Gottes tiefer Wunsch, dass jeder Mensch in Würde lebt und sich seine Persönlichkeit entfaltet (Ps 8,6; Joh 10,10). Letztlich gelingt dies nur in der persönlichen Beziehung zu seinem Schöpfer.
    • Gott hat uns Menschen die Erde als Leihgabe anvertraut, um sie zu bebauen (gestalten) und zu bewahren (schützen) (1.Mo 2,15). Gott ist nicht egal, was aus unserem Planeten wird.
    • Der Mensch ist unter die Sünde verkauft (Röm 7,14; 1.Joh 2,2) und im Wesen korrumpiert (Röm 3,4; 5,12). Er strebt nach Macht und sucht den eigenen Vorteil. Jeder Unterdrückte ist ein potentieller Unterdrücker. Dieser Machtkomplex ruiniert jede Person. Darum brauchen wir Menschen die Erlösung von Sünde und Tod, nicht nur Know-how, Finanzen, Bildung und politische Aktion.
    • Jesus hat die Menschen immer als ganze Person gesehen mit materiellen, gesundheitlichen, seelischen, sozialen und geistlichen Bedürfnissen und hat ihnen umfassend geholfen (Mk 1,41; 6,37; Lk 18,42; Joh 2,11; 5,8). Jesus hat so viel über Armut, Gerechtigkeit und Umgang mit Geld gepredigt wie über den Himmel und die Ewigkeit.
    • Mit dem Kommen von Jesus in die Welt ist Gottes Herrschaft in seinem Volk (Mt 21,43; 1.Kor 3,17; 1.Thess 4,8) konkret geworden (Joh 17,20). Das bedeutet gute Nachricht für die Elenden und Freiheit für die Gebundenen (Lk 4,18-21).
    • Christen sind berufen zum Salz der Erde und zu Lichtern der Welt (Mt 5,13); sie streben nach Gerechtigkeit und Wahrheit, nennen Sünde beim Namen und leben wahrhaftig (Spr 11,19; Jes 1,17; Amos 5,11-15; Röm 12,17f; Kol 3,12-14; 1.Thess 5,15; 2.Ti 2,22; Hebr 12,14).
    • Christen sollen sich der Elenden erbarmen (Spr 14, 21+31; Lk 10,37) und mit den Schwachen teilen (Mt 5,42; Lk 3,11; Hebr 13,16). „Wer sich des Armen erbarmt, der leiht dem Herrn, und der wird ihm vergelten, was er Gutes getan hat“ (Spr 19,17). „Errettet den Geringen und Armen und erlöst ihn aus der Gewalt der Gottlosen“ (Ps 82,4). „Wer nun weiß, Gutes zu tun, und tut’s nicht, dem ist’s Sünde“ (Jak 4,17).
    • Christen sollen eine prophetische Stimme sein, zur Gerechtigkeit mahnen, Sünde beim Namen nennen und hinweisen, wem die Zukunft gehört (Mt 5,14+16+48; 7,16; Eph 4,24; 5,8; Phil 1,11; 2,14; Tit 2,14; 1.Petr 2,9). Im Vaterunser beten wir: „Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden“ (Mt 6,10). Was tragen wir bei?
    • Gebet ist das effektivste Mittel zu Einflussnahme und Veränderung (Mt 7,7; Mk 11,24). Christen beten für ihre Regierung (1.Tim 2,2). Gebet verändert die Welt! Wir erwarten Gottes gnädiges Eingreifen, nicht Veränderung durch menschliche Aktionen.
    • Gottes Geist führt Gottes Kinder zur weltweiten Einheit und befähigt zu einem radikal anderen Lebensstil (Röm 12,2).
    • Christliche Gemeinden sollen ein Ort des Friedens sein, der Versöhnung, Heilung, des Wachstums, Dienens in Demut und Opferbereitschaft (Mk 10,42ff; Joh 13,14f; Phil 2,3).
    • Gemeinden sollen ein Segen für ihre Stadt sein (2.Mo 19,6; Neh 8,10; 1.Petr 2,9). Sie setzen Zeichen der Liebe Gottes in einer geschundenen Welt. Sie sind Hoffnung für die Welt, ein Ausgangspunkt für soziale Veränderung vor Ort und global, ein Garant für nachhaltige Entwicklung.

Christen haben schon immer umfassend geholfen

Christen müssen Vorbilder sein und sich parallel zur Verkündigung auch für Gerechtigkeit einsetzen
Ein Leben für Gott bedeutet auch Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit

Christen haben schon immer umfassend geholfen in Diakonie und Weltmission. Das belegen zahllose Beispiele der Kirchengeschichte: Es galt schon für die erste Gemeinde in Jerusalem. Auch der frühe Pietismus war außerordentlich sozial engagiert: August Hermann Francke, Christian Friedrich Spittler, John Wesley ... Verkündigung des Evangeliums, sozialdiakonisches Engagement und moderne Pädagogik waren harmonisch und praxisnah ineinander verwoben; die Herrnhuter Missionare haben bereits im 18. Jahrhundert Jesus in Wort und praktischer Hilfe in fernen Ländern verkündigt. Sie haben nicht nur Notleidenden geholfen, sondern auch wesentlich zu gesellschaftlichen Veränderungen und Entwicklung der Gesetzgebung beigetragen, z.B. Abschaffung der Sklaverei, Einführung der allgemeinen Schulbildung, Sozialgesetze ... „Glaube, der durch die Liebe tätig ist“ (Gal 5,6). Integrale Mission gehörte stets zu den ureigensten Kernkompetenzen der Christen, denn die Versöhnung mit Gott hat stets auch immense soziale Auswirkungen.

In gleicher Weise arbeiten viele DMG-Missionare ganzheitlich: Kathleen Quellmalz zum Beispiel kümmert sich um Straßenkinder in Daressalam, Tansania, Andrea Hellemann in Dodoma, Kerstin Abbas in Lima. Heidrun Böhm verhilft behinderten Thai, die es sich nicht leisten können, zu einem Rollstuhl. Dr. Eckehart Wolff operiert Mittellose in einer abgelegenen Region Ecuadors. Gerhard Deimel hilft Migranten und Flüchtlingen in Wien. Dr. Tigi und Astrid V. helfen in der landwirtschaftlichen Entwicklung in Nordindien. Elisabeth Z. fördert behinderte Kinder im Orient; Martin und Silke Waldvogel engagieren sich sehr in der Aids-Prävention in Simbabwe. Hans-Jörg und Andrea Richter fördern Dorfgesundheitsstationen in Malawi und kümmern sich um Aidswaisen; Charlotte Prüfer und Esther Barczaitis betreuen sozial Schwache in Brasilien, Marianne Diemer kümmert sich medizinisch und seelsorgerlich um Flußbewohner. Viele weitere DMG-Mitarbeiter engagieren sich in Notsituationen wie beispielsweise nach dem schrecklichen Erdbeben in Haiti oder der Hungersnot in Nordkenia ... Dies sind nur einige Beispiele, wo DMG-Missionare heute ganzheitlich helfen.

Menschen brauchen die Begegnung mit Gott im Gebet
Begegnung mit Gott im Gebet

Im Jahr 2003 hat die Weltweite Evangelische Allianz die internationale Initiative „Micah Challenge“ (www.micahchallenge.org) gegründet. Der Name bezieht sich auf Micha 6,8, wo es wörtlich heißt: „Recht zu üben und Güte/Gnade zu lieben und demütig zu gehen vor deinem Gott.“ Viele Propheten des Alten Testaments haben soziale Ungerechtigkeit entschieden angeprangert und die Umkehr zu Gottes Wahrheit und Gerechtigkeit gefordert (Jes 1,17; Hes 5,28; Amos 2,6f; 4,1; 5,11ff; 6,12; Micha 3,1-12). Sie haben Gottes Willen verkündigt, auch wenn es unpopulär war. In ähnlicher Weise möchte die Micha-Initiative:

  • Christen in Deutschland zum Gebet motivieren, denn Gebet verändert die Welt und den Beter. 
  • Christen zu einem alternativen Lebensstil (Röm 12,2) und Weltverantwortung herausfordern. 
  • Unsere Regierung an ihr Versprechen erinnern, das sie im September 2000 vor der UN gegeben hat („Millenium Entwicklungsziele“), nämlich in den kommenden Jahren ganz entschieden gegen extreme Armut zu kämpfen. 
  • Unsere Politiker in der Umsetzung ihres bemerkenswerten Beschlusses zur weltweiten Bekämpfung von Armut unterstützen. Christen kritisieren nicht alles, sondern unterstützen das Gute. Wir sind nicht gegen Menschen, sondern für sie.

In Deutschland wird die Aktion von der Deutschen Evangelischen Allianz (www.gemeinsam-gegen-armut.de) getragen. In der Schweiz heißt sie „StopArmut“ (www. stoparmut2015.ch). Sie initiiert regelmäßig Aktionen, durch die Christen ihre Stimme erheben und auf Gottes Willen und Gerechtigkeit hinweisen können. Wir wollen Armen in der Welt direkt helfen und den politischen Einfluss nutzen, den uns unsere Gesellschaft bietet. So wollen wir das Evangelium leben und Gottes Erbarmen verkündigen. Die Erlösung durch Jesus muss in unserem Leben sichtbar werden; darum können wir nicht schweigen (Lk 10,37). Das gibt uns gleichzeitig Gelegenheit, Jesus zum Gesprächsthema zu machen. 

Gestaltung unserer Welt wird das Evangelium auch für unsere Mitbürger relevant und praktisch. Im Zentrum des Missionsauftrags (Mt. 28) steht nicht das „Hingehen“, sondern das „zu Jüngern machen“. Jesus will Herr sein im Leben, nicht nur Retter und Nothelfer. Er will schrittweise die ganze Person erneuern, alle Lebensbereiche: Herz und Verstand, persönliche Beziehungen, Berufsalltag, politische und soziale Verantwortung. Wir sollen von Jesus reden – mit Worten, Denken, Leben und Handeln.

Dazu haben wir zahllose Möglichkeiten im Alltag: im persönlichen Gespräch mit Arbeitskollegen, praktischer Nachbarschaftshilfe, Engagement in einer Bürgerinitiative, Beteiligung an Unterschriftenaktionen für verfolgte Christen, Leserbriefe an Zeitungen, Zuschriften an Fernsehsender, Unterstützung von Behinderten, Hilfe für ausländische Mitbürger und Fremde, Protest gegen Korruption und Betrug, absolute Wahrhaftigkeit bei unserer Steuererklärung, bei der Schadensregulierung mit unserer Autoversicherung und durch Mitarbeit bei den Aktionen der Micha-Initiative.

Dr. Detlef Blöcher, Direktor der DMG
Dr. Detlef Blöcher

Unser Leben ist die „Bibel“, die von unseren Nachbarn gelesen wird. Da wird das Evangelium praktisch im Alltag. So können wir ihnen Gottes Wahrheit relevant und praxisnah verkündigen, Verantwortung für unsere Welt übernehmen und ein Segen für viele sein. Ihre Stimme zählt. Ihr persönlicher Beitrag macht einen Unterschied. Darum möchten wir Sie herzlich einladen, Jesus mit Wort und Tat, Ihren Lippen und Ihrem Leben zu verkündigen.

Dr. Detlef Blöcher,
Direktor der DMG

 

 

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