Aber die sind doch schon Christen!?

05.04.2014 12:23

Mission in Europa

Nicht Religion oder Frömmigkeit und auch nicht der Glaube an „den einen Gott“ rettet aus Sünde und Tod (Jak 2,19)
Nicht Religion oder Frömmigkeit und auch nicht der Glaube an „den einen Gott“ rettet

Europa gilt traditionell als christlicher Kontinent, in dem sich auch heute noch die Mehrheit der Menschen als Christen versteht. Aus Irland kamen doch die Missionare, die vor 1.500 Jahren Mitteleuropa evangelisierten. Und gehörten nicht Griechenland und Italien zu den ersten Zentren der Kirche? Gibt es noch Bedarf an Mission in Europa, fragen manche Zeitgenossen.

Nur Jesus rettet

Jesus jedoch lehrte klar, dass nicht christliche Tradition rettet, sondern nur der persönliche Glaube:

Wer an den Sohn Gottes glaubt, der hat das ewige Leben. Wer aber nicht auf ihn hört, wird nie zum Leben gelangen, sondern Gottes Zorn wird für immer auf ihm lasten“ (Jo 3,36; vgl. Jo 3,18; 1Jo 5,12)

Nicht Religion oder Frömmigkeit und auch nicht der Glaube an „den einen Gott“ rettet aus Sünde und Tod (Jak 2,19), sondern nur Jesus. Das bekennt Petrus vor dem Hohen Rat der Juden (die den wahren Gott Jahweh kannten und verehrten): „Jesus Christus und sonst niemand kann die Rettung bringen“ (Apg 4,12). Nur Jesus rettet, keine Kirchenzugehörigkeit oder Tradition. Darum muss das Evangelium überall verkündigt werden, auch in Europa.

Persönlicher Glaube an Jesus

Glauben leben und bezeugen
Glauben leben und bezeugen

Wer an Jesus glaubt, der hat das ewige Leben (Jo 3,18; 3,36). Ein sachliches Anerkennen von religiösen Wahrheiten oder Inanspruchnehmen von Sakramenten reicht nicht aus. Die Bibel warnt die Gottesfürchtigen, ihre Zugehörigkeit zum Volk Gottes als Heilsgarantie zu sehen (Mt 3,9; Röm 2,28). Menschen werden sogar im Namen von Jesus weissagen, Dämonen austreiben und Wunder vollbringen – und doch kennt Jesus sie nicht, und sie sind verurteilt (Mt 7,22; 24,5). Nicht die Zugehörigkeit zu einer Kirche öffnet die Tür zu Gott, sondern nur die persönliche Beziehung zu Jesus. Er ist der Retter. Diese Botschaft gilt es auch unter Menschen zu verkündigen, die sich als Christen verstehen.

Eine lebendige Freundschaft zu Gott

Glauben heißt vertrauen. Darum hat Mission nichts zu tun mit Zwang oder Proselytieren. Sie will nicht Menschen zu einem Wechsel ihrer Religion oder Kirche bewegen, schon gar nicht durch Manipulation und Überredung. Es ist nicht das Ziel, Katholiken zu Evangelischen zu machen, orthodoxe Christen zu Baptisten oder Mitglieder von Landeskirchen zu Freikirchlern - Menschen sollen vielmehr Jesus-Nachfolger werden: mit Jesus im Alltag zu leben, der ihnen ein erfülltes Leben schenkt und sie zum Segen für ihre Umgebung setzt. Diese Botschaft gilt für Lutheraner in Island genauso wie für Katholiken in Spanien, Orthodoxe in Griechenland und Baptisten in Deutschland. Solange es noch Menschen gibt, die Jesus Christus noch nicht persönlich kennen, ist Mission weiter nötig - gerade auch in Europa.

Vielfalt von Gemeinden

Jede christliche Gemeinde hat ihre eigene Prägung, Gottesdienstformen, Frömmigkeitsstil und theologischen Besonderheiten. Für manche ist der eine Stil sehr geeignet, für andere jedoch eine andere Form. Nicht jede Gemeinde ist die richtige für jede Person. Darum braucht es verschiedene lokale Gemeinden in Ergänzung zu anderen, damit alle Menschen in ihrer Verschiedenheit ein Zuhause finden. Nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung.

Kein Alleinvertretungsanspruch

Mission wird stets den persönlichen Glauben von Menschen ernst nehmen, christliche Kirchen vor Ort beachten und die Möglichkeit einer Zusammenarbeit mit ihnen ausloten. Bestehende Kirchen können aber kein Monopol für ihre geographische Region beanspruchen, als hätten sie das Alleinvertretungsrecht für die Verkündigung des Evangeliums – insbesondere wenn sie das Evangelium nicht zu den Menschen auf der Straße tragen und ihnen zu einer lebendigen Beziehung zu Gott verhelfen. Menschen sind auf dem Weg zu ewiger Verlorenheit. Sie brauchen die Erlösung in Jesus Christus.

Europa wird zunehmend atheistisch

Europa hat sich weit entfernt von seinen christlichen Wurzeln und frönt heute dem Materialismus, Individualismus, Agnostizismus und der Selbstverwirklichung. Glaube ist Privatsache geworden, eine Sache persönlicher Präferenzen – mit drastischen Auswirkungen auf unsere Gesellschaft. Gottes Gebote werden mit Füßen getreten, und altgermanisches Heidentum wiedererweckt. Man frage nur einmal auf der Straße nach der Bedeutung von Ostern oder einer biblischen Gestalt – manche Antworten sind haarsträubend und zeigen, wie wenig die Menschen noch über die Bibel wissen. In Leipzig gehört nicht einmal mehr jeder Zehnte einer christlichen Kirche an – Christen sind eine Minderheit geworden in Europa. In Politik und Medien werden sie kaum noch wahrgenommen. Europa ist zum Missionsgebiet geworden.

Volkskirchentum

Zudem beteiligt sich nur noch eine kleine Minderheit der Kirchenmitglieder aktiv am Leben ihrer Gemeinde. Der Gottesdienstbesuch in Deutschland bewegt sich bei vier Prozent der ev. Kirchenmitglieder und sechs Prozent der römisch-katholischen. Christsein beschränkt sich vielfach auf Weihnachten, Taufe, Hochzeit und Beerdigung; kirchliches Leben ist nicht selten zur Tradition erstarrt. Bibellesen und persönliches Gebet wird kaum praktiziert; Glaube hat im Alltag wenig Bedeutung. Europa ist zum geistlichen Notstandsgebiet geworden. Darum ist Mission heute gefragt.

Eines der bedürftigsten Missionsgebiete

Die Zahl der bibelgläubigen Christen ist in Europa besonders gering. Jason Mandryk (Operation World, Biblica Publishing 2010) gibt folgenden Prozentsatz für engagierte (evangelikale) Christen an: Montenegro 0,05%, Bosnien 0,07%, Slowenien 0,09%, Mazedonien 0,2%, Polen 0,25 %, Griechenland 0,4%, Kroatien 0,4 %, Luxemburg 0,5 %, Österreich 0,5 %, Serbien 0,6%, Frankreich 1,0 %, Spanien 1,0 %, Italien 1,1 %. Nach den streng islamischen und einigen asiatischen Ländern sind dies die niedrigsten Werte weltweit – viel geringer als in klassischen Missionsländern wie Kenia 49 %, Chile 18 %, Uganda 37 %, Guatemala 24 %, Papua-Neuguinea 26 % oder Brasilien 26 %. Es wird deutlich, wie wenige bewusste Christen es in Europa gibt. In Deutschland (2,1 %) ist ihre Zahl bereits gering – doch noch viel geringer in etlichen Nachbarländern, so dass die Gemeinden dort dringend Unterstützung brauchen.

Eines der schwierigsten Missionsgebiete

Viele Menschen in Europa haben wenig Interesse an geistlichen Fragen. Sie scheinen immunisiert gegen das Evangelium, sodass Mission meist ein mühevolles Ringen um Einzelne ist, sie in Liebe und Geduld zu begleiten. Da gibt es keine großartigen Erfolge. Europa ist heute eines der schwierigsten Missionsgebiete weltweit

Institutionalisierung des Christentums

Zu dieser geistlichen Armut hat sicher auch beigetragen, dass das Evangelium im frühen Mittelalter besonderen Fachleuten (Priester, Mönche, Theologen) anvertraut wurde, um es vor Missbrauch zu schützen. Dadurch wurde es den Menschen weggenommen und in starre Strukturen gegossen. Dies führte zu geistlicher Unmündigkeit vieler Christen – im krassen Gegensatz zur Lehre von Jesus, dass das Evangelium den einfachen Menschen gehört (Mt 11,25; 1. Kor 2,7) und selbst die Kinder es verstehen können (Mt 18,2f; 19,14). Gottes Geist hat zwar immer wieder Erweckungen geschenkt, doch in vielen Regionen Europas ist das geistliche Leben erstorben und bedarf der Erneuerung.

Simon Gruber arbeitet als Evangelist in einem Hirtenvolk in Uganda
Simon Gruber arbeitet als Evangelist in einem Hirtenvolk in Uganda

Mission vor der Haustür

Europa hat heute eine große kulturelle Vielfalt gewonnen: Unsere Städte sind zur Heimat für Menschen aus vielen Ländern geworden. In unserer Nachbarschaft leben afrikanische Asylbewerber, türkische Gastarbeiter, chinesische Studenten, arabische Geschäftsleute, philippinische Krankenschwestern, indische Computerexperten … Manche kommen als engagierte Christen und stellen eine große Bereicherung für unsere Gemeinden dar, andere haben in ihrer Heimat noch nie das Evangelium gehört. Mission vor der Haustür, mitten im Herzen Europas. Was für eine Gelegenheit!

Macht zu Jüngern

Im Zentrum des Missionsauftrags steht das „macht zu Jüngern“ von Jesus! (Mt 28,18-20). Dies umfasst viel mehr als Gottesdienstbesuch und Teilnahme am Gemeindeleben. Es heißt, Jesus Herr sein zu lassen im Alltag, alle Lebensbereiche unter seine Leitung zu stellen (Jo 10,14 & 27) und eine innige Beziehung zu ihm zu pflegen (Jo 15,5). Weiter heißt es: „lehret sie halten alles, was ich (Jesus) euch befohlen habe“ (Mt 28,19). Darum ist Mission viel mehr als eine Einladung zum Glauben an Jesus.

Mehr als Evangelisation

Jesus liegt seine Gemeinde besonders am Herzen (Mt 16,18; Jo 17,20f), die Gemeinschaft von gläubigen Christen ist ein Zeichen seiner erlösenden, neuschaffenden Kraft. Alle Jesus-Nachfolger sollen darin ihre ganz besondere Rolle und Aufgabe finden, mit ihren Gaben dienen und die Ergänzung und Ermutigung durch andere erfahren (1Kor 12, Rö 12; Eph 4). Nur in einer lebendigen, verbindlichen Gemeinschaft kann sich unser Glaube voll entwickeln. Ein privates Christsein außerhalb der Gemeinde gibt es nicht. Solange sie nicht erwachsen ist und ein Segen für ihre Stadt darstellt, bedarf es der Mission.

Mission von überall nach überall

Mission ist keine Einbahnstraße von Westeuropa nach Afrika, sondern eine weltweite Partnerschaft (Rö 1,11; 15,24). Gemeinden helfen sich gegenseitig, um authentisch und fruchtbar ihren Glauben zu leben. So brauchen wir in Deutschland afrikanische Evangelisten, koreanische Bibellehrer, brasilianische Studentenmissionare und amerikanische Gemeindegründer, etc. Sie alle sollen am Bau der Gemeinden in Europa beteiligt sein.

Dr. Detlef Blöcher, Direktor der DMG
Dr. Detlef Blöcher

RE-Missionierung Europas: Die Notwendigkeit von Mission in Europa wird von Christen in vielen Ländern erkannt. Gemeinden aus Südkorea beispielsweise haben bereits mehr als 300 ev. Missionare nach Deutschland entsandt. Unser Land stellt damit eine ihrer höchsten Prioritäten dar. Die Remissionierung Europas wird als eine der großen Herausforderungen der Weltmission im 21. Jahrhundert erkannt. Folgen wir ihrem Beispiel? Jesus sagt: Geht hin in alle Welt. Dazu gehört auch Europa, eines der bedürftigsten und schwierigsten Missionsgebiete unserer Zeit. Jesus baut seine Gemeinde – auch hier – und er gebraucht dazu Botschafter aus Fleisch und Blut, Menschen die sich ihm zur Verfügung stellen. Menschen wie Sie und ich. ER ist der Herr der Mission, und Mission ist sein Herzensanliegen.

Dr. Detlef Blöcher,
Direktor der DMG

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