Ruf doch mal an ... ist biblisch

03.04.2014 14:21

Warum Gebet so wichtig ist

Es gibt wohl kaum einen Menschen, der noch nie gebetet hat. Irgendwann, irgendwie, irgendwo stieß er einen Stoßseufzer aus, schrie aus tiefer Not, ein Angstschrei des Herzens. Im erdbebengeschüttelten Chile sagte mir ein Pastor: „Spätestens nach einem starken Erdbeben gibt es keine Atheisten mehr!“

Die meisten Christen sind überzeugt, dass Gebet notwendig und wichtig ist. Aber wie wenige tun auch das, was sie als wichtig und richtig erkannt haben. Als DMG sind wir überaus dankbar, dass Gott uns so viele treue Beter/innen und Gebetskreise in Gemeinden geschenkt hat. Wir wünschen uns sehr, dass noch mehr junge Christen hinzukommen und sich weitere Missionskreise bilden, damit wir gemeinsam mit weltweitem Horizont Gott für seine großen Taten preisen, die Brennpunkte unserer Welt vor ihn bringen und Großes von ihm erbitten. Jesus lehrte immer wieder, dass wir Gott stets frei bitten sollen (Lukas 18,1). Er bestätigte, dass der himmlische Vater auf das „Rufen seiner Kinder“ eingeht.

Weil Gott rund um die Uhr Sprechstunde hat

Wie oft müssen wir dringende Telefongespräche zurückstellen, weil es zu spät ist oder das Büro nicht mehr besetzt ist. Vielleicht tönt am Hörer nur die monotone Stimme des Anrufbeantworters. Gott aber „schläft und schlummert nicht“ (Psalm 121,4). Seine Kinder können ihn Tag und Nacht ansprechen. Er hat keinen Anrufbeantworter. Gott selbst ist DER Anrufbeantworter.

 

 

 

 

„Sollte Gott nicht auch Recht schaffen seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm rufen“

 

 

 

Lukas 18,7

Wie gut, dass Gott immer da ist, jederzeit zum Gespräch bereit. Gott wundert sich über unsere Zurückhaltung und Wortlosigkeit. Es ist unbegreiflich, dass selbst engagierte Christen die Hotline zu ihrem himmlischen Vater so wenig nutzen. Es liegt doch ganz in unserem Interesse, sein großzügiges Angebot, uns zu helfen, in Anspruch zu nehmen. Der alte Telekom-Slogan „Ruf doch mal an!“ könnte auch ein biblischer Werbespot sein (siehe Psalm 50,15).

Weil wir immer von Gott abhängig sind

Jesus lehrt seine Nachfolger: „Ohne mich könnt ihr nichts tun!“ (Johannes 15,5). Lehrt uns nicht die Erfahrung, dass wir an unsere menschlichen Grenzen stoßen? Der Mensch bringt zwar viel fertig, aber nicht alles ist menschlich machbar. Gott eröffnet uns die Chance: „Schüttet euer Herz vor ihm aus!“ (Psalm 62,9). Er ermutigt uns zum kindlichen, vertrauensvollen Gebet: „Alles, was ihr bittet im Gebet, so ihr’s glaubt, werdet ihr’s empfangen“ (Matthäus 21,22). Natürlich ist Gebet kein Bestellschein für den himmlischen Lieferanten. Gebet ist auch kein Bittgesuch an den „lieben Gott“. Es ist auch keine fromme Pflichterfüllung zur Beruhigung meines Gewissens. Gebet ist die Gelegenheit besonderer Gemeinschaft mit Gott. Wer betet, redet mit dem lebendigen Gott, stimmt sich auf seinen Willen ein, lässt ihn eingreifen in sein Leben und rechnet mit Gottes aktiver Hilfe in seinem Alltag. Können wir darauf verzichten?

Ein Anruf im rechten Moment kann Leben retten – Telefonzelle in einem brasilianischen Indianerdorf
Auf die Verbindung zu Gott kommt es an

Weil Gott auch heute handelt

Gebet hat immer Priorität. „Am wichtigsten ist, dass die Gemeinde nicht aufhört zu beten. Betet für alle Menschen; bringt eure Bitten, Wünsche, eure Anliegen und euren Dank für sie vor Gott“ (1.Timotheus 2,1). Darum ist nichts dringender und wichtiger als das Gebet. Wer für Gebet keine Zeit hat, vergeudet die beste Zeit. Wem Gebet nicht wichtig ist, der lässt sich von Nebensächlichkeiten bestimmen. Wie leicht fällt auch bei Christen das Gebet unter den Tisch. Wenn Aufgaben drängen, wird zuerst an der Gebetszeit gespart. Statt beten zuerst, heißt es dann: Beten, wenn es noch reicht, wenn ein Augenblick frei ist und nichts anderes drängt.

Wer aufs Beten verzichtet, gleicht einem Autofahrer, der vor einer langen Fahrt aus Zeitmangel aufs Tanken verzichten will. Er kommt nicht weit. Beten ist nie fehl am Platz oder unnötig. Für echtes Beten gibt es kein „Zuviel“ oder „Zuoft“. „Betet allezeit ... und wacht dabei mit aller Ausdauer“ (Epheser 6,18). Eine Umfrage in den USA zur Gebetspraxis in christlichen Gemeinden brachte ein ernüchterndes Resultat. Im Durchschnitt wurde drei Minuten pro Woche für ihren Missionar gebetet. Mir geht es dabei nicht um die Länge der Gebete oder die Zahl der Beter.

Die Frage ist aber: Haben wir Christen die Notwendigkeit und Priorität des Gebets erkannt? Ein altes Lied fasst die Chance des Gebets prägnant zusammen:

Welch ein Freund ist unser Jesus, o wie hoch ist er erhöht! Er hat uns mit Gott versöhnet und vertritt uns im Gebet. Wer mag sagen und ermessen, wieviel Heil verloren geht, wenn wir nicht zu ihm uns wenden und ihn suchen im Gebet!

Weil Gebet einfach das Wichtigste ist

Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf gründete 1722 die Brüdergemeine Herrnhut, die zum Vorbild für viele missionarische Initiativen geworden ist. Graf Zinzendorf legte schon als Jugendlicher großen Nachdruck aufs Gebet. Mit 15 Jahren betete er täglich zweieinhalb Stunden. Während seiner Studienzeit in Halle sammelte er Mitschüler um sich, um gemeinsam zu beten. Er gründete den „Senfkornorden“ mit dem Ziel der „Bekehrung der Heiden“. Von Anfang an legte die Brüdergemeine großen Wert auf Gebet, Bibelstudium und Beichte. In einem Gottesdienst am 13. August 1727 kam Gottes Geist über die Anwesenden, führte in die Umkehr und erneuerte ihre Gemeinschaft. Von da an hielt die Gemeinschaft über 100 Jahre lang eine Gebetskette – Tag und Nacht beteten einige der Gemeindeglieder zusammen. Unter Gebet wurden Mitarbeiter für den weltweiten Einsatz ausgewählt, und es fehlte nie an Freiwilligen. In den ersten hundert Jahren hat diese kleine Gemeinde 1.199 Missionare ausgesandt, versorgt und im Dienst begleitet.

Manfred Bluthardt leitete die DMG von 1991 bis 2000
Manfred Bluthardt

Meist lebten diese unter extremen Bedingungen und Lebensgefahr, doch wussten sie um die treuen Gebete ihrer Glaubensschwestern und -brüder in Herrnhut. Gebet hatte für sie Priorität. Und wenn gebetet wird, dann handelt Gott! Der Missionshistoriker Gustav Warneck vermerkt: „Die kleine Brüdergemeinde hatte in zwei Jahrzehnten mehr Missionen ins Leben gerufen als der ganze Protestantismus in zwei Jahrhunderten.“ Ein faszinierendes Erbe, das verpflichtet und uns herausfordert.

Manfred Bluthardt
(ehem. Direktor der DMG)

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Detlef Garbers

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Detlef Garbers,
Öffentlichkeitsarbeit

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