Gottes Herz reicht über unseren Gartenzaun hinaus

05.04.2014 12:27

Mission – was ist das? ...(über Matthäus 28,18-20)

Gottes Liebe gilt auch für die Menschen in den Städten Mexikos
Die Liebe Gottes gilt Menschen in aller Welt

Das Wesen der christlichen Mission wird in besonderer Weise in den letzten Worten des Matthäus-Evangeliums deutlich, die landläufig als „der Missionsauftrag“ bezeichnet werden. Darin spricht der auferstandene Jesus Christus:

 

 

Gott hat mir unbeschränkte Vollmacht im Himmel und auf der Erde gegeben. Darum geht nun zu allen Völkern der Welt und macht die Menschen zu meinen Jüngern! Tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch aufgetragen habe. Und das sollt ihr wissen: Ich bin immer bei euch, jeden Tag, bis zum Ende der Welt.
(Mt. 28,18-20 GN)

 

 

Mission in der Autorität des Herrn

Die einleitenden Worte von Jesus, „Gott hat mir unbeschränkte Vollmacht im Himmel und auf der Erde gegeben“, machen es bereits deutlich: Mission ist nicht das treue Ausführen eines Auftrags, so gut oder schlecht es eben geht, sondern sie basiert auf der Kraft und Vollmacht des auferstandenen Herrn. Jesus ist der Sieger über den Tod, der Prinz des Lebens, der König aller Könige und Schöpfer des ganzen Universums. Ihm gehört alles im Himmel und auf der Erde, alle Mittel und Möglichkeiten stehen ihm zur Verfügung. Nichts ist ihm zu schwer, nichts zu kompliziert, nichts zu aufwändig, nichts zu teuer. Von ihm kommen alle Ressourcen: Kraft, Ideen und Leitung. Wenn er spricht, geschieht es. Jesus ist am Werk in der Welt, und Mission ist seine Mission. Das ist der kraftvolle Ausgangspunkt der Mission.

Er ist es, der sendet

Das Wort „Mission“ kommt vom lateinischen „missio“ und bedeutet „Sendung“. Das Neue Testament ist ursprünglich in Griechisch geschrieben – und dort stehen die Begriffe „apostolae“, „apostello“ (senden) und „apostolos“ (Apostel). „Missionar“ und „Apostel“ bedeuten somit das gleiche; nämlich „Gesandter“. Im Alten Testament steht dafür das hebräische Wort „Schaliach“, das einen bevollmächtigten Rechtsvertreter bezeichnet. Es weist auf die enge persönliche Beziehung zwischen dem Sendenden und dem Gesandten hin, auf das tiefe Vertrauen und die Ausstattung mit dessen Würde und Vollmacht (1. Sam. 25,40 f. / 2. Sam. 10,2-6). Im theologischen Wörterbuch heißt es dazu: „Ohne Rücksicht auf die Persönlichkeit des Boten oder des Auftraggebers, ohne Rücksicht auf den Auftrag selbst“ meint der Ausdruck Schaliach „eine Person, die vollmächtig für einen anderen handelt“ (Schmithals, S. 92). Christliche Mitarbeiter gleichen damit Diplomaten, die stellvertretend für ihre Regierung eine Botschaft überbringt. Ihre persönliche Meinung tritt ganz hinter die Botschaft und das Anliegen ihrer Regierung zurück. In gleicher Weise steht der Missionar stellvertretend für seinen Herrn, den lebendigen Gott, und hat dessen Botschaft zu überbringen, unabhängig von eigenen Unzulänglichkeiten und Schwächen.

Lassen wir uns ein auf das Abenteuer Welt?
Lassen wir uns ein auf das Abenteuer Welt?

Teilhaben an der Sendung von Jesus

Den großen Auftrag, alle Menschen weltweit mit der Frohen Botschaft zu erreichen, können wir nicht aus eigener Kraft erfüllen – und wir müssen es auch nicht. Denn Gott selbst rüstet seine Botschafter dazu aus, wie Jesus es zugesagt hat: „Ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen, und werdet meine Zeugen sein“ (Apg. 1,8). Dazu hat Gott den Heiligen Geist ausgegossen über alle seine Jünger, um Kraft, Freude und Vollmacht zu geben, anderen Menschen von Jesus zu erzählen. Er gibt die rechten Worte, Mut zum Reden, Weisheit zum Schweigen, Geduld im Leiden, Kraft zum Lieben und Freude zum selbstlosen Dienen. Der Heilige Geist ist uns nicht in erster Linie zur frommen Selbsterbauung gegeben, sondern als Dienstgabe, damit andere durch uns beschenkt werden und den lebendigen Gott erkennen.


„Jünger und Jüngerinnen machen“

Doch was ist der inhaltliche Kern des Missionsauftrags? In der deutschen Übersetzung umfasst er nach Matthäus 28 die vier Tätigkeitswörter: „geht hin“, „macht zu Jüngern und Jüngerinnen“, „tauft“ und „lehrt“. Im griechischen Grundtext steht aber nur ein Befehlswort (Imperativ), das den eigentlichen Kern kennzeichnet, begleitet von drei Partizipien, die diesen Grundauftrag näher erläutern. Dem deutschen Text nach könnte man vermuten, dass „geht hin“ der Grundbefehl sei. Dies ist jedoch nicht der Fall, sondern es ist der Auftrag: „Macht zu Jüngern!“ Genaugenommen müsste man daher übersetzen: „Macht Menschen zu Jünger/innen, indem ihr hingeht und tauft und lehrt.“ Das „Jünger/innen machen“ kennzeichnet also den inhaltlichen Kern des biblischen Auftrages. Die Partizipien erklären, wie dies geschieht. Ziel der Mission ist somit nicht das Verkündigen der Botschaft (so wichtig und unersetzlich dies auch ist!), nicht das Erreichen von Menschen, die noch nie das Evangelium gehört haben, nicht Menschen zur Entscheidung für Jesus Christus zu rufen oder Gemeinden zu gründen, wo es noch keine gibt (Gustav Warneck), nicht soziale Hilfe oder Zusammenarbeit mit einheimischen Kirchen, sondern: Menschen sollen zu Nachfolgern von Jesus werden!

Segensträger für die Welt

Das Hören der guten Nachricht und ein dazu passender Lebenstil gehören immer zusammen: Jesus will nicht nur Retter sein, sondern auch Herr im Leben. Darum darf das Evangelium nicht nur auf die Bekehrung des Menschen, den Neustart im Leben, verkürzt werden. Jesus will Ordnung schaffen und zum reinen Leben anleiten, um als geheiligte Personen im Frieden mit Gott und den Nachbarn und der Schöpfung zu leben. Der allmächtige Gott hat jeden Menschen „nach seinem Bild“ geschaffen (1. Mose 1,27) und damit in die persönliche Beziehung mit ihm gerufen. Jeder soll Gottes Segen erfahren und sein Repräsentant auf der Erde sein, ein Segensträger für seinen Wohnort, für seine Arbeitskollegen und Angehörigen. Gottes Herrlichkeit soll sich in seinem Leben widerspiegeln, als Licht in der Dunkelheit der Welt (Mt. 5,14), das anderen den Weg zum Leben weist. Der Alltag von Christen soll ein Schaufenster Gottes in unserer notvollen Welt sein, in dem Gottes wunderbares Wesen, seine Liebe und seine erlösende, neuschaffende Kraft sichtbar wird.

Seemannsmissionar Felix Henrichs im Einsatz auf einem Frachter im Hafen von Rotterdam
Seemannsmissionar Felix Henrichs im Einsatz

Viel mehr als Evangelisation

Darum ist unser Auftrag von Jesus viel mehr als Evangelisation (= Verkündigung der guten Nachricht von Jesus); er umfasst das ganze Leben: das Reden, Handeln und Sein eines Christen in der Welt. Alle Lebensbereiche sollen Gottes Wesen widerspiegeln: Beruf, Privatleben, persönliche Beziehungen, der Umgang mit Geld, Zeit, der eigenen Phantasie – das ganze Leben soll Gott verherrlichen. Darum kann sich unser Dienst im In- oder Ausland nicht nur auf die Verkündigung des Evangeliums und die Bekehrung von Menschen beschränken – das ist ja gerade das Problem vieler Christen in Europa. Mit der Bekehrung finden Menschen die Errettung von Sünde und Tod und erhalten das ewige Leben. Aber Gottes Absicht ist damit noch nicht vollendet, denn ihr Leben soll von Gottes Gnade und Liebe erzählen. Darum lautet der Auftrag, dass wir alle Menschen zu Jüngern und Jüngerinnen machen sollen; mit weniger gibt sich der Herr nicht zufrieden.

Lehrt sie, was ich euch aufgetragen habe

Wie werden Menschen zu Jüngern von Jesus? Die folgenden Tätigkeitswörter in Mt. 28,19 f. erläutern es: Menschen sollen „hingehen“ zu denen, die das Evangelium noch nicht gehört haben, denn Gott will, dass alle Rettung finden (1. Tim. 2,4). Jeder soll die Chance erhalten, Jesus kennenzulernen (ob er/sie das Angebot annehmen, bleibt jedem freigestellt) und „in seinem Namen getauft“ zu werden. Junge Christen sollen Gottes Wort gründlich kennenlernen; alle Lebensbereiche sollen von Gottes Geist geprägt werden. Nicht nur etwas und in wenigen Lebensbereichen, sondern „alles, was Jesus seine Jünger gelehrt hat“, sollen sie lernen.

Wichtig: Das gelebte Vorbild

Dabei geht es um mehr als Sachinformation; das Entscheidende muss im Leben eines Menschen sichtbar und vorgelebt werden. Gott hat nicht ein goldenes Buch mit seinen Anweisungen vom Himmel gesandt, sondern seinen Sohn als reale Person. An ihm wurde Gottes einzigartiges Wesen, seine Liebe und Fürsorge sichtbar (1. Joh. 1,1-3) – und dieser Auftrag kostete Jesus das Leben. Auch heute bedarf es des gelebten Vorbildes vieler Botschafter, damit Menschen zu Jüngern von Jesus werden. Christliche Radiobotschaften, Fernsehen, Literatur, Bibelübersetzung, moderne Verkündigung und Lehre durchs Internet sind wertvoll – und doch muss das Evangelium Hand und Fuß, Herz und Gesicht im Leben vieler Botschafter bekommen. Nur so werden Menschen zu Jüngern. Darum ist und bleibt die Entsendung neuer Missionare unverzichtbar.

... bis an die Enden der Erde
Gottes Zusagen gelten auch heute noch ...

Bis ans Ende der Welt

Gottes Zusage und Ausrüstung ist gegeben, und sie reicht bis ans Ende der Welt – geographisch und zeitlich. Selbst die fernsten Inseln gehören dazu und der tiefste Urwald, die höchstgelegenen Bergdörfer und die größten Megastädte. Überall gilt seine Zusage: „Ich bin bei euch ...“ (Mt. 28,20) und „Ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und Judäa und Samaria und bis ans Ende der Welt“ (Apg. 1,8). Der Auftrag beginnt am gegenwärtigen Aufenthaltsort (Jerusalem), weitet sich aus aufs eigene Land (Judäa), springt auf das Nachbarland über (Samaria) und reicht bis ans Ende der Erde. Diese vier geographischen Begriffe sind jeweils durch das Wörtchen „und“ miteinander verbunden. Das verdeutlicht, dass die Aufzählung nicht eine zeitliche Reihenfolge meint, sondern ein „sowohl als auch“.

Gottes Herz gilt allen Völkern

Bis heute sind die Christen nicht mit Jerusalem zum Ende gekommen. Hätten sie sich darauf konzentriert, sie wären noch immer nicht in andere Städte und Länder gekommen – und wir in Europa hätten noch immer nichts von Jesus gehört. In gleicher Weise wird auch unsere Heimatstadt nie vollständig erreicht sein und unsere Gemeinde nie vollkommen werden. Es gibt überall noch genug zu tun. Zudem gibt es genügend Gemeindeglieder, die aus verschiedenen Gründen nicht an einen Auslandseinsatz denken können. Von 100 Christen bleiben 98 zu Hause und haben dort eine wichtige missionarische Aufgabe. Sie sind zur Mitarbeit in der Heimat berufen, um in der eigenen Stadt Jesus zu verkündigen – und gleichzeitig von der Heimat aus an Gottes Mission bis an die Enden der Erde engagiert zu sein, indem sie sich an der Sendung von neuen Mitarbeitern aktiv beteiligen.

Missionsleiter Dr. Detlef Blöcher
Dr. Detlef Blöcher

Gottes Herz reicht über unseren Gartenzaun und über unseren Stadtrand hinaus. Seine Liebe gilt allen Völkern, der ganzen Welt – und alle Christen sind daran beteiligt. Wenn Sie Näheres wissen möchten, wie auch Sie sich ganz persönlich in Mission mit einbringen können, nehmen Sie noch heute Kontakt mit uns auf. Wir beraten Sie gerne …

Dr. Detlef Blöcher,
Direktor der DMG

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