Mission – schon im alten Testament?

03.04.2014 10:47
Bereits im Bauplan des Tempels in Jerusalem kann man Hinweise auf Mission finden
So könnte der alttestamentliche Tempel in Jerusalem ausgesehen haben

Mission: Gottes großer Auftrag an seine Gemeinde. Meist wird sie auf Pfingsten zurückgeführt, dem großen Fest vor 2.000 Jahren, als der Heilige Geist über alle Christen kam und die Gemeinde von Jesus entstand. Jesus beauftragte damals seine Jünger: „Geht hin in alle Welt und macht zu Jüngern alle Völker“ (Mt 28,18f). Doch dieser Auftrag reicht bis ins Alte Testament zurück: Auf allen Seiten der Bibel wird Gottes Herzenswunsch nach Gemeinschaft mit uns Menschen deutlich. Gott sucht und rettet; er offenbart sich und macht seine Herrlichkeit kund. Alle biblischen Bücher berichten davon.

Urgeschichte

Bereits in frühesten Zeiten haben Menschen diesen Auftrag ausgeführt. Dies kommt u.a. im hebräischen Wort „qara“ = „laut ausrufen, verkündigen“ zum Ausdruck, das oft mit „anrufen, anbeten“ übersetzt wird. Bereits von Enosch heißt es: „Zu der Zeit begann man, den Namen des Herrn anzurufen (qara) ...“ (1Mo. 4,26). Es ist offensichtlich, dass damit nicht das persönliche Gebet gemeint sein kann, denn bereits Adam, Eva und Seth hatten ja mit Gott gesprochen. (Die Bedeutung von „qara“ als „proklamieren, verkündigen“ kommt eindrucksvoll im Parallelismus von Jesaja 12,4 zum Ausdruck: „Danket dem Herrn, ruft an (qara) seinen Namen! Macht kund unter den Völkern sein Tun, verkündigt, wie sein Name so hoch ist“ – vgl. Ps 105,1; 145,6+11f). Den Herrn anrufen bedeutet, seinen Namen bekannt zu machen, ihn öffentlich zu loben, so dass es alle hören, verstehen und neugierig werden. Nach der Sintflut machte Gott mit Noah einen Bund, in den die ganze Menschheit eingeschlossen ist (1Mo 9,8f).

Abraham

Gott rief Abraham aus seiner Heimat im heutigen Irak, um ins Land Kanaan zu ziehen und „ein Segen für die ganze Menschheit“ (1Mo 12,3) zu werden – ebenso seine Nachkommen (1Mo 22,18). Und Abraham zog durchs Land und „baute dem Herrn einen Altar und verkündigte (qara) den Namen des Herrn“ (1Mo 12,8; 13,4; 21,33).

Auszug aus Ägypten

Bereits beim Auszug aus Ägypten ...
Bereits beim Auszug aus Ägypten ...

In eindrucksvoller Weise wird dies beim Auszug aus Ägypten deutlich. Gottes Handeln an Israel und den Ägyptern hatte das Ziel, dass „die Ägypter innewerden, dass ich [Gott] der Herr bin“ (2Mo 7,5+16). So spricht Mose in Gottes Auftrag zu Pharao: „Lass mein Volk ziehen, dass es mir diene ... damit du [Pharao] inne wirst, dass meinesgleichen nicht ist in allen Landen und mein Name verkündigt wird in allen Landen“ (2Mo 9,13f). Das folgende Sterben der Erstgeborenen war Gottes Strafgericht „über alle Götter der Ägypter“ (2Mo 12,12), die sich als Mächte aufspielten, zusammen mit dem als Gott verehrten Pharao. Deren Ohnmacht sollte entlarvt werden; sie standen unter dem Gericht Gottes. So hat Jahweh seine „Herrlichkeit erwiesen an Pharao“ (2Mo 14,4+17f). Alle Völker müssen anerkennen, dass Jahweh der Herr ist (2Mo 15,11+14). Die Nachricht von Gottes Herrlichkeit und Herrschaft über alle Völker wird weitergesagt von Oase zu Oase (2Mo 18,1). Selbst 40 Jahre später wird noch davon erzählt, und die Kanaaniter befällt große Furcht (Jos 2,9ff). Gott hat dies gewirkt, „damit alle Völker auf Erden die Hand des Herrn erkennen, wie mächtig sie ist und den Herrn euren Gott fürchten (=Ehrfurcht erweisen) allezeit“ (Jos 4,24). Viele Völker zogen damals mit Israel aus Ägypten und fanden ihren Platz im Gottesvolk (2Mo 12,38; Jos 8,33; 14,14).

Israel als Volk von Priestern

Der Herr hat Israel zum Priestervolk für die ganze Menschheit berufen: „Ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein“ (2Mo 19,6). Das war Israels Berufung und Bestimmung. Dafür hat Gott es aus allen Völkern auserwählt, um Gottes Herrlichkeit und Willen unter allen Völkern bekannt zu machen und die Anliegen der Welt im Gebet vor Gott zu bringen. Israel sollte ein Segen für die ganze Menschheit sein. Welche Tragik, dass Israel diesen Schatz der Gotteserkenntnis egoistisch für sich behalten hat, statt ihn mit den Nationen zu teilen.

Die Psalmen

In eindrücklicher Form wird dieser Auftrag in Psalm 96,2-10 deutlich: „Verkündigt (hebr. „basar“ = evangelisieren, eine Nachricht überbringen) von Tag zu Tag sein Heil (hebr. „yeschua“ = Befreiung, Rettung), erzählt unter den Nationen von seiner Herrlichkeit, unter allen Völkern von seinen Wundern ... Ihr Völker, bringet dar dem Herrn Ehre und Macht ... Sagt unter den Nationen: Der Herr ist König.“ Diese Worte sind Missionsauftrag par Excellence – bereits 1.000 Jahre vor Christus, und sie werden in 1. Chronik 16,23ff wiederholt. Selbst wenn wir das Evangelium und das Neue Testament nicht kennen würden, könnten wir gar nicht anders, als Gottes Namen in der Welt groß zu machen, indem wir allen Menschen rund um den Globus von ihm erzählen. Viele weitere Psalmen reden davon, z.B.: „Danket dem Herrn

und ruft an seinen Namen; verkündigt sein Tun unter den Völkern“ (Ps 105,1). „Ich will dir danken unter den Völkern, ich will dir lobsingen unter den Leuten“ (Ps 57,10; 108,4). „Gott sei uns gnädig und segne uns, ... dass man auf Erden erkenne seinen Weg, unter allen Nationen sein Heil“ (Ps 67,2f). „Lobt den Herrn alle Nationen, preist ihn alle Völker“ (Ps 117,1). „Jauchzt Gott alle Lande! Lobsinget zur Ehre seines Namens; rühmt ihn herrlich! ... Lobt ihr Völker, unsern Gott lasst seinen Ruhm weit erschallen“ (Ps 66,1+8). „Aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes. Jauchzt dem Herrn, alle Welt, singet, rühmet, lobet!“ (Ps 98,3f). „Jauchzt dem Herrn, alle Welt. Dienet dem Herrn mit Freuden, kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken!“ (Ps 100,1 f.), ebenso Ps 47,2+9; Ps 86,9f.

Jesaja

Auch das Buch Jesaja hat die gleiche Botschaft: „Macht kund unter den Völkern sein Tun, verkündigt, wie sein Name so hoch ist!“ (Jes 12,4). „Der Herr hat offenbart seinen heiligen Arm vor den Augen der Völker, dass aller Welt Enden sehen das Heil unseres Gottes“ (Jes 52,10f). Vergleiche auch Jes 49,6; 51,4f; 66,19f.

Tempel in Jerusalem

Diesem Zweck diente auch der Tempel in Jerusalem, der „ein Bethaus für ALLE Völker“ (Jes 56,7) sein sollte. Bei seiner Einweihung betete König Salomo: „Auch wenn ein Fremder, der nicht von deinem Volk Israel ist, aus fernem Lande kommt um deines Namens willen – denn sie werden hören von deinem großen Namen und von deiner mächtigen Hand ... –, wenn er kommt, um zu deinem Hause hin zu beten, so wollest du hören im Himmel ... und alles tun, worum der Fremde dich anruft, auf dass alle Völker auf Erden deinen Namen erkennen, damit auch sie dich fürchten wie dein Volk Israel“ (1Kö 8,41f).

Jona

Gottes Herz für die Völker wird besonders deutlich im Buch Jona (780 v. Chr.): Gott will, dass Gottlose zu ihm umkehren, und er hat viel mehr Mühe mit dem harten Herzen des Propheten Jona als mit der Sünde der Leute in Ninive. Die heidnischen Schiffsleute beten zum Herrn (Jona 1,14ff), selbst der Fisch gehorcht Gott (2,1+11), die Leute in Ninive tun Buße (3,5ff), doch Jona ist ungehorsam und hadert bis zum Ende mit Gott (4,1ff). Das Buch schließt mit den bewegenden Worten Gottes: „Mich sollte nicht jammern Ninive, eine so große Stadt ... die nicht wissen was rechts und links ist?“ (4,11).

Und auch bei Jona kommt deutlich Gottes Rettungsabsicht zum Ausdruck
Und auch bei Jona kommt deutlich Gottes Rettungsabsicht zum Ausdruck

Daniel

Daniel wird nach Babylon verschleppt und steigt dort zum Minister auf. Wegen seines Glaubens wird er in die Löwengrube geworfen und nach seiner übernatürlichen Rettung „ließ der König Darius allen Völkern und Leuten aus so vielen verschiedenen Sprachen auf der ganzen Erde schreiben: Das ist mein Befehl, dass man in meinem ganzen Königreich den Gott Daniels fürchten ... soll. Denn er ist der lebendige Gott ... sein Reich ist unvergänglich, und seine Herrschaft hat kein Ende. Er ist ein Retter und Nothelfer, und er tut Zeichen und Wunder im Himmel und auf Erden“ (Dan 6,26ff und Dan 3,17f).

Die Zusammenfassung des AT von Jesus

Nach seiner Auferstehung fasst Jesus das Alte Testament zusammen in den Worten: So steht’s geschrieben, dass (1) Christus leiden wird, (2) am dritten Tag aufersteht von den Toten und (3) dass gepredigt wird in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden unter allen Völkern (Lk 24,44ff). So verstand also Jesus die Botschaft des Alten Testamentes: Die Vergebung und Errettung gilt allen Völkern!

Gottes Ehre und Herrlichkeit

Letztlich basiert der Missionsauftrag auf Gottes Wesen, seiner Ehre und Herrlichkeit, die Anbetung und entsprechendes Handeln von uns erfordert: „Ihr Völker, bringet dar dem Herrn Ehre und Macht ... die Ehre seines Namens“ (Ps 96,7f). Er offenbart seine Herrlichkeit: „Dass alle Welt der Herrlichkeit des Herrn voll werde“ (4Mo 14,21). Wir haben einen einzigartigen Gott, von dem wir weitersagen müssen: „Erzählt unter den Nationen von seiner Herrlichkeit und unter allen Völkern von seinen Wundern“ (1Chr 16,24).

Gottes Treue und Liebe

Gott ist Liebe: „Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte“ (Jer 31,3). Gott ist treu und zuverlässig (5Mo 32,4; Ps 146,6). Er schließt einen Bund (berit) mit Menschen (1Mo 15,18) und legt sich freiwillig fest. Selbst die Untreue des Menschen macht Gottes Treue nicht ungültig. Der Auftrag zur Mission entspringt Gottes Wesen: seiner Liebe, Gnade, Barmherzigkeit und Treue zu allen Menschen weltweit. Es ist seine Mission.

Gottes Handeln in der Geschichte

Gottes Wesen kommt auch in der Schöpfung zum Ausdruck: „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“ (Ps 19,2) – und besonders in der Schaffung des Menschen „zum Bild Gottes“ (1Mo 1,27), d.h. als Gegenüber, Gesprächspartner, Beauftragter und Stellvertreter, der/die nur in der engen Beziehung zu Gott seine Bestimmung und Erfüllung findet: Adam ging mit Gott im Garten Eden spazieren (1Mo 3,8). Nachdem diese enge Gemeinschaft durch die Sünde zerstört worden ist, sucht Gott Adam: „Adam, wo bist du?“ (1Mo 3,9). Und diese Suche Gottes hält an bis heute. Das Alte Testament berichtet von Gottes Rettungsplan und Handeln in der Geschichte, die in der Sendung seines Sohnes in die Welt, dessen stellvertretendem Sterben am Kreuz und seiner Auferstehung ihren Höhepunkt finden. Immer wieder wurden Menschen aus anderen Völkern ins Volk Gottes eingefügt: Tamar, Kaleb, Rahab, Ruth und Batseba. Sie wurden zum großen Segen für viele. Im AT liegt der Schwerpunkt zwar auf dem „Kommen“ zum Gottesvolk, doch zu allen Zeiten wird Gottes Anspruch auf alle Völker deutlich.

Dr. Detlef Blöcher

Gott ist und bleibt der gleiche. Mission fließt aus dem Wesen Gottes. Er alleine ist würdig, von Menschen angebetet zu werden – aus jedem Volk, jeder Kultur und Sprache. Die ganze Welt mit seiner Botschaft und Liebe zu erreichen, ist Gottes zentrales Ziel, im Alten wie im Neuen Testament. Und er beteiligt uns einfache, schwache Menschen daran; Sie und mich. Ist das nicht großartig?

Dr. Detlef Blöcher,
Direktor der DMG

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