Christen gesandt in die Welt

08.04.2014 12:26

Wie geht das konkret?

DMG-Missionar Siegfried Reuter unterwegs im Hochland der Anden. Er leitet die Kinderhilfe Arequipa
DMG-Missionar Siegfried Reuter unterwegs im Hochland der Anden. Er leitet die Kinderhilfe Arequipa

Mission bedeutet, dass Christen in die Welt gesandt sind, um Gottes Liebe weiterzuschenken und von Jesus zu berichten. Dieser große Auftrag entspringt unmittelbar dem Wesen und Willen Gottes. Der lebendige Gott führt ihn aber nicht alleine aus. Er hat seine Gemeinde beauftragt. Sie ist das von Gott gewählte Instrument dafür (Eph. 3,9f; 1. Petr. 2,9). Gott ruft auch Mitarbeiter an einen anderen Ort, und diese Berufung wird von der lokalen Gemeinde durch die Aussendung bestätigt. Darum heißen Missionare auf Griechisch „Apostel“ (Gesandte).

Andererseits arbeiteten Christen im Auslandseinsatz schon in biblischen Zeiten sehr selbständig: Alle strategischen und personellen Entscheidungen wurden im Team vor Ort getroffen (Apg. 13,13; 16,1-3; 16,16ff; 17,14f, 18,5+18ff, Rö. 15,24) und nicht von der Heimatgemeinde. Bereits damals wurde eine sorgfältige Arbeitsteilung zwischen Missionarsteam und sendender Gemeinde praktiziert. Welche spezifische Aufgabe fällt dann der sendenden Gemeinde zu?

Auf den Weg bringen ...

Im Neuen Testament wird dies u. a. durch das griechische Wort „propempo“ ausgedrückt, das im allgemeinen mit „begleiten“ übersetzt wird. Wörtlich heißt es zunächst „mitwandern“, „auf den Weg bringen“, und in dieser ursprünglichen Bedeutung wird es in Apg. 15,3; 20,38 und 21,5 gebraucht. Dieses buchstäbliche Mitlaufen ist mit Schweiß, Mühe und Zeitaufwand verbunden – zumal in der Hitze des Tages im Orient. Herz und Hingabe sind gefordert, um die geistliche Gemeinschaft zu leben.

In weiten Teilen Afrikas ist es noch heute gute Sitte, dass der Hausherr seinen Gast nach einem Besuch abends nach Hause begleitet – es könnten ja ein wildes Tier oder böse Menschen auf dem Weg lauern –, um anschließend den Rückweg alleine anzutreten. Der Gastgeber nimmt das Risiko auf sich, um so seine Wertschätzung für den Besucher zum Ausdruck zu bringen. So dürfen auch wir neu lernen, uns persönlich für Missionare zu engagieren, in ihr Leben und ihren Dienst zu investieren und die Unterstützung nicht nur auf das Gebet oder einen Geldschein zu begrenzen.

Mitgehen ist nicht immer machbar

Gebet ist eine der zentralsten Möglichkeiten, Missionsarbeit zu unterstützen
Gebet hingegen schon!

Oft ist das buchstäbliche Mitgehen nicht möglich, so dass sich bereits damals die erweiterte Bedeutung entwickelt hat: innerlich mitgehen. „Im „Wörterbuch zum Neuen Testament“ von W. Bauer heißt es zu „propempo“: „Zur (Weiter-)Reise ausstatten mit Lebensmitteln, Geld, durch Stellung von Begleitern, Beschaffung von Fahrgelegenheiten usw.“ Auf diese Weise kann der Sendende wenigstens durch materielle, persönliche und logistische Unterstützung zur Weiterfahrt des Gesandten beitragen. Von da aus ist es nur noch ein kleiner Schritt, dass dieses griechische Wort zum theologischen Fachbegriff für das Aussenden und Unterstützen von Missionaren wurde (C. H. Dodd).

In eindrucksvoller Weise kommt diese Bedeutung im 3. Johannesbrief zum Ausdruck. Dieses biblische Buch ist komplett ein Empfehlungsschreiben, durchreisende Missionare aufzunehmen und zu unterstützen: „Es ist gut und richtig, dass du ihnen (den Reisepredigern) alles gibst, was sie für ihre Weiterreise benötigen (propempo) und wie es ihnen als Diener Gottes zusteht, denn sie wagen diese Reisen, um die Botschaft von Jesus Christus zu verkündigen, und wollen auf keinen Fall von Nichtchristen etwas für ihren Lebensunterhalt annehmen. Darum ist es unsere Aufgabe, diese Männer zu unterstützen. So helfen wir mit, dass Gottes Wahrheit weitergetragen wird“ (3. Joh. 6-8 nach: Hoffnung für alle). In diesem engagierten Aufruf wird die enge Verbindung zwischen gesandtem Missionar und seinen Unterstützern deutlich:

Unterstützung, die „würdig vor Gott“ ist

    • Die Unterstützung wird von den christlichen Freunden erwartet („Du handelst treu“, V. 5, „Es ist gut und richtig ...“, V. 6). Sie ist kein außergewöhnliches Extra, sondern gehört zum Wesen und der Bestimmung der Gemeinde.
    • Die Unterstützung soll zudem „würdig vor Gott“ (V. 6) sein, d. h. großzügig bemessen, der Ehre Gottes entsprechend. Missionare sollen nicht nur das Lebensnotwendige erhalten, sondern umfassend ausgestattet werden.
    • Unterstützung wird aber nur von Gläubigen erwartet (V. 7). Andere könnten die Motive von Missionaren missverstehen.
    • Die Unterstützung wird nicht nur auf Mitarbeiter/innen beschränkt, die in der Gemeinde aufgewachsen sind; es sollen auch Fremde („Xenos“, V. 5) unterstützt werden.
    • Sie bezieht sich auch nicht nur auf eine einzelne Person, sondern mehrere (V. 5) und immer wieder neue Personen (V. 6) sollen unterstützt werden. Wir dürfen am Leben und Dienst von vielen Missionaren beteiligt sein.
    • Gajus soll sie sogar an des Apostels statt aufnehmen (V. 9), d. h. mit der Ehre, herzlichen Verbundenheit und Fürsorglichkeit, mit der Gajus den geschätzten Apostel aufnehmen würde.
    • Es ist auch nicht nur ein Spezialauftrag an den „Missionsbeauftragten“ Gajus. Das Wort „aufnehmen“, „hypolambano“ (V. 8) heißt wörtlich „unter die Arme greifen“, und das bedarf der koordinierten Zusammenarbeit mehrerer Personen. Auch die folgenden Verse (9f) machen deutlich, wie sich jeder einzelne daran beteiligen soll. Mission ist der gemeinsame Auftrag und Dienst der ganzen Gemeinde.
    • Im griechischen Grundtext ist das Personalpronomen „wir“ (V. 8) stark betont: „WIR sind verpflichtet, diese Botschafter Jesu zu unterstützen.“ Darum lasst uns nicht auf andere schielen, die mehr haben oder es besser könnten. Es ist unser Auftrag.
    • Es ist ein besonderes Recht der Gemeinde von Jesus, „Gehilfe der Wahrheit“ und Mitarbeiter der Missionare zu sein, Partnerschaft zu üben, und teilzuhaben an Gottes weltweitem Wirken. 

Ausrüsten mit allem

Diese Bedeutung des Wortes „propempo“ finden wir auch in Titus 3,13f: „Zenas, den Rechtsgelehrten, und Apollos rüste gut aus zur Reise (propempo), damit ihnen nichts fehlt. Lass aber die Unseren lernen, sich hervorzutun mit guten Werken, wo sie nötig sind, damit sie kein fruchtloses Leben führen.“ Ausrüsten mit allem, was Missionare brauchen, nicht nur mit einigem wenigem, und es soll mit Eifer geschehen, d.h. eilig und eifrig. Fritz Rienecker legt das Wort aus: „... dass du dir Mühe gebest, alles was dazu helfen kann, zu versorgen.“ Sich Mühe geben, Phantasie und Kreativität walten lassen – alles nur Erdenkliche dazu beitragen, dass ihnen heute und morgen nichts fehlt. Dies ist nicht nur der Auftrag an Titus selbst, sondern er soll „die Unseren“, d.h. die ganze Gemeinde lehren und anleiten, mit Hand anzulegen und zu helfen, wo es nötig ist. So finden sie als Gemeinde ein fruchtbares, erfülltes Leben und werden ihrer Bestimmung gerecht.

Kürzlich bedankte sich ein engagierter Gemeindeleiter überschwänglich bei uns, dass wir ihn vor 8 Jahren sehr ermutigt hatten, einen Missionar auszusenden. Damals kämpfte diese kleine Gemeinde ums Überleben. Sie beschlossen, trotzdem einen DMG-Missionar auszusenden und finanziell großzügig zu unterstützen. Heute geht es der Gemeinde deutlich besser und sie wächst. Der Leiter erklärte es mit folgenden Worten: „Ihr habt uns damals Mut gemacht und betont: ‚Eine Gemeinde, die einen Missionar aussendet, wird von Gott gesegnet!’ Das stimmt, Gott hat uns wirklich reich beschenkt!“

Der Missionar braucht ein Boxenteam

Missionare praktisch und finanziell unterstützen ist biblisch
Von zu Hause aus mithelfen

In seinem Kommentar zum Titusbrief (Hänssler-Verlag) formuliert Fritz Grünzweig: „Hier wird deutlich, dass zur Fruchtbarkeit der Gemeinde auch heute gehört, Missionare in Fern und Nah mit Fürbitte und entsprechender Versorgung zu ‚tragen’. Wer nicht selber ausreisen kann, soll auf diese Weise mithelfen.“ In unserem Faltblatt “100 kreative Ideen …“ sind zahlreiche Möglichkeiten vorgestellt, wie wir von zu Hause aus wesentlich am Dienst der Mitarbeiter/innen in aller Welt beteiligt sein können.

So entspricht die Aussendung durch eine Gemeinde und die finanzielle und persönliche Unterstützung durch einen Freundeskreis der biblischen Lehre und dem gelebten Beispiel im Neuen Testament. Die ganze christliche Gemeinde – und nicht eine spezielle Organisation – trägt die geistliche Verantwortung für Mission und ist mit der persönlichen und finanziellen Versorgung der Mitarbeiter in anderen Ländern und Kulturen beauftragt. Diese Verantwortung kann nicht an Spezialisten delegiert werden. In der konkreten Ausführung ihres Auftrags und der Betreuung ihrer Mitarbeiter im Ausland kann eine Gemeinde sich die Erfahrung von Missionswerken zunutze machen. Hier sehen wir unsere Aufgabe als DMG, als Partner und Helfer für Gemeinden, die ihre Weltverantwortung wahrnehmen wollen. Miteinander wollen wir lernen, uns dem großen Auftrag zu stellen und diesen praktisch umzusetzen: vor der Haustür und bis ans Ende der Welt. Mitarbeiter/innen und sendende Gemeinde brauchen Gottvertrauen und Glaubensmut, um miteinander zu wachsen, Verbindlichkeit zu leben und Erfahrungen mit unserem treuen Herrn zu machen.

Missionsleiter Dr. Detlef Blöcher
Dr. Detlef Blöcher

Dadurch erhalten wir wesentlichen Anteil am Dienst in aller Welt. So praktizieren wir miteinander „propempo“, gelebte Partnerschaft, haben Teil am Leben der Mitarbeiter und an Gottes weltweitem Wirken zur Verherrlichung seines Namens. Wollen Sie sich mit einbringen in Gottes großen Auftrag?

Dr. Detlef Blöcher,
Direktor der DMG

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