Aus wenig viel gemacht

06.04.2014 15:20

Wie Gemeinden in Indien ihre Missionare unterstützen

Ein Teil jedes Ackers ist für Mission reserviert
Ein Teil jedes Ackers ist für Mission reserviert

Patrick Johnstone bezeichnet sie als größte evangelische Missionsbewegung unserer Zeit, die Christen in Mizoram, einer abgelegenen Bergregion im Nordosten Indiens. Durch ihre extreme geographische Randlage und eingekeilt zwischen Bangladesh und Myanmar war die Region von der wirtschaftlichen Entwicklung Indiens weitgehend ausgeschlossen.

Darum schreibt der Missionssekretär der Presbyterianischen Gemeinden, Rev. Vanlalhruaia: „Wir Mizos sind arm. Aus unserem Bundesstaat gibt es nichts zu exportieren. Wir haben nur ein Gut, das wir ausführen können und darauf sind wir stolz. Das ist das Evangelium.“ - Und dies tun Mizo-Gemeinden in eindrucksvoller Weise: Alleine die Synode der Presbyterischen Gemeinden hat etwa 1.000 Missionare ausgesandt, und die lokale Gemeinde in Chanmari mit ihren 1.855 Gemeindegliedern hat 120 Missionare ausgesandt und finanziert sie. Bei einer Reise traf ich den Mizo-Missionssekretär Rev. S. Nengzakhup und konnte mich von der beeindruckenden Missionsbewegung selbst überzeugen.

Wie ist es möglich, dass solch arme Gemeinden ihre Mitarbeiter in anderen Kulturen so großzügig unterstützen? Ihre Liebe zu Jesus und das Anliegen für Menschen in Not machen sie außergewöhnlich kreativ – und uns zum Vorbild:

Mit einer Handvoll Reis die Welt verändern:

Von jedem Feld und Garten wird ein Teil des Erlöses gespendet
Ein Teil jeder Ernte gehört Gott
  1. Gemüsegärten: Viele Gemeinden legen einen Gemeindegarten an und pflanzen Gemüse, Bananen, Orangen, Weintrauben, Ingwer, Reis oder Teakholzbäume an. Gemeindeglieder arbeiten freiwillig im Garten; und der gesamte Gewinn geht in die Mission.

  2. Hühnerhaltung: Farmer halten zu ihren Hühnern noch einige weitere (markierte) Tiere, und der Verkauf von ihren Eiern und Fleisch kommt ihren entsandten Mitarbeitern zugute.

  3. Teil des Feldes: Bauern widmen einen Teil ihres Feldes Gott, und dessen ganzer Ertrag geht in die Gemeindekasse.

  4. Feuerholz sammeln: Frauen sammeln im Wald Feuerholz oder Stroh auf brachen Feldern und tragen es zu einem Lagerplatz am Eingang des Dorfes. Von Zeit zu Zeit wird es verkauft.

  5. Krabben und Schnecken sammeln: Frauen suchen am Flussufer Krabben und Schnecken und verkaufen diese Delikatessen auf dem Markt.

  6. Marktstand: Gemeinden führen einen Tee- oder Verkaufsstand auf dem Wochenmarkt, und der ganze Erlös geht in die Mission.

  7. Großhandelseinkauf: Gemeindeglieder kaufen Handelsware in großen Mengen ein (z.B. Sack Salz oder Schlachtvieh) und verkaufen es in kleinen Portionen mit Gewinn für die Mission.

  8. Lohnarbeit: Gemeindeglieder sammeln Steine, machen Schreinerarbeiten, Stickereien ... und stiften den Lohn.

  9. Mieteinnahmen: Im Gemeindehaus wird ein Laden oder eine Wohnung eingerichtet, und die Mieteinnahmen gehen in die Missionskasse. Zudem schränken sich Gemeindeglieder räumlich ein und vermieten ein Zimmer ihrer Wohnung für diesen Zweck.

  10. Gehaltsanteil für Sonntag: Beamte und Angestellte stiften den siebten Teil ihres Gehaltes, da sie „ja am Sonntag Gehalt bekommen ohne dafür zu arbeiten“.

  11. Kleindarlehen: Gemeindeglieder erhalten einen kleinen Geldbetrag von 5 bis 100 Rupien, handeln mit diesem und der Gewinn geht in die Mission.

  12. Festessen: Familien verzichten auf Weihnachtsfestessen und Geschenke und geben den Betrag.

  13. Imaginäre Reise: In Gedanken besuchen sie ihren Missionar im Einsatzland, berechnen die Kosten für Reise, Unterkunft und Verpflegung. Oder sie laden ihn in Gedanken zu sich nach Hause ein und spenden die Fahrt- und Bewirtungskosten.

  14. Kurzeinsatz: Gemeindeglieder machen einen Kurzeinsatz bei ihrem entsandten Mitarbeiter und helfen beim Bau seines Hauses, einer Schule oder Kirche. So können sie praktisch ihre Gaben einbringen und gleichzeitig wächst die persönliche Verbundenheit mit ihm.

  15. Sammelbüchsen: Gemeindeglieder gehen mit Sammelbüchsen von Haus zu Haus.

  16. Fastentag: Viele Mizos fasten einen Tag in der Woche und spenden den eingesparten Betrag.

  17. Häuptlingsanteil: Früher bekam der Dorfchef ein Viertel vom Fleisch eines gejagten Tieres. Heute wird dieser Anteil gestiftet.

  18. Eine Handvoll Reis: Vor dem Zubereiten einer Mahlzeit greift eine Hausfrau zunächst in die Reisschüssel und legt eine Handvoll Reis beiseite für ihre Missionare. So sparen sie sich die Versorgung dieser Mitarbeiter buchstäblich vom Munde ab.

Es sind vor allem diese einfachen, doch genialen Ideen, die diese Missionsbewegung auszeichnen – Familien und Gemeinden wetteifern sogar, möglichst viel spenden zu können.

Kleine christliche Gemeinde in Indien
Kleine christliche Gemeinde in Indien

Günstige Umstände

Zu dieser eindrucksvollen Entwicklung hat sicher auch beigetragen, dass die ersten Missionare James Lorrain und Fredrick Savidge, die ab 1894 das Evangelium in Mizoram verkündigten, schon früh die Verantwortung für die entstehenden Gemeinden, Schulen und Evangelisationseinsätze in einheimische Hände übergaben. Bereits 1953 wurde ein einheimisches Missionskomitee gegründet und 1961 zu einer Missionsgesellschaft (SBM) erweitert. Mizoram war bis vor kurzem ein militärischer Sperrbezirk, zu dem Ausländer keinen Zugang hatten, und die Gemeinden mussten ganz auf eigenen Füßen stehen. Zudem gab es seit 1906 einige Erweckungen, durch die etliche Christen geworden sind und sich gegenseitig ermutigen konnten.

Außerdem knüpften sie an traditionelle Werte ihrer Kultur an, wie Menschen in Not zu helfen, Gutes zu tun und großzügig zu teilen, ja sogar darum zu wetteifern, sowie der relativ hohe Bildungsstand (Schulen wurden durch die Missionare eingeführt), die gute theologische Schulung in Gemeinden, die Betonung von Laienpredigern, von Gottes Liebe, Gebet, eigenen Liedern, die konkrete Erwartung der Wiederkunft von Jesus und die Dankbarkeit für die Errettung in Jesus Christus.

Armut ist kein Hindernis

Diese günstigen Faktoren sollen aber nicht das eindrucksvolle Beispiel der Mizo-Gemeinden schmälern, sondern gerade unterstreichen. Trotz Armut und Mangel engagieren sie sich beispielhaft in der Welt. Pastor Nengzakhup schreibt dazu: „Wir Mizos haben niemals unsere Armut als Entschuldigung angesehen, uns nicht an Mission zu beteiligen. Wenn die Gemeinde in Jerusalem auf ihre Armut geschaut und daraus geschlossen hätte, dass sie keine Mitarbeiter aussenden könnte, dann wäre das Evangelium nie aus dieser Stadt herausgekommen... Es ist nicht der Überfluss, sondern die Hingabe und Dankbarkeit gegenüber Gott, die die Mizos treibt – ihren Enthusiasmus und ihre aktive Mitarbeit erhält.“ Und er folgert: „Jede Gemeinde kann eine Missionskirche sein, unabhängig von ihrer wirtschaftlichen Situation. Armut ist kein Hindernis, daran beteiligt zu sein. Das ist biblisch. Auch wenn Geld eine wichtige Rolle spielt, ist es nicht der größte Mangel.“

Wenn dies für arme Gemeinden in Asien, Afrika und Lateinamerika gilt, wie viel mehr für uns in Europa. Der lebendige Gott hat uns so viel anvertraut an materiellen Dingen, an Phantasie und Kreativität, um damit Völker zu segnen und Menschen in Not zu helfen! Dazu hat er uns in diese Welt gestellt. Das Beispiel der Christen in Nordindien soll uns anspornen, denn die Nöte in der Welt und der Bedarf an Mitarbeitern aus Europa sind immens.

Dr. Detlef Blöcher, Direktor der DMG
Dr. Detlef Blöcher

Das Vorbild der Christen in Indien lädt ein und fordert uns heraus, uns mit unseren Gaben, Mitteln und Möglichkeiten ganz dem Herrn zur Verfügung zu stellen, um gute Verwalter dessen zu sein, was Gott uns anvertraut hat. Sind Sie dabei?

Dr. Detlef Blöcher,
Direktor der DMG

 

 

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